Untergrimminger Feste
Die Untergrimminger Feste welche um die Wende des 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert veranstaltet wurden, erfreuten sich großer Beliebtheit im mittleren Ennstal.
Allgemein
Diese Veranstaltungen wurden gemeinasam von den ansässigen Wirten durchgeführt, wie den Gasthöfen Steinmaurer und Zettler. Neben den Faschingsball, wurde auch noch das beliebte Sommer Waldfest veranstaltet. Das Festgelände befand sich im Gebiet der heutigen Umfahrungsstraße. Dieses Fest endete immer mit einem aufwendigen Feuerwerk über den Grimming. Die Organisation dieser Feste wurde durch die einheimische Bevölkerung aber auch durch die verweilenden Sommergäste durchgeführt. Da sich diese meist über Monate hier aufhielten. Hier wurden diverse Besonderheiten präsentiert wie zum Beispiel, einen elektrischen Aufzug dem Burgstall rauf nach Pürgg oder der Nachbau eines Zeppelins. Höhepunkt war das 3. Obersteirische Trachtenfest im Jahre 1911 mit über 4000 Gästen. Daneben gab es noch diverse Wohltätigkeitskonzerte [1]und diverse Gasselrennen.
Auszug der Veranstaltung in Untergrimming
- Faschingsball mit Jux Gasselfahren am 16. Februar 1896
- Waldfest am 25. August 1898 [2]
- Wohltätigkeitskonzert von Karl Praschinger am Juni 1899 [3]
- Sommerfest 18. August 1900 [4]
- Sommerfest Thema Kirchtag am 15. August 1901[5]
- Feuerwehrball am 12. Februar 1902 [6]
- Sommerfest am 9. August 1903 [7]
- Konzertakademie von Karl Praschinger am 27. August 1903 zur Errichtung des Kaiserkreuz am Grimming [8]
- Sommerfest Thema Monte Carlo am 15. August 1905 [9]
Bericht über Faschingsfest zu Gunsten der Feuerwehr Neuhaus -Pürgg
Untergrimming, 20. Februar 1896 (Jux-Gaßl-Fahren).
Das am Faschingssonntag, den 16. d. M., hier stattgehabte Jux-Gaßl- und Schlitten-Preisfahren, verbunden mit einem Maskenumzug, nahm bei prachtvoller Witterung einen äußerst günstigen Verlauf. Kurz vor 1 Uhr Nach mittag kamen die ersten kostümierten Fahrer, denen in kurzer Aufeinanderfolge Masken, theils zu Fuß, sowie kostümierte Reiter folgten, die sich, erwartet von einer schaulustigen Menge, vor dem Gasthause Steinmaurer zu sammeln begannen. Während und nach der Losung der Preisfahrer kam Schlitten auf Schlitten, welche die verschiedensten Masken brachten, die stets mit erneutem Beifalle empfangen wurden. Fortwährend kamen auch Equipagen angerollt und das Publicum schwoll zu einer bedeutenden Menge an. Die Schlitten und Gaßl selbst erweckten einerseits wegen ihrer mit Blätterwerk, Reisig und sonstigen manigfachen Dekorationen, andererseits durch ihre eigenartige, zum Theile antike Bauart lebhafte« Interesse, welches bei einigen durch die sonderbaren, aus alter Zeitstammenden Pferdegeschirre noch gesteigert wurde. Inzwischen sammelten sich auch bei der Menagerie, beim Museum und beim Zauberspiegel, wo auch das Panorama, „die Welt vor ihrer Erschaffung" zu sehen war, viele Menschen.
