Karrenschacht

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Der Karrenschacht ist eine Höhle auf 1 925 m ü. A. beim Traweng auf der Tauplitzalm im Toten Gebirge.

Allgemeines

Der Karrenschacht ist eine ausgedehnte Höhle mit 2 190 m Länge und einer Gesamthöhe von 470 Meter.

Beschreibung

Der Hauptschacht gliedert sich in fünf Abschnitte („Schächte"), von denen die ersten drei durch relativ enge Stellen miteinander verbunden sind, während die tieferen Stufen des Schachtes verhältnismäßig großräumig abstürzen. Im „1. Schacht“ kann man an der Südostseite zu einem Standplatz in drei Meter Tiefe frei absteigen; dort befindet sich der 2,5 x 6 m große Schachtmund. Über eine Wand mit deutlich ausgeprägten Wandkarren, die für die Höhle namensgebend gewesen sind, steigt man 13 m zum Schachtgrund ab. Von diesem gelangt man gegen Nordosten auf einen aus labilen Versturzblöcken gebildeten Boden, von dem man 25 m in den „2. Schacht“ absteigt.

Um von dessen Sohle, zwei Meter breit und sechs Meter lang, zum nächsten Abstieg zu gelangen, umgeht man ein trichterförmiges Loch, das wieder in den Hauptschacht mündet. Der enge Einstieg in den „3. Schacht“ ist an der gegenüberliegenden Wand in ca. zwei Meter Höhe; nach einem Abstieg von 27 Metern gelangt man auf eine zwei Meter breite Felsrippe, die den Rest einer einst den Raum teilenden Zwischenwand darstellen dürfte . Von dieser Felsrippe steigt man einerseits zum „Egoncanyon“ ab, in dem in ca. 20 m Tiefe ein Fenster zum „4. Schacht“ angefahren wurde, andererseits direkt in den letzteren, der 35 m tief ist. Sein Boden besteht aus grobem Blockwerk; an der Wand kann man zu einem etwa zwei mal zwei Meter großen Standplatz queren, von dem der Abstieg in den „5. Schacht“ erfolgt. Dieser besitzt in sieben Meter Tiefe eine kleine Kanzel.

Fährt man weiter ab, so erreicht man nach weiteren 45 m den Schachtgrund. Von ihm führt ein kleiner Canyon nach Süden, der in sechs Meter Tiefe verstürzt endet. Dies ist mit —158,3 m der tiefste Punkt im Hauptschacht, dessen Hauptkluftrichtung von Westsüdwest nach Nordnordost verläuft.

Von dem erwähnten Standplatz am Grund des „4. Schachtes“ kann man durch ein etwa ein Meter hohes Fenster in den „Parallelschacht“ schlüpfen, der vom Hauptsdiadit nur durch eine schmale Gesteinskulisse getrennt ist. Nach einem Abstieg von zehn Metern durch eine steile Rinne und über eine Wand erreicht man die aus Blockwerk gebildete Sohle eines acht Meter langen, acht Meter breiten und 20 Meter hohen Raumes, der an seiner Decke zum Hauptschacht hin breit geöffnet ist. An der Ostseite des Raumes, beim höchsten Punkt der Sohle, befindet sich das Portal jener Fortsetzung, die zum „Traumschacht“ führt.

Von einem drei Meter tiefer befindlichen Klemmblock steigt man 40 m frei hängend im Raum ab; Wände und Sohle des Traumschachtes zeigen glattpolierten Fels mit kleinen Fließfacetten. In die Sohle beginnt sich in Raummitte ein Canyon einzuschneiden, der nach wenigen Metern senkrecht abbricht; dieser nach dem Erforschungsjahr „76er Canyon“ genannte, zwei Meter breite Einschnitt ist 28 m tief. Sein Grund, ein Schuttboden, ist mit —175,8 m der tiefste im Jahre 1976 erreichte Punkt der Höhle. Im tiefsten Teil verengt sich der Canyon, der anfangs nach Osten, später nach Südosten und schließlich nach Süden führt, auf eine Breite von 20 bis 25 cm. Hinter dieser Engstelle dürfte sich wieder ein größerer Raum befinden.

Beim Aufstieg aus dem 5. Schacht entdeckte Wilhelm Hartmann etwa 15 m unterhalb des Einstieges eine Wandöffnung zu einem weiteren Seitenschacht. Durch Pendeln mit dem Seil konnte er den trennenden Felsgrat und damit den anschließenden Schacht erreichen, der später „Pendelschacht" genannt wurde. Er ist insgesamt 38 m tief; ein gegen Südosten weiterführender Canyon wird nach wenigen Metern unbefahrbar eng.

Man kann aber in zehn Meter Tiefe vom Pendelschacht über eine schmale Rampe auf den Grund der „Riesenverwerfung“ abklettern. Diese ist an der Basis zwei bis drei Meter breit, durchschnittlich 20 m hoch und führt zum westlichen Ende etwa 40 m weit. Dort knickt der Gang, nun nur mehr etwa acht bis zehn Meter hoch, nach Nordosten ab, um nach 25 m, beim „Weißen Tor“, neuerlich seine Richtung nach Nordwesten zu ändern.

Einige mögliche Fortsetzungen in dem anschließenden Raum sind noch zu untersuchen.

Durch eine mannshohe Kluft gelangt man in den rund 30 m langen „Geraden Gang“.

Quellen

  • Beschreibung von Von Werner Baar (Wien)
  • Allinger, W.; Mayer, Anton; Wirth, Josef: Höhlenforscherurlaub auf der Tauplitzalm. Höhlenkundl. Mitt., 24. Jg., H . 10, Wien 1968, S. 183
  • Auer, A.: Beiträge zur Geschichte der Höhlenforschung im steirischen Salzkammergut. Mitt. d. Sektion Ausseerland, 12. Jg., H . 2, Altaussee - Bad Mitterndorf 1974, S. 49 - 55
  • Auer, A.: Die Eishöhlen im steirischen Salzkammergut. Mitt. d. Sektion Ausseerland,14. Jg., H . 2, Altaussee - Bad Mitterndorf 1976, S. 15 - 19
  • Auer, A.: Die längsten und tiefsten Höhlen im Arbeitsgebiet der Sektion Ausseerland.
  • Mitt. d. Sektion Ausseerland, 14. Jg., H . 2, Altaussee - Bad Mitterndorf 1976,S. 19 - 20
  • Mayer, A.; Wirth, J.: Höhlenforscherurlaub auf der Tauplitzalpe. Höhlenkundl. Mitt. 26. Jg., H . 10, Wien 1970, S. 166 - 167
  • Mayer, A.; Wirth, J.: Forschungsarbeiten auf der Tauplitzalpe. Höhlenkundl. Mitt. 30. Jg., H . 10, Wien 1974, S. 192 - 193
  • Mayer, A.; Wirth, J.: Forschungswoche auf der Tauplitz. Höhlenkundl. Mitt. 32. Jg., H . 3, Wien 1976, S. 47 - 48
  • Mayer, A.; Wirth, J.: Forschungsarbeiten auf der Tauplitz. Höhlenkundl. Mitt. 33. Jg., H . 5, Wien 1977, S. 75 - 77
  • Mayer, A.; Wirth, J.: Forschungen auf der Tauplitzalm. Höhlenkundl. Mitt.34. Jg., H . 2, Wien 1978, S. 43 - 44