Almen im Schladmingtal: Unterschied zwischen den Versionen
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== Einleitung == | == Einleitung == | ||
Bergwanderer, die von den Parkplätzen der [[Hopfriesen]], [[Eschau]] oder [[Weiße Wand|Weißen Wand]] zu einer Bergtour in die [[Schladminger Tauern]] aufbricht oder müde die Berghütten der [[Preintalerhütte]], [[Gollinghütte]], [[Keinprechthütte]] erreichen, gehen immer auf dem Boden von ehemaligen [[Alm]]en. | Bergwanderer, die von den Parkplätzen der [[Hopfriesen]], [[Eschau]] oder [[Gasthaus Weiße Wand|Weißen Wand]] zu einer Bergtour in die [[Schladminger Tauern]] aufbricht oder müde die Berghütten der [[Preintalerhütte]], [[Gollinghütte]], [[Keinprechthütte]] erreichen, gehen immer auf dem Boden von ehemaligen [[Alm]]en. | ||
Heute weiden neben diesen Plätzen und Hütten noch Rinder, aber die dazugehörigen Almen sind zum großen Teil verschwunden, manche in gemütliche Raststationen umgewandelt. Echte Sennereien werden kaum mehr betrieben. Nur auf der [[Waldhornhütte]] beim vulgo Elias und auf der [[Untere Gfölleralm|unteren Gfölleralm]] wird noch gebuttert und gekäst. | Heute weiden neben diesen Plätzen und Hütten noch Rinder, aber die dazugehörigen Almen sind zum großen Teil verschwunden, manche in gemütliche Raststationen umgewandelt. Echte Sennereien werden kaum mehr betrieben. Nur auf der [[Waldhornalm|Waldhornhütte]] beim vulgo Elias und auf der [[Untere Gfölleralm|unteren Gfölleralm]] wird noch gebuttert und gekäst. | ||
Noch vor 150 Jahren entfiel der größte Teil der produktiven Fläche des ehemaligen „[[Schladmingtal]]es“ auf Almen. Da in den Akten bis ins 19. Jahrhundert für die Gemeinden [[Rohrmoos]]-[[Obertal (Ort)|Obertal]] und [[Untertal (Ort)|Untertal]] immer der Name „Schladmingtal“ verwendet wurde, soll er in diesem Artikel für das zu untersuchende Gemeindegebiet gelten. | Noch vor 150 Jahren entfiel der größte Teil der produktiven Fläche des ehemaligen „[[Schladmingtal]]es“ auf Almen. Da in den Akten bis ins 19. Jahrhundert für die Gemeinden [[Rohrmoos]]-[[Obertal (Ort)|Obertal]] und [[Untertal (Ort)|Untertal]] immer der Name „Schladmingtal“ verwendet wurde, soll er in diesem Artikel für das zu untersuchende Gemeindegebiet gelten. | ||
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Seit wann [[Almwirtschaft]] in dieser Region betrieben wird, müssen wohl die Archäologen klären. Aus dem benachbarten [[Dachsteinplateau]] mit dem Nachweis von Almvorkommen bereits vor 4 000 Jahren können wir vermuten, dass ähnliche Wirtschaftsformen auch im Gebiet der Schladminger Tauern zur [[Bronzezeit]] üblich waren. | Seit wann [[Almwirtschaft]] in dieser Region betrieben wird, müssen wohl die Archäologen klären. Aus dem benachbarten [[Dachsteinplateau]] mit dem Nachweis von Almvorkommen bereits vor 4 000 Jahren können wir vermuten, dass ähnliche Wirtschaftsformen auch im Gebiet der Schladminger Tauern zur [[Bronzezeit]] üblich waren. | ||
