Selzthal: Unterschied zwischen den Versionen
Djete (Diskussion | Beiträge) |
K Linkfix, Optik |
||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
| Höhe: || 636 [[m ü. A.]] | | Höhe: || 636 [[m ü. A.]] | ||
|- bgcolor="#ffffff" | |- bgcolor="#ffffff" | ||
| Einwohner: || 1 | | Einwohner: || 1 641 ''<small>(1. Jänner 2014)</small>'' | ||
|- bgcolor="#ffffff" | |- bgcolor="#ffffff" | ||
| Postleitzahl: || 8900 | | Postleitzahl: || 8900 | ||
| Zeile 75: | Zeile 75: | ||
== Geografie == | == Geografie == | ||
=== Geografische Lage === | === Geografische Lage === | ||
Selzthal befindet sich im östlichen Teil des steirischen [[Ennstal]]s am nördlichen Ausgang eines kleinen Tals, das die Verbindung zwischen dem Ennstal und dem [[Paltental]] darstellt. Durch dieses Tal kommend fließt auch die [[Palten]], die nur wenige Meter außerhalb der Gemeindegrenze von Selzthal im Nordosten, in die [[Enns]] mündet, die die nördliche Gemeindegrenze bildet. | Selzthal befindet sich im östlichen Teil des steirischen [[Ennstal]]s am nördlichen Ausgang eines kleinen Tals, das die Verbindung zwischen dem Ennstal und dem [[Paltental]] darstellt. Durch dieses Tal kommend fließt auch die [[Palten]], die nur wenige Meter außerhalb der Gemeindegrenze von Selzthal im Nordosten, in die [[Enns]] mündet, die die nördliche Gemeindegrenze bildet. | ||
Selzthal besteht aus mehreren Ortschaften, die wie folgt lauten: Selzthal Dorf als der | === Ortsgliederung === | ||
Siedlungskern und funktionales Zentrum, [[Neulassing]] und die Siedlung im [[Moos|Selzthaler Moos]]. | Selzthal besteht aus mehreren Ortschaften, die wie folgt lauten: Selzthal Dorf als der Siedlungskern und funktionales Zentrum, [[Neulassing]] und die Siedlung im [[Moos|Selzthaler Moos]]. Des Weiteren gehören [[Versbichl]] und [[Melzen]] zum Gemeindegebiet. Sie sind besonders in historischer Sicht erwähnenswert, weil es dort Siedlungstätigkeiten in Form von Bauernhöfen schon seit dem [[15. Jahrhundert]] gibt. Sie sind im Gegensatz zu den anderen Teilen am Hangfuß gelegen, was eine | ||
Des Weiteren gehören [[Versbichl]] und [[Melzen]] zum Gemeindegebiet | frühere Besiedelung ermöglichte bzw. begünstigte<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 3.</ref>. | ||
besonders in historischer Sicht erwähnenswert, weil es dort Siedlungstätigkeiten in Form von Bauernhöfen schon seit dem 15. Jahrhundert | |||
gibt. Sie sind im Gegensatz zu den anderen Teilen am Hangfuß gelegen, was eine | |||
frühere Besiedelung ermöglichte bzw. begünstigte | |||
Selzthal weist eine | === Topographie=== | ||
verkehrsgünstige Lage auf | Selzthal weist eine verkehrsgünstige Lage auf. Es liegt in der nördlichen Längstalfurche, die vom Bodensee über das Inn- und Salzachtal, weiters durch das Ennstal bis zum Wiener Becken führt. Da die Längstalfurche auch als eine Landschaftsgrenze bezeichnet werden kann, ist die landschaftliche Umgebung sehr abwechslungsreich. Wir | ||
Bodensee über das Inn- und Salzachtal, weiters durch das Ennstal bis zum Wiener | finden nördlich des breiten Talraumes die [[Kalkalpen|Nördlichen Kalkalpen]] mit den [[Ennstaler Alpen]], wohin gehend das [[Dürrenschöberl]] zu den [[Eisenerzer Alpen]] | ||
Becken führt. Da die Längstalfurche auch als eine Landschaftsgrenze bezeichnet | gehört. Der [[Mitterberg (Berg)|Mitterberg]] ist noch den [[Wölzer Tauern]] zuzurechnen.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 16.</ref> | ||
werden kann, ist die landschaftliche Umgebung sehr abwechslungsreich. Wir | |||
finden nördlich des breiten Talraumes die [[Nördlichen Kalkalpen]] mit den | |||
Ennstaler Alpen, wohin gehend das [[Dürrenschöberl]] zu den [[Eisenerzer Alpen]] | |||
gehört. Der Mitterberg ist noch den [[Wölzer Tauern]] zuzurechnen.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 16.</ref> | |||
Selzthal liegt am Treffpunkt mehrerer Landschaftseinheiten. Hier ist primär das Ennstal zu nennen, hier liegt die Siedlungskonzentration, auch das Paltental hat einen | |||
Selzthal liegt am Treffpunkt mehrerer Landschaftseinheiten. Hier ist primär das Ennstal | Anteil am Gemeindegebiet. Den flächenmäßig größten Teil nimmt jedoch die Südwest- und Westabdachung des Dürrenschöberlzuges ein.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 2.</ref> Der Dürrenschöberlzug weist Mittelgebirgscharakter auf und eignet sich deshalb aufgrund seiner sanften Formen besonders für die Forstwirtschaft. Die montane Stufe geht bis zu einer Höhe von 1 500 m ü. A., danach folgt die subalpine Zone. Der Gebirgszug beherbergt auch die größte Erhebung der Gemeinde, das Dürrenschöberl mit 1 737 [[m ü. A.]]. Der Gipfelbereich ist gekennzeichnet durch Lärchenbestand, hier gibt es keine Bäume, obwohl der Gipfel noch unterhalb der potentiellen Waldgrenze liegt. Grund dafür ist eine ehemalige Rodung des Gipfelbereichs für die [[Almwirtschaft]]. Nach Aufgabe dieser konnte sich die Vegetation aufgrund der exponierten Lage des Gipfels nicht mehr regenerieren.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 35-36.</ref> | ||
zu nennen, hier liegt die Siedlungskonzentration, auch das Paltental hat einen | |||
Anteil am Gemeindegebiet. Den flächenmäßig größten Teil nimmt jedoch die | |||
Südwest- und Westabdachung des Dürrenschöberlzuges ein.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 2.</ref> | |||
Der Dürrenschöberlzug weist Mittelgebirgscharakter auf und eignet sich deshalb | |||
aufgrund seiner sanften Formen besonders für die Forstwirtschaft. Die montane | |||
Stufe geht bis zu einer Höhe von 1 500 m ü. A., danach folgt die subalpine | |||
Zone. Der Gebirgszug beherbergt auch die größte Erhebung der Gemeinde, das | |||
Dürrenschöberl mit 1 737 m ü. A.. Der Gipfelbereich ist gekennzeichnet durch | |||
Lärchenbestand, hier gibt es keine Bäume, obwohl der Gipfel noch unterhalb der | |||
potentiellen Waldgrenze liegt. Grund dafür ist eine ehemalige Rodung des | |||
Gipfelbereichs für die [[Almwirtschaft]]. Nach Aufgabe dieser konnte sich die | |||
Vegetation aufgrund der exponierten Lage des Gipfels nicht mehr regenerieren.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 35-36.</ref> | |||
=== Der Ennstalboden als Charakteristikum === | === Der Ennstalboden als Charakteristikum === | ||
Der Ennstalboden in Selzthal ist charakterisiert durch eine beckenartige | Der Ennstalboden in Selzthal ist charakterisiert durch eine beckenartige Erweiterung, die [[Moor]]e und Feuchtwiesen aufweist. In den Kaltzeiten prägten [[Gletscher]] das Landschaftsbild wesentlich. Auch das Ennstal wurde durch die Erosionskraft der Gletscher gestaltet. Als sich der Gletscher zurückzog, bildetete sich in der tiefen Wanne ein See, welcher im Laufe der Zeit zusedimentiert wurde. Dies ist auch heute noch der Talboden. Die Schluffschichten des Bodens sind eine Ursache für die starke Vernässung. | ||
Erweiterung, die | |||
Gletscher das Landschaftsbild wesentlich. Auch das Ennstal wurde durch die | |||
Erosionskraft der Gletscher gestaltet. Als sich der Gletscher zurückzog, | |||
bildetete sich in der tiefen Wanne ein See, welcher im Laufe der Zeit | |||
zusedimentiert wurde. Dies ist auch heute noch der Talboden. Die | |||
Schluffschichten des Bodens sind eine Ursache für die starke Vernässung. | |||
Typisch für die Enns war die | Typisch für die Enns war die Mäandrierung, die durch das geringe Gefälle aufgrund der Felsschwelle des [[Gesäuseeingang]]s einerseits und aufgrund der Schwemmkegel der Seitenbäche, die ins Tal fließen andererseits, verursacht wurde. Diese Schwemmkegel tragen wasserundurchlässige Seeablagerungen an, die zusätzlich Vernässungen begünstigen. Nicht weit weg vom Gebiet des heutigen Selzthals war die Mäanderbildung am ausgeprägtesten. Diese starken Mäander begünstigten [[Hochwasser]] sehr stark, weswegen man [[1860]] beschloss, die [[Ennsregulierung|Enns zu regulieren]]. Die Folge dieser Regulierung war ein Absinken des Grundwasserspiegels und die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit. Dadurch wurden die umliegenden Wiesen trockengelegt, was eine landwirtschaftliche Nutzung und, vor Allem in Anbetracht der Entwicklung der Gemeinde, den Bau einer Trasse möglich machten. | ||
[[ | |||
ins Tal fließen andererseits, verursacht wurde. Diese Schwemmkegel tragen | Überreste der Regulierung waren Altarme, die lange Zeit Hindernis einer Besiedelung in Richtung NO dargestellt haben. Selzthal ist zusätzlich noch | ||
wasserundurchlässige Seeablagerungen an, die zusätzlich Vernässungen | [[Hochwasser]] gefährdet, weil Enns und [[Palten]] zusammenfließen.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 10-14; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 10-14. </ref> | ||
