Heinrich Heß: Unterschied zwischen den Versionen
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Heinrich Heß stammte aus einer Unternehmerfamilie in Wien und wurde als solcher "Exporteur österreichischer Waren" und später Miteigentümer einer Metallwarenfabrik. Schon als Jugendlicher begeisterte ihn die Bergsteigerei und so besuchte er Anfang der [[1870er]]-Jahre erstmals die [[Ennstaler Alpen]]. In einem Aufsatz beschrieb er seine ersten Eindrücke: | Heinrich Heß stammte aus einer Unternehmerfamilie in Wien und wurde als solcher "Exporteur österreichischer Waren" und später Miteigentümer einer Metallwarenfabrik. Schon als Jugendlicher begeisterte ihn die Bergsteigerei und so besuchte er Anfang der [[1870er]]-Jahre erstmals die [[Ennstaler Alpen]]. In einem Aufsatz beschrieb er seine ersten Eindrücke: | ||
<blockquote> | <blockquote>''Wie ich es gefunden habe? Ich weiß es nicht, und wer es mir gesagt hat? Niemand! Wie zwei Liebende sich finden müssen und wenn tausend Meere sie trennen sollten, so habe auch ich mein Ennsthal gefunden. Urplötzlich, wie der Gedanke als solcher überhaupt, kam die Empfindung über mich, daß es ein Ennsthal gebe und daß es dort herrlich schön sein müsse. Ehe ich noch diesen Gedanken so recht zu Ende gedacht, daß ich schon mit mehreren gleichgesinnten Freunden auf der [[Gesäusebahn|Bahn]] und ohne es zu wissen, hatten wir eine der interessantesten, wenngleich gefahrvollsten Bergfahrten angetreten. Als wir damals auf der abenteuerlichsten aller meiner Bergtouren, den kühnen Gipfel des [[Reichenstein]]es erklommen hatten, stritt eben die hereinbrechende Nacht mit der Abenddämmerung und überzog sich der Himmel mit schwärzlichen Gewitterwolken. Nächtliche Schatten krochen in die von weiß schimmernden Wässern durchrauschten Thäler und alle Farbentöne der letzten Lichtreflexe des entschwundenen Tages umflossen die ungeheuerlichen, wettergebleichten Felsriesen, welche da, in wildzackigem Kranze aufragend, die brausende [[Enns]] begleiten. Märchenhaft ungewöhnlich erschien mir diese Welt, als ich da, selbst auf einer wilden Zinne stehend zum ersten Male den Blick in sie versenkte und jener leise Schauer, welcher stets die Menschenseele durchbebt, wenn sie die erhabene Allgewalt der Natur erfaßt – er wird meiner Erinnerung stets eine feste Stütze bleiben. Von da an pilgerte ich getreulich immer wieder in das schöne Ennsthal.</blockquote> | ||
Heinrich Heß gilt als der eigentliche Entdecker und touristische Erschließer der Gesäuseberge, weshalb ihm der Beiname "Gesäusevater" zuteil wurde. Am Beginn seiner Tätigkeit benötigte er noch ortskundige Führer, wie dem Holzknecht [[Andreas Rodlauer]] mit dem er [[1877]] erstmals den [[Peternpfad]], jenen Durchschlupf des sagenhaften Wilderers "Schwarzer Peter" durch die Wandfluchten der [[Hochtorgruppe]], den [[Wasserfallweg]] sowie den [[Kleiner Buchstein|Kleinen Buchstein]] beging. Bis [[1892]] gelangen ihm in den Ennstaler Alpen insgesamt 21 Erstbegehungen. [[1876]] gründete er die "[[Alpine Gesellschaft Ennstaler|Alpine Gesellschaft D‘ Ennstaler]]", die mit ihren drei Dutzend Mitgliedern das gesamte Wegenetz im Gesäuse alpintouristisch erschloss und überwiegend in Eigenleistung die [[Ennstalerhütte]] sowie die ihm zu Ehren benannte [[Heßhütte]] erbaute. | Heinrich Heß gilt als der eigentliche Entdecker und touristische Erschließer der Gesäuseberge, weshalb ihm der Beiname "Gesäusevater" zuteil wurde. Am Beginn seiner Tätigkeit benötigte er noch ortskundige Führer, wie dem Holzknecht [[Andreas Rodlauer]] mit dem er [[1877]] erstmals den [[Peternpfad]], jenen Durchschlupf des sagenhaften Wilderers "Schwarzer Peter" durch die Wandfluchten der [[Hochtorgruppe]], den [[Wasserfallweg]] sowie den [[Kleiner Buchstein|Kleinen Buchstein]] beging. Bis [[1892]] gelangen ihm in den Ennstaler Alpen insgesamt 21 Erstbegehungen. [[1876]] gründete er die "[[Alpine Gesellschaft Ennstaler|Alpine Gesellschaft D‘ Ennstaler]]", die mit ihren drei Dutzend Mitgliedern das gesamte Wegenetz im Gesäuse alpintouristisch erschloss und überwiegend in Eigenleistung die [[Ennstalerhütte]] sowie die ihm zu Ehren benannte [[Heßhütte]] erbaute. | ||
