Lawinenabgang vom Grimming 1924
Der Lawinenabgang vom Grimming am 8. Februar 1924 war ein Unglück, das drei Menschenleben forderte.
Wetterbedingungen
Der Winter 1923/24 war schneereich und durch den swiki:Föhnsturm[1] kam es zu vermehrten Lawinenabgängen in den Ostalpen, wie auch im Ennstal und dem Salzkammergut.
Am Donnerstag, dem 7. Februar, hatte sich im Gipfelbereich des Multerecks eine gewaltige Staublawine gelöst. Sie legte fast den gesamten Wald vom oberen Ortsende vom Untergrimming bis zur Pürgger Brücke um. Auch die am oberen Ende der Kleinen Klachau verlaufenden Telefon- und Telegraphenleitungen wurden beschädigt.
Unglückshergang
Am 8. Februar waren Arbeiter mit der Reparatur am Lawinenhang beschäftigt, als neuerlich eine Lawine abging und fünf Arbeiter verschüttete: den Arbeiter Franz Pachauer, die Holzknechte Kajwetan Schröfl, Josef Raml und Jakob Seebacher, den Telegraphen-Oberwerksmeister Leonhard Puschban und dessen Gehilfen Josef Bernhard. Einer der Männer bemerkte das Losbrechen der Lawine und warnte die anderen durch Zuruf. Jakob Seebacher konnte sich retten, indem er zur Kapelle in Untergrimming lief. Josef Raml flüchtete aus der Richtung der herabgehenden Lawine, wurde gegen Holzstöcke geschleudert und erlitt dabei nur leichte Verletzungen. Die Arbeiter Puschban, Bernhard und Pachauer konnten nur noch tot geborgen werden.[2] Zur Zahl der Verschütteten gibt es in Zeitungen von damals unterschiedliche Angaben. Allen Berichten gleich ist jedoch die Zahl der Todesopfer (drei).[3]
Augenzeugenbericht
In der Zeitung "Arbeiterwille" vom 16. Februar 1924 wird wie folgt ein Augenzeugenbericht veröffentlicht.
Inmitten der über einen Kilometer breiten Masse von harten Lawinenschnee stand der Wegeräumer, der an der halben Lärche arbeitete, die ihm kurz vor den Niedergang der Lawine so zu schaffen machte, daß er nach Hause mußte, um eine Leiter und Hacke zu holen. Kaum war er fort, so hörte er schon das Zischen des Windes und das Krachen des unter den Luftdruck der von 1500 Meter Höhe steil herabsausenden Schneemassen zusammenbrechenden Waldes. Der aufgewirbelte Staub verfinsterte sogar noch jenseits des tiefen Grabens hoch oben die Häuser von Wörschachwald. Schnell kamen von allen Seiten die Retter und es gelang wirklich, einen sechzigjährigen Mann lebend auszugraben. Er hatte sich mit den beiden Telegraphenwerksmeistern gerade vor der Lawine unter einer großen Lärchenwurzel gedeckt. Die Wurzel wurde jedoch von der Schneemasse weitergeschoben und alle drei Personen begraben. Eine davon wurde zuunterst liegend erstickt, der zweiten durch einen Baum das Genick gebrochen und die dritte dadurch vor den Ersticken bewahrt ,das ein halb niedergebrochener Baum unter sich im Bruchwinkel einen genügenden Luftraum schuf.
Als der alte Mann nach fünfstündiger Nacht unter den Eise den Kopf frei bekam, fragte er zu seinen ihn im Kreise umstehenden Rettern beinahe verzweifelt: "Was tut Ihr alle da bei mir?" Einer antwortete: "Na, frische Luft haben wir dir halt verschafft." Da erst begriff der Sechzigjährige erst seine Lage und dankte, bat aber, nun auch seine Hände und Füße, die erstarrt und unbeweglich waren, zu befreien. Kein Glied war ihm gefroren, da die dichte Schneepackung vor Kälte schützte. Die ersten Stunden seiner Gefangenschaft hörte er noch seinen Nachbar stöhnen, dann wurde es ruhig und er dämmerte bis zu seiner Rettung ohne rechtes Bewußtsein.
Quelle
- ANNO, "Arbeiterwille", Ausgabe vom 16. Februar 1924, Seite 7
Fußnote und Einzelnachweis
- ↑ Verlinkung(en) mit "swiki:" beginnend führen zu Artikeln im SALZBURGWIKI, dem Mutterwiki des EnnstalWikis
- ↑ mount-grimming.blogspot.com, abgefragt am 26. Dezember 2025
- ↑ ANNO, "Illustrierte Kronenzeitung", Ausgabe vom 10. Februar 1924, Seite 4