Rudolf Flechner: Unterschied zwischen den Versionen
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leiden mochte; er weckte sein Interesse für Naturwissenschaften und technische | leiden mochte; er weckte sein Interesse für Naturwissenschaften und technische | ||
Fächer und ermunterte ihn dazu, später selbst Berg- und Hüttenmann zu werden: | Fächer und ermunterte ihn dazu, später selbst Berg- und Hüttenmann zu werden: | ||
„An jenen Weihnachtsabenden sah er nicht so ernst und streng drein wie sonst, | ''„An jenen Weihnachtsabenden sah er nicht so ernst und streng drein wie sonst, | ||
und mit uns Enkeln konnte er sogar recht freundlich und herzlich sein. Er | und mit uns Enkeln konnte er sogar recht freundlich und herzlich sein. Er | ||
nannte mich gewöhnlich Pasternatzki. Was er sich dabei dachte, weiss ich nicht. | nannte mich gewöhnlich Pasternatzki. Was er sich dabei dachte, weiss ich nicht. | ||
Oftmals sagte er zu mir: Pasternatzki du musst auch ein Bergmann werden. Er | Oftmals sagte er zu mir: Pasternatzki du musst auch ein Bergmann werden. Er | ||
duldete mich auch ganz gern in seinem Zimmer, welches andere Glieder seiner | duldete mich auch ganz gern in seinem Zimmer, welches andere Glieder seiner | ||
Familie sehr selten betraten. Mit kindlicher Neugierde spähte ich da herum (…).“ | Familie sehr selten betraten. Mit kindlicher Neugierde spähte ich da herum (…).“'' | ||
Die baldige Trennung, jedoch ohne Scheidung der Eltern bedeutete für Rudolf und seine Schwester eine Zäsur; Pauline kam zur Mutter und Rudolf blieb bei seinem Vater. Ab 1845 erhielt Rudolf eine humanistische Erziehung in der Privat-Knabenerziehungsanstalt in Wien. Der junge Mann war musisch und künstlerisch sehr interessiert und auch begabt, wie seine Handzeichnungen in der selbst verfassten „Chronik“ beweisen. 1854 verließ Rudolf die Erziehungsanstalt und wohnte bis zur Absolvierung des Polytechnikums 1858 bei seinem Vater in Wien. Während dieser Zeit kam Flechner öfter nach Schladming. Zusammen mit dem damaligen Bergverwalter Aigner, führte er in den Ferien 1857 die Vermessung des gesamten Grubenbesitzes im Obertal durch. | Die baldige Trennung, jedoch ohne Scheidung der Eltern bedeutete für Rudolf und seine Schwester eine Zäsur; Pauline kam zur Mutter und Rudolf blieb bei seinem Vater. Ab 1845 erhielt Rudolf eine humanistische Erziehung in der Privat-Knabenerziehungsanstalt in Wien. Der junge Mann war musisch und künstlerisch sehr interessiert und auch begabt, wie seine Handzeichnungen in der selbst verfassten „Chronik“ beweisen. 1854 verließ Rudolf die Erziehungsanstalt und wohnte bis zur Absolvierung des Polytechnikums 1858 bei seinem Vater in Wien. Während dieser Zeit kam Flechner öfter nach Schladming. Zusammen mit dem damaligen Bergverwalter Aigner, führte er in den Ferien 1857 die Vermessung des gesamten Grubenbesitzes im Obertal durch. | ||
Montanistische Ausbildung in Leoben 1858-1860 | Montanistische Ausbildung in Leoben 1858-1860 | ||
„Während der letzten Jahrgänge des Gymnasiums hatte sich in mir der Entschluss mich dem Montanfach zu widmen immer mehr befestigt; und mein Ferienaufentalt in Schladming, der Besuch der Nickelgruben, welche mitten in der grossartigsten Hochgebirgslandschaft liegen (…) und endlich die mir damals sehr rosig erscheinende Aussicht einstmals Mitbesitzer der Schladminger Werke zu werden, hatte jenen Entschluss zur unumstösslichen Sache gemacht.