Josef Fischer: Unterschied zwischen den Versionen

K Textersetzung - „„“ durch „"“
K Textersetzung - „““ durch „"“
Zeile 6: Zeile 6:
Es ist kaum zu glauben, aber es war doch eine wahre Begebenheit, die das Leben des einst in Schladming wirkenden Musterlehrers Josef Fischer überschattete.
Es ist kaum zu glauben, aber es war doch eine wahre Begebenheit, die das Leben des einst in Schladming wirkenden Musterlehrers Josef Fischer überschattete.


Der Handschuhmacherssohn aus Linz an der Donau wurde nach kurzer Lehrtätigkeit in [[Pichl (Schladming)|Pichl]] im Jahre [[1832]] an der [[Volksschule Schladming|Pfarrschule Schladming]] angestellt und erwies sich bald als vorbildlicher Jugenderzieher, der sich auch durch besondere Musikalität auszeichnete. So hat sich auch der Dechant von Haus im Ennstal anlässlich einer Visitation der Schladminger Pfarrschule besonders lobend ausgedrückt, wenn er sagt, dass die Kinder die Kirchenlieder "''zum größten Wohlgefallen der Leute sehr gut im Gottesdienste und auch bei Prozessionen singen''“. Und weiter schreibt der Dechant in seinem Visitationsbericht: "''Man findet die Kinder nicht nur in den vorgeschriebenen Lehrgegenständen auf das Beste unterrichtet, sondern es werden den Schülern auch Kenntnisse beigebracht aus Botanik, Geographie, populäre Astronomie und Mineralogie. Man wird auch überrascht vom herrlichen Gesang der Schuljugend.''“
Der Handschuhmacherssohn aus Linz an der Donau wurde nach kurzer Lehrtätigkeit in [[Pichl (Schladming)|Pichl]] im Jahre [[1832]] an der [[Volksschule Schladming|Pfarrschule Schladming]] angestellt und erwies sich bald als vorbildlicher Jugenderzieher, der sich auch durch besondere Musikalität auszeichnete. So hat sich auch der Dechant von Haus im Ennstal anlässlich einer Visitation der Schladminger Pfarrschule besonders lobend ausgedrückt, wenn er sagt, dass die Kinder die Kirchenlieder "''zum größten Wohlgefallen der Leute sehr gut im Gottesdienste und auch bei Prozessionen singen''". Und weiter schreibt der Dechant in seinem Visitationsbericht: "''Man findet die Kinder nicht nur in den vorgeschriebenen Lehrgegenständen auf das Beste unterrichtet, sondern es werden den Schülern auch Kenntnisse beigebracht aus Botanik, Geographie, populäre Astronomie und Mineralogie. Man wird auch überrascht vom herrlichen Gesang der Schuljugend.''"


Aber nicht nur als Lehrer wirkte Josef Fischer vorbildlich - seiner besonderen Freude an der Musik verdanken die Schladminger [[1843]] die Gründung der "Bürgermusikkapelle“, der heutigen Stadtkapelle.  
Aber nicht nur als Lehrer wirkte Josef Fischer vorbildlich - seiner besonderen Freude an der Musik verdanken die Schladminger [[1843]] die Gründung der "Bürgermusikkapelle", der heutigen Stadtkapelle.  


Neben all den Erfolgen als Pfarrschullehrer und in der Musik drückten Fischer doch schwere Sorgen als verantwortungsvoller Familienvater von 14 (!) unversorgten Kindern.
Neben all den Erfolgen als Pfarrschullehrer und in der Musik drückten Fischer doch schwere Sorgen als verantwortungsvoller Familienvater von 14 (!) unversorgten Kindern.
Zeile 14: Zeile 14:
Da aber die Lehrer zur damaligen Zeit noch schlecht bezahlt wurden, war Fischer gezwungen, durch einen Nebenerwerb eine kleine Zubuße zu seinem kargen Lehrergehalt einzubringen. So bot er sich als Musikant besonders bei Hochzeiten oder anderen Familienfeiern an und war auch bei den Schladmingern ob seiner bekannt gesitteten Lebensart ein gern gebetener Gast als Musikant.
Da aber die Lehrer zur damaligen Zeit noch schlecht bezahlt wurden, war Fischer gezwungen, durch einen Nebenerwerb eine kleine Zubuße zu seinem kargen Lehrergehalt einzubringen. So bot er sich als Musikant besonders bei Hochzeiten oder anderen Familienfeiern an und war auch bei den Schladmingern ob seiner bekannt gesitteten Lebensart ein gern gebetener Gast als Musikant.


