Fritz Kasparek
Fritz Kasparek (* 3. Juli 1910 in Wien; † 6. Juni 1954 am Salcantay, Peru) war ein österreichischer Alpinist.
Leben
Kasparek wurde in eine Wiener Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater Franz war Silberarbeiter, seine Mutter Karoline Hausbesorgerin. Er absolvierte eine Ausbildung zum Schlossergesellen. Erste Klettererfahrungen sammelte er am Peilstein und im Gesäuse, später trat er den Naturfreunden bei. Nach der Auflösung des Vereins 1934 soll er Eduard Rabofsky zufolge Antifaschisten über die Berge nach Frankreich geholfen haben, die nach Spanien fliehen wollten.
In den 1920er und 1930er Jahren hatten Bergsteiger aus Arbeiterkreisen keine großen Möglichkeiten, Bergfahrten in aller Welt zu unternehmen. Sie fuhren mit dem Fahrrad zu ihren Bergzielen bis in die Westalpen und versuchten das Schwierigste auch unter extremen Bedingungen zu bewältigen. So beging Kasparek als einer der Pioniere schwieriger Winterbesteigungen im Februar 1938 zusammen mit Sepp Brunhuber erstmals die Comici-Führe in der Nordwand der Großen Zinne (die Cima Grande, die mittlere der Drei Zinnen in den Dolomiten) bei 20 Grad unter Null. Es war die erste Winterbegehung einer Führe im VI. Grad überhaupt. Diese und andere Extremtouren galten der Vorbereitung für ihr großes Ziel, die Eiger-Nordwand.
Vom 21. bis 24. Juli 1938 durchkletterten Kasparek und Heinrich Harrer (Brunhuber war verhindert) zusammen mit der Münchner Seilschaft Anderl Heckmair und Ludwig Vörg als Erste die Wand des Eigers. Die Ereignisse hielt Kasparek im Buch "Ein Bergsteiger" fest, das in den ersten Auflagen 1939 und 1940 noch Passagen enthielt, die den Kampf des "deutschen Volkes und dessen nationalen Auftriebs" beschrieben. Nach dem Krieg, ab der dritten Auflage von 1951, fehlen diese Passagen.
Kasparek war 1938 der SS beigetreten und brachte es bis zum 1. März 1944 zum SS-Oberscharführer. Nach dem Krieg wurde er als Belasteter geführt und schlug eine Karriere als Kaufmann ein. Im Unterschied dazu konnte Heinrich Harrer seine frühen Beziehungen zum Nationalsozialismus bis 1997 verborgen halten, auch weil er erst spät nach dem Krieg (1952) von seinem Tibet-Aufenthalt zurückkam.
Ende April 1954 reiste Kasparek als Leiter der österreichischen Andenexpedition nach Peru. Am 6. Juni des Jahres kam er beim Versuch, den 6 271 Meter hohen Salcantay zu besteigen, ums Leben, als eine Wechte am Gipfelgrat brach und ihn sowie seinen Seilgefährten, den in Cusco zur Expedition gestoßenen Schweizer Alpinisten Anton Vasenauer, 1 500 Meter tief abstürzen ließ. Karl Ambichl war mit Erich Waschak Zeuge von Fritz Kaspareks Absturz am Salcantay.
An Fritz Kasparek erinnert eine Gedenktafel auf dem Bergsteigerfriedhof Johnsbach im Gesäuse. Im benachbarten Haindlkar steht noch die "Alte" Haindlkarhütte, die zum Lawinenschutz unter einen riesigen Felsblock gebaut wurde. An diesem Hüttenblock ist der "Kasparek-Überhang" noch immer ein Prüfstein für die Kletterelite. Im Jahr 1968 wurde in Wien-Donaustadt (22. Gemeindebezirk) die Kasparekgasse nach ihm benannt.
Quelle
- Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Fritz Kasparek"