Die „Schuster-Stör“ in den 1950er-Jahren in Wörschachwald

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Zeitzeugendokument
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Bad Goisern Heimatmuseum - Schuhmacherwerkstatt.
Symbolbild: Der Schuhmacher und sein Lehrling.

Die „Schuster-Stör“ in den 1950er-Jahren in Wörschachwald ist eine private Geschichte, erzählt von Stefan Berger aus Liezen, bekannt auch als „Ebner-Steff“, Wörschachwald und Liezen.

Einleitung

Wörschachwald ist ein Hochtal auf ca. 1 100 m Seehöhe, liegt in der ehemals selbständigen Gemeinde Pürgg (ab 1968 Gemeinde Pürgg-Trautenfels und seit 2015 Marktgemeinde Stainach-Pürgg), erreichbar von Tauplitz (sechs bis acht Kilometer). Bekannt ist der Spechtensee (Moorsee – Baden, Fischen, Bogenschießen), der „Spechtensee-Schlepplift“ sowie der Bauernhof „Tischler“ (Alpakaland-Betrieb) und die Gastbetriebe Gasthof Dachsteinblick, Gasthof Wörschachwalder Hof und Spechtenseehütte (bewirtschaftete Schutzhütte des ÖAV. Stainach.)

Die „Schuster-Stör“ in den 1950er-Jahren in Wörschachwald

In grauer Vorzeit oder besser gesagt, es ist nicht genau zu eruieren, ab wann es üblich war, und welche Handwerksberufe auf die Stör gegangen sind. Bekannt sind mir: Der Schuster, der Schneider und der Weber. Allerdings ist mir kein Bauer in meinen Heimatort Wörschachwald bekannt, wo zu meiner Zeit ein Weber auf der Stör gearbeitet hat.

Bei der Stör war es üblich, dass der Handwerker mit samt dem notwendigen Werkzeug, für mehrere Tage ja sogar bis zu drei Wochen, je nach Arbeitsanfall auf einem Hof gearbeitet, aber auch dort übernachtet hat.

Der Schneider und der Schuster waren bis 1952 noch immer direkt am Hof, bei den Bauern zur Stör eingeladen.

Speziell für den Schuster kann ich einiges erzählen, weil ich selbst mit meinem Vater, dem Stefan Berger, Schuhmacher in Wörschachwald, bei den Bauern als Lehrling, zwei Jahre lang, mit und dabei gewesen bin. Gleich vorweg, mein Vater ging liebend gerne auf die Stör. Erstens gab es bei den Bauern meist ein gutes, oft ein sehr gutes Essen, und dies war in der schlechten Kriegs- und Nachkriegszeit sehr von Vorteil, Zuhause war oft gar nichts da und immer wieder hörte man von der Mutter die Frage: “Was soll i heit wieda kocha“? Die Bauern hatten es etwas leichter, weil sie selbst öfter etwas schlachten konnten und daher Fleisch keine Mangelware war. Zweitens, er hat gerne erzählt, besonders Geistergeschichten, auf die waren die Kinder sehr neugierig. Schon am ersten Tag sind die Kinder gekommen und haben gebettelt, “erzählst uns am Abend wieder ein paar Geistergeschichten”? Jawohl, sowieso und ich muss dazu sagen, ich bin mir heute noch nicht sicher, ob mein lieber Vater die Geschichten, die oft so unwirklich geklungen haben, erfunden hat, oder ob er sie selbst erlebt hat, jedenfalls, er hat fest daran geglaubt! Er war da so sehr mit den Geistern verbunden und man durfte auf keinen Fall während seiner Erzählungen ein wenig lachen, da wurde er sehr ernst und fast beleidigt, so dass ich heute noch glaube, es muss ihm manches Mal ein Geist begegnet sein. Wenn es dann schon spät geworden war, hatten die Kinder große Angst, wenn sie zu Bett gehen mussten und am nächsten Morgen haben sie geklagt, dass sie von den Geistern geträumt haben.