begünstigen. Nicht weit weg vom Gebiet des heutigen Selzthals war die | |||
Mäanderbildung am ausgeprägtesten. Diese starken Mäander begünstigten | |||
[[Hochwasser]] sehr stark, weswegen man 1860 beschloss, die Enns zu regulieren. Die | |||
Folge dieser Regulierung war ein Absinken des Grundwasserspiegels und die | |||
Erhöhung der Fließgeschwindigkeit. Dadurch wurden die umliegenden Wiesen | |||
trockengelegt, was eine landwirtschaftliche Nutzung und, vor Allem in | |||
Anbetracht der Entwicklung der Gemeinde, den Bau einer Trasse möglich machten. | |||
Überreste der Regulierung waren Altarme, die lange Zeit Hindernis einer | |||
Besiedelung in Richtung NO dargestellt haben. Selzthal ist zusätzlich noch | |||
=== Böden === | === Böden === | ||
Typisch | Typisch für Selzthal sind die größtenteils stark vernässten Böden, die als anmoorig bezeichnet werden können. Diese Böden waren aber vor der Besiedelung durch die | ||
für Selzthal sind die größtenteils stark vernässten Böden, die als anmoorig | Menschen wesentlich anders. Vor Allem durch die bereits genannte Regulierung der Enns und Aufforstungen sowie Straßenbau verloren diese Böden, wie bspw. das | ||
bezeichnet werden können. Diese Böden waren aber vor der Besiedelung durch die | [[Selzthaler Moor|Selzthaler]] oder das [[Wörschacher Moor]] ihren Moorcharakter. Als letztes Moor mit seinem ursprünglichen Charakter kann das [[Pürgschachener Moor]] bezeichnet werden. | ||
Menschen wesentlich anders. Vor Allem durch die bereits genannte Regulierung | |||
der Enns und Aufforstungen sowie Straßenbau verloren diese Böden, wie bspw. das | Heute prägen das Landschaftsbild der Gemeinde Großteils Fichtenaufforstungen, Äcker und Wiesen. <ref> WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 31; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 20-21.</ref> | ||
Selzthaler oder das [[Wörschacher Moor]] ihren Moorcharakter. Als letztes Moor mit | |||
seinem ursprünglichen Charakter kann das [[Pürgschachener | === Nachbargemeinden === | ||
Heute prägen das Landschaftsbild der Gemeinde Großteils Fichtenaufforstungen, | Nachbargemeinden sind im Südwesten die Gemeinde [[Lassing]], im Westen die Stadt [[Liezen]], im Norden die Gemeinde [[Ardning]], im Osten [[Admont]] und im Süden die Stadt [[Rottenmann]]. | ||
Äcker und Wiesen. <ref> WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 31; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 20-21.</ref> | |||
== Bevölkerung == | == Bevölkerung == | ||
=== Allgemeine Daten === | === Allgemeine Daten === | ||
Selzthal | Selzthal wies im Jahr [[2014]] eine Einwohnerzahl von 1 641 auf. Im Jahr [[2010]] waren es noch 1 739, das ist ein Rückgang von rund 5,7%. Der Anteil der Altersgruppe „unter 20 Jahre“ ist von 17 % im Jahr 2010 auf 15,4 % im Jahr 2014 gesunken. Dieser Wert ist unterdurchschnittlich niedrig, der Durchschnittswert Österreichs liegt nämlich bei 20 %. Der Anteil der Altersgruppe „65 Jahre und älter“ ist mit 21,9 % leicht höher im Vergleich zum österreichischen Wert. Der Ausländeranteil | ||
beträgt mit 6,6% nur knapp die Hälfte vom österreichischen Wert mit 11-12%. Die Geburten- und Wanderungsbilanz ist beinahe allen Jahren seit [[2009]] negativ.<ref>http://www.statistik.steiermark.at/cms/dokumente/11680534_103033905/d78488b2/61243.pdf.</ref> | |||
Jahre“ ist von 17% im Jahr 2010 auf 15,4% im Jahr 2014 gesunken. Dieser Wert | |||
ist unterdurchschnittlich niedrig, der Durchschnittswert Österreichs liegt | |||
nämlich bei 20%. Der Anteil der Altersgruppe „65 Jahre und älter“ ist mit 21,9% | |||
leicht höher im Vergleich zum österreichischen Wert. Der Ausländeranteil | |||
beträgt mit 6,6% nur knapp die Hälfte vom österreichischen Wert mit 11-12%. Die | |||
Geburten- und Wanderungsbilanz ist beinahe allen Jahren seit [[2009]] negativ.<ref>http://www.statistik.steiermark.at/cms/dokumente/11680534_103033905/d78488b2/61243.pdf.</ref | |||
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Selzthal von einem Bevölkerungsrückgang betroffen ist. Seit dem Höchststand [[1961]] mit 2 681 Einwohnern hat sich die Bevölkerungszahl durch eine negative Geburtenbilanz einerseits und andererseits zum größten Teil durch eine negative Wanderungsbilanz verringert. Dies und die demographische | |||
Zusammensetzung der Gemeinde (der Anteil der jungen Altersgruppe ist unterdurchschnittlich niedrig) lassen auf eine Abwanderung der vor Allem jungen Bevölkerung schließen. Mögliche Gründe für die Abwanderung bieten die im Kapitel "Wirtschaftsdaten" dargestellten Zahlen. | |||
<!-- === Geologie === --> | <!-- === Geologie === --> | ||
== Siedlungsgeschichte == | == Siedlungsgeschichte == | ||
Waren es in früherer Zeit ländlich geprägte Einzelsiedlungen, weit verstreut an Hängen, die | Waren es in früherer Zeit ländlich geprägte Einzelsiedlungen, weit verstreut an Hängen, die das Erscheinungsbild der Gemeinde formten, sind es heute noch typische | ||
das Erscheinungsbild der Gemeinde formten, sind es heute noch typische | Eisenbahnkasernen des [[20. Jahrhundert]]s, Schrebergärten und die wachsende Siedlung Neulassing mit ihren Einfamilienhäusern.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 40.</ref> | ||
Eisenbahnkasernen des 20. | |||
Siedlung Neulassing mit ihren Einfamilienhäusern.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 40.</ref> | |||
=== Das Zentrum und der Süden der Gemeinde === | === Das Zentrum und der Süden der Gemeinde === | ||
Die Entstehung von Weilern, das sind Gruppensiedlungen, ist auch in Selzthal noch | Die Entstehung von Weilern, das sind Gruppensiedlungen, ist auch in Selzthal noch vor dem [[Bahnhof Selzthal|Bahnhofsbau]] zu erkennen. Diese waren zum größten Teil an der | ||
vor dem Bahnhofsbau zu erkennen. Diese waren zum größten Teil an der | Nordwestabdachung des Dürrenschöberls angesiedelt. Diese Einzelsiedlungen waren alles landwirtschaftliche Betriebe, die heute bis auf wenige Ausnahmen aufgegeben wurden. Am Schwemmkegel des [[Talriesnerbach]]es kam es ebenfalls zu Siedlungstätigkeiten, die damals jedoch noch keine Weilerdimension aufwiesen. Dennoch waren sie für die Gemeinde wichtige Konzentrationspunkte für die weitere Besiedelung. Die Südseite des Gemeindegebietes Richtung Paltental wird als Alt-Selzthal bezeichnet. Schon der Name lässt auf ein weiteres altes Siedlungsgebiet schließen. Es liegt auf einem Hangfuß und war damit vor Hochwasser geschützt, was eine Besiedelung begünstigte. Zu Selzthal gehören heute noch [[Melzen]] und [[Versbichl]].<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S- 43-44.</ref> | ||
Nordwestabdachung des Dürrenschöberls angesiedelt. Diese Einzelsiedlungen waren | |||
alles landwirtschaftliche Betriebe, die heute bis auf wenige Ausnahmen | |||
aufgegeben wurden. Am Schwemmkegel des | |||
die damals jedoch noch keine Weilerdimension aufwiesen. Dennoch waren sie für | |||
die Gemeinde wichtige Konzentrationspunkte für die weitere Besiedelung. Die | |||
Südseite des Gemeindegebietes Richtung Paltental wird als Alt-Selzthal | |||
bezeichnet. Schon der Name lässt auf ein weiteres altes Siedlungsgebiet | |||
schließen. Es liegt auf einem Hangfuß und war damit vor Hochwasser geschützt, | |||
was eine Besiedelung begünstigte. Zu Selzthal gehören heute noch Melzen und | |||
Versbichl.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S- 43-44.</ref> | |||
=== Neulassing und das Moos === | === Neulassing und das Moos === | ||
Im Zuge des Bahnhofsbaus kam es im 19. Jahrhundert zu einer regen Bautätigkeit, die | Im Zuge des Bahnhofsbaus kam es im [[19. Jahrhundert]] zu einer regen Bautätigkeit, die natürlich die Siedlungstätigkeit wesentlich beeinflusste. Rund um den Bahnhof | ||
natürlich die Siedlungstätigkeit wesentlich beeinflusste. Rund um den Bahnhof | wurden neue Gebiete erschlossen, bald waren jedoch die räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft, so dass man weitere Siedlungsflächen fand. Dies war die Geburtsstunde von "Neulassing“, das damals noch zum Gemeindegebiet von Lassing gehörte. Es war außerhalb des unmittelbaren [[Ennstalbodens]] und war deshalb weniger vernässt. Dennoch war der hohe Grundwasserspiegel des Bodens immer ein Problem, dies betrifft vor Allem Fundamentierungen von Gebäuden. Neulassing stellt in seiner Erscheinungsform einen starken Kontrast zum Zentrum der Gemeinde dar. Es fehlen typische Eisenbahnerwohnungen, Einfamilienhäuser sind vorherrschend. Die Besiedlung schritt rasch voran, deshalb musste man sich auch bald dem hochwassergefährdeten „Moos“ öffnen, auch Räume im Osten des Gemeindezentrums wurden erschlossen. Das Moos stellt eine noch ungünstigere | ||
