Schladming Geschichte Unbekanntes

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Dieser Artikel sammelt Unbekanntes und Vergessenes aus Alt-Schladming.

Einleitung

Manches Mal wird man von Einheimischen nach der Erklärung Schladminger Straßen-, Gassen- oder Hausnamen befragt. Oft handelt es sich dabei um Bezeichnungen, die im Laufe der Zeit durch eine oberflächliche Aussprache die eigentliche Bedeutung verloren haben, wie etwa der „Gassenbäck" - die Bäckerei von Helmuth und Resi Wieser, in unmittelbarer Nähe des Stadttores.

Gassenbäck

Die Bezeichnung „Gassenbäck" ist missverstanden und hat mit dem Standort der Bäckerei „an der Gassen“ nichts zu tun, sondern leitet sich vom Namen des einstigen Besitzers des Hauses, dem Bäcker Ruepp Gaßner (1732) ab. In diesem Zusammenhang sei noch daran erinnert, dass es neben dem „Gassnerbäck“ noch den „Frechenbäck" (ehemals Bäckerei Rainhaber), den „Scheickbäck“ (ehemals Bäckerei Zefferer) und den „Hofbäck“ (ehemals Bäckerei Mayerhofer) gab. Neben dem Verkauf der Backwaren im Ortsgebiet waren die vorhin genannten Bäckereien schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu einer Liefergemeinschaft für die Verproviantierung der zahlreichen in den Schladminger Tauern arbeitenden Bergknappen zusammengeschlossen. Die weite Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort und wohl auch die große Zahl der Knappen machte diesen Zusammenschluss der Schladminger Bäcker zur besseren Brotversorgung der Bergknappen notwendig.

Badergassl

Fast schon vergessen ist das schmale Gässchen, das noch in den 1920er-Jahren begangen wurde und zwischen der Bäckerei Wieser und dem Stadttor in südlicher Richtung hinter den Gasthöfen Mayer und „Kirchenwirt“ zum Bader und Wundarzt Miller führte. Diesen Weg nannte man noch bis zur Wende des vergangenen Jahrhunderts das „Badergaßl“.

Das Wirtschaftsleben in Schladming war zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert von der Holz- und Eisenindustrie bestimmt. Abgesehen davon, dass Holz in die Schweiz, nach Frankreich und nach Italien exportiert wurde, betrieb man auch mit den Erzeugnissen der Schladminger Eisen- und Kupferhammerwerke mit dem In- und Ausland einen regen Handel. Heute erinnert an diese Zeit der Hammerfeldweg, jenes Areal wo einst der Kupferhammer, der Zeughammer und die Streckmaschine in Betrieb standen – nun aber das Schladminger Bier gebraut wird.

Hammerwerk

Wenn vorhin von den Hammerwerken die Rede war, dann ist wohl auch das Haus Schulgasse 145 zu nennen, dessen Besitzer Otto und Friederike Schneeweis sind.

Der heute schon fast vergessene Vulgarname des Hauses war „Wassergeber“. Als erster Besitzer wurde im Urbar der Herrschaft Wolkenstein Johannes Planckh genannt und als Zusatz noch der Hinweis gegeben „bey dem Eisenhamber“. Damit ist auch schon die Tätigkeit Planks angedeutet, dass er im Eisenhammerwerk als Wassergeber in Verwendung stand. Diesem Facharbeiter fiel die Aufgabe zu, durch Regulierung der Wasserzufuhr durch das Fluder (vom Bach abgezweigtes künstliches Gerinne) für die gleichmäßige Antriebskraft der Eisenhämmer zu sorgen, da die alten Hammerwerke mit Wasserkraft betrieben wurden. In unserer schnelllebigen Zeit verblasst oft bald die Erinnerung an Persönlichkeiten, denen man zu Lebzeiten stete Dankbarkeit versicherte. Neue Entwicklungen und Ereignisse überschatten schneller als man glaubt Leben und. Wirken von einst gefeierten Personen.

Karolinen-Anlage

Wer denkt noch an Erzherzogin Karoline Maria Immakulata, die Gattin des Prinzen August Leopold Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, die am 30. Mai 1894 an der Seite ihres jungvermählten Gatten dem Hofzug am Bahnhof in Schladming entstieg und im festlich erleuchteten und mit Triumphbögen geschmückten Markt zum coburgischen Schloss fuhr, um dort Quartier zu nehmen. Das jungvermählte Ehepaar gewann schnell die Herzen der Schladminger, denn es war bald der karitative Sinn des herzoglichen Paares bekannt, dem auch mancher Verein nicht nur eine ideelle, sondern auch eine materielle Förderung zu danken hatte. So beschloss der Verschönerungsverein von Schladming zu Ehren der Erzherzogin einer neu geschaffenen Grünanlage nahe der Talbachklamm den Namen „Karolinen-Anlage“ zu geben. Leider hat der Zahn der Zeit auch der einst gern besuchten und viel begangenen, Anlage arg zugesetzt. Seite

Kaffee Lüfterl

Unbekannt oder vergessen wird es den älteren Schladmingern sein, dass es an der Wende zum vorigen Jahrhundert in der Schulgasse 144, im nachmaligen Haus des Baumeisters Salzinger für so manche „Spätheimkehrer“ in vorgerückter Stunde noch eine letzte Möglichkeit zu einer Einkehr bei Frau Wind gab. In ihrer gastfreundlichen Art machte sie den fröhlichen Zechern zur Aufmunterung einen Kaffee und leistete ihnen Gesellschaft, oft bis das erste Vogelgezwitscher die etwas „angeschlagenen" Nachtwandler heimbegleitete. Die beliebte Einkehr bei Frau Wind nannten die Einheimischen in Abwandlung des Familiennamens der Gastgeberin „Kaffee Lüfterl“.

Quelle