Nicht alle Bauern nahmen den Schuster zu einer Stör auf, es waren eher die kinderreichen und wo mehrere Leute am Hof gelebt haben. Es war üblich, dass jedes Familienmitglied, aber auch Mägde und Knechte, einmal im Jahr, ein paar neue Schuhe bekommen haben. Weil die Bauern ihr Vieh selbst geschlachtet haben, wurden die Felle zum Gerber gebracht und so kam der Bauer zu günstigem Leder. Dies war wahrscheinlich der Hauptgrund, warum der Schumacher direkt auf den Hof kommen mussten, um die neuen Schuhe, direkt vor Ort zu machen.

Über die Herstellung von Leinenstoff

Beim Schneider muss es, was das Material angeht, etwas anders gewesen sein, denn Stoffe hatten die Bauern ja auch nicht selbst herstellen können. Außer wenn es sich um Leinensachen gehandelt hat, den groben Leinen hatten auch unsere Bauern selbst. So wurde ja Flachs angebaut, in den Badstuben gebrechelt und im Winter wurde gesponnen was das Zeug hielt. Ob dann auch der Weber auf den Hof gekommen ist, um Leinen direkt vor Ort zu weben, ist mir leider nicht bekannt. Wie schon erwähnt, gibt es keinerlei Hinweise, wie die Bauern ihren Flachs, der nachweislich auch in unserer Region angebaut, gewebt und verarbeitet wurde. Fest steht, weil ich es noch selbst erlebt habe, dass rundum, fast jeder Bauer Flachs angebaut hat. Der Flachs wurde mit der Sichel geschnitten, wie Gerste oder sonstiges Getreide, dann zu kleinen Garben gebunden und zum Trocknen auf Hifler aufgehängt. Anschließend kam der fast trockene Flachs gleich in die „Badstube“ damit er gänzlich austrocknen kann. In den Tagen um Allerheiligen wurde dann der primitive Kachelofen voll eingeheizt. Hoch über dem Ofen war ein Lattenrost und darauf lag schön verteilt, der Flachs. Durch die aufsteigende Hitze wurde der Flachs so lange getrocknet, bis die Schale der Stängel knallhart geworden sind. Jetzt kamen die gesamte Mannschaft vom Bauern bis zu den Kindern zum „Haarbrechln“ zusammen. In etwa handdicke Büschel wurden durch die Brecheln gezogen und durch das auf und nieder schlagen der kantigen Holzer, wurden die Stengel von den Schalen gebrochen. Daher der Name Brecheln! Übrig blieb ein haarähnliche braune Faser, das sogenannte „Haar“. Dieses wurde von den Frauen im Winter zu einem dünnen Faden, wie bei der Schafwolle, mit dem Spinnrad gesponnen. Meine Großmutter hat für allerlei Bauern den ganzen Winter gesponnen. Irrsinnig viel Haar aber auch Wolle. Die ewig langen Fäden wurden auf Spindeln aufgerollt und soweit die Erinnerung reicht, zum nächsten Weber, und dies war damals der „Stangleggner“ in Schlattham-Aigen gebracht. Dort wurde Leinen daraus gewebt und nach dieser wichtigen Arbeit, wurde der braune Leinenstoff mit Hilfe der Sonne und Wasser so lange gebleicht, bis es weiß war. Die bis zu 5 Meter langen und verschieden breiten Bahnen, wurden bei schönen Wetter, auf einen Südhang aufgelegt und mit Spritzkrügen bewässert. Die Sonne trocknet die Leinenbahnen wieder aus und dadurch wird langsam, aus dem braunen Stoff, schließlich ein weißer Leinen. Daraus wurde bis in die 1950er-Jahre, sämtliche Leintücher und Bettwäsche, aber auch Männer-Trachtenhemden sowie Blusen und Schürzen für die Frauen hergestellt.

So wie es aussieht und es Nachforschungen ergeben haben, waren die Weber, so auch die in Schlattham-Aigen, aufgrund von Auftragsmängel, gezwungen, in den 1950er-Jahren die Webstühle einzustellen. Dieses grobe Bauernleinen war nicht mehr gefragt und es konnte plötzlich feineres Leinen zu wesentlich günstigeren Preisen gekauft werden! Damit verschwinden auch die Leinen-Äcker, die Badstuben, und die Brechln. Letztere hängen noch ab und zu an den Wänden von Bauernhäusern und in Museen. Einige Jahre, so konnte man erfahren, wurden in Aigen noch Fleckerlteppiche auf den alten Webstühlen hergestellt. Aber auch diese Teppiche, die man stark in Almhütten und Bauernhöfen noch vorgefunden hat, sind scheinbar längst Vergangenheit!

