Rudolf Flechner: Unterschied zwischen den Versionen
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=== Kindheit und Jugendjahre 1837–1858=== | === Kindheit und Jugendjahre 1837–1858=== | ||
Rudolf Flechner wurde 1837 in Schlögelmühl bei Gloggnitz, [[Steiermark]] als Sohn von Emmerich Anton Flechner und Flora, einer Tochter des Rudolf von Gersdorff, geboren. Rudolf war das zweite Kind aus dieser Ehe. Seine Schwester [[Pauline Flechner-Halm|Pauline Flechner]] nahm später den Künstlernamen | Rudolf Flechner wurde 1837 in Schlögelmühl bei Gloggnitz, [[Steiermark]] als Sohn von Emmerich Anton Flechner und Flora, einer Tochter des Rudolf von Gersdorff, geboren. Rudolf war das zweite Kind aus dieser Ehe. Seine Schwester [[Pauline Flechner-Halm|Pauline Flechner]] nahm später den Künstlernamen "Halm“ an. [[1838]] zog die junge Familie nach Eisenerz und in Folge nach Wien, wo auch die Gersdorff’sche Familie wohnte. Die Sommermonate verbrachten alle gemeinsam in Thalhof bei Gloggnitz. So kam der junge Rudolf oft in das Haus seines Großvaters. Rr beschreibt ihn später in seiner tagebuchartig verfassten Familienchronik mit dem Titel "Ein bewegtes Alltagsleben“ ehrfürchtig als einen hervorragenden Berg- und Hüttenmann, tüchtigen Mineralogen und Metallurgen. Rudolf merkte darin an, dass ihn sein Großvater anscheinend gut leiden mochte. Er weckte sein Interesse für Naturwissenschaften und technische Fächer und ermunterte ihn dazu, später selbst Berg- und Hüttenmann zu werden: | ||
"An jenen Weihnachtsabenden sah er nicht so ernst und streng drein wie sonst, und mit uns Enkeln konnte er sogar recht freundlich und herzlich sein. Er nannte mich gewöhnlich Pasternatzki. Was er sich dabei dachte, weiss ich nicht. Oftmals sagte er zu mir: Pasternatzki du musst auch ein Bergmann werden. Er duldete mich auch ganz gern in seinem Zimmer, welches andere Glieder seiner Familie sehr selten betraten. Mit kindlicher Neugierde spähte ich da herum (…).“ | |||
Die baldige Trennung der Eltern, jedoch ohne Scheidung, bedeutete für Rudolf und seine Schwester eine Zäsur. Pauline kam zur Mutter und Rudolf blieb bei seinem Vater. Ab [[1845]] erhielt Rudolf eine humanistische Erziehung in der Privat-Knabenerziehungsanstalt in Wien. Der junge Mann war musisch und künstlerisch sehr interessiert und auch begabt, wie seine Handzeichnungen in der selbst verfassten | Die baldige Trennung der Eltern, jedoch ohne Scheidung, bedeutete für Rudolf und seine Schwester eine Zäsur. Pauline kam zur Mutter und Rudolf blieb bei seinem Vater. Ab [[1845]] erhielt Rudolf eine humanistische Erziehung in der Privat-Knabenerziehungsanstalt in Wien. Der junge Mann war musisch und künstlerisch sehr interessiert und auch begabt, wie seine Handzeichnungen in der selbst verfassten "Chronik“ beweisen. [[1854]] verließ Rudolf die Erziehungsanstalt und wohnte bis zur Absolvierung des Polytechnikums [[1858]] bei seinem Vater in Wien. Während dieser Zeit kam Flechner öfter nach [[Schladming]]. Zusammen mit dem damaligen Bergverwalter Aigner, führte er in den Ferien [[1857]] die Vermessung des gesamten Grubenbesitzes im Obertal durch. | ||
=== Montanistische Ausbildung in Leoben 1858–1860 === | === Montanistische Ausbildung in Leoben 1858–1860 === | ||
"Während der letzten Jahrgänge des Gymnasiums hatte sich in mir der Entschluss mich dem Montanfach zu widmen immer mehr befestigt; und mein Ferienaufentalt in Schladming, der Besuch der Nickelgruben, welche mitten in der grossartigsten Hochgebirgslandschaft liegen (…) und endlich die mir damals sehr rosig erscheinende Aussicht einstmals Mitbesitzer der Schladminger Werke zu werden, hatte jenen Entschluss zur unumstösslichen Sache gemacht.“ Nach Beendigung des Polytechnikums begann Flechner das zweijährige Studium an der Bergakademie Leoben. Im ersten Jahr studierte er Bergbaukunde, im zweiten Hüttenkunde. Während des Studiums nahm Rudolf an vielen Exkursionen zu Bergbauen und Hütten im damaligen k.u.k. Reichsgebiet teil. [[1859]] wurde eine solche Exkursion unter der Führung der Professoren Miller und Richter auch nach Schladming mit Befahrung des [[Zinkwand]]-[[Vetternspitzen|Vöttern]]-Reviers unternommen. Jahre später verfasste er eine Schilderung dieser Begehung und fügte ein langes Stimmungsgedicht bei. Das Verfassen von Gedichten war Rudolfs besondere Vorliebe. | |||
