Steinerweg

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Geschichte

Ein Stück Alpingeschichte:
Am 22. September1909 eröffneten Franz und Georg Steiner den nach ihnen benannten Weg durch die fast 1000 Meter hohe Südwand des Dachsteins. Schon im Jahre 1910 eröffnete H. Huber bei der 2. Begehung des Steinerweges, den er übrigens alleine bewältigte, das unterhalb des Steinerbandes parallel verlaufende und leichter begehbare "Salzburgerband" . Alle frühen Damenbegehungen folgten dieser Variante.

Damen-Begehungen

Oktober 1913 KAROLINA PERHAB (24.8 1892 12.2. 1982)

Die Simonbauerntochter aus der Ramsau und spätere Ederbäuerin dürfte mit Susanna Steiner eine der ersten Frauen gewesen sein, welche die Dachstein-Südwand durchkletterten. Karolina war damals gerade 21 Jahre alt, als zwei Seilschaften in die Südwand einstiegen. Angenommen wird, daß der Steiner Irg mit der Lina am Seil ging.


SUSANNA STEINER (15.11 1897 10. 1.1972)

war mit ihren ganzen 16 Jahren jedenfalls die Jüngste ! Susi, die Schwester der Erstbegeher und spätere Austriahüttenwirtin, folgte dem Weg ihrer berühmten Brüder in Begleitung von Bruder Irg oder Hans Mayerhofen Auwirtsohn und Neffe Irgs. Diese Kletterfahrt damals machte aufgrund eines Wettersturzes auch ein Biwak erforderlich. Übrigens wurden über die Bergschuhe große gewalkte Socken gezogen, um vor allem sicher voranzukommen.

HANNERL PERHAB (27.9.1907 -10.11.1987)

Pernertochter aus der Ramsau und spätere Simonbäurin stieg mit ihren Brüdern Heiner und Richard, der übrigens auch Bergführer war, über das Salzburgerband den Steinerweg auf den Dachstein. Mit Recht konnte Hannerl auf ihre Leistung stolz sein, als die Dreierseilschaft die Südwandhütte erreichte und dort auf den Steiner Irg traf, Erstbegeher dieser "Himmelsleiter" durch die Südwand. Nach Hedwig Mayerhofer die 2. Damenbegehung 2) des Steinerweges

1929 ? EMILIE BAUMGARTNER
(Lebensdaten nicht bekannt) meisterte mit einem gewissen Heinz Menzinger, der aus Steyr gebürtig war und lange Zeit in Wien lebte, den Steinerweg. 1930 ? MARIA LACKNER

die spätere Bäurin beim vlg. Oberhofer in Filzmoos versuchte es mit ihrem Bruder und Bergführer Sebastian, dem „Lackner Wastl" und Hofpürgl-Hüt-tenwirt. Sie mußten jedoch noch vor dem Salzburger Band aufgeben.

31. 8.1931

BARBARA PASSRUCKER
(geb. am 2. 5.1910) ... geb. Hofer und Haideggbäurin aus Filzmoos erkletterte mit ihrem Bruder und Bergführer Franz Hofer, vlg. Rettenegg, über den Steinerweg Steiermarks höchsten Berg. Auch sie nahmen - wie alle frühen Damenbegehungen - das Salzburgerband. Mit Barbara Passrucker sitze ich in deren Heimatort Filzmoos gemütlich bei einem Kaffee und Barbara erzählt..... Mit ihrem Bruder Franz kletterte sie schon auf die Bischofsmütze (2455 m) und durch die Südwand der Mitterspitze (2922 m), ehe der Plan reifte, über den Steinerweg auf den Dachstein zu steigen. Zu Hause beim vlg. Bögrein durfte selbstverständlich niemand von derartigen Unternehmungen eines Mädchens wissen. Nur der Filzmooser Schmiedemeister, der übrigens Barbara einen Trainingsanzug für diese Bergfahrt kaufte, war darüber informiert. Auf der Neßlau-Alm traf sie auf Bruder Franz und gemeinsam traten sie den Weg zur Südwandhütte an, wo genächtigt wurde. In der Früh mußte der Hüttenwirt noch lachen, als ihm zu verstehen gegeben worden war, daß man gemeinsam den Steinerweg machen wolle. Um 3/4 6 Uhr stiegen Franz und seine 21jährige Schwester, ein wendiges, schlank und rankes Dirndl, in die Wand ein. Als Schuhwerk versahen "lockere Patschen" mit einer Hanfsohle ihren Dienst, die am Fels übrigens sehr gut hielten. Man kam gut voran, ließ sich auch durch das Salzburger Band nicht lange aufhalten - Barbara kroch direkt auf diesem vorwärts - und meisterte in der ausgezeichneten Zeit von nur 3 3/4 Stunden diesen klassischen Südwandanstieg. Zwei Touristen, die man überholt hatte, entdeckten beide noch am späten Nachmittag in der Wandmitte. Barbaras "heimliche" Kletterzeit fiel in die Zeit von 1929-1936.