Beim Schuhmacher war das anders. Außer dem Leder hat der Schuhmacher alles Zubehör mitbringen müssen. Dies waren einmal die Leisten. Diese aus Holz gefertigten und dem menschlichen Fuß nachempfundenen Dinger, waren das schwerste zum Tragen. Außerdem noch alles was ein Schuster so in der Werkstatt braucht. Hammer, Ertl, Kneipp, Bohrer, Raspel, Leistenhackel, und, und, und. Insgesamt waren sicher mehr als 20 Kilogramm, die da zu tragen waren. Und trotzdem war es eine gute Sache, für beide Seiten.

Der Bauer und alle im Hause bekamen neue Schuhe zu einem günstigen Preis, denn es wurde nur das Zubehör und die Arbeitszeit verrechnet. Der Arbeitstag begann um 6 Uhr in der Früh und endete um 18 Uhr am Abend. Mittagspause höchstens 20 Minuten. Ebenso lange, wie wir zum Einnehmen der Mahlzeit brauchten.

Von den fast 12 Stunden Arbeitszeit wurden dem Bauern nur 10 Stunden angerechnet, die restliche Zeit war die Gegenleistung für das meist sehr gute Essen.

Unsere Stör-Stationen in Wörschachwald muss man erwähnen, weil wir nicht bei allen 26 Bauern zu Gast sein durften. Nicht alle wollten den Schuhmacher im Haus und ein einziger, von den damals 26 Gehöften, hatte einen Schuhmacher aus Pürgg. Das war keine Feindschaft oder so, sondern eine Verwandtschaftsangelegenheit.

Es ist vielleicht für die Nachwelt auch von Interesse, wo wir unsere beruflichen Fähigkeiten direkt, meist im Wohnzimmer der Bauernhöfe, ausleben durften.

Das waren beim Magerl, beim Pollman meist 2 Mal, beim Hechl, beim Tischler, beim Tiefenbacher, beim Ernst, beim Ehmann, beim Walz, beim Mojer und beim Rohrmoser (alles Vulgar-Namen). Die beliebtesten Stellen waren, weil dort zu dieser Zeit schon ein elektrisches Licht aus einem kleinen E-Werk aus der Rohrmoser-Säge installiert war, nämlich eben beim Rohrmoser selbst und beim Tischler und Tiefenbacher. Das gute Licht war für meinen Vater eine große Erleichterung, weil er sehr schlecht gesehen hat und Augengläser waren ganz einfach zu teuer für ihn.

Die Dauer der Stör bei den einzelnen Bauern ergab sich meist aus der Personenzahl und wie viel Sonderarbeit noch angefallen ist. Dazu später noch ein Wort.

Der Verlauf einer Stör war folgender

Meist an einem Montag war Anreise, zu Fuß mit zwei schweren Rucksäcken. Wie schon erwähnt, in einem die Leisten und im anderen das Werkzeug und das Zubehör, wie Schusterpech, Holznägel, Schustergarn, Kleber, Hacken und Ringeln sowie Eisennägel und dann kamen noch die Gummisohlen dazu. Einen Werktisch und zwei Scheibelstühle hatten die Bauern meist selbst und so brauchten wir diese nicht extra mitbringen. Der Arbeitsplatz war schnell eingerichtet und schon ging es los.

