Dr. Martina Lemmerer
Dr. Martina Lemmerer (* 11. Jänner 1972 in Bad Aussee), eine gebürtige Ennstalerin, Tochter von Erich Lemmerer und Christine Lemmerer. Geschwister: Matthias Lemmerer, Simon Lemmerer
Dr. Lemmerer ist eine österreichische Chirurgin und Primarärztin. Sie stammt aus Altirdning im steirischen Ennstal und ist ihrer Heimat und ihrer Familie bis heute eng verbunden.
Seit 2022 leitet sie die Abteilung für Chirurgie an der Privatklinik Villach. Zuvor war sie unter anderem an der Universitätsklinik für Chirurgie Graz und am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz tätig.
Vom Ennstal über die Mode zur Chirurgie
Aufgewachsen ist Martina Lemmerer in Altirdning als älteste von drei Geschwistern. Schon als Kind interessierte sie sich für kreatives Gestalten, Mode und Handwerk und saß bereits früh an der Nähmaschine.
Nach der Schulzeit im Ennstal besuchte sie die Höhere Lehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik in Hallein. Dort erlernte sie das Damen- und Herrenkleidermacherhandwerk und beschäftigte sich intensiv mit Mode- und Textildesign. Während dieser Ausbildung fasste sie mit 17 Jahren den Entschluss, Medizin zu studieren und Chirurgin zu werden. Dafür holte sie die dafür notwendigen schulischen Voraussetzungen nach und begann anschließend ihr Medizinstudium in Graz.
Das Schneiderhandwerk ließ sie dennoch nie ganz los. Während des Studiums verdiente sie unter anderem mit dem Nähen von Dirndln und Hirtenhemden dazu. Bereits in ihrer Schulzeit beschäftigte sie sich auch mit historischen Vorlagen der Irdninger Festtagstracht und nähte diese nach.
Die Verbindung zwischen ihren beiden Berufen zeigte sich später auf unerwartete Weise: Wegen ihrer schnellen und präzisen Nahttechnik erhielt sie während ihrer Zeit bei den Barmherzigen Brüdern Graz im Operationssaal den Beinamen „die Nähmaschine“.
Chirurgin aus Leidenschaft
Nach dem Medizinstudium führte Martina Lemmerers beruflicher Weg über verschiedene Krankenhäuser schließlich an die Universitätsklinik für Chirurgie Graz. Ihre chirurgischen Schwerpunkte liegen vor allem in der Darm- und Bauchchirurgie, der Tumorchirurgie, der Proktologie, der Endokrinchirurgie und in der Behandlung komplexer chirurgischer Erkrankungen.
An der Universitätsklinik Graz leitete sie zuletzt die Arbeitsgruppen für kolorektale und endokrine Chirurgie sowie die Endokrinambulanz. Seit Jänner 2022 ist sie Primaria der Abteilung für Chirurgie an der Privatklinik Villach. Neben ihrer Tätigkeit als Chirurgin engagiert sie sich besonders für die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Sie ist seit vielen Jahren in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung sowie in österreichischen und europäischen chirurgischen Fachgesellschaften tätig.
Ihre medizinische Arbeit versteht sie dabei nicht allein als technisches Handwerk.
Neben fachlicher Qualität spielen für sie der persönliche Kontakt, Vertrauen und die menschliche Begleitung ihrer Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle.
Das Ennstal als Heimat
Trotz vieler Jahre in Graz und ihrer heutigen beruflichen Tätigkeit in Villach ist Martina Lemmerer mit Altirdning und dem Ennstal eng verbunden geblieben. Eine besondere Rolle spielt dabei der Grimming, der für sie untrennbar mit ihrer Heimat verbunden ist. In einem Porträt der Steirischen Ärztezeitung beschrieb sie selbst, wie sehr der Berg und die Landschaft die Menschen des Ennstals prägen.