Mit dem zaghaften Fließen von schriftlichen Quellen erfahren wir von Almnamen im hohen [[Mittelalter]]. Um [[1280]], also am Beginn der Habsburgerherrschaft, sind in einem landesfürstlichen Urbar unter den „Predia ducis Austriae in valle Anesi“ (Gütern des Herzogs von Österreich im Ennstal) zwei Alpen erwähnt: das „Hesenchor 3 sol.“ ([[Hasenkaralm]] nördlich oberhalb des [[Riesachsee]]s) und die [[Neudeckalpe]] westlich der [[Guschen]], knapp außerhalb der Gemeindegrenze von Rohrmoos: „Neydekker de alpe 60 den. Saltzb.“ | Mit dem zaghaften Fließen von schriftlichen Quellen erfahren wir von Almnamen im hohen [[Mittelalter]]. Um [[1280]], also am Beginn der Habsburgerherrschaft, sind in einem landesfürstlichen Urbar unter den „Predia ducis Austriae in valle Anesi“ (Gütern des Herzogs von Österreich im Ennstal) zwei Alpen erwähnt: das „Hesenchor 3 sol.“ ([[Hasenkaralm]] nördlich oberhalb des [[Riesachsee]]s) und die [[Obere Neudeckalm|Neudeckalpe]] westlich der [[Guschen]], knapp außerhalb der Gemeindegrenze von Rohrmoos: „Neydekker de alpe 60 den. Saltzb.“ | ||
Diese frühen Erwähnungen von Almen sagen Folgendes aus: Almen wurden im Mittelalter bereits als Güter verkauft oder verliehen. Die Geldsumme zeigt die jährliche Steuer, die dem Grundherrn, hier dem Landesherrn, zu entrichten war. 3 solidi waren 3 Schilling (1 Pfund = 8 Schilling = 240 Pfennig), 60 Denarii oder Pfennig entsprachen 2 Schilling. | Diese frühen Erwähnungen von Almen sagen Folgendes aus: Almen wurden im Mittelalter bereits als Güter verkauft oder verliehen. Die Geldsumme zeigt die jährliche Steuer, die dem Grundherrn, hier dem Landesherrn, zu entrichten war. 3 solidi waren 3 Schilling (1 Pfund = 8 Schilling = 240 Pfennig), 60 Denarii oder Pfennig entsprachen 2 Schilling. | ||
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Naturaldienst für die Almen war anfangs auch im Schladmingtal üblich, nur sind uns die Aufzeichnungen darüber nicht mehr erhalten. Aus einem Einzelakt ist uns erhalten, dass Catharina Allin für ihre ‘‘Albsgerechtigkeit die Risach genandt im SchlädmingThall an die Probstei Gstatt jährlich das Säckelschmalz davon gedient habe.‘‘ Unter „Schmalz“ verstand man immer Butterschmalz, welches aus der Läuterung der Butter gewonnen wird, lange haltbar ist und auch zum Braten und Backen geeignet ist. | Naturaldienst für die Almen war anfangs auch im Schladmingtal üblich, nur sind uns die Aufzeichnungen darüber nicht mehr erhalten. Aus einem Einzelakt ist uns erhalten, dass Catharina Allin für ihre ‘‘Albsgerechtigkeit die Risach genandt im SchlädmingThall an die Probstei Gstatt jährlich das Säckelschmalz davon gedient habe.‘‘ Unter „Schmalz“ verstand man immer Butterschmalz, welches aus der Läuterung der Butter gewonnen wird, lange haltbar ist und auch zum Braten und Backen geeignet ist. | ||
Im [[16. Jahrhundert]] zahlte Thoman Hertzmair im Mos ( [[Timmelbauer]] auf der Ramsau-Leiten) von oberer und mittlerer Viertl-Albm im Wildkhar 1 ß 10 d. Achtel-Almanteile waren bei größeren Almen wie das Wildkar üblich, ansonsten Viertelanteile. | Im [[16. Jahrhundert]] zahlte Thoman Hertzmair im Mos ( [[Timmelbauerhof|Timmelbauer]] auf der Ramsau-Leiten) von oberer und mittlerer Viertl-Albm im Wildkhar 1 ß 10 d. Achtel-Almanteile waren bei größeren Almen wie das Wildkar üblich, ansonsten Viertelanteile. | ||
Anderen Bauern war die Steuer für den Almanteil in den Urbaren nicht extra ausgewiesen, sondern in der Steuer für den Hof inkludiert. | Anderen Bauern war die Steuer für den Almanteil in den Urbaren nicht extra ausgewiesen, sondern in der Steuer für den Hof inkludiert. | ||