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Heß war der Verfasser des ersten Gesäuseführers ([[1884]]), des Ahnherren aller heutigen Gebietsführer, den ersten deutschsprachigen Führer für ein Alpengebiet. Ab der siebten Auflage, 1921, trat dabei [[Eduard Pichl]] als Koautor auf. Er war Mitherausgeber des "Hochtourist in den Ostalpen", bis zum [[Zweiten Weltkrieg]] das kompetente mehrbändige Standard-Führerwerk, redigierte 25 Jahre lang (von 1895 bis 1920) die "Zeitschrift des Deutschen und [[Oesterreichischer Alpenverein|Oesterreichischen Alpenvereins]]", und 31 Jahre dessen "Mitteilungen". Als Schriftleiter musste er die große Arbeit hauptsächlich in aufreibender Nachtarbeit leisten. Gemeinsam mit [[swiki:Ludwig Purtscheller]]<ref>{{salzburgwiki}}</ref> brachte er den mehrbändigen "Hochtourist" heraus, der über Jahrzehnte ein Standardwerk der ostalpinen Führerliteratur war. | Heß war der Verfasser des ersten Gesäuseführers ([[1884]]), des Ahnherren aller heutigen Gebietsführer, den ersten deutschsprachigen Führer für ein Alpengebiet. Ab der siebten Auflage, 1921, trat dabei [[Eduard Pichl]] als Koautor auf. Er war Mitherausgeber des "Hochtourist in den Ostalpen", bis zum [[Zweiten Weltkrieg]] das kompetente mehrbändige Standard-Führerwerk, redigierte 25 Jahre lang (von 1895 bis 1920) die "Zeitschrift des Deutschen und [[Oesterreichischer Alpenverein|Oesterreichischen Alpenvereins]]", und 31 Jahre dessen "Mitteilungen". Als Schriftleiter musste er die große Arbeit hauptsächlich in aufreibender Nachtarbeit leisten. Gemeinsam mit [[swiki:Ludwig Purtscheller]]<ref>{{salzburgwiki}}</ref> brachte er den mehrbändigen "Hochtourist" heraus, der über Jahrzehnte ein Standardwerk der ostalpinen Führerliteratur war. | ||
<blockquote> | <blockquote>''Mit einer rührenden Pünktlichkeit und mit einer seltenen Gewissenhaftigkeit hat er sein ‚Nebenamt’ ausgeübt, verzichtete dabei auf jede Hilfe und schrieb jeden Brief, jede Zeile persönlich mit der Hand und blieb Niemandem die Antwort schuldig. Und wie er es verstanden hat, in allem auf dem Laufenden zu bleiben, sich Mitarbeiter heranzuziehen, . . . wie er aus dem simplen Nachrichtenblatt die inhaltsvolle, ernste Halbmonatsschrift machte, und wie er bis zum letzten Komma peinlich war, so dass wohl kaum ein Druckfehler die hunderttausend von ihm redigierten Seiten verunziert ... So penibel und prinzipienstreng er in Bezug auf seine literarische Tätigkeit war, so tolerant und locker zeigte er sich in Bezug auf Reglement und Dogmatismus: "Verkümmern wir uns nicht die Freude an der Natur durch engherzige Regeln und knöcherne Gesetze und bewahren wir uns vor allem das, was wir im Hochgebirge als beglückendes Ziel suchen und finden wollen – die herrliche Freiheit!"</blockquote> | ||
Am [[27. Juni|27.]] und [[28. Juni]] [[1926]] feierte er sein 50jähriges Jubiläum als Alpinist.<ref name="anno"></ref> | Am [[27. Juni|27.]] und [[28. Juni]] [[1926]] feierte er sein 50jähriges Jubiläum als Alpinist.<ref name="anno"></ref> | ||
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* [[Gesäuse und Ennstaler Berge]], 1930 | * [[Gesäuse und Ennstaler Berge]], 1930 | ||
* [[Gesäuse (Führer)]], 1890 | * [[Gesäuse (Führer)]], 1890 | ||
* "Der Hochtourist in den Ostalpen", zusammen mit [[swiki:Ludwig Purtscheller]]<ref>{{salzburgwiki}}</ref> 2. Band, online [https://unipub.uni-graz.at/download/pdf/2857317.pdf unipub.uni-graz.at], pdf | |||
== Quellen == | == Quellen == | ||
* [[Josef Hasitschka]], [[Ernst Kren]], [[Adolf Mokrejs|Adi Mokrejs]]: "Gesäuse-Pioniere – Alpingeschichte aus der Universität des Bergsteigens", Schall-Verlag 2008 | * [[Josef Hasitschka]], [[Ernst Kren]], [[Adolf Mokrejs|Adi Mokrejs]]: "Gesäuse-Pioniere – Alpingeschichte aus der Universität des Bergsteigens", Schall-Verlag 2008 | ||