Internationale Sechstagefahrt 1960

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Die 34. Internationale Sechstagefahrt 1960 war eine der wichtigsten Motorrad-Geländesport-Veranstaltungen in Europa und fand nach 1952 zum zweiten Mal in Bad Aussee im Ausseerland statt.

Allgemeines

Bei dieser wichtigsten Veranstaltung des internationalen Motorrad-Geländesports, auch Endurosport (von engl. endurance = Ausdauer) genannt, geht es um Ausdauer, Zuverlässigkeit und Können. Erstmals wurde die Six Days (so die englische Bezeichnung) 1913 in England ausgetragen. Die Sechstagefahrten fanden immer als Sternfahrten von einem Ort aus statt, der auch gleichzeitig wieder das jeweilige Tagesziel war. Da um die Trophäen-Wertung nur Naionalmannschaften mit im eigenen Land hergestellten Motorrädern fahren konnten, kam 1924 auf Anregung des holländischen Motorradverbandes der Wettbewerb um die Internationale Silbervase dazu, wo diese Pflicht nicht mehr bestand.

Gewertet werden, vereinfacht dargestellt, Strafpunkte. Gefahren wird bei Sonderprüfungen in unwegsamen Gelände über Stock und Stein. Zwischen den Sonderprüfungen gelten die allgemeinen Verkehrsvorschriften und es ist eine Regelzeit einzuhalten, bei deren Nichteinhaltung es ebenfalls Strafpunkte gibt. Weiters dürfen nur die Fahrer selbst zu vorgeschriebenen Zeiten an vorgeschrieben Orten tanken und Reparaturen vornehmen. Wobei es an den Motorrädern plombierte Teile gibt, die nicht ausgewechselt werden dürfen (zum Beweis der Ausdauer des Teiles).

Mehr über das Reglement und seine Entwicklung siehe bei den Weblinks.

Die Internationale Sechstagefahrt 1960

Zu ersten bisher auch auch letzten Mal gewann die österreichische Nationalmannschaft auf Puch den Bewerb

Die internationale Sechstagefahrt fand im Raum Bad Aussee vom 19. bis 24. September 1960 statt. An dieser Geländesportveranstaltung nahmen über 300 Fahrer aus 16 Nationen teil, den Sieg errang das österreichische Steyr-Daimler-Puch-Team mit null Strafpunkten: Karl Heinz Behrendt, Hans Leitner, Rupert Köberl, Egon Dornauer, Siegfried Stuhlberger und Josef Kleinschuster; es war der vorletzte große motorsportliche Erfolg dieser österreichischen Motorradmarke, die 1899 von Johann Puch in Graz ins Leben gerufen wurde. Der letzte große Erfolg war 1975 in der 250-cm³-Klasse in der Motocross-Weltmeisterschaft durch den Belgier Harry Everts.

Und wieder fanden sich prominenter Starter in den Listen: Hans Georg Anscheidt aus der Deutschen Demokratischen Republik auf Kreidler Florett, swiki:Erwin Lechner (interessanterweise für die Steyr-Daimler-Puch AG, da er Verkaufsleiter bei swiki:KTM in Mattighofen war, mehrfacher Motorradstaatsmeister Österreich auf KTM) und Siegfried Stuhlberger (ebenfalls auf Puch, späterer mehrfacher Motocross-Staatsmeister);

Das österreichische Trophy-Team

  • Mannschaft I
    • Karl Heinz Behrendt aus Graz-St. Peter mit einer Puch 248 cm³
    • Hans Leitner aus Aflenz mit einer Puch 248 cm³
    • swiki:Egon Dornauer aus swiki:Hallein mit einer Puch 173 cm³
  • Mannschaft II
    • Josef Kleinschuster aus Graz-Liebenau mit einer Puch 173 cm³
    • Rupert Köberl aus Graz-St. Peter mit einer Puch 124 cm³
    • Siegfried Stuhlberger aus Ober-Puchenau bei Linz mit einer Puch 124 cm³

