Geschichten aus Alt-Admont: Häuserchronik und andere Geschichten

Aus EnnstalWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geschichten aus Alt-Admont: Häuserchronik und andere Geschichten ist ein Buch von Gymnasialprofessor Dr. Anton Mayr.

Eine Rezension aus dem Jahr 1924

Ein Heimatbuch. (Anton Mayr, Geschichten aus Alt-Admont, Graz, Styria.)

Ein reizendes, anregendes und humorvolles Büchlein, das man mit Vergnügen und Gewinn liest. Von den sechs Abschnitten sind die drei größeren besonders wertvoll. Der erste führt uns in die reiche Tätigkeit des Bildhauers Josef Thaddäus Stammel, der seine volle Schaffenskraft in den Dienst der Ausschmückung des Admonter Münsters, der herrlichen Bibliothek und der Kirche zu St. Martin bei Graz stellte. Große Baulust und hoher Kunstsinn der Äbte gaben ihm reichlich Arbeit. Erquickend ist bei hoher Kunstanffassung sein Humor, z. B. die beiden kämpfenden Geißböcke im Kripperl, womit das streitsüchtige Brüderpaar Grießenböck (Patres des Stiftes!) gemeint ist: die „Feige" (der durch die Finger der Faust gesteckte Daumen) in dem (leider 1865 verbrannten) „Universum" als „Sinnbild der Unmöglichkeit, durch Studium das Wesen der Natur zu ergründen"; oder im „Jüngsten Gericht der Teufel mit Brillen und Schuldbuch, der die Züge des damaligen knauserischen Stiftsrentmeisters trägt. Von starker Eigenart ist die Idee, drei lebensgroße Pferde auf einen Altar zu stellen, wie man sie heute noch in der Kirche zu St. Martin bei Graz sieht und welche Gruppe der Verfasser feinsinnig deutet.

Der Aufsatz „Aus dem Stiftsleben vor dem Brande" gibt ein lebensvolles Bild von der wirtschaftlichen Bedrängnis aus der Franzosenzeit und der endlichen Gesundung der Verhältnisse durch Sparsamkeit und Strenge, aber auch von der Geselligkeit der Patres (Hochwildjagden u. dgl.), vom Institut der Sängerknaben und der „Gaggen" (Kretins). In Einschaltung sei erzählt, daß zur Zeit des großen Brandes (1865), als ich dort auch Sängerknabe war, der boshafte Witz umging: In dem Gebäudctrakt, wo wir wohnten, seien drei aufsteigende Bildungsstufen: im Erdgeschoß die „Gaggen", im ersten Stock die Volksschule und im zweiten Stock die Sängerknaben! — Der letzte größere Aufsatz spricht von der herrlichen Orgel (Ende des 18. Jahrhunderts vom Weltpriester Chrisman erbaut) und von dem berühmten Organisten Traunbauer, dessen Name noch zu meiner Zeit mit scheuer Ehrfurcht genannt wurde und von dem es hieß, Kaiser Franz I., selbst ein feiner Musiker, wollte ihn nach Anhörung seines Orgelspiels (1811) zum Hoforganisten machen. Traunbauer konnte sich aber von der Orgel nicht trennen, mit der er verwachsen war.

Die wenigen Andeutungen über den Inhalt des Büchleins dürften schon jenen als Anreiz zum Lesen genügen, die Admont kennen oder es kennen lernen wollen: aber auch alle Freunde bodenständiger Kunst werden es mit Genuß lesen. Es ist ein Heimatbuch im besten Sinn, von der Verlagsfirma mit Geschmack hergestellt und mit mehreren gelungenen Bildern von Stammels Plastiken geschmückt. Viktor Zack.

Quelle

  • ANNO, Grazer Tagblatt, Ausgabe vom 30. August 1924, Seite 8