wurden neue Gebiete erschlossen, bald waren jedoch die räumlichen Kapazitäten | Lage dar, weil die Ennshochwässer wesentlich stärker sind als die der Palten. Das Siedlungsbild gleicht dem von Neulassing.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 52-55.</ref> | ||
ausgeschöpft, so dass man weitere Siedlungsflächen fand. Dies war die | |||
Geburtsstunde von "Neulassing“, das damals noch zum Gemeindegebiet von Lassing | |||
gehörte. Es war außerhalb des unmittelbaren [[Ennstalbodens]] und war deshalb | |||
weniger vernässt. Dennoch war der hohe Grundwasserspiegel des Bodens immer ein | |||
Problem, dies betrifft vor Allem Fundamentierungen von Gebäuden. Neulassing | |||
stellt in seiner Erscheinungsform einen starken Kontrast zum Zentrum der | |||
Gemeinde dar. Es fehlen typische Eisenbahnerwohnungen, Einfamilienhäuser sind | |||
vorherrschend. Die Besiedlung schritt rasch voran, deshalb musste man sich auch | |||
bald dem hochwassergefährdeten „Moos“ öffnen, auch Räume im Osten des | |||
Gemeindezentrums wurden erschlossen. Das Moos stellt eine noch ungünstigere | |||
Lage dar, weil die Ennshochwässer wesentlich stärker sind als die der Palten. | |||
Das Siedlungsbild gleicht dem von Neulassing.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 52-55.</ref> | |||
=== Der Nordosten der Gemeinde === | === Der Nordosten der Gemeinde === | ||
Für den Nordosten der Gemeinde ist zu sagen, dass die Siedlungsentwicklung erst relativ | Für den Nordosten der Gemeinde ist zu sagen, dass die Siedlungsentwicklung erst relativ spät begonnen hat, weil die Altarme der Palten diese verhindert hatten. Dort | ||
spät begonnen hat, weil die Altarme der Palten diese verhindert hatten. Dort | finden wir einen relativ steilen Hang, der schlagartig in die stark vernässten Paltenwiesen übergeht. Dies hatte zur Folge, dass lange Zeit Einzelsiedlungen nur entlang der Straße am Hangfuß gebaut worden sind. Hier gab es noch lange Zeit mit Schilf bedeckte Flächen. Ausnahmen waren Schrebergärten. Neben dem Hang gibt es noch Schwemmkegel, auf denen sich Bauernhöfe befinden, die teilweise ihren Ursprung im [[13. Jahrhundert|13.]] und [[14. Jahrhundert]] haben. Landwirtschaftliche Betriebe wurden später | ||
finden wir einen relativ steilen Hang, der schlagartig in die stark vernässten | oftmals aufgegeben, wodurch die ÖBB die Grundstücke aufkauften und Mehrfamilienhäuser errichteten. Heute ist der Nordosten von Selzthal also von Ein- und Mehrfamilienhäusern | ||
Paltenwiesen übergeht. Dies hatte zur Folge, dass lange Zeit Einzelsiedlungen | sowie von Schrebergärten geprägt. Außerdem ist noch die Hüttensiedlung am nordöstlichsten Rand zu nennen, der damals aufgrund seiner Lage in einem [[Landschaftsschutzgebiet]] nicht unumstritten war. Die funktionale Ausstattung der Gemeinde konzentriert sich freilich auf das Zentrum rund um den Bahnhof, der Nordosten weist aber dennoch einige wichtige Funktionen auf. Beispiele dafür sind der Friedhof, das neue Schwimmbad, der Eislaufplatz, Tennisplätze und der Fußballplatz. Grund | ||
nur entlang der Straße am Hangfuß gebaut worden sind. Hier gab es noch lange | dafür sind auch Überlegungen bezüglich der Entlastung im Zentrum. So wurde beispielsweise der alte Fußballplatz in der Nähe des Bahnhofes aufgelassen, um | ||
Zeit mit Schilf bedeckte Flächen. Ausnahmen waren Schrebergärten. Neben dem Hang | |||
gibt es noch Schwemmkegel, auf denen sich Bauernhöfe befinden, die teilweise ihren | |||
Ursprung im 13. und 14. Jahrhundert haben. Landwirtschaftliche Betriebe wurden später | |||
oftmals aufgegeben, wodurch die ÖBB die Grundstücke aufkauften und Mehrfamilienhäuser | |||
errichteten. Heute ist der Nordosten von Selzthal also von Ein- und Mehrfamilienhäusern | |||
sowie von Schrebergärten geprägt. Außerdem ist noch die Hüttensiedlung am | |||
nordöstlichsten Rand zu nennen, der damals aufgrund seiner Lage in einem Landschaftsschutzgebiet | |||
nicht unumstritten war. Die funktionale Ausstattung der Gemeinde konzentriert | |||
sich freilich auf das Zentrum rund um den Bahnhof, der Nordosten weist aber | |||
dennoch einige wichtige Funktionen auf. Beispiele dafür sind der Friedhof, das | |||
neue Schwimmbad, der Eislaufplatz, Tennisplätze und der Fußballplatz. Grund | |||
dafür sind auch Überlegungen bezüglich der Entlastung im Zentrum. So wurde | |||
beispielsweise der alte Fußballplatz in der Nähe des Bahnhofes aufgelassen, um | |||
freie Flächen für Wohnungen zu ermöglichen.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S- 56-58.</ref> | freie Flächen für Wohnungen zu ermöglichen.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S- 56-58.</ref> | ||
| Zeile 232: | Zeile 142: | ||
Während der [[Völkerwanderung]] kam es zur slawischen Besiedelung, danach folgte die bayrische Kolonisation. Zahlreiche Namen stammen aus diesen Zeiten. Wesentlicher Förderer der Besiedelung im späteren Gemeindegebiet war das [[Benediktinerstift Admont]]. Berghänge wurden nun urbar gemacht, da das Tal aufgrund der Hochwässer nicht besiedelbar war. Es war auch Admont, das die [[Selzthaler Klause]], eine militärische Anlage zur Sicherung des Tales, erbaut hat. | Während der [[Völkerwanderung]] kam es zur slawischen Besiedelung, danach folgte die bayrische Kolonisation. Zahlreiche Namen stammen aus diesen Zeiten. Wesentlicher Förderer der Besiedelung im späteren Gemeindegebiet war das [[Benediktinerstift Admont]]. Berghänge wurden nun urbar gemacht, da das Tal aufgrund der Hochwässer nicht besiedelbar war. Es war auch Admont, das die [[Selzthaler Klause]], eine militärische Anlage zur Sicherung des Tales, erbaut hat. | ||
Erste Formen nimmt die Gemeinde dann in der späten Neuzeit an. Vermessungsmaßnahmen unter | Erste Formen nimmt die Gemeinde dann in der späten Neuzeit an. Vermessungsmaßnahmen unter Maria Theresia und ihren Nachfolgern zeigen die Teile der Gemeinde, zu dieser Zeit war Selzthal jedoch noch der Gemeinde Versbichl angehörig. | ||
Wichtige Maßnahme war die [[Paltenregulierung]] [[1823]] unter [[Erzherzog Johann]]. Dies ermöglichte nun Siedlungs- und Bautätigkeiten im Tal. Langsam aber sicher entwickelte sich nun Selzthal zu einem wichtigen Verkehrspunkt. | Wichtige Maßnahme war die [[Paltenregulierung]] [[1823]] unter [[Erzherzog Johann]]. Dies ermöglichte nun Siedlungs- und Bautätigkeiten im Tal. Langsam aber sicher entwickelte sich nun Selzthal zu einem wichtigen Verkehrspunkt. | ||
In der ersten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s begann der Eisenbahnbau in den österreichischen Ländern der Habsburgermonarchie. Mit dem Bau der [[Gesäusebahn]] ab [[1868]] suchte man nun nach einem geeigneten Eisenbahnknotenpunkt. Die Wahl fiel trotz der schwierigen Bedingungen auf Selzthal, einem vormaligen Teil der Gemeinde Versbichl. 1860 wurde die [[Enns]] reguliert und ermöglichte so die Weiterführung der [[Kronprinz-Rudolf-Bahn]]. Der moorige Untergrund wurde trockengelegt und [[1872]] wurde die Verbindung von Steyr über Selzthal nach [[Rottenmann]] und weiter nach Sankt Michael fertiggestellt. 1875 folgte die Querverbindung durch die [[Ennstalbahn]] nach Bischofshofen, 1906 der [[Bosrucktunnel]]. Der Ort gewann an | In der ersten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s begann der Eisenbahnbau in den österreichischen Ländern der Habsburgermonarchie. Mit dem Bau der [[Gesäusebahn]] ab [[1868]] suchte man nun nach einem geeigneten Eisenbahnknotenpunkt. Die Wahl fiel trotz der schwierigen Bedingungen auf Selzthal, einem vormaligen Teil der Gemeinde Versbichl. 1860 wurde die [[Enns]] reguliert und ermöglichte so die Weiterführung der [[Kronprinz-Rudolf-Bahn]]. Der moorige Untergrund wurde trockengelegt und [[1872]] wurde die Verbindung von Steyr über Selzthal nach [[Rottenmann]] und weiter nach Sankt Michael fertiggestellt. 1875 folgte die Querverbindung durch die [[Ennstalbahn]] nach Bischofshofen, 1906 der [[Bosrucktunnel]]. Der Ort gewann an Einwohnern, Bebauung und öffentlichen Einrichtungen, wie die 1914 errichtete Pfarre. Erweitert wurde der [[Bahnhof Selzthal]] [[1912]] als Inselbahnhof, welcher 1945 im Zuge der Luftangriffe schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei einem Bombenangriff am Ostersonntag 1945 wurden mindestens 70 Menschen getötet. 1970 gelang die Fertigstellung der Elektrifizierung der Gesäusestrecke. | ||
