Ernst Ehrlich: Unterschied zwischen den Versionen

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Ehrlich wurde am 28. August 1885 in Unterdrauburg (jetzt Dravograd in Slowenien) geboren. Das Gebiet gehörte damals zur Habsburgermonarchie. Sein Vater war bereits in der staatlichen Forstaufsicht als Oberförster dort tätig. Der Sohn Ernst kam nach Absolvierung des Untergymnasiums zur Forstverwaltung des Grafen Meran in Stainz ([[Steiermark]]), um in die Forstpraxis eingeführt zu werden. Dann konnte er [[1903]] die k. k. Försterschule in Gußwerk bei Mariazell, Steiermark, beziehen. Er machte dort auch die Staatsprüfung für den staatlichen Försterdienst. Sein erster Dienstort als Forstadjunkt war bei der k. k. Versuchsanstalt in Maria Brunn bei Wien. Dort arbeitete er ein Jahr und kam dann in den forsttechnischen Dienst nach Bruck an der Mur, Steiermark. Sein dortiger Chef war ein begeisterter Geologe und zog Ernst Ehrlich auch zur Mitarbeit bei seiner Freizeitbeschäftigung, dem Sammeln und Bestimmen von Gesteinen, Mineralien etc., heran. Dass es sich dabei nicht um eine Sammeltätigkeit im üblichen Sinne handelte, geht daraus hervor, dass sich im Nachlass Ehrlichs eine beachtliche Zahl von wissenschaftlichen Büchern und Schriften befand, die aus dem vorigen Jahrhundert stammen und die Ehrlich wahrscheinlich von seinem damaligen Chef übernahm oder überlassen wurden. Wir geben später noch eine kurze Beschreibung der von Ehrlich hinterlassenen Bücher und Schriften, unter denen sich auch die seines seinerzeitigen Chefs in Bruck befinden.
Ehrlich wurde am 28. August 1885 in Unterdrauburg (jetzt Dravograd in Slowenien) geboren. Das Gebiet gehörte damals zur Habsburgermonarchie. Sein Vater war bereits in der staatlichen Forstaufsicht als Oberförster dort tätig. Der Sohn Ernst kam nach Absolvierung des Untergymnasiums zur Forstverwaltung des Grafen Meran in Stainz ([[Steiermark]]), um in die Forstpraxis eingeführt zu werden. Dann konnte er [[1903]] die k. k. Försterschule in Gußwerk bei Mariazell, Steiermark, beziehen. Er machte dort auch die Staatsprüfung für den staatlichen Försterdienst. Sein erster Dienstort als Forstadjunkt war bei der k. k. Versuchsanstalt in Maria Brunn bei Wien. Dort arbeitete er ein Jahr und kam dann in den forsttechnischen Dienst nach Bruck an der Mur, Steiermark. Sein dortiger Chef war ein begeisterter Geologe und zog Ernst Ehrlich auch zur Mitarbeit bei seiner Freizeitbeschäftigung, dem Sammeln und Bestimmen von Gesteinen, Mineralien etc., heran. Dass es sich dabei nicht um eine Sammeltätigkeit im üblichen Sinne handelte, geht daraus hervor, dass sich im Nachlass Ehrlichs eine beachtliche Zahl von wissenschaftlichen Büchern und Schriften befand, die aus dem vorigen Jahrhundert stammen und die Ehrlich wahrscheinlich von seinem damaligen Chef übernahm oder überlassen wurden. Wir geben später noch eine kurze Beschreibung der von Ehrlich hinterlassenen Bücher und Schriften, unter denen sich auch die seines seinerzeitigen Chefs in Bruck befinden.