Das Leder lag bereit und so musste zuallererst bei allen, die neue Schuhe bekommen sollten, Maß genommen werden. Das hat der Meister selbst gemacht. Der Lehrling hat sofort begonnen, alle kaputten Schuhe zu kontrollieren, ob man sie noch reparieren kann, oder ob es sich nicht mehr auszahlt. So sind meist eine ganze Reihe Schuhpaar dagestanden, die einen zum Nähen die anderen brauchten eine neue Sohle, wieder andere ein neues Kappl oder ein Fersenleder und einen neuen Absatz. Also genug Arbeit für den Lehrbuben. Der Meister dagegen hat sich um die Neuen angenommen. Zuerst das Leder laut Muster zugeschnitten und beschriftet. Meist waren es mehr als 10 Paar Neue die zu machen waren. Dabei waren zwei und mehr Gattungen gewünscht. Sonntagsschuhe für die Frauen und Mädchen. Die mussten aus Boxleder, Hochglanzleder vom Kalb gemacht werden. Für die Burschen etwas Schwerere, einmal Halbschuhe für Sonntag und ganz schwere, hohe zum Arbeiten. Die wiederum grobgenäht (zwiegenäht) und schwer mit Flügnägel und Mausköpfe beschlagen. Aber auch die Frauen brauchten Arbeitsschuhe, nicht so schwer wie die der Männer und die Wichtigsten waren die Kinder. Alle Kinder bekamen Neue, weil die Alten ja jedes Jahr zu klein geworden sind, nur das Jüngste, das bekam meist nur die alten vom älteren Geschwisterchen. Da gab es meist viele Tränen und Ärger, aber nur die ganz Kinderlieben haben dann auch dem Jüngsten mal ein Paar machen lassen. Weil wir beide sehr Kinderlieb waren, sind wir diesem Wunsch sehr gerne nachgekommen!

Folgender Arbeits-Ablauf ergab sich: Nach dem Maßnehmen und Zuschneiden aller Oberteile, musste der Vater heim in die Werkstatt um die Oberteile zu nähen. Steppen hat man dies genannt. Die schwere Schuster-Nähmaschine konnte man nicht auf die Stör mittragen, daher war dies nur in der Werkstatt möglich. Je nachdem wie viele Oberteile zu steppen waren, nach einem oder zwei Tagen, ging es ans Neue machen. Inzwischen hat der Lehrbub schon eine Reihe von Reparaturen erledigt und jetzt ging es mit viel Freude ans „Neue“ machen heran! Wenn es gut lief, ging jeden Tag ein Paar Neue und nebenbei noch ein Zweites anfangen. Hierbei haben wir auch immer die Kinder zuerst dran genommen. Die Knechte und Mägde leider immer als Letzte.

Ich habe es schon angekündigt, noch ein Wort zu etwas Neuem

Die Zeit brachte es mit sich, die Bauern hatten sich im Haus meist mit selbstgemachten Strohpatschen, vor allem im Winter, die Füße warm gehalten. Leider hatten die Strohpatschen keine lange Lebensdauer, daher habe ich dann die Filzpatschen erfunden und habe den Leuten die Filzpatschen eingeredet. Es gab ja damals kein Geld um Loden oder sonstigen, geeigneten Stoff zu kaufen, aber überall gab es alte Lodenröcke, meist aus dem bekannten Perlloden, der im nahen Schladming (Ramsau/Rössing und MandlingLoden Steiner) damals so wie heute erzeugt wird. Die Schladminger Röcke wurden zuerst als Sonntagsrock und später als Arbeitswinterrock getragen, bis er endgültig, stark abgegriffen und dreckig, schweren Herzens, entsorgt wurde. Da bin ich auf die Idee gekommen, wenn man diesen alten dreckigen Perlloden wendet, sieht er wie Neu aus, und man kann daraus schöne, warme Patschen machen. Ebenfalls aus alten Kleidern, haben wir ein buntes Innenfutter genommen, die Ränder ebenfalls mit einem roten oder blauen Stoff eingesäumt und das Ganze über einen Leisten gezogen. Als Sohle wurden wiederum in der Werkstatt mit der schweren Nähmaschine, vier oder mehr ganz abgetragene Lodenstücke zusammengenäht und mit einem starken Schusterdraht alles gefertigt. Als Zugabe noch ein billiges Schweinsleder als Sohle, damit man auch mal vors Haus gehen konnte und weil es ganz schön sein soll, für die Mädchen und Frauen, vorne drauf eine bunte Masche, fertig! Aus einem alten Lodenrock habe ich fünf paar Hausschuhe heraus gebracht, dadurch war ich plötzlich sehr beliebt!