Diese freiberufliche Tätigkeit Fischers kam aber dem Dechant von Haus als Schuldistriktsaufseher zu Ohren, worauf er einen geharnischten Verweis mit der Androhung der Absetzung als Lehrer an Fischerer gehen ließ, da laut § 21 der Allgemeinen Schulordnung von1774 "das öffentliche Musizieren sich nicht mit dem Stand des Lehrers vereinbaren läßt.“ Durch einen Zufall fand sich im Hauser Dekanatsarchiv ein Schreiben des "Vorstandes und Ausschusses der Marktgemeinde Schladming“ vom [[4. Februar]] [[1853]], das gleichsam eine Rechtfertigung von offizieller Stelle gegen den Verweis des Hauser Dechants an Fischer beinhaltet. Der in dem Schreiben der Gemeinde Schladming erwähnte "Verdienst bei Herrn [[Gewerke]]n [[Johann Georg Perwein|Perwein]]“ bezieht sich auf eine vorübergehende Anstellung Fischers als Hammerwerksverweser beim [[Perwein'sches Hammerwerk|Perwein'schen Hammerwerk]] in Schladming, der eine freiwillige Kündigung Fischers als Lehrer vorausgegangen war. Er versuchte beim Gewerken Perwein eine bessere Verdienstmöglichkeit zu finden. Nach dem Tod des Hammerherrn geriet Fischer allerdings wiederum in eine große Notlage und versuchte als Organist in der evangelischen Kirche seinen weiteren Lebensunterhalt zu finden.
Diese freiberufliche Tätigkeit Fischers kam aber dem Dechant von Haus als Schuldistriktsaufseher zu Ohren, worauf er einen geharnischten Verweis mit der Androhung der Absetzung als Lehrer an Fischerer gehen ließ, da laut § 21 der Allgemeinen Schulordnung von1774 "das öffentliche Musizieren sich nicht mit dem Stand des Lehrers vereinbaren läßt." Durch einen Zufall fand sich im Hauser Dekanatsarchiv ein Schreiben des "Vorstandes und Ausschusses der Marktgemeinde Schladming" vom [[4. Februar]] [[1853]], das gleichsam eine Rechtfertigung von offizieller Stelle gegen den Verweis des Hauser Dechants an Fischer beinhaltet. Der in dem Schreiben der Gemeinde Schladming erwähnte "Verdienst bei Herrn [[Gewerke]]n [[Johann Georg Perwein|Perwein]]" bezieht sich auf eine vorübergehende Anstellung Fischers als Hammerwerksverweser beim [[Perwein'sches Hammerwerk|Perwein'schen Hammerwerk]] in Schladming, der eine freiwillige Kündigung Fischers als Lehrer vorausgegangen war. Er versuchte beim Gewerken Perwein eine bessere Verdienstmöglichkeit zu finden. Nach dem Tod des Hammerherrn geriet Fischer allerdings wiederum in eine große Notlage und versuchte als Organist in der evangelischen Kirche seinen weiteren Lebensunterhalt zu finden.


Nun aber der Wortlaut des Schreibens der Schladminger Gemeindevertretung unter [[Bürgermeister der Stadt Schladming|Bürgermeister]] [[Johann Angerer (Bürgermeister)|Johann Angerer]]  an die Hauser Schuldistriktsaufsicht:
Nun aber der Wortlaut des Schreibens der Schladminger Gemeindevertretung unter [[Bürgermeister der Stadt Schladming|Bürgermeister]] [[Johann Angerer (Bürgermeister)|Johann Angerer]]  an die Hauser Schuldistriktsaufsicht:
Zeile 30: Zeile 30:
Nachdem inzwischen die Lehrerstelle an der Schladminger Pfarrschule neu besetzt wurde, schien für Fischer, der ja im Jahre 1853 seinen Schuldienst kündigte, eine Wiederaufnahme zunächst aussichtslos. Durch den plötzlichen Tod des Pfarrschullehrers von Schladming, [[Heinrich Waldeck]], wurde aber die freigewordene Stelle öffentlich ausgeschrieben, worauf sich Fischer mit Erfolg um die Wiedereinstellung in den Schuldienst bewarb, nachdem sich kein anderer Bewerber fand.
Nachdem inzwischen die Lehrerstelle an der Schladminger Pfarrschule neu besetzt wurde, schien für Fischer, der ja im Jahre 1853 seinen Schuldienst kündigte, eine Wiederaufnahme zunächst aussichtslos. Durch den plötzlichen Tod des Pfarrschullehrers von Schladming, [[Heinrich Waldeck]], wurde aber die freigewordene Stelle öffentlich ausgeschrieben, worauf sich Fischer mit Erfolg um die Wiedereinstellung in den Schuldienst bewarb, nachdem sich kein anderer Bewerber fand.


Die weiteren Dienstjahre brachten nun eine spürbare Verbesserung der finanziellen Lage Josef Fischers, denn man gewährte ihm ob seines "frommen christlichen Lebenswandels mit dem er ein gutes Beispiel für die Schulkinder und Erwachsenen gibt“, eine jährliche Zulage von 100 [[swiki:Gulden|Gulden]] und verlieh ihm 1866 aufgrund seiner "ausserordentlichen Leistungen als Schulmann“ den Titel eines Musterlehrers.
Die weiteren Dienstjahre brachten nun eine spürbare Verbesserung der finanziellen Lage Josef Fischers, denn man gewährte ihm ob seines "frommen christlichen Lebenswandels mit dem er ein gutes Beispiel für die Schulkinder und Erwachsenen gibt", eine jährliche Zulage von 100 [[swiki:Gulden|Gulden]] und verlieh ihm 1866 aufgrund seiner "ausserordentlichen Leistungen als Schulmann" den Titel eines Musterlehrers.


== Quelle ==
== Quelle ==