Auch beruflich kehrt sie immer wieder in ihre Heimatregion zurück. Im August 2026 hielt sie beispielsweise in Irdning einen öffentlichen Vortrag über Gendermedizin. In der Ankündigung wurde sie ausdrücklich als bekennende Altirdningerin vorgestellt.
Familie Lemmerer und die Fliegerei
Neben Medizin und Handwerk zieht sich eine weitere Leidenschaft durch die Familie Lemmerer: das Fliegen. Martina Lemmerer selbst begann bereits als junge Frau mit dem Segelfliegen. Mit 19 Jahren machte sie ihren Segelflugschein. Die Fliegerei verbindet sie auch mit ihren beiden Brüdern Matthias Lemmerer und Simon Lemmerer.
Matthias Lemmerer und „Mission Normandie 80“
Ihr Bruder Matthias J. Lemmerer ist Pilot und beschäftigt sich intensiv mit historischen Flugzeugen. Gemeinsam mit seinem Vater Erich Lemmerer erwarb er Anfang der 2000er-Jahre das Wrack einer historischen Auster V MS980. Das Flugzeug war 1944 bei der britischen Royal Air Force im Einsatz gewesen.
Vater und Sohn restaurierten die Maschine in jahrelanger Arbeit mit mehreren tausend Arbeitsstunden weitgehend originalgetreu. 2012 konnte die Auster in Niederöblarn wieder ihren Erstflug absolvieren.
Zum 80. Jahrestag des D-Day entstand daraus im Jahr 2024 die „Mission Normandie 80“. Matthias Lemmerer wollte mit der restaurierten Auster deren historischen Weg zurück nach England und anschließend in die Normandie nachvollziehen. Ausgangspunkt des Unternehmens war der Flugplatz Niederöblarn.
Zum Missionsteam gehörten neben Matthias und Erich Lemmerer auch Martina Lemmerer sowie weitere Freunde und Begleiter aus dem steirischen Ennstal. In England traf das Team Nachkommen von Piloten der damaligen 661. Squadron der Royal Air Force.
Anschließend wurde die historische Route weiter in Richtung Normandie geflogen. Matthias Lemmerer hielt die Geschichte der Restaurierung und der Reise später in dem Dokumentarfilm „Mission Normandie 80“ fest. Eine Benefizaufführung des Films in Gröbming erbrachte 2.200 Euro für die Allgemeine Sonderschule Gröbming.
Klicken Sie hier um den Kinofilm zu sehen: "MISSION NORMANDIE 80 - der Film"
Auch der zweite Bruder Simon Lemmerer ist eng mit der Fliegerei verbunden. Er ist Segelflieger und mehrfacher österreichischer Staatsmeister im Streckenflug. Unter anderem gewann er 2014 mit seiner „Standard Libelle“ die Staatsmeisterschaft im dezentralen Streckensegelflug in der Clubklasse. Dabei absolvierte er Flüge von mehr als 700 Kilometern über die Alpen.
Neben dem Segelflug ist Simon Lemmerer als Grafikdesigner, Art Director und Fotograf tätig. Damit verbindet die drei Geschwister Martina, Matthias und Simon Lemmerer neben ihrer Herkunft aus Altirdning auch die gemeinsame Begeisterung für das Fliegen.
Persönliches
Martina Lemmerer ist Mutter eines Sohnes.
Neben der Chirurgie zählen Segelfliegen, Skifahren, Wandern, Jodeln und Gartenarbeit zu ihren Interessen.
Ihre ursprüngliche Ausbildung hat sie ebenfalls nie ganz hinter sich gelassen: Nähen, Mode, Gestaltung, Lyrik und Collagekunst gehören weiterhin zu ihrem Leben.
Eine besondere Verbindung besteht dabei zwischen ihrer Herkunft und ihren unterschiedlichen Interessen: dem handwerklichen Arbeiten, der Präzision der Chirurgie, der Kreativität und der Fliegerei –
und dem Ennstal als dem Ort, an dem vieles davon seinen Anfang genommen hat.