In meinem zweiten Lehrjahr bemerkten wir schon, dass immer weniger Arbeit wurde und die Stör war langsam nicht mehr gefragt. Es hat die Zeit begonnen, wo es im Geschäft schönere Schuhe, vor allem für die Frauen gegeben hat, darüber hinaus waren sie billiger als die Handgemachten. Eines Tages hat mein Vater gemeint, wir haben nicht mehr genug Arbeit für Beide, einer von uns muss sich eine andere Arbeit suchen. Da war für mich die Entscheidung gefallen und ich habe ihm ganz klar gesagt: Ja Du wirst dir nicht mehr um eine andere Arbeit umschauen, wenn wer geht, dann bin ich es!

Er war, so habe ich es gesehen, einerseits erleichtert, andererseits wollte er, dass der Schuhmacherbetrieb in Wörschachwald bestehen bleibt. Aber es ging nur mehr wenige Jahre, dann konnte oder musste auch er, der arme aber sehr gute Schuster, seinen Hammer in die Lade legen und zusperren. Leider war ich zu langsam und habe mir von unserem Werkzeug nur sehr wenig aufbewahrt, mein lieber Bruder hat alles entsorgt und sogar die kostspieligen Leisten, so an die hundert Paare, einfach eingeheizt, na ja, Blödheit oder Bosheit tut nicht weh?

Wenn man bedenkt, dass früher einmal in Pürgg zwei Schuhmacher waren, in Klachau einer, in Tauplitz einer und wir in Wörschachwald, dazu in jeder Werkstatt ein Meister und ein bis zwei Schuster und heute gibt es keinen Einzigen mehr.

So ist, wie in vielen anderen Berufen, ein echter Handwerksberuf ausgestorben! Das genaue Gegenteil war in der Kriegszeit und das muss erwähnt werden.

In der Kriegszeit so ab 1943 wurde die Arbeit in der Schusterwerkstatt immer mehr. Der Grund war, dass rundum alle Schuhmacher, die noch als Soldaten tauglich waren, zum Militär einberufen wurden. Mein Vater war aus dem Ersten Weltkrieg zu 50 % Kriegsinvalide und war daher kriegsuntauglich. Daher war er im Umkreis von einigen Ortschaften der einzige aktive Schuhmacher. Jeder, der damals kaputte Schuhe hatte, musste zum Berger vlg. Ebner kommen. Dies war auch der Grund, dass der Nachbarsohn, der „Poserer“ Hans, schon etwas älter, aber wegen einem schweren Herzfehler auch untauglich, als Lehrling beim Vater eingetreten ist. Es gab Arbeit genug und unser Kundenkreis reichte von Rottenmann bis Mitterndorf. Langsam begann auch bei mir die Neugier zur Schuhmacherei. So war ich sehr gerne in der Werkstatt bei den Beiden und lernte sehr früh, Nähen und Nageln. Mit 13 Jahren konnte ich bereits ganz alleine ein Paar Schuhe mit einer neuen Sohle „Doppeln“! Das ist der Ausdruck für eine neue Besohlung alter Schuhe. Dies führte natürlich auch dazu, dass mich mein Vater als seinen Nachfolger ausbilden wollte. Leider kam die gute „Neue Zeit“ und wir wurden arbeitslos!

Ebenso ist es wohl auch den Schneidern gegangen. Es ist mir nicht bekannt, dass nach uns noch irgendwo ein Schneider auf der Stör gewesen wäre.

Und wo ist heute noch ein echter Schuhmacher tätig? In Kainisch ist der gute Sepp Zaisenberger, jetzt schon weit über 80 Jahre alt, aber immer noch hoch aktiv in seiner „Ordination“! Der Sepp ist damit wohl der letzte in dieser Gegend und seine Tochter hat den Schuhmacher-Beruf erlernt und ist sehr bemüht, dass dieser Beruf doch noch nicht ganz ausstirbt.

Euer Berger Stefan - für alle Wörschachwalder noch immer der „Ebner Steff“. Wörschachwald „Dachsteinblick“ Feb. 2021

Quelle

Erzählungen von Stefan Berger