Einwohnern, Bebauung und öffentlichen Einrichtungen, wie die 1914 errichtete Pfarre. Erweitert wurde der [[Bahnhof Selzthal]] [[1912]] als Inselbahnhof, welcher 1945 im Zuge der Luftangriffe schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei einem Bombenangriff am Ostersonntag 1945 wurden mindestens 70 Menschen getötet. 1970 gelang die Fertigstellung der Elektrifizierung der Gesäusestrecke. | |||
<noinclude> | <noinclude> | ||
<!-- === Religionen === --> | <!-- === Religionen === --> | ||
== Kultur und Sehenswürdigkeiten == | == Kultur und Sehenswürdigkeiten == | ||
* [[Selzthaler Moos]] | * [[Selzthaler Moos]] | ||
| Zeile 253: | Zeile 160: | ||
<!-- === Sport === --> | <!-- === Sport === --> | ||
=== Vereine === | === Vereine === | ||
Die Auswirkungen des Schrumpfens des Eisenbahnstandortes auf die Bewohner der | Die Auswirkungen des Schrumpfens des Eisenbahnstandortes auf die Bewohner der Gemeinde und das Gemeindeleben sind in einer lesenswerten Reportage des ''Falters'' dargestellt. Hier kommen Einwohner der Gemeinde zu Wort. Wie bspw. Andreas Sandner, der Obmann des Sterbevereins. Die Mitglieder übernehmen im Falle eines Todes solidarisch die Begräbniskosten. Das ist ein geeignetes Beispiel dafür, wie die Eisenbahn und mit ihr ihre Mitglieder das Gemeindeleben prägen. Sandner beklagt jedoch den Abgang der jungen Bevölkerung, ohne die Vereine langfristig nicht überlebensfähig sind. Der Mitgliederschwund betrifft auch andere Selzthaler Vereine.<ref>http://derbernold.com/2009/11/07/endstation-selzthal/</ref> | ||
Gemeinde und das Gemeindeleben sind in einer lesenswerten Reportage des Falters | |||
dargestellt. Hier kommen Einwohner der Gemeinde zu Wort. Wie bspw. Andreas | |||
Sandner, der Obmann des Sterbevereins. Die Mitglieder übernehmen im Falle eines | |||
Todes solidarisch die Begräbniskosten. Das ist ein geeignetes Beispiel dafür, | |||
wie die Eisenbahn und mit ihr ihre Mitglieder das Gemeindeleben prägen. Sandner | |||
beklagt jedoch den Abgang der jungen Bevölkerung, ohne die Vereine langfristig | |||
nicht überlebensfähig sind. Der Mitgliederschwund betrifft auch andere Selzthaler Vereine.<ref>http://derbernold.com/2009/11/07/endstation-selzthal/</ref> | |||
<!-- ==== Selzthaler Moosteufel ==== --> | <!-- ==== Selzthaler Moosteufel ==== --> | ||
<!-- === Regelmäßige Veranstaltungen === --> | <!-- === Regelmäßige Veranstaltungen === --> | ||
<!-- === Kulinarische Spezialitäten === --> | <!-- === Kulinarische Spezialitäten === --> | ||
== Wirtschaft und Infrastruktur == | == Wirtschaft und Infrastruktur == | ||
=== Wirtschaftsdaten === | === Wirtschaftsdaten === | ||
Mit einer Steuerkraftkopfquote von 880 ist sie im Vergleich zu den Vorjahren zwar | Mit einer Steuerkraftkopfquote von 880 ist sie im Vergleich zu den Vorjahren zwar gewachsen, im Vergleich zur Quote Österreichs mit 1 277 und auch zur steirischen | ||
gewachsen, im Vergleich zur Quote Österreichs mit | Quote mit 1 205 ist sie erheblich unterdurchschnittlich niedrig. Die Einpendlerquote ist seit dem Jahr [[1981]] um 24,6 % gesunken, während die Auspendlerquote seit demselben Zeitraum um 39,1% gestiegen ist. Es pendeln 255 Menschen mehr aus, als in die Gemeinde einpendeln. Diese Daten lassen schlussfolgern, dass die Gemeinde ein unzureichendes Arbeitsplatzangebot hat, da die Pendler- und Wanderungsbilanz negativ sind.<ref>Landesstatistik Steiermark.</ref> | ||
Quote mit | |||
Die Einpendlerquote ist seit dem Jahr [[1981]] um 24,6% gesunken, während die | |||
Auspendlerquote seit demselben Zeitraum um 39,1% gestiegen ist. Es pendeln 255 | |||
Menschen mehr aus, als in die Gemeinde einpendeln. | |||
Diese Daten lassen schlussfolgern, dass die Gemeinde ein unzureichendes Arbeitsplatzangebot | |||
hat, da die Pendler- und Wanderungsbilanz negativ sind.<ref>Landesstatistik Steiermark.</ref> | |||
=== Verkehr === | === Verkehr === | ||
Aufgrund der bereits erwähnten Lage an der nördlichen Längstalfurche war das Gebiet um | Aufgrund der bereits erwähnten Lage an der nördlichen Längstalfurche war das Gebiet um Selzthal bereits früh Teil einer alten Hauptdurchgangslandschaft. | ||
Selzthal bereits früh Teil einer alten Hauptdurchgangslandschaft. | |||
Der [[Bahnhof Selzthal]] verbindet die durchgehende [[Kronprinz-Rudolf-Bahn|Rudolfsbahn]] mit der [[Pyhrnbahn]] und der [[Ennstalbahn]]. Durch den südlichen Teil des Gemeinde führt die [[Schoberpass Straße]] (B 113). | Der [[Bahnhof Selzthal]] verbindet die durchgehende [[Kronprinz-Rudolf-Bahn|Rudolfsbahn]] mit der [[Pyhrnbahn]] und der [[Ennstalbahn]]. Durch den südlichen Teil des Gemeinde führt die [[Schoberpass Straße]] (B 113). | ||
==== Der Bahnverkehr als Lebensader der Gemeinde ==== | ==== Der Bahnverkehr als Lebensader der Gemeinde ==== | ||
Ernsthafte Bedeutung erreichte Selzthal jedoch erst durch den Bau der Eisenbahn im 19. und 20. Jahrhundert. Anhand | Ernsthafte Bedeutung erreichte Selzthal jedoch erst durch den Bau der Eisenbahn im 19. und 20. Jahrhundert. Anhand der geographischen Lage wird die verkehrsgeographische Bedeutung der Gemeinde verdeutlicht. Denn sie ermöglicht Zugverbindungen in alle vier Himmelsrichtungen. Richtung Norden führt die Eisenbahn nach Linz, Richtung Osten | ||
der geographischen Lage wird die verkehrsgeographische Bedeutung der Gemeinde | erreichte man Amstetten, die Bahnstrecke nach Süden führt nach Graz, und die westliche Bahnstrecke erschließt das Ennstal und führt weiter nach Salzburg. Selzthal ist also Bahnknotenpunkt für zahlreiche Schnell- und Regionalzüge. Des Weiteren kann der Ort als „Zugbildebahnhof“ für ausgehende Reise- und Güterzüge und als „Unterwegsbahnhof“ für durchgehende Reise- und Güterzüge bezeichnet werden.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 37-38; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 172. </ref> | ||
verdeutlicht. Denn sie ermöglicht Zugverbindungen in alle vier | |||
Himmelsrichtungen. Richtung Norden führt die Eisenbahn nach | |||
erreichte man | |||
westliche Bahnstrecke erschließt das Ennstal und führt weiter nach | |||
Selzthal ist also Bahnknotenpunkt für zahlreiche Schnell- und Regionalzüge. Des | |||
Weiteren kann der Ort als „Zugbildebahnhof“ für ausgehende Reise- und Güterzüge | |||
und als „Unterwegsbahnhof“ für durchgehende Reise- und Güterzüge bezeichnet | |||
werden.<ref>WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 37-38; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 172. </ref> | |||
==== Rückgang der Bedeutung als Bahnknotenpunkt - Sparmaßnahmen ==== | ==== Rückgang der Bedeutung als Bahnknotenpunkt - Sparmaßnahmen ==== | ||
Grundsätzlich | Grundsätzlich findet jedoch ein stetiger Rückgang der Beschäftigungszahlen statt. Dies ist einerseits der zunehmenden Bedeutung von Hochtechnologien geschuldet, andererseits sind es vor Allem Sparmaßnahmen seitens der ÖBB. Diese beinhalten Schließungen wie bspw. die Service-Werkstätte, die Arbeitsplatzverluste und eine Standortgefährdung mit sich bringen. Wie wichtig die Eisenbahn für die Gemeinde Selzthal ist, verdeutlicht die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil der ÖBB-Arbeitsplätze von Einwohnern der Gemeinde besetzt sind. Die Arbeitsstättenzählung der Statistik Austria aus dem Jahre 2001 zeigt, dass von den 701 Beschäftigten der Gemeinde 551 im Verkehr und in der | ||
findet jedoch ein stetiger Rückgang der Beschäftigungszahlen statt. Dies ist | Nachrichtenübermittlung arbeiteten. Der [[Bürgermeister der Gemeinde Selzthal|Bürgermeister]] der Gemeinde, [[Alois Eckmann]] sagt dazu: „''Unsere gesamte Infrastruktur ist auf die Eisenbahn zugeschnitten. Praktisch alle verwertbaren Flächen sind von den ÖBB besetzt, da ist es beinahe unmöglich, neue Betriebe und damit neue Arbeitsplätze in den Ort zu bekommen.''“ Und weiter: „''Wenn die Bahn aus Selzthal abwandert, stirbt ein ganzer Ort mit.''“ | ||
einerseits der zunehmenden Bedeutung von Hochtechnologien geschuldet, | |||
andererseits sind es vor Allem Sparmaßnahmen seitens der ÖBB. Diese beinhalten | |||
Schließungen wie bspw. die Service-Werkstätte, die Arbeitsplatzverluste und | |||
eine Standortgefährdung mit sich bringen. Wie wichtig die Eisenbahn für die | |||
Gemeinde Selzthal ist, verdeutlicht die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil | |||
der ÖBB-Arbeitsplätze von Einwohnern der Gemeinde besetzt sind. Die | |||
Arbeitsstättenzählung der Statistik Austria aus dem Jahre 2001 zeigt, dass von | |||
den 701 Beschäftigten der Gemeinde 551 im Verkehr und in der | |||
Nachrichtenübermittlung arbeiteten. Der Bürgermeister der Gemeinde, [[Alois | |||
Eckmann]] sagt dazu: | |||