In der von mir (Anm: Autor des Artikels) zur Ordnung und Inventarisierung übernommenen Sammlung befanden sich nun etwa 550 Gesteinsproben, über 100 Mineralproben und 50 Versteinerungen aus der Gegend um Bruck und den Tälern und Nebentälern der Mürz, der Mur und benachbarten Orten. Speziell bei den Gesteinsproben handelt es sich zum großen Teil um kleine Stückchen, die Ehrlich offensichtlich als mikroskopische Vergleichsproben benützte. Sie wurden von mir als „Miniproben" im neuen Inventar bezeichnet. Jedenfalls wurde in Bruck an der Mur die Grundlage für ein Interessensgebiet gelegt, das Ehrlich Zeit seines Lebens nicht mehr losließ.
In der von mir (Anm: Autor des Artikels) zur Ordnung und Inventarisierung übernommenen Sammlung befanden sich nun etwa 550 Gesteinsproben, über 100 Mineralproben und 50 Versteinerungen aus der Gegend um Bruck und den Tälern und Nebentälern der Mürz, der Mur und benachbarten Orten. Speziell bei den Gesteinsproben handelt es sich zum großen Teil um kleine Stückchen, die Ehrlich offensichtlich als mikroskopische Vergleichsproben benützte. Sie wurden von mir als "Miniproben" im neuen Inventar bezeichnet. Jedenfalls wurde in Bruck an der Mur die Grundlage für ein Interessensgebiet gelegt, das Ehrlich Zeit seines Lebens nicht mehr losließ.


=== Heirat und Kriegsjahre ===
=== Heirat und Kriegsjahre ===
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=== Seine Zeit im Ennstal ===
=== Seine Zeit im Ennstal ===
[[1918]] übersiedelte Ernst Ehrlich nach Schladming und übernahm hier den Forstaufsichtsdienst der [[Bezirkshauptmannschaft Gröbming]]. Hier wirkte und lebte Ehrlich bis zu seinem Tode am 26. August 1964 im Hause „Aschenbrödl", wo er auch seine umfangreiche Sammlung untergebracht hatte. Ehrlichs Grabstätte befindet sich im [[Katholischer Friedhof Schladming|katholischen Friedhof in Schladming]], wo er an der Seite seiner am [[26. April]] [[1952]] verstorbenen ersten Frau beigesetzt wurde. Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Ernst Ehrlich deren Schwester Anna Rosa, die ihm bis zu seinem Tode den Haushalt führte.
[[1918]] übersiedelte Ernst Ehrlich nach Schladming und übernahm hier den Forstaufsichtsdienst der [[Bezirkshauptmannschaft Gröbming]]. Hier wirkte und lebte Ehrlich bis zu seinem Tode am 26. August 1964 im Hause "Aschenbrödl", wo er auch seine umfangreiche Sammlung untergebracht hatte. Ehrlichs Grabstätte befindet sich im [[Katholischer Friedhof Schladming|katholischen Friedhof in Schladming]], wo er an der Seite seiner am [[26. April]] [[1952]] verstorbenen ersten Frau beigesetzt wurde. Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Ernst Ehrlich deren Schwester Anna Rosa, die ihm bis zu seinem Tode den Haushalt führte.