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=== Wiesmahd oder „Maderteil“ auf Almen === | === Wiesmahd oder „Maderteil“ auf Almen === | ||
Anders als auf den unzugänglichen Pürgmahd-Stellen waren auf manchen Almen Anger oder einfach Wiesenstücke für die Mahd vorgesehen. Anger und vermutlich auch solche Almwiesen waren meist eingezäunt. In anderen Almgegenden wie dem Dachstein weisen Flurnamen auf Almen wie „Wiesmahd“ auf diese Bewirtschaftungsart hin (z.B. im [[Kemetgebirge]] im östlichen Dachsteinstock die Große Wiesmahd und die Hochwiesmahd, weiters die | Anders als auf den unzugänglichen Pürgmahd-Stellen waren auf manchen Almen Anger oder einfach Wiesenstücke für die Mahd vorgesehen. Anger und vermutlich auch solche Almwiesen waren meist eingezäunt. In anderen Almgegenden wie dem Dachstein weisen Flurnamen auf Almen wie „Wiesmahd“ auf diese Bewirtschaftungsart hin (z.B. im [[Kemetgebirge]] im östlichen Dachsteinstock die Große Wiesmahd und die Hochwiesmahd, weiters die [[Mahd]], [[Hollermahd]] und die [[Mahdspitze]] oberhalb der [[obere Schupferalm|Schupferalm]] im [[Preunegg]]). | ||
Aus einer Güterbeschreibung der Gstatter Besitzungen aus dem Jahre [[1625]] erfahren wir, dass auf einigen Almen solche Wiesenstücke zur Mahd vorgesehen waren. Hier sei genau unterschieden zwischen den „Halten“, „Orten“, „Einfängen“ (eingezäunten Grundstücken) oder „Heimweiden“, die in der Nähe der Heimhöfe lagen und selbstverständlich auch abgemäht wurden, und den eigentlichen Almen: | Aus einer Güterbeschreibung der Gstatter Besitzungen aus dem Jahre [[1625]] erfahren wir, dass auf einigen Almen solche Wiesenstücke zur Mahd vorgesehen waren. Hier sei genau unterschieden zwischen den „Halten“, „Orten“, „Einfängen“ (eingezäunten Grundstücken) oder „Heimweiden“, die in der Nähe der Heimhöfe lagen und selbstverständlich auch abgemäht wurden, und den eigentlichen Almen: | ||
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Zur Achenau-Alm (eine Hochalm) gehörte ‘‘item ein Maderthaill, alß auf obbemelter (Alm) 3 Wisen in allen auf 7 Tagwerch Madt, drauf bis 20 Schlidten guets und schlechtes Heu zu fexen.‘‘ | Zur Achenau-Alm (eine Hochalm) gehörte ‘‘item ein Maderthaill, alß auf obbemelter (Alm) 3 Wisen in allen auf 7 Tagwerch Madt, drauf bis 20 Schlidten guets und schlechtes Heu zu fexen.‘‘ | ||
Auf der [[Wildkaralm]] (die halbe Alm, dem Krieger gehörig): ‘‘bis 6 Tagwerch Madt auf 18 Schlidten Gueth edles Heu zu fexen.‘‘ Der Almteil des Grössing auf dieser Alm ergab: ‘‘Desgleichen ein PürgMadt, bei 4 Schlidten edles Hey zue fexnen, so nach Saillen herabzuelassen.‘‘ | Auf der [[Wildkaralm]] im [[Wildkar]] (die halbe Alm, dem Krieger gehörig): ‘‘bis 6 Tagwerch Madt auf 18 Schlidten Gueth edles Heu zu fexen.‘‘ Der Almteil des Grössing auf dieser Alm ergab: ‘‘Desgleichen ein PürgMadt, bei 4 Schlidten edles Hey zue fexnen, so nach Saillen herabzuelassen.‘‘ | ||
... auf Seilen herabzulassen zeigt, unter welch mühsamen Bedingungen selbst kleine Heumengen gewonnen wurden. | ... auf Seilen herabzulassen zeigt, unter welch mühsamen Bedingungen selbst kleine Heumengen gewonnen wurden. | ||