zugeschnitten. Praktisch alle verwertbaren Flächen sind von den ÖBB besetzt, da | |||
ist es beinahe unmöglich, neue Betriebe und damit neue Arbeitsplätze in den Ort | |||
zu bekommen.“ Und weiter: | |||
ganzer Ort mit.“ | |||
Auch der Verschub ist immer wieder Thema der Einsparungen.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 172; http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/476891/index.do; http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/oeblarn/2586235/oebb-sparen-selzthal.story; http://www.krone.at/Nachrichten/OeBB_ueberlegen_Abzug_des_Verschub-Bahnhofs-Angst_in_Selzthal-Story-170931; http://www.statistik.at/blickgem/az1/g61243.pdf.</ref> | Auch der Verschub ist immer wieder Thema der Einsparungen.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 172; http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/476891/index.do; http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/oeblarn/2586235/oebb-sparen-selzthal.story; http://www.krone.at/Nachrichten/OeBB_ueberlegen_Abzug_des_Verschub-Bahnhofs-Angst_in_Selzthal-Story-170931; http://www.statistik.at/blickgem/az1/g61243.pdf.</ref> | ||
Neben direkten ortsbezogenen Einsparungen sind auch Fahrplanumstellungen oder | Neben direkten ortsbezogenen Einsparungen sind auch Fahrplanumstellungen oder Schließung von Nebenbahnen ein Merkmal. Bspw. 2010 sind 500 000 Zug- und | ||
Schließung von Nebenbahnen ein Merkmal. Bspw. 2010 sind 500 | Buskilometer in Oberösterreich gestrichen worden. Insbesondere die Streichung der Direktverbindung von Linz nach Graz sei hier zu erwähnen. Grund der | ||
Buskilometer in Oberösterreich gestrichen worden. Insbesondere die Streichung | Streichung war die defizitäre Strecke. Mittlerweile gibt es wieder zwei Direktverbindungen pro Tag, jedoch mit einer Flügelung, also zwei Zugteilen.<ref>http://derstandard.at/1285200855465/Neuer-OeBB-Fahrplan-Kritik-Verkehr-verlagert-sich-wieder-auf-die-Strasse; http://derstandard.at/1285199649388/Direktverbindung-IC-Verbindung-Linz---Graz-wird-eingestellt; http://derstandard.at/1361240409018/Bahnverbindung-Graz-Linz-kommt-ab-Dezember-2013-wieder.</ref> | ||
der Direktverbindung von Linz nach Graz sei hier zu erwähnen. Grund der | |||
Streichung war die defizitäre Strecke. | |||
Mittlerweile gibt es wieder zwei Direktverbindungen pro Tag, jedoch mit einer | |||
Flügelung, also zwei Zugteilen.<ref>http://derstandard.at/1285200855465/Neuer-OeBB-Fahrplan-Kritik-Verkehr-verlagert-sich-wieder-auf-die-Strasse; http://derstandard.at/1285199649388/Direktverbindung-IC-Verbindung-Linz---Graz-wird-eingestellt; http://derstandard.at/1361240409018/Bahnverbindung-Graz-Linz-kommt-ab-Dezember-2013-wieder.</ref> | |||
==== Die Schleife Selzthal als Charakteristikum ==== | ==== Die Schleife Selzthal als Charakteristikum ==== | ||
Ein zentrales Projekt der ÖBB ist die sogenannte Schleife Selzthal, die seit vielen | Ein zentrales Projekt der ÖBB ist die sogenannte Schleife Selzthal, die seit vielen Jahren bereits auf der Agenda steht, jedoch auch aufgrund von Sparmaßnahmen noch nicht durchgeführt wurde. Die Kosten berufen sich auf ca. 56 Mio Euro. Die Schleife soll die Strecke attraktiver machen, in dem verkehrende Züge nicht mehr in Selzthal stürzen müssen. Wie die Entwicklung zeigt, ist noch ungewiss, ob sich der Bau der Schleife noch weiter verzögert, für die Gemeinde wird sie jedenfalls eine große Auswirkung mit sich führen. Jedenfalls wehrt sich die Gemeindepolitik gegen die Baupläne, während Bundes- und auch Landespolitik sich für den Bau aussprechen. Verzögert wird die Entwicklung jedoch immer wieder durch Sparmaßnahmen.<ref> http://www.krone.at/Nachrichten/B320_Ausbau_noch_vor_der_Ski-WM-Causa_Ennstal-Story-114348; https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20004996; http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/2120836/oebb-fahren-strecken-ausbauplaene-zurueck.story; Statistik Steiermark, http://www.fahrgast-steiermark.at/fileadmin/zeitung_sondernummern/FG_Zeitung_2010_Landtagswahl.pdf; Statistik Austria, http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/.</ref> | ||
Jahren bereits auf der Agenda steht, | |||
jedoch auch aufgrund von Sparmaßnahmen noch nicht durchgeführt wurde. Die | |||
Kosten berufen sich auf ca. 56 Mio Euro. | |||
Die Schleife soll die Strecke attraktiver machen, in dem verkehrende Züge nicht | |||
mehr in Selzthal stürzen müssen. Wie die Entwicklung zeigt, ist noch ungewiss, | |||
ob sich der Bau der Schleife noch weiter verzögert, für die Gemeinde wird sie | |||
jedenfalls eine große Auswirkung mit sich führen. Jedenfalls wehrt sich die | |||
Gemeindepolitik gegen die Baupläne, während Bundes- und auch Landespolitik sich | |||
für den Bau aussprechen. Verzögert wird die Entwicklung jedoch immer wieder durch Sparmaßnahmen.<ref> http://www.krone.at/Nachrichten/B320_Ausbau_noch_vor_der_Ski-WM-Causa_Ennstal-Story-114348; https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20004996; http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/2120836/oebb-fahren-strecken-ausbauplaene-zurueck.story; Statistik Steiermark, http://www.fahrgast-steiermark.at/fileadmin/zeitung_sondernummern/FG_Zeitung_2010_Landtagswahl.pdf; Statistik Austria, http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/.</ref> | |||
=== | === Fremdenverkehr === | ||
Für die Jahre 2011 bis 2013 sind keine Ankünfte oder Nächtigungen verzeichnet. Natürliche Voraussetzungen wie Landschaftsbild oder klimatische Verhältnisse | Für die Jahre 2011 bis 2013 sind keine Ankünfte oder Nächtigungen verzeichnet. Natürliche Voraussetzungen wie Landschaftsbild oder klimatische Verhältnisse wären vorhanden, doch Selzthal war seit jeher nur ein Ort für Durchzugsreisende. Außerdem ist aus dem Eisenbahnverkehr eine historische Persistenz entstanden, da bis in die 1970er Jahre noch der Dampfbetrieb vorherrschend war und durch die dichten Rußwolken an einen [[Fremdenverkehr]] nicht zu denken war. Als die Elektrifizierung kam, hatte die Gemeinde jedoch bereits einen erheblichen Wettbewerbsnachteil, da der Fremdenverkehr in der Region bereits seit längerer Zeit eingesetzt hatte. Außerdem erschwert die Infrastruktursituation (viele Gebäude gehören der ÖBB) die Lage.<ref>Landesstatistik Steiermark; WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 114-116.</ref> | ||
wären vorhanden, doch Selzthal war seit jeher nur ein Ort für | |||
Durchzugsreisende. Außerdem ist aus dem Eisenbahnverkehr eine historische | |||
Persistenz entstanden, da bis in die 1970er Jahre noch der Dampfbetrieb | |||
vorherrschend war und durch die dichten Rußwolken an einen [[ | |||
denken war. Als die Elektrifizierung kam, hatte die Gemeinde jedoch bereits | |||
einen erheblichen Wettbewerbsnachteil, da der | |||
seit längerer Zeit eingesetzt hatte. Außerdem erschwert die Infrastruktursituation (viele Gebäude gehören der ÖBB) die Lage.<ref>Landesstatistik Steiermark; WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 114-116.</ref> | |||
Aufgrund der unsicheren Zukunft für den Ort könnte der Tourismus eine Alternative darstellen. Mit Ennsauen, Mooswiesen und zahlreichen Wanderwegen in der | Aufgrund der unsicheren Zukunft für den Ort könnte der Tourismus eine Alternative darstellen. Mit Ennsauen, Mooswiesen und zahlreichen Wanderwegen in der Umgebung, sowie Freizeit- und Sporteinrichtungen wie dem modernen Schwimmbad aber vor Allem auch mit dem abwechslungsreichen und ansprechenden Landschaftsbild sind positive Faktoren gegeben. | ||
Umgebung, sowie Freizeit- und Sporteinrichtungen wie dem modernen Schwimmbad aber | |||
vor Allem auch mit dem abwechslungsreichen und ansprechenden Landschaftsbild sind positive Faktoren gegeben. | |||
=== Ansässige Unternehmen === | === Ansässige Unternehmen === | ||
| Zeile 352: | Zeile 201: | ||
=== Bildung === | === Bildung === | ||
==== Volksschule ==== | ==== Volksschule ==== | ||
Das 1902 eröffnete Schulgebäude beherbergte damals 216 Schüler, der Höhepunkt wurde [[1933]] mit 298 Schülern erreicht, auch in den 50er und 60er Jahren sind ähnlich hohe | Das [[1902]] eröffnete Schulgebäude beherbergte damals 216 Schüler, der Höhepunkt wurde [[1933]] mit 298 Schülern erreicht, auch in den 50er und 60er Jahren sind ähnlich hohe Zahlen ausgewiesen. Gleich wie die Bevölkerungszahl ging auch die Schülerzahl in der VS Selzthal stetig zurück. Im Schuljahr 2013/2014 werden nur mehr 43 | ||
Zahlen ausgewiesen. Gleich wie die Bevölkerungszahl ging auch die Schülerzahl | Schüler unterrichtet. 1971 wurde das Gebäude renoviert und ein kombinierter Turn- und Festsaal mit einer Bühne zugefügt. 2006 bekam die Volksschule eine | ||