“ Nach Beendigung des Polytechnikums begann Flechner das zweijährige Studium an der Bergakademie Leoben, im ersten Jahr studierte er Bergbaukunde, im zweiten Hüttenkunde. Während des Studiums nahm Rudolf an vielen Exkursionen zu Bergbauen und Hütten im damaligen k. und k. Reichsgebiet teil. 1859 wurde eine solche Exkursion unter der Führung der Professoren Miller und Richter auch nach Schladming mit Befahrung des Zinkwand-Vötternreviers unternommen. Jahre später verfasste er eine Schilderung dieser Begehung und fügte ein langes Stimmungsgedicht bei. Das Verfassen von Gedichten war Rudolfs besondere Vorliebe. | ''„Während der letzten Jahrgänge des Gymnasiums hatte sich in mir der Entschluss mich dem Montanfach zu widmen immer mehr befestigt; und mein Ferienaufentalt in Schladming, der Besuch der Nickelgruben, welche mitten in der grossartigsten Hochgebirgslandschaft liegen (…) und endlich die mir damals sehr rosig erscheinende Aussicht einstmals Mitbesitzer der Schladminger Werke zu werden, hatte jenen Entschluss zur unumstösslichen Sache gemacht.“'' Nach Beendigung des Polytechnikums begann Flechner das zweijährige Studium an der Bergakademie Leoben, im ersten Jahr studierte er Bergbaukunde, im zweiten Hüttenkunde. Während des Studiums nahm Rudolf an vielen Exkursionen zu Bergbauen und Hütten im damaligen k. und k. Reichsgebiet teil. 1859 wurde eine solche Exkursion unter der Führung der Professoren Miller und Richter auch nach Schladming mit Befahrung des Zinkwand-Vötternreviers unternommen. Jahre später verfasste er eine Schilderung dieser Begehung und fügte ein langes Stimmungsgedicht bei. Das Verfassen von Gedichten war Rudolfs besondere Vorliebe. | ||
Praktikant im k. u. k. Staatseisenwerk in Neuberg a.d. Mürz | Praktikant im k. u. k. Staatseisenwerk in Neuberg a.d. Mürz | ||
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Entwicklung und Situation des Nickel -, Berg- und Hüttenwerkes Schladming 1862 - 1868 | Entwicklung und Situation des Nickel -, Berg- und Hüttenwerkes Schladming 1862 - 1868 | ||
Flechner legte in seinem Tagebuch auch die bisherige Entwicklung und Verwaltungsstruktur des Betriebes dar und -wenngleich er die Qualitäten seines Großvaters herausarbeitete- sparte er nicht mit Kritik. Nach dem plötzlichen Tod Gersdorffs 1849 übertrugen die fünf Geschwister die Oberleitung des Werkes ihrem Bruder Gustav von Gersdorff, der zwar eine montanistische Ausbildung genossen hatte, aber seiner Verpflichtung in keiner Weise nachkam. Im Jahre 1853 trat Gustav schließlich von dieser Verantwortung zurück. Carl Stegmaier, auch Montanakademiker, wurde die Leitung übertragen. Der 1854 neu eingestellte Bergverwalter Aigner hatte aber ebenso einen sehr schweren Stand und konnte sich gegenüber den Erben nicht durchsetzen, denen nach wie vor die Einsicht in die wirtschaftliche Situation der Produktion fehlte. 1860 war es durch diese Misswirtschaft soweit gekommen, dass der Betrieb nur eingeschränkt weiterlaufen konnte.Stegmaier wurde entlassen und Aigner kündigte. Als Flechner nun im Alter von 25 Jahren die Führung eines darniederliegenden Betriebes übernahm, stand er vor einem Trümmerhaufen und ihn plagten neben Geldproblemen nun auch personelle Schwierigkeiten. Der Nickelpreis war im Laufe der Jahre stetig gefallen. Flechner plante eine entsprechende Umstrukturierung des Betriebes, doch wieder scheiterte er an der Weigerung zweier Erben und Mitbesitzer. Schließlich musste er vorübergehend den Betrieb einstellen lassen. In dieser schwierigen und angespannten Zeit suchte er immer wieder Erholung bei seiner Mutter und Schwester in Schladming. Speziell freute er sich über die Erfolge seiner Schwester Pauline, die bereits mit ihrer Blumenmalerei hervorgetreten war und zusehends künstlerisches Ansehen genoss sowie immer wieder Preise auf Ausstellungen errang. | Flechner legte in seinem Tagebuch auch die bisherige Entwicklung und Verwaltungsstruktur des Betriebes dar und -wenngleich er die Qualitäten seines Großvaters herausarbeitete- sparte er nicht mit Kritik. Nach dem plötzlichen Tod Gersdorffs 1849 übertrugen die fünf Geschwister die Oberleitung des Werkes ihrem Bruder Gustav von Gersdorff, der zwar eine montanistische Ausbildung genossen hatte, aber seiner Verpflichtung in keiner Weise nachkam. Im Jahre 1853 trat Gustav schließlich von dieser Verantwortung zurück. Carl Stegmaier, auch Montanakademiker, wurde die Leitung übertragen. Der 1854 neu eingestellte Bergverwalter Aigner hatte aber ebenso einen sehr schweren Stand und konnte sich gegenüber den Erben nicht durchsetzen, denen nach wie vor die Einsicht in die wirtschaftliche Situation der Produktion fehlte. 