Ehrlich war auch im [[Zweiten Weltkrieg]] nicht eingerückt und übte seinen Aufsichtsdienst in Schladming bis 1947 aus. Er wurde von Bezirkshauptförster [[Hans Pretterebner]] abgelöst, der auch schon im Ruhestand ist, aber noch in Schladming wohnte (Stand 1984). Dieser beschrieb Ehrlich als einen in seiner Berufstätigkeit äußerst genauen und sorgfältigen Beamten, der auch im Umgang mit Menschen immer freundlich war. Seine Schwerhörigkeit, die sich im Laufe der Jahre kaum gebessert haben dürfte, persönliche und familiäre Schwierigkeiten und schließlich vielleicht auch sein für viele Zeitgenossen etwas ausgefallenes Hobby haben ihn vielleicht so manchem als Sonderling erscheinen lassen.
Ehrlich war auch im [[Zweiten Weltkrieg]] nicht eingerückt und übte seinen Aufsichtsdienst in Schladming bis 1947 aus. Er wurde von Bezirkshauptförster [[Hans Pretterebner]] abgelöst, der auch schon im Ruhestand ist, aber noch in Schladming wohnte (Stand 1984). Dieser beschrieb Ehrlich als einen in seiner Berufstätigkeit äußerst genauen und sorgfältigen Beamten, der auch im Umgang mit Menschen immer freundlich war. Seine Schwerhörigkeit, die sich im Laufe der Jahre kaum gebessert haben dürfte, persönliche und familiäre Schwierigkeiten und schließlich vielleicht auch sein für viele Zeitgenossen etwas ausgefallenes Hobby haben ihn vielleicht so manchem als Sonderling erscheinen lassen.
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In seiner Schladminger Zeit ging Ehrlich natürlich weiter seiner geliebten Freizeitbeschäftigung nach und machte Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in dem ehemaligen Bergbaugebiet der [[Schladminger Tauern]]. Aus dem interessanten [[Zinkwand]]-[[Vetternspitzen|Vöttern]]-Revier stammen allein 250 Erzproben. Bei der Bestimmung der Funde hatte Ehrlich mit Prof. Dr. O. M. Friedrich von der Montanuniversität Leoben engen Kontakt, der ja einer der besten Kenner der Schladminger Lagerstätten ist. Ehrlich hat offensichtlich auch bei mehreren Schurfen an der Zinkwand mitgewirkt. Skizzen mit einer Art Schießplan (Nr. 116 des Schrifteninventars) weisen darauf hin. Solche Schürfe erfolgten in den Jahren 1924 und 1934. Die derzeitige Sammlung enthält aber auch Erzproben von sämtlichen anderen bekannten Abbauorten im Schladminger [[Obertal (Tal)|Obertal]]: etwa weitere 100 Objekte. Aus Anmerkungen Ehrlichs geht auch hervor, dass er bei Aufbrüchen speziell im [[Eschach]] mit tätig war.
In seiner Schladminger Zeit ging Ehrlich natürlich weiter seiner geliebten Freizeitbeschäftigung nach und machte Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in dem ehemaligen Bergbaugebiet der [[Schladminger Tauern]]. Aus dem interessanten [[Zinkwand]]-[[Vetternspitzen|Vöttern]]-Revier stammen allein 250 Erzproben. Bei der Bestimmung der Funde hatte Ehrlich mit Prof. Dr. O. M. Friedrich von der Montanuniversität Leoben engen Kontakt, der ja einer der besten Kenner der Schladminger Lagerstätten ist. Ehrlich hat offensichtlich auch bei mehreren Schurfen an der Zinkwand mitgewirkt. Skizzen mit einer Art Schießplan (Nr. 116 des Schrifteninventars) weisen darauf hin. Solche Schürfe erfolgten in den Jahren 1924 und 1934. Die derzeitige Sammlung enthält aber auch Erzproben von sämtlichen anderen bekannten Abbauorten im Schladminger [[Obertal (Tal)|Obertal]]: etwa weitere 100 Objekte. Aus Anmerkungen Ehrlichs geht auch hervor, dass er bei Aufbrüchen speziell im [[Eschach]] mit tätig war.


Einen besonders großen Raum in der Sammlung nehmen die [[Fossilien]] aus den [[swiki:Werfener Schichten]] am Fuße des [[Dachsteinmassiv]]s in der [[Ramsau]] ein. In dieses Spezialgebiet ist Ehrlich ganz besonders tief eingedrungen, wobei er eng mit dem Joanneum in Graz zusammenarbeitete. Eine große Zahl von Gipsabdrücken von Gervilien (kleine Muscheln aus der alpinen Trias) zeugt von dieser Zusammenarbeit. Die Originale dieser Abdrücke befinden sich im [[Universalmuseum Joanneum|Joanneum]] in Graz. Als Beweis dieser intensiven fachlichen Tätigkeit liegt eine Veröffentlichung Ehrlichs aus dem Schriften-Nachlass vor: „''Aus den Werfener Schichten des Dachsteingebietes bei Schladming''" in der Schriftenreihe der „''Mitteilungen des Museums Joanneum in Graz''", Heft 5 (1941). Aus den gleichen Fundorten in den Werfener Schichten stammen aber noch hunderte von Proben anderer Muscheltiere aus der damaligen geologischen Periode. Ihre Ordnung und Inventarisierung ist derzeit noch im Gange. Insgesamt dürfte das Werfener Material einige tausend Objekte umfassen!
Einen besonders großen Raum in der Sammlung nehmen die [[Fossilien]] aus den [[swiki:Werfener Schichten]] am Fuße des [[Dachsteinmassiv]]s in der [[Ramsau]] ein. In dieses Spezialgebiet ist Ehrlich ganz besonders tief eingedrungen, wobei er eng mit dem Joanneum in Graz zusammenarbeitete. Eine große Zahl von Gipsabdrücken von Gervilien (kleine Muscheln aus der alpinen Trias) zeugt von dieser Zusammenarbeit. Die Originale dieser Abdrücke befinden sich im [[Universalmuseum Joanneum|Joanneum]] in Graz. Als Beweis dieser intensiven fachlichen Tätigkeit liegt eine Veröffentlichung Ehrlichs aus dem Schriften-Nachlass vor: "''Aus den Werfener Schichten des Dachsteingebietes bei Schladming''" in der Schriftenreihe der "''Mitteilungen des Museums Joanneum in Graz''", Heft 5 (1941). Aus den gleichen Fundorten in den Werfener Schichten stammen aber noch hunderte von Proben anderer Muscheltiere aus der damaligen geologischen Periode. Ihre Ordnung und Inventarisierung ist derzeit noch im Gange. Insgesamt dürfte das Werfener Material einige tausend Objekte umfassen!