in der VS Selzthal stetig zurück. Im Schuljahr 2013/2014 werden nur mehr 43 | |||
Schüler unterrichtet. 1971 wurde das Gebäude renoviert und ein kombinierter | |||
Turn- und Festsaal mit einer Bühne zugefügt. 2006 bekam die Volksschule eine | |||
neue, farbenfrohe Fassade.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 128-129; http://www.vs-selzthal.at/ .</ref> | neue, farbenfrohe Fassade.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 128-129; http://www.vs-selzthal.at/ .</ref> | ||
==== Kindergarten ==== | ==== Kindergarten ==== | ||
1940 gab es erstmals einen Kindergarten. Es folgten Renovierungen und Um- und Zubaue. | 1940 gab es erstmals einen Kindergarten. Es folgten Renovierungen und Um- und Zubaue. 2007 erfolgte eine Generalsanierung des Kindergartengebäudes.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 121; http://www.vs-selzthal.at/ .</ref> | ||
2007 erfolgte eine Generalsanierung des Kindergartengebäudes.<ref>PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 121; http://www.vs-selzthal.at/ .</ref> | |||
== Politik == | == Politik == | ||
| Zeile 370: | Zeile 215: | ||
* YX [[Die Grünen|Grüne]]http://www.vs-selzthal.at/ | * YX [[Die Grünen|Grüne]]http://www.vs-selzthal.at/ | ||
* YY [[Freiheitliche Partei Österreichs|FPÖ]] --> | * YY [[Freiheitliche Partei Österreichs|FPÖ]] --> | ||
=== Bürgermeister === | === Bürgermeister === | ||
:''Hauptartikel: [[Bürgermeister der Gemeinde Selzthal]]'' | :''Hauptartikel: [[Bürgermeister der Gemeinde Selzthal]]'' | ||
| Zeile 379: | Zeile 221: | ||
<!-- === Städtepartnerschaften === --> | <!-- === Städtepartnerschaften === --> | ||
== Persönlichkeiten == | == Persönlichkeiten == | ||
=== Ehrenbürger === | |||
=== Töchter und Söhne der | :''Hauptartikel: [[Ehrenbürger der Gemeinde Selzthal]]'' | ||
* Melanie Wörgötter, Miss Styria 2012 | === Töchter und Söhne der Gemeinde === | ||
* Gerhard Fessl, Rapper | :''Hauptartikel: [[Töchter und Söhne der Gemeinde Selzthal]]'' | ||
* [[Melanie Wörgötter]], Miss Styria 2012 | |||
* [[Gerhard Fessl]], Rapper | |||
* [[Mario Kargl]], Gehörlosen-Tennis-[[Europameister aus dem Ennstal|Europameister]] im Doppel | * [[Mario Kargl]], Gehörlosen-Tennis-[[Europameister aus dem Ennstal|Europameister]] im Doppel | ||
== Bilder == | |||
{{Bildkat}} | |||
{{Commonscat|Selzthal}} | |||
== Weblinks == | |||
{{Homepage|http://www.selzthal.at}} | |||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
* Lumpe, Heinrich: Lumpe, Josefine: ''Im Land der steirischen Enns'', Liezen, 1988 | * Lumpe, Heinrich: Lumpe, Josefine: ''Im Land der steirischen Enns'', Liezen, 1988 | ||
| Zeile 390: | Zeile 239: | ||
* {{Wikipedia-de|Selzthal}} | * {{Wikipedia-de|Selzthal}} | ||
<references/> | <references/> | ||
{{Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Bezirk Liezen}} | {{Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Bezirk Liezen}} | ||
Version vom 16. Dezember 2014, 19:55 Uhr
| Ortsansicht | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Politischer Bezirk: | Liezen (LI) |
| Fläche: | 16,71 km² |
| Geografische Koordinaten: | 47° 33′ N, 14° 19′ O |
| Höhe: | 636 m ü. A. |
| Einwohner: | 1 641 (1. Jänner 2014) |
| Postleitzahl: | 8900 |
| Vorwahl: | 0 36 16 |
| Gemeindekennziffer: | 6 12 43 |
| Gliederung: | xx Katastralgemeinden |
| Magistrat/Gemeindeamt: | Selzthal 37 8900 Selzthal |
| Offizielle Website: | www.selzthal.at |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Alois Konrad Eckmann (SPÖ) |
| Gemeinderat: | 15 Mitglieder: 2 ÖVP, 13 SPÖ, |
| Bevölkerungs- entwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Bevölkerung |
| 1869 | 369 |
| 1880 | 823 |
| 1890 | 958 |
| 1900 | 1 266 |
| 1910 | 1 697 |
| 1923 | 1 985 |
| 1934 | 1 803 |
| 1939 | 2 208 |
| 1951 | 2 338 |
| 1961 | 2 681 |
| 1971 | 2 547 |
| 1981 | 2 364 |
| 1991 | 2 136 |
| 2011 | 1 677 |
| 2014 | 1 641 |
Selzthal ist eine Gemeinde im Osten des Bezirks Liezen.
Geografie
Geografische Lage
Selzthal befindet sich im östlichen Teil des steirischen Ennstals am nördlichen Ausgang eines kleinen Tals, das die Verbindung zwischen dem Ennstal und dem Paltental darstellt. Durch dieses Tal kommend fließt auch die Palten, die nur wenige Meter außerhalb der Gemeindegrenze von Selzthal im Nordosten, in die Enns mündet, die die nördliche Gemeindegrenze bildet.
Ortsgliederung
Selzthal besteht aus mehreren Ortschaften, die wie folgt lauten: Selzthal Dorf als der Siedlungskern und funktionales Zentrum, Neulassing und die Siedlung im Selzthaler Moos. Des Weiteren gehören Versbichl und Melzen zum Gemeindegebiet. Sie sind besonders in historischer Sicht erwähnenswert, weil es dort Siedlungstätigkeiten in Form von Bauernhöfen schon seit dem 15. Jahrhundert gibt. Sie sind im Gegensatz zu den anderen Teilen am Hangfuß gelegen, was eine frühere Besiedelung ermöglichte bzw. begünstigte[1].
Topographie
Selzthal weist eine verkehrsgünstige Lage auf. Es liegt in der nördlichen Längstalfurche, die vom Bodensee über das Inn- und Salzachtal, weiters durch das Ennstal bis zum Wiener Becken führt. Da die Längstalfurche auch als eine Landschaftsgrenze bezeichnet werden kann, ist die landschaftliche Umgebung sehr abwechslungsreich. Wir finden nördlich des breiten Talraumes die Nördlichen Kalkalpen mit den Ennstaler Alpen, wohin gehend das Dürrenschöberl zu den Eisenerzer Alpen gehört. Der Mitterberg ist noch den Wölzer Tauern zuzurechnen.[2]
Selzthal liegt am Treffpunkt mehrerer Landschaftseinheiten. Hier ist primär das Ennstal zu nennen, hier liegt die Siedlungskonzentration, auch das Paltental hat einen Anteil am Gemeindegebiet. Den flächenmäßig größten Teil nimmt jedoch die Südwest- und Westabdachung des Dürrenschöberlzuges ein.[3] Der Dürrenschöberlzug weist Mittelgebirgscharakter auf und eignet sich deshalb aufgrund seiner sanften Formen besonders für die Forstwirtschaft. Die montane Stufe geht bis zu einer Höhe von 1 500 m ü. A., danach folgt die subalpine Zone. Der Gebirgszug beherbergt auch die größte Erhebung der Gemeinde, das Dürrenschöberl mit 1 737 m ü. A.. Der Gipfelbereich ist gekennzeichnet durch Lärchenbestand, hier gibt es keine Bäume, obwohl der Gipfel noch unterhalb der potentiellen Waldgrenze liegt. Grund dafür ist eine ehemalige Rodung des Gipfelbereichs für die Almwirtschaft. Nach Aufgabe dieser konnte sich die Vegetation aufgrund der exponierten Lage des Gipfels nicht mehr regenerieren.[4]
Der Ennstalboden als Charakteristikum
Der Ennstalboden in Selzthal ist charakterisiert durch eine beckenartige Erweiterung, die Moore und Feuchtwiesen aufweist. In den Kaltzeiten prägten Gletscher das Landschaftsbild wesentlich. Auch das Ennstal wurde durch die Erosionskraft der Gletscher gestaltet. Als sich der Gletscher zurückzog, bildetete sich in der tiefen Wanne ein See, welcher im Laufe der Zeit zusedimentiert wurde. Dies ist auch heute noch der Talboden. Die Schluffschichten des Bodens sind eine Ursache für die starke Vernässung.
Typisch für die Enns war die Mäandrierung, die durch das geringe Gefälle aufgrund der Felsschwelle des Gesäuseeingangs einerseits und aufgrund der Schwemmkegel der Seitenbäche, die ins Tal fließen andererseits, verursacht wurde. Diese Schwemmkegel tragen wasserundurchlässige Seeablagerungen an, die zusätzlich Vernässungen begünstigen. Nicht weit weg vom Gebiet des heutigen Selzthals war die Mäanderbildung am ausgeprägtesten. Diese starken Mäander begünstigten Hochwasser sehr stark, weswegen man 1860 beschloss, die Enns zu regulieren. Die Folge dieser Regulierung war ein Absinken des Grundwasserspiegels und die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit. Dadurch wurden die umliegenden Wiesen trockengelegt, was eine landwirtschaftliche Nutzung und, vor Allem in Anbetracht der Entwicklung der Gemeinde, den Bau einer Trasse möglich machten.
Überreste der Regulierung waren Altarme, die lange Zeit Hindernis einer Besiedelung in Richtung NO dargestellt haben. Selzthal ist zusätzlich noch Hochwasser gefährdet, weil Enns und Palten zusammenfließen.[5]
Böden
Typisch für Selzthal sind die größtenteils stark vernässten Böden, die als anmoorig bezeichnet werden können. Diese Böden waren aber vor der Besiedelung durch die Menschen wesentlich anders. Vor Allem durch die bereits genannte Regulierung der Enns und Aufforstungen sowie Straßenbau verloren diese Böden, wie bspw. das Selzthaler oder das Wörschacher Moor ihren Moorcharakter. Als letztes Moor mit seinem ursprünglichen Charakter kann das Pürgschachener Moor bezeichnet werden.
