Selzthal Geschichte: Unterschied zwischen den Versionen

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== Erwachen: Von den Anfängen bis ins Mittelalter ==
== Erwachen: Von den Anfängen bis ins Mittelalter ==
=== Die Anfänge, slawische und bayrische Besiedelung ===
=== Die Anfänge, slawische und bayrische Besiedelung ===
Im Gemeindegebiet hat man bis heute keine ur- oder frühgeschichtlichen Funde entdecken können. Funde aus den Nachbarorten lassen jedoch auf Siedlungstätigkeit in dieser Gegend schließen. Zu aller erst waren dies [[Kelten]], die das [[Königreich Norikum]] hervorbrachten, welches später zur gleichnamigen römischen Provinz wurde. Im Zuge der [[Völkerwanderung]] kam es zur slawischen Besiedelung. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Bezeichnungen wie bspw. "Melczen“, das möglicherweise auf das slawische "meljce“ = kleiner Sandriese zurückzuführen ist. Auch Selzthal ist möglicherweise slawischen Ursprungs. Es folgte die [[bayrische Kolonisation]], und damit auch erste Nennungen deutscher Ortsnamen.<ref>[[Martin Parth|Parth, Martin]] (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 26-28.</ref>
Im Gemeindegebiet hat man bis heute keine ur- oder frühgeschichtlichen Funde entdecken können. Funde aus den Nachbarorten lassen jedoch auf Siedlungstätigkeit in dieser Gegend schließen. Zu aller erst waren dies [[Kelten]], die das [[Königreich Norikum]] hervorbrachten, welches später zur gleichnamigen römischen Provinz wurde. Im Zuge der [[Völkerwanderung]] kam es zur slawischen Besiedelung. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Bezeichnungen wie bspw. "Melczen", das möglicherweise auf das slawische "meljce" = kleiner Sandriese zurückzuführen ist. Auch Selzthal ist möglicherweise slawischen Ursprungs. Es folgte die [[bayrische Kolonisation]], und damit auch erste Nennungen deutscher Ortsnamen.<ref>[[Martin Parth|Parth, Martin]] (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 26-28.</ref>


=== Erste Besiedelung in Selzthal ===
=== Erste Besiedelung in Selzthal ===
[[Datei:Dürrenschöberl3.jpg|thumb|Typische Berghanglage eines Bauernhofes. Er ist heute einer der wenigen noch erhaltenen Landwirtschaften in der Gemeinde.]]
[[Datei:Dürrenschöberl3.jpg|thumb|Typische Berghanglage eines Bauernhofes. Er ist heute einer der wenigen noch erhaltenen Landwirtschaften in der Gemeinde.]]
Mit der Gründung des [[Benediktinerstift Admont|Klosters]] in [[Admont]] begann auch die erste nennenswerte Besiedelung Selzthals. Denn der Forst von Ediltscah (Selzthal) war ein Gut des Klosters. Ein Ziel des Klosters war die Urbarmachung, also siedelte sie Untertanen an den Berghängen an, da das Tal damals aufgrund der Hochwässer nicht besiedelbar war. Der Wald wich nun Acker- und Weideland. Vulgarnamen wie "Reitmayr“ und "Neureiter“ sind Zeugen dieser Tätigkeit. Aus dem Jahre [[1289]] stammt das älteste Vulgar mit 21 Ansitzen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich auch Weiler in [[Villmannsdorf]] oder [[Versbichl]]. In den höheren Lagen gab es jedoch immer nur Einzelhöfe. Neben dem Kloster Admont waren auch weltliche Grundherrschaften verantwortlich für die Besiedelung. Diese Besiedelungen fanden ausschließlich über dem Talboden statt, dies änderte sich nicht bis zum Bahnbau Jahrhunderte später.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 30-32.</ref>
Mit der Gründung des [[Benediktinerstift Admont|Klosters]] in [[Admont]] begann auch die erste nennenswerte Besiedelung Selzthals. Denn der Forst von Ediltscah (Selzthal) war ein Gut des Klosters. Ein Ziel des Klosters war die Urbarmachung, also siedelte sie Untertanen an den Berghängen an, da das Tal damals aufgrund der Hochwässer nicht besiedelbar war. Der Wald wich nun Acker- und Weideland. Vulgarnamen wie "Reitmayr" und "Neureiter" sind Zeugen dieser Tätigkeit. Aus dem Jahre [[1289]] stammt das älteste Vulgar mit 21 Ansitzen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich auch Weiler in [[Villmannsdorf]] oder [[Versbichl]]. In den höheren Lagen gab es jedoch immer nur Einzelhöfe. Neben dem Kloster Admont waren auch weltliche Grundherrschaften verantwortlich für die Besiedelung. Diese Besiedelungen fanden ausschließlich über dem Talboden statt, dies änderte sich nicht bis zum Bahnbau Jahrhunderte später.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 30-32.</ref>


=== Die Selzthaler Klause ===
=== Die Selzthaler Klause ===
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=== Landwirtschaft im ausgehenden Mittelalter ===
=== Landwirtschaft im ausgehenden Mittelalter ===
Für die Landwirtschaft im Mittelalter ist die [[Schwaige]] "Paltengmünd“ zu nennen, die ihre Viehzucht auf Grünlandböden und Flussauen sowie auch [[Alm]]en betrieb. Schwaigen leisteten ihren Zins durch Käse und waren vor allem im Gebiet um Selzthal stark vertreten. Namentlich erhalten sind heute noch Vorder- und Hinterschwaige.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 38-39.</ref>
Für die Landwirtschaft im Mittelalter ist die [[Schwaige]] "Paltengmünd" zu nennen, die ihre Viehzucht auf Grünlandböden und Flussauen sowie auch [[Alm]]en betrieb. Schwaigen leisteten ihren Zins durch Käse und waren vor allem im Gebiet um Selzthal stark vertreten. Namentlich erhalten sind heute noch Vorder- und Hinterschwaige.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 38-39.</ref>