31. Juli 1943

MARTHA BRANDECKER

(geb.am 13.3.1919) Die gebürtige St.Gallenerin ') (St.Gallen, Bezirk Liezen) kletterte mit Fredl Stoll2), aus Admont den Steinerweg. Sie verstiegen sich allerdings und gelangten in die schwierigen "Münchner Kamine". Die Sportlehrerin, sowie der von der Heeresbergführerschule Fulpmes freigekommene Stoll, meisterten auch diese Route. Doch sie waren nicht alleine und unbeobachtet in der Wand. Längst war der Hans Bachler3), Träger der Südwandhütte und auch als „das Adlerauge vom Dachstein" bekannt, mit seinem Fernglas dabei. Als die beiden zur Südwandhütte kamen, gratulierte Hans der Martha mit den Worten: „Du bist das erste Dirndl, das durch die Münchner Kamine geklettert ist!" Auch Sophie Schrempf, welche in dieser schweren Zeit alleine die Hütte bewirtschaftete -Karl war eingerückt -erinnerte sich noch daran und die noch vorhandenen Eintragungen im Hüttenbuch erzählen davon ... Heute lebt Martha Siebke, geb. Brandecker in Bielefeld.

September 1943

KUNIGUNDE PRUGGER: (geb. am 15.11.1923)

Zwei Almsommer auf der Aualm als Sennin in den Jahren 1941 und 1942 ermöglichten der Kuni4) von zu Hause wegzukommen und ' Hand an die Felsen der Bischofsmütze und ! des Dachsteins zu legen. Siebenmal kraxelte sie im Sommer 1942 alleine auf die Gr. Bi-( schofsmütze.... da wurde auch ein "gstande-ner" Bergführer, wie der Lackner Wastl 5), 1 Hüttenwirt auf der Hofpürglhütte, auf das 1 "geländegängige" Ramsauer Dirndl auf-■ merksam, machte mit ihr den Jahnweg und 1 sogar mit dem 3. Turm der Kl. Bischofsmüt-• ze eine Erstbegehung. Daß die Kuni damit die Meisterprüfung für eine große Kletterfahrt in der Dachstein-Südwand ablegte, war wohl unbestritten. Im Herbst 1943 sah man gleich zwei Pehabdirndln auf dem Pichlweg unterwegs: Die Wetti (Barbara Pehab, verh. Pickl) mit dem Engelbert Walcher, vlg. Zeiser6) und die Kuni mit einem gewissen Trinker aus Gröb-ming, Kriegskamerad von Engelbert. Und schon am nächsten Tag durchkletterte sie mit dem „Zoas Engelbert" die Südwand auf dem Steinerweg ... 5.Oktober 1947

SOPHIE SCHREMPF

(geb.am 21.3.1918) Die Hüttenwirtsleute Sophie und Karl Schrempf stiegen gerne im Herbst - wenn der ärgste Wirbel auf der Dachstein-Südwandhütte, 1910 m, vorüber war - über die Hunerscharte auf den Dachsteingipfel. Am 5.0ktober 1947 schlugen der Karl, die Sophie und der Hermann Franzel den Weg zum Einstieg des Steinerweges ein. Nachdem die Sophie ein Jahr zuvor den Pichlweg und die Pfannl-Maischbergerroute in der Dirndl-Südwand meisterte, stand nun einer Begehung des Steinerweges wohl nichts mehr im Wege. Die Genagelten - übrigens vergessene Bergschuhe eines Touristen - ließ sie beim Einstieg zurück, um mit den Hanfpatschen weiterzusteigen. In viereinhalb Stunden Kletterzeit wurde der Gipfel erreicht.

Originalkommentar:

"Die Patschen sind aufm Rückweg noß und woach wordn, aber des vergißt ma gern und die Gnageltn hab i halt in die Tour investiert!"

Quellen

  • Gretl Steiner,
  • Helmut Gebauer - Berg- und Schiführer,
  • Sophie Schrempf, Brückenhof, alle aus Ramsau a. Dachstein
  • Martha Siebke, Bielefeld, BRD *Kunigunde Steinbacher, Filzmoos
  • Alpenvereinsmuseum in Innsbruck *Gemeindeamt Filzmoos
  • Gemeindeamt Ramsau