Georg Remele

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Georg Remele (* Anfang 17. Jahrhundert; † 1674; Sterbeort ist unbekannt), vermutlich aus Schwaben stammender barocker Bildhauer, welcher unter Abt Urban im Stift Admont beschäftigt war.

Leben und Werk

Über Georg Remeles Leben ist nur sehr wenig bekannt. Aus den spärlich bekannten Fakten lässt sich dennoch ein gewisser Rahmen abstecken und manche Werke nachweisen. Ausgebildet wurde er vermutlich – wie dies Stilvergleiche nahelegen – in der Werkstatt der Bildhauer Martin, Michael und David Zürn, deren künstlerische Heimat und Wirkungsstätte Schwaben und das Inngebiet waren. Unter Abt Urban (reg. 1628–1659) war Remele, auch Rennelin genannt, als Stiftsbildhauer beschäftigt und fand in der Benediktinerabtei sowie in den admontischen Pfarren ein breites Betätigungsfeld. Aus vereinzelt vorhandenen Urkunden erfährt man von seiner Heirat 1638 mit der Tochter des Stiftsorganisten Bartholomäus Grill, von Aufträgen nach 1640, als auch von seinem Tod im Jahre 1674.

Der Bildhauer muss in den frühen 1630er Jahren nach Admont gekommen sein, ist aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht direkt aus der Zürn-Werkstatt heraus dorthin verpflichtet worden. So ist ein „Umweg“ über die Werkstatt Hans Spindlers (* um 1595), welcher ab etwa 1617 im Stift Garsten (.) tätig war, durchaus denkbar, da dessen Einfluss in manchen Arbeiten erkennbar ist.

Georg Remele hat einen beachtlichen Beitrag zur steirischen Bildhauerei des 17. Jahrhunderts geleistet, zählt aber mit seinem pathosfreien Werk nicht zu den großen Dramatikern barocker Formgebung. Im Bezirk Liezen scheint er im Zusammenhang mit Admont, Ardning, Niederhofen, St. Martin am Grimming und der Burg Strechau auf.

Hauptwerke

1637 errichtete Remele im Auftrag von Abt Urban im Süd-Trakt der Burg Strechau einen Altar in der Marienkapelle: Im Zentrum befindet sich die sitzende Muttergottes mit dem Christusknaben; flankiert wird die Gruppe von den beiden Seitenfiguren der hl. Barbara bzw. hl. Katharina. In der als Schlüsselwerk zu bezeichnenden Arbeit für Strechau kommt der Einfluss des oben erwähnten Hans Spindlers klar zum Ausdruck. Die Figuren sind wenig raumgreifend, wirken eher statisch und verhalten in Ausdruck und Gestik, lassen aber dennoch einen gewissen Fortschritt in Richtung dreidimensionaler Bewegung erkennen. Die hll. Barbara und Katharina bilden schließlich eine Art stilistische Brücke zu den beiden bereits „offener“ wirkenden Pendants des – siehe im Anschluss – Martinsaltar.

Dieser, von Remele Mitte des 17. Jahrhunderts gefertigte Altar zeigte als Mittelstück die Figurengruppe des „hl. Martin mit Bettler“: Der Bildhauer hatte die Gruppe ursprünglich für den Altar in St. Martin in Graz-Straßgang geschaffen, der aber 1740 durch eine neue Anlage von Josef Stammel ersetzt wurde und in die zu Admont gehörige Kirche St. Martin am Grimming gelangte. 1937 erwarb schließlich das Universalmuseum Joanneum Georg Remeles Gruppe, welche sich nach wechselnden Stationen heute im Schloss Trautenfels befindet. Qualitative Unterschiede innerhalb der Figurengruppe legen bei stilkritischer Betrachtung eine Werkstattbeteiligung nahe: Der in eine üppige, an orientalische bzw. osteuropäische Muster erinnernde Tracht gekleidete hl. Martin ist mit Sicherheit eine eigenständige Arbeit Remeles, während der Bettler und das eher hölzern wirkende Pferd anderen Künstlerhänden zuzuschreiben sind.

Quellen

  • Becker, Ulrich: Reaktiviert: Ein frühbarockes Meisterwerk im Ennstal. Zur Neuaufstellung der Skulptur „Hl. Martin mit Bettler“ von Georg Remele in Schloss Trautenfels, in: Da schau her. Die Kulturzeitschrift aus Österreichs Mitte, 32. Jg., Heft 4, Trautenfels 2011, S. 3-7
  • Biedermann, Gottfried: Georg Remele – zur Bildhauerei des 17. Jhs. in der Steiermark, in: Da schau her. Beiträge aus dem Kulturleben des Bezirkes Liezen, 5. Jg., Heft 3, Juli 1984, S. 14-17
  • Biedermann, Gottfried; Gmeiner-Hübel, Gabriele; Rabensteiner, Christine: Bildwerke. Renaissance – Manierismus – Barock. Gemälde und Skulpturen aus der Alten Galerie des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum in Graz, Klagenfurt o. J., S. 185
  • Dehio-Handbuch Steiermark, bearbeitet von Kurt Woisetschläger, Peter Krenn, Wien 1982