Diphtherie-Epidemie Kleinsölk 1897

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Eine Diphtherie-Epidemie grassierte im Mai und Juni 1897 in Kleinsölk.

Überblick

Der Infektionskrankheit erlagen vier Kinder:

am 17. Mai 1897 Franz Zach (eheliches Kind des vlg. Tipl, sechs Jahre)
am 21. Mai 1897 Rosina Michek (eheliches Kind des Messners, sechs Jahre)
am 23. Mai 1897 Serafine Preitler (Magd beim vlg. Kolb, 14 Jahre)
am 27. Juni 1897 Willibald Michek (eheliches Kind des Messners, vier Jahre)

Chronik der Volksschule Kleinsölk aus dem Jahr 1897

Zitiert in Originalschreibweise:

Der Schulbesuch war am Anfang dieses Schuljahres sehr gut, leider traten mit anfangs Mai Infectionskrankheiten ein, von dort an waren den ganzen Sommersemester hindurch kaum 20 Kinder in der Schule. Am 9. Mai 1897 erkrankte das sechsjährige Schulmädchen Rosina Michek an Diphtheritis, wohnhaft im alten Schulhause in Kleinsölk N. 77. Sowohl vom Schulleiter Anton Wandratsch wie vom Gemeindevorsteher Herrn Caspar Zach vlg Griesmoser wurden alle möglichen Vorsichtsmaßregeln getroffen, die Einwohner wurden über diese Infectionskrankheit belehrt, aber alle Belehrung half anfangs nicht, das Volk kannte diese Krankheit nicht u hielt selbe nur für eine ungefährliche Bräune. Die Krankheit griff bis Mitte Mai 1897 immer weiter, es erkrankten im Hause vlg Tipl 4 Kinder, im Hause vlg Kolb 2 Kinder, im Hause vlg. Gaßner 2 Kinder, im alten Schulhause 4 Kinder, im Hause vlg. Wirt 1 Kind an Diphtheritis, u es starben 3 Schulkinder u zwar am 17/5.1897 Franz Zach, 21/5.1897 Rosina Michek, 23/5.1897 Serafine Preitler.

Jetzt erst nach diesen drei Todfällen erkannte die Bevölkerung, daß durch ein rechtzeitiges u rasches Eingreifen zur Verhinderung einer Weiterverschleppung u Hintanhaltung einer epidemischen Ausartung wesentlich beigetragen werden kann. Die Bevölkerung erkannte nun die Gefährlichkeit dieser Krankheit, einige Parteien ließen ihre erkrankten Kinder mit Heilserum impfen, u dieses bewährte sich sehr gut, kein einziges mit Heilserum geimpftes Kind starb. Der in Gröbming wohnende Amtsarzt Dr. Schaffer kam mehrmals nach Kleinsölk, er belehrte die Einwohner u überwachte die Desinfection des Schulzimmers. Mit Juli 1897 trat eine weitere epidemische Krankheit die Mumpskrankheit auf, es erkrankten in kurzer Zeit 11 Kinder.

Der Bezirksschulrath gab mit h. Erlaß vom 18. Aug. Z. 238 bekannt, daß sich Keuchhusten im Bezirke immer mehr ausbreitet, mit diesen Erlaß erhielt die Schulleitung die weiteren Belehrungen. Diese Krankheit, die im Jahre 1893 in hiesiger Schulgemeinde so stark auftrat, daß die Schule für mehrere Wochen geschlossen werden mußte, verschonte in diesem Jahre unsere Gemeinde.

Quellen