NS-Arbeitslager Frauenberg

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Das NS-Arbeitslager Frauenberg im steirischen Ennstal diente während des Zweiten Weltkrieges der Anhaltung und Zwangsbeschäftigung von Männern.

Allgemeine Einführung und Überblick

Neben den Konzentrationslagern und deren zahlreichen Nebenlagern existierten (beispielsweise 1942) reichsweit 90 Arbeits- und Verwahrungsanstalten. In der Ostmark, bzw. den Alpen- und Donaureichsgauen, gab es

  • in Kärnten das Männer-„Arbeitserziehungslager“ (AEL) Kraut bei Seeboden am Millstättersee, das unter der Leitung der Gestapo stand. Die Insassen, deren Einweisung ebenfalls der Geheimen Staatspolizei oblag, leisteten Arbeiten beim Bau der Reichsautobahn.
  • In der Steiermark befand sich im Ennstal das NS-Lager Frauenberg, benannt nach der weithin sichtbaren katholischen Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Opferung.
  • In Vorarlberg, Tirol und Salzburg existierte in der Zeit vom 5. Juli 1940 bis ca. 7. Jänner 1941 das Arbeitserziehungs- und Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer.
  • Im Reichsgau Niederdonau bestand die Fürsorgearbeitsanstalt Znaim, das größte Lager in den Alpen- und Donaureichsgauen. Hier wurden Menschen aus der ganzen Ostmark eingewiesen.
  • Darüber hinaus wurden Menschen aus dem Reichsgau Oberdonau auch in bayrische Lager eingewiesen.

Diese NS-Arbeitslager zielten in der Regel auf die strafweise Disziplinierung von aus bestimmten Gründen unliebsam gewordenen Männern ab, die in Form von zwangsweiser Anhaltung und Beschäftigung erfolgte. Es gab aber auch einzelne Frauenlager, bzw. führten manche Arbeitserziehungslager für Männer auch Frauenabteilungen.

Begriffsklärung

Arbeitszwangslager

Bei sog. „Arbeitszwangslagern“ war die einweisende Stelle das jeweilige Gaufürsorgeamt. Die rechtliche Grundlage für diese Lager war der § 20 der Reichsfürsorgepflichtverordnung („fürsorgerechtlicher Arbeitszwang“). Verantwortlich für die Errichtung und die Trägerschaft von „Arbeitszwangslagern“ war das jeweilige Land. Eingewiesen wurden angebliche „Asoziale“, d.h., Menschen mit Verhaltensweisen, die von den Vorstellungen der oft nieder rangigen Beamten der allgemeinen Fürsorgeverwaltung über eine anständige Lebensführung abwichen. („Die allgemeine Fürsorgeverwaltung wurde durch den Gaufürsorge-Verband ausgeübt, der nach den Durchführungsbestimmungen zum Ostmarkgesetz der staatlichen Verwaltung angegliedert war.“)[1]

Arbeitserziehungslager

Bei den „Arbeitserziehungslagern“ (AEL) war die einweisende Stelle die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Die rechtliche Grundlage für diese Lager war die sog. „vorläufige Schutzhaft“. Eingewiesen wurden angebliche „Arbeitsscheue“.

Gesicherte Daten und Fakten zum NS-Lager Frauenberg

Zum NS-Lager Frauenberg gibt es einerseits gesicherte Daten und Fakten und andererseits Aussagen und Behauptungen, deren Inhalt aus Sicht der Autorin als ungesichert, bzw. als widersprüchlich zu bewerten ist. Gesichert ist,

  • dass das Lager Frauenberg im Ennstal situiert war,
  • dass es im Jahr 1940 errichtet und im Jahr 1943 endgültig geschlossen wurde,
  • dass die namentliche Bezeichnung des Lagers von der weithin sichtbaren Kirche in Frauenberg an der Enns abgeleitet wurde,
  • dass das Lager Frauenberg als Männerlager geführt wurde,
  • dass es vom Gendarmerie-Bezirksleutnant Rudolf Hofer kommandiert wurde,
  • dass die Lagerinsassen zwangsweise auf einer Baustelle arbeiten mussten,
  • und dass der steirische Reichsstatthalter Uiberreither das Lager im Jahr 1940 in einem Schreiben an seinen Amtskollegen Eigruber quasi gaugrenzüberschreitend zur Einweisung von „Asozialen“ bewarb, um freie Lager-Kapazitäten zu nutzen.

Widersprüchliches und Ungesichertes zum NS-Lager Frauenberg

  • Zum Lagertyp: In den unten angeführten Quellen wird das Lager Frauenberg in einer gar nicht erwähnt (es fehlt in der Auflistung der AEL in der deutschsprachigen Wikipedia, Stichwort Arbeitserziehunglager), in einer anderen Quelle wird es als „Arbeitserziehungslager“, bzw. „Gestapolager“ bezeichnet und in der dritten Quelle wird es „Arbeitszwangslager“ genannt .
  • Zum Standort: Nach einer Quelle war der Lagerstandort in Aigen bei Admont. In einer anderen wird der Standort als „im Ennstal“ befindlich bezeichnet und darüber hinaus nicht näher präzisiert.
  • Zur Baustelle, auf der die Lagerinsassen zwangsweise arbeiten mussten: In einer Quelle wird die Reichsbahndirektion Linz als Anstellungsträger erwähnt und mussten demnach die Lagerinsassen im Bahn-Oberbau arbeiten. In einer anderen Quelle wird hingegen angeführt, dass die Männer unter SA-Bewachung im Straßenbau eingesetzt wurden und zwar beim Ausbau der Verbindungsstraße zwischen Admont und Selzthal.

Quellen

  1. Quelle: Tröbinger, Jürgen; S. 651