Karsamstag

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Fast jeder Haushalt zwischen Schladming, Lassing und Admont und überhaupt jede Familie, die Bräuche pflegt, schickt am Karsamstag einen Vertreter zur österreichischen Speisenweihe in die heimische Pfarrkirche.

Allgemein

Zu Ostern wird in der christlichen Liturgie die Auferstehung Jesu gefeiert. Nach der Fastenzeit und der Karwoche werden nun festliche Speisen bereitet. Meist am Karsamstag am späteren Nachmittag werden die Speisen „geweiht“. Bei uns im Ennstal miss die Weihbutter in Form von Butterlämmern oder Butterhennen als besondere Form erwähnt werden. Diese Gebilde wurden früher auf den Weihkorb gesetzt. Heute zieren vielfach kunstvoll bemalte Eier und Blumengebinde diesen Weihkorb. Der Weihkorb im oberen Ennstal (Oberland) „Wie(c)hfaschtl“ und im mittleren Ennstal „Wie(c)hfachtl“ genannt, wird mit einem schönem „Deckerl“ mit Kreuzstichmuster abgedeckt.

Weichfaschtl oder Weihkörbl

In das sogenannte „Weichfaschtl“ oder „Weihkörbl“ werden vorher zusammen mit den Antlasseiern ganz bestimmte Speisen verpackt: Geselchtes, Weihbrot(=Weißbrot), Bratl, Salz für Mensch und Tier, Kren, Butter als Henne geformt oder im ganzen Stück mit einem Modelaufdruck, fallweise auch Zunge, Speck, Rindfleisch, Käse und Aufschnitt.

Dazu kommen noch auf einigen Bauernhöfen etwas Hühnerfutter und Viehfutter in kleinen Säckchen. Darüber wird eine eigens gestickte Weihdecke gelegt und noch mit Immergrün, Buchsbaum oder frischen Blumen, die es um diese Zeit gibt, verziert.

Nach der Speiseweihe tragen die Frauen oder Kinder die Körbe nach Hause, wo daraus oft schon das Nachtmahl hergerichtet wird. In vielen Familien ist es auch der Brauch, die geweihten Speisen erst nach der Auferstehung oder überhaupt erst am Ostermorgen zu essen .Diese zeitlichen Unterschiede sind nicht an eine Ortschaft gebunden, sondern von Haus zu Haus verschieden.

Essensturm

Eine Besonderheit wurde dabei am Mitterberg und von der Familie Dunner vlg. Hirz in Niederöblarn genau beschrieben: Hier bilden die Hausfreuen mit den geweihten Speisen jeweils einen „Essensturm“. In eine große Schüssel werden die Zutaten schichtweise gelegt, zuerst das Brot, die Butter, das Geselchte, der Kren usw. Zuletzt wird alles mundgerecht geschnitten und jeder am Tisch kann mit seiner Gabel von dem geweihten Essen herunternehmen, so oft er will und so lange es ihm schmeckt. Das gemeinsame Essen aus einer Schüssel soll dabei auch die Zusammengehörigkeit für die Familien symbolisieren.

Weihscheitl

Das Weihscheitl tragen ist ein Brauch, der sehr zurück gegangen ist. Wegen der überall verwendeten Heizungen gibt es in vielen Häusern keine Küchenherde mehr, in denen ein Feuer entzündet werden könnte. In jedem Ort sind es daher nur mehr einige Männer, die mit den Weihscheitln zur Feuerweihe vor das Kirchenportal kommen. An einer Langen Stange haben sie vorher drei bis fünf Scheite aus verschiedenen Harthölzern mit Draht an einem Ring befestigt. Diese beweglichen Scheiteln lassen sie nun nach der Feuerweihe in der Glut anbrennen und tragen sie anschließend nach Hause. Hier werden je ein Scheit auf das Feld gelegt, eines kommt an die Hüttenwand und eines in den Herd zum Anzünden des neuen Feuers und eines dient zum Entfachen des Osterfeuers. Heute bringen mehr Leute eine kleine Laterne zur Feuerweihe mit und entzünden an dem geweihten Feuer ihre Kerze, mit denen sie dann daheim die Osterkerze anzünden. Der Priester weiht vor der Auferstehungsfeier auch das neue Taufwasser und die Osterkerzen, mit denen die Gläubigen dann in die dunkle Kirche einziehen, die erst während der Auferstehungsfeier wieder in hellem Licht erstrahlt. Von den Älteren und Bildern wurden bereits alle violetten und blauen Tücher entfernt, die Glocken sind wieder da und verkünden laut die Auferstehung Christi.

Osterfeuer

Nach der Feier in der Kirche werden auf sehr vielen Höfen, von verschiedenen Vereinen wie der Landjugend oder den Pfadfindergruppen oder von ganzen Dorfgemeinschaften die Osterfeuer in den verschiedensten Größen entzündet. Dabei gibt es ein geselliges Beisammensein. An manchen Feuern wird zuerst gebetet und anschließend gesungen, ehe es ans Erdäpfelbraten geht. Wichtig ist auch eine Feuerwache, die als christlichen Hintergrund die Erinnerung an den hl. Petrus hat, aber besonders auch der Sicht bis zum völligen Erlöschen des Feuers dient. In einzelnen Orten wie in Lassing werden dazu noch während der ganzen Osternacht Böller abgeschossen.

Seit dem Altertum bis herauf in die Neuzeit werden an bestimmten Tagen des Jahres alle offenen Feuer gelöscht und dann wieder neu entfacht. Diesen Ritus übernahm auch die christliche Kirche und brachte ihn mit dem Tod Christi in Verbindung. Das neu entfachte Osterfeuer soll nach dem Volksglauben Segen bringen und Unheil fernhalten.

Quelle


Ein Beitrag im Rahmen des Leader-Projekts "Heimatkunde - heimatkundig"
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