Während der Schladminger Zeit hatte Ehrlich auch viele andere Orte im oberen Ennstal, nördlich und südlich davon begangen und Fundproben genommen. Besonders intensiv studierte er aber bei Werfen im Salzachtal die Mineralparagenese des Höllgrabens und seiner nächsten Umgebung. Rund 290 Objekte in der Sammlung zeugen von dieser Tätigkeit.
Während der Schladminger Zeit hatte Ehrlich auch viele andere Orte im oberen Ennstal, nördlich und südlich davon begangen und Fundproben genommen. Besonders intensiv studierte er aber bei Werfen im Salzachtal die Mineralparagenese des Höllgrabens und seiner nächsten Umgebung. Rund 290 Objekte in der Sammlung zeugen von dieser Tätigkeit.
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== Nachsatz ==
== Nachsatz ==
Der Verfasser dieser Erinnerungsschrift, der sich auch der Ordnung und Bestandsaufnahme der „[[Ehrlich-Sammlung]]“ unterzog, wurde vom Joanneum in Graz durch Univ. Doz. Dr. Fritz Ebner unterstützt und beraten. Tatkräftige Unterstützung leisteten in diesem Zusammenhang auch Eva Streicher vom [[Stadtmuseum Schladming|Stadtmuseum]] und [[Stadtamtsdirektor Schladming|Stadtamtsvorstand]] [[Wolfgang Pitzer]].
Der Verfasser dieser Erinnerungsschrift, der sich auch der Ordnung und Bestandsaufnahme der "[[Ehrlich-Sammlung]]“ unterzog, wurde vom Joanneum in Graz durch Univ. Doz. Dr. Fritz Ebner unterstützt und beraten. Tatkräftige Unterstützung leisteten in diesem Zusammenhang auch Eva Streicher vom [[Stadtmuseum Schladming|Stadtmuseum]] und [[Stadtamtsdirektor Schladming|Stadtamtsvorstand]] [[Wolfgang Pitzer]].


Eine so umfassende und lebendige Schilderung des beruflichen Werdeganges von Ehrlich in Verbindung mit seiner Sammeltätigkeit war aber nur dadurch möglich, dass mich der Nachfolger von Ehrlich in der Schladminger Dienststelle, Bez. Hauptförster Hans Pretterebner, auf einen noch lebenden Neffen aufmerksam machte. Es ist dies Amtsrat i. R. Ing. Norbert Ehrlich in Villach.  
Eine so umfassende und lebendige Schilderung des beruflichen Werdeganges von Ehrlich in Verbindung mit seiner Sammeltätigkeit war aber nur dadurch möglich, dass mich der Nachfolger von Ehrlich in der Schladminger Dienststelle, Bez. Hauptförster Hans Pretterebner, auf einen noch lebenden Neffen aufmerksam machte. Es ist dies Amtsrat i. R. Ing. Norbert Ehrlich in Villach.