Elchfunde im Kammergebirge

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Elchgeweih-Fund aus dem Kammergebirge (Leihgabe vom Verein für Höhlenkunde in Obersteier)

Im Zuge von karst- und höhlenkundlichen Forschungen wurden seit dem letzten Jahrhundert im Kammergebirge immer wieder Überreste von Elchen gefunden.

Höhlen im Kammergebirge

Nahezu das gesamte Kammergebirge wird aus Dachsteinkalk aufgebaut. Es liegen Wechsellagerungen mit Dolomitstein und lokale Spaltenauffüllungen durch Hierlatzkalk vor. Somit ergibt sich ein großes verkarstungsfähiges Gebiet aus Karbonatgesteinen. Das oberflächliche Landschaftsbild ist von Karrenfeldern und Dolinen geprägt. Unterirdisch verlaufen zahlreiche Höhlen und Schächte. Im bislang erforschten Gebiet beschränken sich die tiefliegenden Hohlräume auf über das gesamte Plateau verteilte, vertikal verlaufende Schächte und Höhlensysteme von maximal 50 m Tiefe. Horizontale Strecken fehlen. Diese "Senkrechtlöcher" bilden natürliche Tierfallen und so blieben die Reste hineingestürzter Tiere über Jahrtausende erhalten.

Tierfunde in den Höhlen

Jahrelange höhlenkundliche Forschungen im Kammergebirge führten zu zahlreichen Aufsammlungen von Knochenmaterial, welches sich im Nachhinein als subfossil bis rezent herausstellte.

Bereits im Jahr 1931 nahm Dr. swiki:Eduard Paul Tratz (Begründer eines naturkundlichen Museums in Salzburg) gemeinsam mit Otto Körbler (damaliger Ausseer Schulrat) in der Hochmühleckhöhle am Hochmühleck Knochenbergungen eines Elchs vor. Insgesamt fanden die beiden Männer in dieser Schachthöhle Reste von neun Elchen. Das Knochenmaterial diente zur Erstellung eines kompletten Elchskeletts, welches lange Zeit in der Stadt Salzburg im "swiki:Haus der Natur" ausgestellt war.

Der nächste Elchfund erfolgte im Jahr 1966 in der Elchhöhle beim Neubergsee. Die Skelettteile und der Schädel dieses jüngeren Elches können heute in der Heimatkundlichen Sammlung Strick in Bad Mitterndorf besichtigt werden.

In den folgenden Jahren wurde die Forschungstätigkeit weiter fortgesetzt. Dies führte zur Erkenntnis einer Häufung von Elch-Fundstellen im näheren Umfeld der Neubergalm. Bislang konnten in diesem Gebiet zehn Schachthöhlen mit Überresten abgestürzter Elche verifiziert werden.

Die größte Anzahl an Knochen beherbergte der Schartenschacht. Untersuchungen ergaben nicht nur Knochen von Elchen, sondern auch von Rindern und einem Braunbär.

Lebensraum von Elchen

Elche bevorzugen einen möglichst unberührten, waldreichen Lebensraum, der von Mooren und Sümpfen durchzogen ist. Als die Vergletscherungen nach dem Würm-Hochglazial schwanden, bot unter anderem auch der vor ca. 15 000 Jahren eisfrei gewordene und wiederbewaldete Raum im Mittleren Ennstal und Mitterndorfer Becken idealen Lebensraum für diese Wildtiere. Vernässungszonen ergaben sich durch die wasserstauenden Sedimente der Moränen.

Laut Schätzungen und Datierungen stammen die Elchfunde im Kammergebirge aus einer Zeit vor etwa 6000 bis 1100 vor Christus. Vermutungen erlauben jedoch ein Vorkommen dieser Tiere in der Region bis in das frühe Mittelalter. Dies legen zahlreiche Lokalbezeichnungen mit dem Wort "Elen(d)" (aus dem Frühneuhochdeutschen stammend und "Elch" bedeutend) nahe.

Quellen

  • Graf, G.: Elchfunde im Kammergebirge (Dachstein). Bad Aussee: Verein der Freunde des Kammerhofmuseums, 2004
  • Gwessler, F.: Die Elchknochenfunde im Schartenschacht (östl. Dachsteinmassiv), 1979, Mitt. Sekt. Ausseerland d. Lv. f. Höhlenkunde i. Stmk., 17 (1), 3 - 16
  • Tratz, E. P.: Auf Elche in den steirischen Alpen, 1931, in: Österreichisches Weidwerk, 22, S 591 - 593