== Entfaltung: Selzthal in der Neuzeit ==
== Entfaltung: Selzthal in der Neuzeit ==
=== Das Werden der Gemeinde in der späten Neuzeit ===
=== Das Werden der Gemeinde in der späten Neuzeit ===
Die Erstellung des Theresianischen Katasters betraf auch das heutige Gemeindegebiet. Im Zuge dieser Grund- und Bodenvermessung entstand [[1770]] die Gemeinde Versbichl. Mit den sogenannten "Waldtomi“, das sind drei Landesaufnahmen, die 1754 zum Schutz der Wälder angelegt wurden, und dem Franziszeischen Kataster nimmt Selzthal als Gemeinde nun erste Formen an. In den "Waldtomi“ war bereits von "Zeltsthal“ die Rede, ein Gebiet das bis zur Mündung der [[Palten]] in die [[Enns]] reicht. Detaillierte Besitzverhältnisse aus diesen Dokumenten können der Selzthaler Chronik entnommen werden. Im Franziszeischen Kataster ist Selzthal, neben Villmannsdorf, als ein Teil der Gemeinde Versbichl angeführt.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 46-47, S. 49-50.</ref>
Die Erstellung des Theresianischen Katasters betraf auch das heutige Gemeindegebiet. Im Zuge dieser Grund- und Bodenvermessung entstand [[1770]] die Gemeinde Versbichl. Mit den sogenannten "Waldtomi", das sind drei Landesaufnahmen, die 1754 zum Schutz der Wälder angelegt wurden, und dem Franziszeischen Kataster nimmt Selzthal als Gemeinde nun erste Formen an. In den "Waldtomi" war bereits von "Zeltsthal" die Rede, ein Gebiet das bis zur Mündung der [[Palten]] in die [[Enns]] reicht. Detaillierte Besitzverhältnisse aus diesen Dokumenten können der Selzthaler Chronik entnommen werden. Im Franziszeischen Kataster ist Selzthal, neben Villmannsdorf, als ein Teil der Gemeinde Versbichl angeführt.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 46-47, S. 49-50.</ref>


In die Zeit von [[Erzherzog Johann]] fiel auch die [[Paltenregulierung]] [[1823]]. Durch die Begradigung änderte sich auch die Gemeindegrenze zu Lassing. Drei Jahre später folgte der Bau der [[Selzthaler Straße]] nach Admont. Die Arbeiten erwiesen sich als arbeits- und kostenaufwändig, da der Untergrund nicht optimal war.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 51.</ref>
In die Zeit von [[Erzherzog Johann]] fiel auch die [[Paltenregulierung]] [[1823]]. Durch die Begradigung änderte sich auch die Gemeindegrenze zu Lassing. Drei Jahre später folgte der Bau der [[Selzthaler Straße]] nach Admont. Die Arbeiten erwiesen sich als arbeits- und kostenaufwändig, da der Untergrund nicht optimal war.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 51.</ref>
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Diese Gebiete gehörten jedoch erst seit [[1943]] im Zuge der Eingemeindung [[Neulassing]]s zu Selzthal. Als die Eisenbahn als Transportmittel kam, verdrängte jedoch die günstig herantransportierte Kohle den Torf. [[1935]] wurde der Torfbetrieb schließlich geschlossen. Heute dient Torf als Pflanzendünger und wird für heilmedizinische Zwecke eingesetzt.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 55-58.</ref>
Diese Gebiete gehörten jedoch erst seit [[1943]] im Zuge der Eingemeindung [[Neulassing]]s zu Selzthal. Als die Eisenbahn als Transportmittel kam, verdrängte jedoch die günstig herantransportierte Kohle den Torf. [[1935]] wurde der Torfbetrieb schließlich geschlossen. Heute dient Torf als Pflanzendünger und wird für heilmedizinische Zwecke eingesetzt.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 55-58.</ref>


Pesendorfer ließ [[1843]] als Gedenken an die Gründung des Torfstiches, der als "wohltätiger Einfluss“ in der Region bezeichnet wurde, das [[Pesendorfer Kreuz]] errichten. Das vier Meter hohe Kreuz ist aus mehreren Sockeln und einem gekreuzigten Jesus zusammengestellt. Seit [[1988]] steht es unter [[Denkmalliste Liezen|Denkmalschutz]]. Heute steht es gut sichtbar an der [[Schoberpass Straße]] (B 113) auf dem Gemeindegebiet von Liezen.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 58-59.</ref>
Pesendorfer ließ [[1843]] als Gedenken an die Gründung des Torfstiches, der als "wohltätiger Einfluss" in der Region bezeichnet wurde, das [[Pesendorfer Kreuz]] errichten. Das vier Meter hohe Kreuz ist aus mehreren Sockeln und einem gekreuzigten Jesus zusammengestellt. Seit [[1988]] steht es unter [[Denkmalliste Liezen|Denkmalschutz]]. Heute steht es gut sichtbar an der [[Schoberpass Straße]] (B 113) auf dem Gemeindegebiet von Liezen.<ref>Parth, Martin (Hg.), Chronik Selzthal. Selzthal 2003, S. 58-59.</ref>


=== Die Bauernbefreiung und Rückblick auf das bäuerliche Selzthal ===
=== Die Bauernbefreiung und Rückblick auf das bäuerliche Selzthal ===