===Praktikant im k.u.k. Staatseisenwerk in Neuberg an der Mürz === | ===Praktikant im k.u.k. Staatseisenwerk in Neuberg an der Mürz === | ||
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Studienreisen und Auslandsaufenthalte festigten Rudolfs umfangreiches Wissen und Können und machten ihn zu einem anerkannten Fachmann, wie zahlreiche Fachaufsätze und Vorträge bewiesen. Flechner unternahm Studienreisen nach Freiberg, Annaberg in Sachsen, St. Joachimstal (alle Deutschland), Gottesgab (heute Bozi Dar, Tschechien) - dort studierte er Uran- und Silbergewinnung - und Dobschau (heute Došina, Slowakei), um seine technischen Kenntnisse zu erweitern. Daraufhin nahm Flechner [[1869]] eine lukrative Stelle als technischer Leiter der Nickelfabrik in Naumburg am Bober (heute Nowogrod, Polen) an. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Maria-Helena kennen. Ab [[1872]] arbeitete er in Sagmyra (Schweden) als technischer Direktor der Nickelhütte an Verbesserungen von Ofensystemen. Dort wurde sein einziger Sohnes Richard geboren. Flechner bereiste von Sagmyra aus auch die Nickelhütte in Ringeriges, wo er auch später eine leitende Stelle bekommen hätte. Doch noch bevor sein Vertrag mit Sagmyra auslief, veranlasste ihn eine plötzlich aufgetretene Nickelpreiserhöhung zu einer Wiederaufnahme des Betriebes in Schladming. Flechner kündigte vorzeitig seine Stelle in Schweden, obwohl ihm dies große finanzielle Einbußen bescherte. | Studienreisen und Auslandsaufenthalte festigten Rudolfs umfangreiches Wissen und Können und machten ihn zu einem anerkannten Fachmann, wie zahlreiche Fachaufsätze und Vorträge bewiesen. Flechner unternahm Studienreisen nach Freiberg, Annaberg in Sachsen, St. Joachimstal (alle Deutschland), Gottesgab (heute Bozi Dar, Tschechien) - dort studierte er Uran- und Silbergewinnung - und Dobschau (heute Došina, Slowakei), um seine technischen Kenntnisse zu erweitern. Daraufhin nahm Flechner [[1869]] eine lukrative Stelle als technischer Leiter der Nickelfabrik in Naumburg am Bober (heute Nowogrod, Polen) an. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Maria-Helena kennen. Ab [[1872]] arbeitete er in Sagmyra (Schweden) als technischer Direktor der Nickelhütte an Verbesserungen von Ofensystemen. Dort wurde sein einziger Sohnes Richard geboren. Flechner bereiste von Sagmyra aus auch die Nickelhütte in Ringeriges, wo er auch später eine leitende Stelle bekommen hätte. Doch noch bevor sein Vertrag mit Sagmyra auslief, veranlasste ihn eine plötzlich aufgetretene Nickelpreiserhöhung zu einer Wiederaufnahme des Betriebes in Schladming. Flechner kündigte vorzeitig seine Stelle in Schweden, obwohl ihm dies große finanzielle Einbußen bescherte. | ||
"Diese Ungewissheit der Gestaltung meiner Existenz, die Möglichkeit ja sogar Wahrscheinlichkeit, dass ich durch die Eigentümlichkeit der Verhältnisse in jeder Bewegung gehemmt dem Schladminger Werke nicht empor helfen werde können, dabei der Gedanke, dass ich dieser Unsicherheit gutes Einkommen und geachtete Stellung geopfert, und nur der Aufzehrung meiner kleinen Ersparnisse entgegen gehe, vermehrten in uns allen im hohen Grade den verstimmenden Druck.“ Trotz dieser Bedenken, brachte er erneut dieses persönliche Opfer für das Schladminger Werk. | |||
=== Der Niedergang der Schladminger Nickelerzeugung 1876–1878 === | === Der Niedergang der Schladminger Nickelerzeugung 1876–1878 === | ||