Joachim Lindner

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Joachim Lindner
Joachim Lindner (* 1962; † 25. Jänner 2020) war langjähriger Chefredakteur des Ennstalers.

Nachruf des "Ennstalers"

Unser langjähriger Chefredakteur Joachim Lindner ist am vergangenen Samstag völlig überraschend an einem Herzleiden verstorben. „Joe“ oder „Lindi“, wie er von allen genannt wurde, hat über 25 Jahre den Ennstaler geprägt. Der Schock sitzt tief, unsere Trauer ist riesengroß, unser volles Mitgefühl gilt seiner Familie.

Die Botschaft verbreitete sich in den Nachmittagsstunden des vergangenen Samstag wie ein Lauffeuer. Ungläubiges Kopfschütteln aller Ortens, hektische Telefonate, ob die Schockmeldung wohl stimmen kann, bittere Tränen auch bei gestandenen Männern. Joachim Lindner, in der Mitte des Lebens, ist verstorben. Selbst am Samstag Vormittag hatte er noch mit einer Reihe von Interviewpartnern Kontakt, um die nächste Ausgabe journalistisch aufzubereiten.

Joachim war das Herz, die Seele und das wandelnde Archiv unserer Heimatzeitung. Keine Geschichte selbst aus den entlegenen Teilen unseres Bezirkes war ihm zu klein, kein Gegenüber war ihm zu groß. Seine kritische Berichterstattung zu Fehlentwicklungen in unserem Bezirk hatte eine journalistische Tiefe erreicht, dass selbst österreichweite Qualitätszeitungen auf die Recherchen von Joachim Lindner und „seinem“ Ennstaler zurückgriffen. Aber nun eines nach dem anderen.

Als Joachim 1995 als Chefredakteur in unserem Verlagshaus andockte, war die Welt noch eine andere. Die Digitalisierung stand erst ganz am Anfang. Der Großteil der Berichte wurde persönlich vorbeigebracht, oder teils sogar mit der Post in die Redaktion zu „Handen Herrn Chefredakteur Lindner“ geschickt. Sämtliche Ausgaben waren in Schwarzweiß gedruckt. Das Telefax war die schnellste Form der Kommunikation, das e-mail noch unbekannt.

Im Laufe der Jahre hatte Joachim ein umfassendes Netzwerk aus freien Ortsredakteuren aufgebaut, um von Mandling bis nach Wildalpen den Lesern Informationen aus 1. Hand liefern zu können. Er kannte alle seine „Leute vor Ort“ persönlich. Und selbst wenn betagtere Schreiber noch in Kurrentschrift ihre Neuigkeiten aus dem Ort verfassten, war dies für Joachim kein Problem. Er wusste mit allen auf Augenhöhe umzugehen. Vom hochdekorierten Universitätsprofessor, der komplizierte wirtschaftliche Zusammenhänge erklärte, bis zum Pensionisten, der über einen fröhlichen Seniorenausflug zu berichten wusste, lag es an Joachim Woche für Woche eine Wortwahl für seine Leserschaft zu finden, die gelesen, verstanden und gehört wurde. Fotos mussten noch entwickelt werden, von Digitalkamera war noch keine Rede. Damals wie bis letzten Freitag produzierte Joachim Woche für Woche eine ganze Zeitung. 51 Ausgaben pro Jahr, 1 275 Ausgaben insgesamt. Ein unvorstellbares Lebenswerk, das nun je ein Ende nahm.

Wer Joachim kannte, wusste um seine Gepflogenheiten. Seine Bürotür war immer sperrangelweit offen. Wohl unbewusst symbolisierte er damit tagein, tagaus die Transparenz und Offenheit der Redaktion. Fertige Berichte wurden einen Schreibtisch weiter zu Harald Schwarzkogler geschickt, der für das Layout verantwortlich ist. Und so wuchs Stunde um Stunde der „Ennstaler“, bis am Mittwochabend die Zeitung fertig redigiert war und am Donnerstag in aller Früh in Druck gehen konnte. Joachim hatte ein derartiges Standing, dass selbst große Betriebe oder Organisationen ihre Pressekonferenzen auf das Erscheinungsdatum des „Ennstalers“ abgestimmt haben und so plötzlich eine Wochenzeitung in der Aktualität vor der Tageszeitung lag. Sein einzigartiges Netzwerk, sein journalistisches Geschick und sein gewinnendes Wesen als Mensch bescherten dem Ennstaler eine immer größer werdende Leserschaft, sodass unsere Zeitung selbst in Zeiten des schnellen Medienkonsums Reichweitenzuwächse erzielte. Dieses Faktum ist wohl einzigartig und geht auf das weit über der Norm liegende Engagement von Joachim Lindner zurück. Mittelmaß war nicht sein Motto.

Unserer Region verpflichtet, immer den Leser vor Augen und dem Neuen aufgeschlossen

Selbst als die großen Tageszeitungen des Landes noch kein E-Paper anbieten konnten, trieb Joachim auch diese Technologie voran und Abonnenten in Australien könnten bereits vor uns aufgrund der Zeitverschiebung ihre Informationen aus der Heimat konsumieren. Und so entwickelte sich der Ennstaler im Laufe der Jahre zu DEM regionalen Informationsmedium Nummer 1.

Wenn es um ganz heiße Eisen ging, war Joachim besonders zur Stelle. Es war ihm dabei im Sinne der Gerechtigkeit völlig egal, wer sein Gegenüber war. Selbst angedrohte Repressalien aus der Landeshauptstadt ließen ihn ungerührt. Dem Leser verpflichtet recherchierte er bis in den letzten Winkel und öffnete immer wieder öffentlich zugängliche Urkundenarchive und förderte dabei Ungeheuerlichkeiten ans Tageslicht. Dies war mit enormen zeitlichen Einsatz verbunden. Er war ein Vollblut Journalist. Seine zweite Passion galt dem Organisieren großer Konzertveranstaltungen. Als vor etlichen Jahren „Tokio Hotel“ am Höhepunkt ihrer Karriere in Gröbming aufspielte, schaute die österreichische Konzertwelt nach Gröbming. Organisator war Joachim Lindner. Ebenso organisierte er die großen Konzerte am Hauser Kaibling. Sportberichterstattung war sein weiteres Steckenpferd. In keinem Medium wurde über regionale Sportereignisse tiefschürfender berichtet, als im Ennstaler.

Es ist für uns alle ein furchtbar trauriger Tag, als uns „Lindi“ am vergangenen Samstag für immer verlassen hat. Wir, seine Freunde und Kollegen, haben einen so wertvollen und wunderbaren Menschen verloren, dass wir es in Worte nicht fassen können, die unseren Schmerz widergeben. Lieber Joe, wir werden Dein Vermächtnis hochhalten und Dich stets als Freund in Erinnerung behalten.

Quelle