Besatzungskinder in Österreich

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Besatzungskinder in Österreich lautete der Titel einer Abendveranstaltung im Schloss Trautenfels in Pürgg in der ehemals eigenständigen Gemeinde Pürgg-Trautenfels, heute Marktgemeinde Stainach-Pürgg.

Besatzungskinder

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden unzählige Kinder von Soldaten der vier Besatzungsmächte Russland, USA, England und Frankreich von österreichischen Frauen geboren. Eben die „Besatzungskinder“.

Zu einem spannenden Abend über diese gern „vergessenen“, weil als Tabuthema geltenden historischen Fakten waren am Donnerstagabend, den 17. November 2016, Zeitzeugen und historisch Interessierte ins Universalmuseum Joanneum Schloss Trautenfels geladen. In der Tat eine rare Gelegenheit, sich dem Thema zu nähern – und das mit fundierter wissenschaftlicher Begleitung.

Das Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung beschäftigt sich seit Jahren auf wissenschaftlicher Basis mit der historischen Betrachtung des Aufwachsens dieser in den rund zehn Jahren der Besatzung zwischen 1946 und 1956 gezeugten und geborenen Kinder und gab den Anstoß zu einem Themenabend mit Rundem Tisch und Diskussion.

Mag.a[1] Katharina Krenn vom Universalmuseum Joanneum Schloss Trautenfels konnte mit Dr. Barbara Stelzl-Marx, die stellvertretende Leiterin des Instituts, mit Mag. Lukas Schretter, einen ihrer Mitarbeiter, mit Mag. Philipp Rohrbach, einen Mitarbeiter des Wiener Wiesenthal-Instituts und mit Regierungsrat Christian Mader, den Vorstand des Vereins „Österreich findet euch“, als Vortragende begrüßen. Sie übergab die Begleitung der Vorträge an Wolfgang Otte und Barbara Stelzl-Marx moderierte den abschließenden Runden Tisch an dem vier „Besatzungskinder“, heute längst erwachsen, ihr Leben schilderten.

Darin kam auch der ehemalige Spieler des österreichischen Fußball-Nationalteams Helmut Köglberger zu Wort. Die Erfahrungen der vier damaligen Besatzungskinder waren nicht durchgängig geprägt von Ablehnung durch ihre Umgebung. Liebevolle Elternhäuser und Familien versuchten nach Kräften, den Mädchen und Buben ein Zuhause zu geben und sie das nicht selbst gewählte Los vergessen zu machen. Andere wiederum sahen stark auf die öffentliche Meinung und verschwiegen geängstigt die Soldatenväter.

Waren in diesen Jahren von 1945 bis weit hinein in die 1950er-Jahre die Besatzungskinder, aber vor allem deren Mütter, oftmals förmlich stigmatisiert und verachtet, wandelte sich im Lauf der Jahrzehnte – es ist weit über 60 Jahre her – das Bild zum Besseren.

Die Besatzungskinder sind längst erwachsen geworden und auch ihre zuvor oftmals angefeindeten Mütter waren längst befreit von diesen Vorurteilen wie „lediges Kind von einem Soldaten“. Nur wenige Zeitzeugen und vor allem jüngere Menschen wissen es nicht, dass die Besatzer Eheschließungen mit den „Besiegten“ nicht erlaubten oder zu unterbinden suchten. Also vielfach keine Chance zur Legitimierung des Verhältnisses.

Ein überaus lebendiger Abend über ein Geschichtskapitel, ereignet in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Quelle

  • Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.