Ella Zeiler (* 11. September 1926) aus Tunzendorf (Gemeinde Michaelerberg-Pruggern) feierte 2026 ihren 100. Geburtstag.

Leben

Die Bergbauerntochter erzählte der "Kleinen Zeitung" aus ihrem Leben, über harte Zeiten, die große Liebe und einen Bock als Bodyguard: "Die letzten 10 Groschen vom Vater für ein Heft."

Sie wurde in die Bergbauernfamilie Hutegger vulgo Galsterberger am Michaelerberg geboren. Sie waren fünf Kinder, vier Dirndln und ein Bub.

Einmal hat sie für die Schule ein Heft gebraucht, zehn Groschen hat das gekostet. Sie ging zu ihrem Vater, den sie eine halbe Stunde lang angefleht hat. Der Vater habe in der Stube "in einer Lade dann zehn Groschen gefunden, sie mir gegeben und gesagt: ,Das sind meine Letzten, mehr habe ich nicht mehr‘. Das war schon schrecklich".

Ihr Bruder Hans ist im Krieg, in Leningrad in Russland, gefallen. Früh hat sie auch ihre jüngste Schwester Josephine, genannt Pepi, verloren. Sie starb mit 26 Jahren an Tuberkulose.

Anekdoten aus Ellas Jugend

Ella Zeiler erinnert sich an zahlreiche Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend auf der Alm. Besonders lebhaft ist ihr die Zeit mit den rund 35 Ziegen und dem mächtigen Bock in Erinnerung geblieben, dessen große Hörner vielen Besuchern Respekt einflößten. Die junge Ella wusste das zu nutzen: Als früher Gendarmen auf den Almen nach Heimkehrern Ausschau hielten, kam eines Nachts ein Gendarm zur Hütte und wollte dort übernachten. Ella, die den Mann als sehr umtriebig einschätzte, suchte sich daraufhin einen sicheren Schlafplatz im Trempel (Unterbringung für Tiere), wo auch der Bock untergebracht war. Als der Gendarm am Morgen die Tür öffnete, rief sie ihm zu, er solle besser weitergehen, sonst würde sie den Bock herauslassen. Der Mann verschwand daraufhin rasch.

Einprägsam ist für sie auch ein ungewöhnlich langer Herbst, in dem der erste Schnee erst wenige Tage vor Weihnachten fiel. Daheim war man über die frei umherziehenden Ziegen oft wenig erfreut, weshalb Ella mit den Tieren bis zum Wintereinbruch auf der Alm blieb. In jenem Jahr kamen die Ziegen schließlich freiwillig mit nach Hause, als der Schnee endlich einsetzte.

Eine weitere Erinnerung betrifft einen Tanzabend in Aich. Dort trat ihr ein junger Mann mit seinen genagelten Schuhen versehentlich auf den Knöchel, der daraufhin wochenlang blau blieb. Für Ella stand fest: Ein Besuch beim Tanz in Aich würde sich nicht wiederholen.

Begegnung und Familienleben

Besonders bedeutend ist für Ella die Erinnerung an die erste Begegnung mit ihrem späteren Mann Sepp. Beim Bau einer neuen Tennsbrücke (eine zur Tenne führende Rampe), half er am Hof mit, und aus der Zusammenarbeit entwickelte sich eine Beziehung. Die beiden heirateten im Februar 1957 und zogen nach Tunzendorf, wo sie zwei Kinder, Hans und Andrea, großzogen. Heute kümmern sich die beiden um ihre Mutter: Andrea lebt im selben Haus, und Sohn Hans begleitet Ella mehrmals pro Woche auf Spaziergängen oder Ausfahrten, bei denen er ihr zeigt, wie sich Orte wie Öblarn, Gröbming oder Pruggern verändert haben.

Nach einem Oberschenkelhalsbruch vor vier Jahren ist Ella auf den Rollstuhl angewiesen und geht nur noch selten selbstständig. Ansonsten ist sie geistig rege, liest viel, löst Rätsel und häkelt Überzüge für Kleiderbügel. Früher schrieb sie auch Gedichte, hat diese Tätigkeit aber inzwischen aufgegeben.

100. Geburtstag

Ihre Feier zum 100. Geburtstag findet im Kreis der Familie, Freunde und Nachkommen früherer Weggefährten im Michaelerberghaus statt – nicht weit entfernt von jenem Hof, der einst ihr Zuhause war.

Quellen