Heute prägen das Landschaftsbild der Gemeinde Großteils Fichtenaufforstungen, Äcker und Wiesen. [6]
Nachbargemeinden
Nachbargemeinden sind im Südwesten die Gemeinde Lassing, im Westen die Stadt Liezen, im Norden die Gemeinde Ardning, im Osten Admont und im Süden die Stadt Rottenmann.
Bevölkerung
Allgemeine Daten
Selzthal wies im Jahr 2014 eine Einwohnerzahl von 1 641 auf. Im Jahr 2010 waren es noch 1 739, das ist ein Rückgang von rund 5,7%. Der Anteil der Altersgruppe „unter 20 Jahre“ ist von 17 % im Jahr 2010 auf 15,4 % im Jahr 2014 gesunken. Dieser Wert ist unterdurchschnittlich niedrig, der Durchschnittswert Österreichs liegt nämlich bei 20 %. Der Anteil der Altersgruppe „65 Jahre und älter“ ist mit 21,9 % leicht höher im Vergleich zum österreichischen Wert. Der Ausländeranteil beträgt mit 6,6% nur knapp die Hälfte vom österreichischen Wert mit 11-12%. Die Geburten- und Wanderungsbilanz ist beinahe allen Jahren seit 2009 negativ.[7]
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Selzthal von einem Bevölkerungsrückgang betroffen ist. Seit dem Höchststand 1961 mit 2 681 Einwohnern hat sich die Bevölkerungszahl durch eine negative Geburtenbilanz einerseits und andererseits zum größten Teil durch eine negative Wanderungsbilanz verringert. Dies und die demographische Zusammensetzung der Gemeinde (der Anteil der jungen Altersgruppe ist unterdurchschnittlich niedrig) lassen auf eine Abwanderung der vor Allem jungen Bevölkerung schließen. Mögliche Gründe für die Abwanderung bieten die im Kapitel "Wirtschaftsdaten" dargestellten Zahlen.
Siedlungsgeschichte
Waren es in früherer Zeit ländlich geprägte Einzelsiedlungen, weit verstreut an Hängen, die das Erscheinungsbild der Gemeinde formten, sind es heute noch typische Eisenbahnkasernen des 20. Jahrhunderts, Schrebergärten und die wachsende Siedlung Neulassing mit ihren Einfamilienhäusern.[8]
Das Zentrum und der Süden der Gemeinde
Die Entstehung von Weilern, das sind Gruppensiedlungen, ist auch in Selzthal noch vor dem Bahnhofsbau zu erkennen. Diese waren zum größten Teil an der Nordwestabdachung des Dürrenschöberls angesiedelt. Diese Einzelsiedlungen waren alles landwirtschaftliche Betriebe, die heute bis auf wenige Ausnahmen aufgegeben wurden. Am Schwemmkegel des Talriesnerbaches kam es ebenfalls zu Siedlungstätigkeiten, die damals jedoch noch keine Weilerdimension aufwiesen. Dennoch waren sie für die Gemeinde wichtige Konzentrationspunkte für die weitere Besiedelung. Die Südseite des Gemeindegebietes Richtung Paltental wird als Alt-Selzthal bezeichnet. Schon der Name lässt auf ein weiteres altes Siedlungsgebiet schließen. Es liegt auf einem Hangfuß und war damit vor Hochwasser geschützt, was eine Besiedelung begünstigte. Zu Selzthal gehören heute noch Melzen und Versbichl.[9]
Neulassing und das Moos
Im Zuge des Bahnhofsbaus kam es im 19. Jahrhundert zu einer regen Bautätigkeit, die natürlich die Siedlungstätigkeit wesentlich beeinflusste. Rund um den Bahnhof wurden neue Gebiete erschlossen, bald waren jedoch die räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft, so dass man weitere Siedlungsflächen fand. Dies war die Geburtsstunde von "Neulassing“, das damals noch zum Gemeindegebiet von Lassing gehörte. Es war außerhalb des unmittelbaren Ennstalbodens und war deshalb weniger vernässt. Dennoch war der hohe Grundwasserspiegel des Bodens immer ein Problem, dies betrifft vor Allem Fundamentierungen von Gebäuden. Neulassing stellt in seiner Erscheinungsform einen starken Kontrast zum Zentrum der Gemeinde dar. Es fehlen typische Eisenbahnerwohnungen, Einfamilienhäuser sind vorherrschend. Die Besiedlung schritt rasch voran, deshalb musste man sich auch bald dem hochwassergefährdeten „Moos“ öffnen, auch Räume im Osten des Gemeindezentrums wurden erschlossen. Das Moos stellt eine noch ungünstigere Lage dar, weil die Ennshochwässer wesentlich stärker sind als die der Palten. Das Siedlungsbild gleicht dem von Neulassing.[10]
Der Nordosten der Gemeinde
Für den Nordosten der Gemeinde ist zu sagen, dass die Siedlungsentwicklung erst relativ spät begonnen hat, weil die Altarme der Palten diese verhindert hatten. Dort finden wir einen relativ steilen Hang, der schlagartig in die stark vernässten Paltenwiesen übergeht. Dies hatte zur Folge, dass lange Zeit Einzelsiedlungen nur entlang der Straße am Hangfuß gebaut worden sind. Hier gab es noch lange Zeit mit Schilf bedeckte Flächen. Ausnahmen waren Schrebergärten. Neben dem Hang gibt es noch Schwemmkegel, auf denen sich Bauernhöfe befinden, die teilweise ihren Ursprung im 13. und 14. Jahrhundert haben. Landwirtschaftliche Betriebe wurden später oftmals aufgegeben, wodurch die ÖBB die Grundstücke aufkauften und Mehrfamilienhäuser errichteten. Heute ist der Nordosten von Selzthal also von Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie von Schrebergärten geprägt. Außerdem ist noch die Hüttensiedlung am nordöstlichsten Rand zu nennen, der damals aufgrund seiner Lage in einem Landschaftsschutzgebiet nicht unumstritten war. Die funktionale Ausstattung der Gemeinde konzentriert sich freilich auf das Zentrum rund um den Bahnhof, der Nordosten weist aber dennoch einige wichtige Funktionen auf. Beispiele dafür sind der Friedhof, das neue Schwimmbad, der Eislaufplatz, Tennisplätze und der Fußballplatz. Grund dafür sind auch Überlegungen bezüglich der Entlastung im Zentrum. So wurde beispielsweise der alte Fußballplatz in der Nähe des Bahnhofes aufgelassen, um freie Flächen für Wohnungen zu ermöglichen.[11]
Geschichte
- Hauptartikel: Selzthal Geschichte
Während der Völkerwanderung kam es zur slawischen Besiedelung, danach folgte die bayrische Kolonisation. Zahlreiche Namen stammen aus diesen Zeiten. Wesentlicher Förderer der Besiedelung im späteren Gemeindegebiet war das Benediktinerstift Admont. Berghänge wurden nun urbar gemacht, da das Tal aufgrund der Hochwässer nicht besiedelbar war. Es war auch Admont, das die Selzthaler Klause, eine militärische Anlage zur Sicherung des Tales, erbaut hat.
Erste Formen nimmt die Gemeinde dann in der späten Neuzeit an. Vermessungsmaßnahmen unter Maria Theresia und ihren Nachfolgern zeigen die Teile der Gemeinde, zu dieser Zeit war Selzthal jedoch noch der Gemeinde Versbichl angehörig.
Wichtige Maßnahme war die Paltenregulierung 1823 unter Erzherzog Johann. Dies ermöglichte nun Siedlungs- und Bautätigkeiten im Tal. Langsam aber sicher entwickelte sich nun Selzthal zu einem wichtigen Verkehrspunkt.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann der Eisenbahnbau in den österreichischen Ländern der Habsburgermonarchie. Mit dem Bau der Gesäusebahn ab 1868 suchte man nun nach einem geeigneten Eisenbahnknotenpunkt. Die Wahl fiel trotz der schwierigen Bedingungen auf Selzthal, einem vormaligen Teil der Gemeinde Versbichl. 1860 wurde die Enns reguliert und ermöglichte so die Weiterführung der Kronprinz-Rudolf-Bahn. Der moorige Untergrund wurde trockengelegt und 1872 wurde die Verbindung von Steyr über Selzthal nach Rottenmann und weiter nach Sankt Michael fertiggestellt. 1875 folgte die Querverbindung durch die Ennstalbahn nach Bischofshofen, 1906 der Bosrucktunnel. Der Ort gewann an Einwohnern, Bebauung und öffentlichen Einrichtungen, wie die 1914 errichtete Pfarre. Erweitert wurde der Bahnhof Selzthal 1912 als Inselbahnhof, welcher 1945 im Zuge der Luftangriffe schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bei einem Bombenangriff am Ostersonntag 1945 wurden mindestens 70 Menschen getötet. 1970 gelang die Fertigstellung der Elektrifizierung der Gesäusestrecke.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Vereine
Die Auswirkungen des Schrumpfens des Eisenbahnstandortes auf die Bewohner der Gemeinde und das Gemeindeleben sind in einer lesenswerten Reportage des Falters dargestellt. Hier kommen Einwohner der Gemeinde zu Wort. Wie bspw. Andreas Sandner, der Obmann des Sterbevereins. Die Mitglieder übernehmen im Falle eines Todes solidarisch die Begräbniskosten. Das ist ein geeignetes Beispiel dafür, wie die Eisenbahn und mit ihr ihre Mitglieder das Gemeindeleben prägen. Sandner beklagt jedoch den Abgang der jungen Bevölkerung, ohne die Vereine langfristig nicht überlebensfähig sind. Der Mitgliederschwund betrifft auch andere Selzthaler Vereine.[12]
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaftsdaten
Mit einer Steuerkraftkopfquote von 880 ist sie im Vergleich zu den Vorjahren zwar gewachsen, im Vergleich zur Quote Österreichs mit 1 277 und auch zur steirischen Quote mit 1 205 ist sie erheblich unterdurchschnittlich niedrig. Die Einpendlerquote ist seit dem Jahr 1981 um 24,6 % gesunken, während die Auspendlerquote seit demselben Zeitraum um 39,1% gestiegen ist. Es pendeln 255 Menschen mehr aus, als in die Gemeinde einpendeln. Diese Daten lassen schlussfolgern, dass die Gemeinde ein unzureichendes Arbeitsplatzangebot hat, da die Pendler- und Wanderungsbilanz negativ sind.[13]
Verkehr
Aufgrund der bereits erwähnten Lage an der nördlichen Längstalfurche war das Gebiet um Selzthal bereits früh Teil einer alten Hauptdurchgangslandschaft. Der Bahnhof Selzthal verbindet die durchgehende Rudolfsbahn mit der Pyhrnbahn und der Ennstalbahn. Durch den südlichen Teil des Gemeinde führt die Schoberpass Straße (B 113).