1860 war es durch diese Misswirtschaft soweit gekommen, dass der Betrieb nur eingeschränkt weiterlaufen konnte. Stegmaier wurde entlassen und Aigner kündigte. Als Flechner nun im Alter von 25 Jahren die Führung eines darniederliegenden Betriebes übernahm, stand er vor einem Trümmerhaufen und ihn plagten neben Geldproblemen nun auch personelle Schwierigkeiten. Der Nickelpreis war im Laufe der Jahre stetig gefallen. Flechner plante eine entsprechende Umstrukturierung des Betriebes, doch wieder scheiterte er an der Weigerung zweier Erben und Mitbesitzer. Schließlich musste er vorübergehend den Betrieb einstellen lassen. In dieser schwierigen und angespannten Zeit suchte er immer wieder Erholung bei seiner Mutter und Schwester in Schladming. Speziell freute er sich über die Erfolge seiner Schwester Pauline, die bereits mit ihrer Blumenmalerei hervorgetreten war und zusehends künstlerisches Ansehen genoss sowie immer wieder Preise auf Ausstellungen errang. | ||
Studienreisen in Europa und kurzzeitige Tätigkeiten 1868-1876 | Studienreisen in Europa und kurzzeitige Tätigkeiten 1868-1876 | ||
Studienreisen und Auslandsaufenthalte festigten Rudolfs umfangreiches Wissen und Können und machten ihn zu einem anerkannten Fachmann, wie zahlreiche Fachaufsätze und Vorträge bewiesen. Flechner unternahm Studienreisen nach Freiberg, Annaberg/Sachsen, St. Joachimstal, Gottesgab (Bozi Dar/Tschechien) - dort studierte er Uran- und Silbergewinnung- und Dobschau (Došina/Slowakei)um seine technischen Kenntnisse zu erweitern. Daraufhin nahm Flechner 1869 eine lukrative Stelle als technischer Leiter der Nickelfabrik in Naumburg am Bober (Nowogrod/Polen) an. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Maria-Helena kennen. Ab 1872 arbeitete er in Sagmyra(Schweden) als technischer Direktor der Nickelhütte an Verbesserungen von Ofensystemen. Dort wurde sein einziger Sohnes Richard geboren. Flechner bereiste von Sagmyra aus auch die Nickelhütte in Ringeriges, wo er auch später eine leitende Stelle bekommen hätte. Doch noch bevor sein Vertrag mit Sagmyra auslief, veranlasste ihn eine plötzlich aufgetretene Nickelpreiserhöhung zu einer Wiederaufnahme des Betriebes in Schladming. Flechner kündigte vorzeitig seine Stelle in Schweden, obwohl ihm dies große finanzielle Einbußen bescherte. „Diese Ungewissheit der Gestaltung meiner Existenz, die Möglichkeit ja sogar Wahrscheinlichkeit, dass ich durch die Eigentümlichkeit der Verhältnisse in jeder Bewegung gehemmt dem Schladminger Werke nicht empor helfen werde können, dabei der Gedanke, dass ich dieser Unsicherheit gutes Einkommen und geachtete Stellung geopfert, und nur der Aufzehrung meiner kleinen Ersparnisse entgegen gehe, vermehrten in uns allen im hohen Grade den verstimmenden Druck.“ Trotz dieser Bedenken, brachte er erneut dieses persönliche Opfer für das Schladminger Werk. | Studienreisen und Auslandsaufenthalte festigten Rudolfs umfangreiches Wissen und Können und machten ihn zu einem anerkannten Fachmann, wie zahlreiche Fachaufsätze und Vorträge bewiesen. Flechner unternahm Studienreisen nach Freiberg, Annaberg/Sachsen, St. Joachimstal, Gottesgab (Bozi Dar/Tschechien) - dort studierte er Uran- und Silbergewinnung- und Dobschau (Došina/Slowakei)um seine technischen Kenntnisse zu erweitern. Daraufhin nahm Flechner 1869 eine lukrative Stelle als technischer Leiter der Nickelfabrik in Naumburg am Bober (Nowogrod/Polen) an. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Maria-Helena kennen. Ab 1872 arbeitete er in Sagmyra(Schweden) als technischer Direktor der Nickelhütte an Verbesserungen von Ofensystemen. Dort wurde sein einziger Sohnes Richard geboren. Flechner bereiste von Sagmyra aus auch die Nickelhütte in Ringeriges, wo er auch später eine leitende Stelle bekommen hätte. Doch noch bevor sein Vertrag mit Sagmyra auslief, veranlasste ihn eine plötzlich aufgetretene Nickelpreiserhöhung zu einer Wiederaufnahme des Betriebes in Schladming. Flechner kündigte vorzeitig seine Stelle in Schweden, obwohl ihm dies große finanzielle Einbußen bescherte. ''„Diese Ungewissheit der Gestaltung meiner Existenz, die Möglichkeit ja sogar Wahrscheinlichkeit, dass ich durch die Eigentümlichkeit der Verhältnisse in jeder Bewegung gehemmt dem Schladminger Werke nicht empor helfen werde können, dabei der Gedanke, dass ich dieser Unsicherheit gutes Einkommen und geachtete Stellung geopfert, und nur der Aufzehrung meiner kleinen Ersparnisse entgegen gehe, vermehrten in uns allen im hohen Grade den verstimmenden Druck.“'' Trotz dieser Bedenken, brachte er erneut dieses persönliche Opfer für das Schladminger Werk. | ||
Der Niedergang der Schladminger Nickelerzeugung 1876-1878 | Der Niedergang der Schladminger Nickelerzeugung 1876-1878 | ||
1876, nach seiner Rückkehr nach Schladming, bezog Flechner mit Frau und Kind eine bescheidene Wohnung in Mandling.Der Nickelpreis war gut und daher versuchte Flechner nun mit großen Anstrengungen Käufer für das Nickelwerk zu finden. Doch nach französischen zogen sich auch deutsche Interessenten wieder zurück, da ein krasser Nickelpreisverfall einsetzte. Durch das Hereindrängen neukaledonischer und kanadischer Erze kamen nach und nach die Nickelerzbergbaue in ganz Europa zum Erliegen.Der französische Adelige Gustave de Vernouillet, ein enger und langjähriger Freund, half der jungen Familie aus. Der Gruben- und Hüttenbetrieb konnte mit seiner finanziellen Unterstützung und den „schwedischen Ersparnissen“ Flechners in bescheidenem Maß, mit ungeschultem Personal in Mandling und 8 bis 11 Mann in der Grube wieder aufgenommen werden. Der niegrige Nickelpreis und erneut aufflammende Streitigkeiten mit den Erben verhinderten jedoch eine Erholung: der Betrieb musste schließlich endgültig stillgelegt werden. Die Schließung der Nickelfabrik bedeutete für viele Familien den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Um dem entgegenzuwirken, wurde im Gebäude der ehemaligen Schmelzwerksgebäude von Rudolfs Schwester Pauline Flechner-Halm eine Kunstblumenfabrik eingerichtet. Vor allem Frauen und Töchter von arbeitslosen Bergarbeitern wurden eingestellt. | 1876, nach seiner Rückkehr nach Schladming, bezog Flechner mit Frau und Kind eine bescheidene Wohnung in Mandling.Der Nickelpreis war gut und daher versuchte Flechner nun mit großen Anstrengungen Käufer für das Nickelwerk zu finden. Doch nach französischen zogen sich auch deutsche Interessenten wieder zurück, da ein krasser Nickelpreisverfall einsetzte. Durch das Hereindrängen neukaledonischer und kanadischer Erze kamen nach und nach die Nickelerzbergbaue in ganz Europa zum Erliegen.Der französische Adelige Gustave de Vernouillet, ein enger und langjähriger Freund, half der jungen Familie aus. Der Gruben- und Hüttenbetrieb konnte mit seiner finanziellen Unterstützung und den ''„schwedischen Ersparnissen“'' Flechners in bescheidenem Maß, mit ungeschultem Personal in Mandling und 8 bis 11 Mann in der Grube wieder aufgenommen werden. Der niegrige Nickelpreis und erneut aufflammende Streitigkeiten mit den Erben verhinderten jedoch eine Erholung: der Betrieb musste schließlich endgültig stillgelegt werden. Die Schließung der Nickelfabrik bedeutete für viele Familien den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Um dem entgegenzuwirken, wurde im Gebäude der ehemaligen Schmelzwerksgebäude von Rudolfs Schwester Pauline Flechner-Halm eine Kunstblumenfabrik eingerichtet. Vor allem Frauen und Töchter von arbeitslosen Bergarbeitern wurden eingestellt. | ||
Umzug nach Salzburg 1878 und Wien – Neue Wirkungskreise | Umzug nach Salzburg 1878 und Wien – Neue Wirkungskreise | ||