Weitere Mannschaften von Motorradmarken

Belgien war mit zwei Teams (FN und Jawa), die Tschechoslowakei mit je zwei Teams von Jawa und CZ, die Bundesrepublik Deutschland mit zwei Kreidler-, einem Malco-, einem Nürnberger-Hercules-Werks-, einem Zündapp- und einem Zweirad-Union AG-Team, die Deutsche Demokratische Republik mit zwei VEB-Motorenwerk-Zschopau- und einem VEB-Simson-Suhl-Team, Italien mit zwei Moto-Guzzi-, einem Moto-Gilera-, und zwei Aeromare-Teams, Polen mit vier Teams und die UdSSR mit fünf Teams vertreten.

Daneben gab es Club-Teams, und Militärteams.

Die Wertungstage und -etappen

1. Tag, Montag, 19. September 1960

Streckenverlauf

Gestartet wurde ab 05 Uhr in der Früh je Minute zwei Teilnehmer, der letzte startete um 08:47 Uhr;

Bad Aussee - Koppental - Obertraun - Gosau - Pass Gschütt - Russbach - Annaberg - St. Martin am Tennengebirge - Niedernfritz - Hüttau - Kreuzbergmaut - Bischofshofen - Rainbach - Schwarzach im Pongau - Lend - Taxenbach - Bruck an der Großglocknerstraße - Fusch an der Großglocknerstraße - Ferleiten - Großglockner Hochalpenstraße - Hochmais - Hochtor - Heiligenblut - Döllach - Mörtscach - Winklern - Stall - Außerfragant - Obervellach - Möllbrücke/Altenmarkt - Lendorf - Lieserhofen - Trebesing - Gmünd - Kremsbrücke - Katschberg - St. Michael im Lungau - Untertauern - Mauterndorf - Tweng - Radstädter Tauernpass - Untertauern - Löbenau - Forstau - Pichl - Preuneggbach - Primes - Rohrmoos - Steinwendtner - Schladming - Haus im Ennstal - Aich - Assach - Pruggern - Michaelerberghütte - Grömbing - Lengdorf - Tipschern - Pass Stein - Bad Mitterndorf - Bad Aussee;

Gesamt 427,5 km und damit längste Tagesstrecke der sechs Tage, erster Fahrer musste in Bad Aussee um 15:56 Uhr, der letzte um 18:01 Uhr

Verlauf des Rennens

Alle 275 zum Start zugelassenen Fahrer traten bei schönem Wetter zum Wettbewerb an. Sie waren in neun Trophy-Teams (= der Hauptbewerb der Sechstagefahrt), 22 Silbervasen-Teams, sechs Militärmannschaften, 31 Fabriks(Marken)-Teams und 16 Klubmannschaften unterteilt.

Der heutigen Verlauf wies keine besonderen Schwierigkeiten auf. Die Fahrt über die Großglockner Hochalpenstraße wurde von allen Teilnehmern gemeistert. Die Mittagsrast fand im Salzburger Mauterndorf statt. Bei der Sonderprüfung auf der Ennstaler Bundesstraße bei Lengdorf zeigte das österreichische Team mit den besten Leistungen auf und übernahm damit die Führung in der Team-Wertung, was bereits eine kleine Überraschung war. Aber man dachte, das sei ein einmaliger Ausrutscher der Österreicher im positiven Sinn gewesen.

Von den 275 gestarteten Teilnehmer erreichten an diesem Abend 269 das Ziel in Bad Aussee.

Ohne Strafpunkte blieben die Nationalmannschaften von Österreich (2 020), Westdeutschland (2 005), Ostdeutschland (1 966), UdSSR (1 965), Schweden (1 907), CSSR (1 900) und England (1 768). In Klammer stehen die Gutpunkte der Teams, die sie bei den Sonderprüfungen gesammelt hatten.