Um 3 Uhr rangierten sich die Preisfahrer und die auf dekorierten Schlittengruppierten Masken, worauf der Zug, voran zwei berittene höhere und mit Auszeichnungen versehene, türkische Offiziere als Herolde zu Pferde, denen unmittelbar der hübsch dekorierte Musikschlitten folgte, sich unter klingendem Spiele auf die Rennbahn bewegte, begleitet von einer Menge Menschen zu Wagen und zu Fuß. Es starteten sieben Renner, welche die Fahrbahn zweimal im Schritt und dreimal im Trab zu umfahren hatten, da des vorher eingetretenen Thau-und Regenwetters halber die fast tausend Meter lange Rennbahn umgelegt und bedeutend verkleinert werden musste. Es gewannen Josef Zettler aus Untergrimming mit Braun-Wallach „Gallopp" Nr. 5 den ersten, Josef Stiegler aus Wörschach mit Braun-Wallach „Mischko" Nr. 3 den zweiten, Josef Schrotthammer aus Stainach mit Fuchs-Stute „Mali" Nr. 4 den dritten, Friedrich Steinmaurer aus Untergrimming mit Falb- Wallach „Schakerl" Nr. 1 den vierten Mathias Stenitzer aus Unterburg mit Fuchs-Stute „Mirl" Nr. 6 den fünften, Franz Stenitzer aus Wörschach mit Rapp-Hengst „Lux" Nr. 2 den sechsten und Franz Tschopp aus Steinach mit Braun-Wall ach „Hans" Nr. 7 den siebenten Preis.
Unter klingendem Spiele und dem Knallen der Pöller bewegten sich sodann die Renner, denen sich der große Maskenzug anschloss, nochmals im Schritte um die Rennbahn, vor dem auf den Tribünen und außerhalb der Rennbahn postierten Publicum Revue passierend, von wo sich der Zug Programmmäßig zum Gasthause Zettler bewegte und sich dort auflöste. Hier verließ auch die Werbe-Commission ihre hübsch dekorierten Schlitten, um raschest ihres Amtes zu walten. Als bald war der Ort in vier Werbe-Bezirke getheilt. Und die Häscher waren nicht müde, jeden, den sie erwischen konnten, wessen Standes und Geschlechtes er auch immer war, vor die Werbe-Offiziere und die Ort Schulzen zu schleppen. Tauglich war natürlich alle« und ebenso natürlich war es, dass sich alles loskaufte, um sich weiter ungehindert vergnügen zu können, wozu auch ein Herkules mit seinen Produktionen viel beitrug. Um 6 Uhr abends erfolgte sohin die Preis- Vertheilung, an die Preisfahrer sowie auch an die besten Masken. Von den Masken, beziehungsweise Maskengruppen erhielten Preise die Maskengruppe „die vier Jahreszeiten", dargestellt von vier liebreizenden Mädchengestalten und die auf zwei Schlitten gruppierte Werbe-Commission; weitere Preise erhielten Frau Feigelmüller. die Maskengruppe „die Großmutter mit zwanzig Enkelkindern" und andere originelle Masken. Vor Vertheilung der Preise hielt Herr Anton Adam aus Pürgg namens des Comitee an das Publicum in gewählten Worten eine Ansprache, in welcher er für da« so überaus zahlreiche Erscheinen des selben herzlichst dankte und insbesondere hervorhob, wie erfreulich im Interesse des gemeinnützigen Zweckes die rege Theilnahme an dem Feste sei. Dies beweise, dass der Wahlspruch unseres allgeliebten Kaisers „Mit vereinten Kräften" in der Bevölkerung bereit- tiefe Wurzel gefasst habe. Derselbe schloss seine Rede mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät unseren Kaiser, in welches brausend eingestimmt wurde, worauf die Musikkapelle die Volkshymne intonierte. Da» finanzielle Ergebnis des Festes, welches von circa neunhundert Personen aller Stände von nah und fern besucht war, ergab demnach auch die namhafte Summe von mehr als 142 fl. Reinertrag, wobei insbesondere die namhafte Spende der hochherzigen Frau Eveline Neumaier, geborne Dobner von Dobenau, Gutsbesitzerin zu Schloss Stainach, hervorzuheben ist.
Anmerkung
Beim Zauberspiegel, wo auch das Panorama, „die Welt vor ihrer Erschaffung" zu sehen war, hier handelte es sich um einen Blinden Spiegel in dem man Nichts sieht.
Quellen
- Anno[10] Steirische Alpenpost vom 29.Februar 1896 Seite 2
- Anno [11]Steirische Alpenpost vom 8.August 1903
- Anno [12] Steirische Alpenpost vom 2.Februar 1901
- Ennstalwiki Einträge und deren Quellen siehe Freiwillige Feuerwehr Neuhaus-Pürgg, Kochwirt