Der Bahnverkehr als Lebensader der Gemeinde
Ernsthafte Bedeutung erreichte Selzthal jedoch erst durch den Bau der Eisenbahn im 19. und 20. Jahrhundert. Anhand der geographischen Lage wird die verkehrsgeographische Bedeutung der Gemeinde verdeutlicht. Denn sie ermöglicht Zugverbindungen in alle vier Himmelsrichtungen. Richtung Norden führt die Eisenbahn nach Linz, Richtung Osten erreichte man Amstetten, die Bahnstrecke nach Süden führt nach Graz, und die westliche Bahnstrecke erschließt das Ennstal und führt weiter nach Salzburg. Selzthal ist also Bahnknotenpunkt für zahlreiche Schnell- und Regionalzüge. Des Weiteren kann der Ort als „Zugbildebahnhof“ für ausgehende Reise- und Güterzüge und als „Unterwegsbahnhof“ für durchgehende Reise- und Güterzüge bezeichnet werden.[14]
Rückgang der Bedeutung als Bahnknotenpunkt - Sparmaßnahmen
Grundsätzlich findet jedoch ein stetiger Rückgang der Beschäftigungszahlen statt. Dies ist einerseits der zunehmenden Bedeutung von Hochtechnologien geschuldet, andererseits sind es vor Allem Sparmaßnahmen seitens der ÖBB. Diese beinhalten Schließungen wie bspw. die Service-Werkstätte, die Arbeitsplatzverluste und eine Standortgefährdung mit sich bringen. Wie wichtig die Eisenbahn für die Gemeinde Selzthal ist, verdeutlicht die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil der ÖBB-Arbeitsplätze von Einwohnern der Gemeinde besetzt sind. Die Arbeitsstättenzählung der Statistik Austria aus dem Jahre 2001 zeigt, dass von den 701 Beschäftigten der Gemeinde 551 im Verkehr und in der Nachrichtenübermittlung arbeiteten. Der Bürgermeister der Gemeinde, Alois Eckmann sagt dazu: „Unsere gesamte Infrastruktur ist auf die Eisenbahn zugeschnitten. Praktisch alle verwertbaren Flächen sind von den ÖBB besetzt, da ist es beinahe unmöglich, neue Betriebe und damit neue Arbeitsplätze in den Ort zu bekommen.“ Und weiter: „Wenn die Bahn aus Selzthal abwandert, stirbt ein ganzer Ort mit.“
Auch der Verschub ist immer wieder Thema der Einsparungen.[15]
Neben direkten ortsbezogenen Einsparungen sind auch Fahrplanumstellungen oder Schließung von Nebenbahnen ein Merkmal. Bspw. 2010 sind 500 000 Zug- und Buskilometer in Oberösterreich gestrichen worden. Insbesondere die Streichung der Direktverbindung von Linz nach Graz sei hier zu erwähnen. Grund der Streichung war die defizitäre Strecke. Mittlerweile gibt es wieder zwei Direktverbindungen pro Tag, jedoch mit einer Flügelung, also zwei Zugteilen.[16]
Die Schleife Selzthal als Charakteristikum
Ein zentrales Projekt der ÖBB ist die sogenannte Schleife Selzthal, die seit vielen Jahren bereits auf der Agenda steht, jedoch auch aufgrund von Sparmaßnahmen noch nicht durchgeführt wurde. Die Kosten berufen sich auf ca. 56 Mio Euro. Die Schleife soll die Strecke attraktiver machen, in dem verkehrende Züge nicht mehr in Selzthal stürzen müssen. Wie die Entwicklung zeigt, ist noch ungewiss, ob sich der Bau der Schleife noch weiter verzögert, für die Gemeinde wird sie jedenfalls eine große Auswirkung mit sich führen. Jedenfalls wehrt sich die Gemeindepolitik gegen die Baupläne, während Bundes- und auch Landespolitik sich für den Bau aussprechen. Verzögert wird die Entwicklung jedoch immer wieder durch Sparmaßnahmen.[17]
Fremdenverkehr
Für die Jahre 2011 bis 2013 sind keine Ankünfte oder Nächtigungen verzeichnet. Natürliche Voraussetzungen wie Landschaftsbild oder klimatische Verhältnisse wären vorhanden, doch Selzthal war seit jeher nur ein Ort für Durchzugsreisende. Außerdem ist aus dem Eisenbahnverkehr eine historische Persistenz entstanden, da bis in die 1970er Jahre noch der Dampfbetrieb vorherrschend war und durch die dichten Rußwolken an einen Fremdenverkehr nicht zu denken war. Als die Elektrifizierung kam, hatte die Gemeinde jedoch bereits einen erheblichen Wettbewerbsnachteil, da der Fremdenverkehr in der Region bereits seit längerer Zeit eingesetzt hatte. Außerdem erschwert die Infrastruktursituation (viele Gebäude gehören der ÖBB) die Lage.[18]
Aufgrund der unsicheren Zukunft für den Ort könnte der Tourismus eine Alternative darstellen. Mit Ennsauen, Mooswiesen und zahlreichen Wanderwegen in der Umgebung, sowie Freizeit- und Sporteinrichtungen wie dem modernen Schwimmbad aber vor Allem auch mit dem abwechslungsreichen und ansprechenden Landschaftsbild sind positive Faktoren gegeben.
Ansässige Unternehmen
Eine Liste über alle Unternehmen findest du auf der Homepage der Gemeinde oder du durchsuchst die Kategorie:Selzthal, die Kategorie:Wirtschaft oder Kategorie:Tourismus.
Bildung
Volksschule
Das 1902 eröffnete Schulgebäude beherbergte damals 216 Schüler, der Höhepunkt wurde 1933 mit 298 Schülern erreicht, auch in den 50er und 60er Jahren sind ähnlich hohe Zahlen ausgewiesen. Gleich wie die Bevölkerungszahl ging auch die Schülerzahl in der VS Selzthal stetig zurück. Im Schuljahr 2013/2014 werden nur mehr 43 Schüler unterrichtet. 1971 wurde das Gebäude renoviert und ein kombinierter Turn- und Festsaal mit einer Bühne zugefügt. 2006 bekam die Volksschule eine neue, farbenfrohe Fassade.[19]
Kindergarten
1940 gab es erstmals einen Kindergarten. Es folgten Renovierungen und Um- und Zubaue. 2007 erfolgte eine Generalsanierung des Kindergartengebäudes.[20]
Politik
Bürgermeister
- Hauptartikel: Bürgermeister der Gemeinde Selzthal
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- Hauptartikel: Ehrenbürger der Gemeinde Selzthal
Töchter und Söhne der Gemeinde
- Hauptartikel: Töchter und Söhne der Gemeinde Selzthal
- Melanie Wörgötter, Miss Styria 2012
- Gerhard Fessl, Rapper
- Mario Kargl, Gehörlosen-Tennis-Europameister im Doppel
Bilder
- Selzthal – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien bei Ennstalwiki
Selzthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons
Weblinks
Quellen
- Lumpe, Heinrich: Lumpe, Josefine: Im Land der steirischen Enns, Liezen, 1988
- Offizieller Webauftritt "Selzthal"
- Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Selzthal"
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 3.
- ↑ PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 16.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 2.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 35-36.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 10-14; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 10-14.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 31; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 20-21.
- ↑ http://www.statistik.steiermark.at/cms/dokumente/11680534_103033905/d78488b2/61243.pdf.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 40.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S- 43-44.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 52-55.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S- 56-58.
- ↑ http://derbernold.com/2009/11/07/endstation-selzthal/
- ↑ Landesstatistik Steiermark.
- ↑ WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 37-38; PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 172.
- ↑ PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 172; http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/476891/index.do; http://www.kleinezeitung.at/steiermark/liezen/oeblarn/2586235/oebb-sparen-selzthal.story; http://www.krone.at/Nachrichten/OeBB_ueberlegen_Abzug_des_Verschub-Bahnhofs-Angst_in_Selzthal-Story-170931; http://www.statistik.at/blickgem/az1/g61243.pdf.
- ↑ http://derstandard.at/1285200855465/Neuer-OeBB-Fahrplan-Kritik-Verkehr-verlagert-sich-wieder-auf-die-Strasse; http://derstandard.at/1285199649388/Direktverbindung-IC-Verbindung-Linz---Graz-wird-eingestellt; http://derstandard.at/1361240409018/Bahnverbindung-Graz-Linz-kommt-ab-Dezember-2013-wieder.
- ↑ http://www.krone.at/Nachrichten/B320_Ausbau_noch_vor_der_Ski-WM-Causa_Ennstal-Story-114348; https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20004996; http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/2120836/oebb-fahren-strecken-ausbauplaene-zurueck.story; Statistik Steiermark, http://www.fahrgast-steiermark.at/fileadmin/zeitung_sondernummern/FG_Zeitung_2010_Landtagswahl.pdf; Statistik Austria, http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/.
- ↑ Landesstatistik Steiermark; WIESINGER Kurt, Selzthal – eine sozial-, siedlungs- und wirtschaftsgeographische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung seiner Funktionen als Bahnknoten. Diss. Graz 1990, S. 114-116.
- ↑ PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 128-129; http://www.vs-selzthal.at/ .
- ↑ PARTH Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 121; http://www.vs-selzthal.at/ .
Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Bezirk Liezen