2. Tag, Dienstag, 20. September 1960

Gestartet wurde ab 06 Uhr in der Früh je Minute zwei Teilnehmer, der letzte startete um 09:32 Uhr;

Den ganzen über regnete es. Nach einem eher leichten ersten Tag hatte es dann der Streckenverlauf am zweiten Tag in sich. Die rund 320 Kilometer führten über den Sölkpass über einen gerade eben neu erbauten Güterweg durch sehr viele weiche (schlammige) Stellen und über Steinwiesen in das Sumpfgebiet rund um den swiki:Prebersee im Salzburger Lungau. Von dort ging es über Steinwiesen weiter zur Mehrlhütte. Vom Lungau in den Pongau wollte man ursprünglich über die Südwiener- und Tauriskahütte über einen Fußsteig fahren. Ein kurz vorher niedergegangenes Unwetter verschlammte und vermurte jedoch einen Teil dieses Streckenabschnittes, der kurzfristig bei Radstadt verändert werden musste.

Zunächst sorgte der Westdeutsche Schmieder für Aufsehen, der bei der Sölkpass-Wertung eine hervorragende Leistung bot. Dann aber stürzte er am Prebersee bei einer Brückerquerung und erhielt dafür Strafpunkte.

Am Abend erreichten 258 Fahrer das Ziel und in der Trophy-Wertung blieben immer noch sechs Teams ohne Strafpunkte. Nun bereits doch etwas überraschend führte das österreichische Team mit 4 132 Sonderprüfungsgutpunkten knapp vor dem ostdeutschen, dem tschechoslowakischen und dem russischen Team.

3. Tag, Mittwoch, 21. September 1960

Gestartet wurde ab 06 Uhr in der Früh je Minute zwei Teilnehmer, der letzte startete um 08:59 Uhr;

Österreichs Trophyteam überrascht die Motorsportfachwelt

Am Abend des dritten Wertungstages und der leichtesten Tagesstrecke der Veranstaltung waren nur mehr drei Trophyteams strafpunktefrei: Österreich, die CSSR und Schweden. Durch die Sonderprüfungsgutpunkte (6 252) konnte sich das österreichische Team klar von seinen Verfolgern absetzen (CSSR 6 005 und Schweden 5 810 Punkte). Niemand hatte dem österreichischen National-Team auch nur die leiseste Chance in diesem Bewerb gegeben.

Bereits am Start zur 169,7 km kurzen Tagesetappe fielen einige Entscheidungen in der Gesamtwertung. Motorräder, die nicht wirklich hervorragend gewartet worden waren, hatten durch den Dauerregen während der Nacht Schäden vor allem an den Vergasern und Magneten erlitten. Diese Motorräder sprangen dann nicht in dem im Reglement vorgesehenen (kurzen) Zeitfenster zum Starten an. So konnten von den 275 zum Start zugelassenen Fahrern nur mehr 258 das Rennen aufnehmen.

Die heißen Punkte der heutigen Strecke waren die 3,2 km lange Bergprüfung auf den Salzberg bei Aussee, die Geländestrecken bei Filzmoos und am Ödensee. In diesen Abschnitten hatte der Dauerregen dafür gesorgt, dass diese völlig grundlos waren und Fahrer und Maschinen sahen danach aus, als hätten sie Schlammbäder hinter sich.

Bei der Salzberg-Wertung hatte der Puch-Fahrer Siegfried Stuhlberger in der Klasse bis 125 cm³ mit 3:35,6 min die beste Zeit gefahren.

4. Tag, Donnerstag, 22. September 1960

Gestartet wurde ab 05 Uhr in der Früh je Minute zwei Teilnehmer, der letzte startete um 08:43 Uhr;

5. Tag, Freitag, 23. September 1960

Gestartet wurde ab 06 Uhr in der Früh je Minute zwei Teilnehmer, der letzte startete um 09:27 Uhr;

6. Tag, Samstag, 24. September 1960

Gestartet wurde ab 05 Uhr in der Früh je Minute zwei Teilnehmer, der letzte startete um 07:44 Uhr;

Am 24. September fand dann auch im Anschluss an den letzten Wertungstag um 19 Uhr die Siegerehrung im Kurhaus Bad Aussee statt.

Weblinks

Quelle