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Die '''Cholera''' ist eine Seuche, die seit dem Beginn des [[19. Jahrhundert]]s immer wieder durch massive Ausbrüche für Angst und Schrecken sorgte und auch im [[Ennstal]] Spuren hinterließ.
Die '''Cholera''' ist eine Seuche, die seit dem Beginn des 19.Jhdt immer wieder durch massive Ausbrüche für Angst und Schrecken sorgte und auch im Ennstal Spuren hinterließ.


==Allgemein ==
==Allgemein ==
Bei der Cholera handelt es sich um eine Erkrankung die zu massiven Durchfällen und Erbrechen führt. Die Erreger der Krankheit, Choleravibrionen, werden über fäkalkontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen. Sie kann bei geschwächten Personen innerhalb von Stunden zum Tod führen. Die Übertragung erfolgt meist durch schlechte hygienische Zustände, verschmutztes Wasser aber auch Essen. Die Krankheit wurde, wie zum Beispiel in den Liezener Matriken auch als epi. Brechruhr bezeichnet.
Bei der Cholera handelt es sich um eine Erkrankung die zu massiven Durchfällen und Erbrechen führt. Die Erreger der Krankheit, Choleravibrionen, werden über fäkalkontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen. Sie kann bei geschwächten Personen innerhalb von Stunden zum Tod führen. Die Übertragung erfolgt meist durch schlechte hygienische Zustände, verschmutztes Wasser aber auch Essen. Die Krankheit wurde, wie zum Beispiel in den Liezener Matriken auch als ''epi. Brechruhr'' bezeichnet.
   
   
===Schutzmaßnahmen===
===Schutzmaßnahmen===
Als sich Anfang der [[1830]]iger  Jahre die Seuche in Europa immer weiter ausbreitete, wurden in Österreicher Schutzmaßnahmen verordnet. So wurde [[1831]] in der Steiermark die Grenze zu Ungarn streng überwacht, der Handel wurde eingeschränkt und eine Quarantaine von 42 Tagen wurde  verordnet. Die Gemeinden sollten Krankenbetten und Beobachtungsstätten für Verdachtsfälle bereitstellen. Um diese Versorgungsstätten auszurüsten kam es zu verschiedene Sachspenden bzw Zusagen von Seiten der Bevölkerung, <ref>[http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ163906903&query=%22Cholera+Liezen%22%7E80&ref=primo-search] Grätzer Zeitung 22. November 1831 </ref> so etwa stellte zum Beispiel in [[Liezen]], [[Maria Mößl]] ihr Haus mit vier Zimmer, gegen eine Entschädigung, zur Verfügung. Es gibt aber keinen Hinweis, dass dieses als Krankenanstalt genutzt wurde.
Als sich Anfang der [[1830er]]-Jahre die Seuche in Europa immer weiter ausbreitete, wurden in Österreicher Schutzmaßnahmen verordnet. So wurde [[1831]] in der [[Steiermark]] die Grenze zu Ungarn streng überwacht, der Handel eingeschränkt und eine Quarantäne von 42 Tagen verordnet (''quaranta'', italienisch für 40, ''Quarante'', französisch für 40). Die Gemeinden sollten Krankenbetten und Beobachtungsstätten für Verdachtsfälle bereitstellen. Um diese Versorgungsstätten auszurüsten kam es zu verschiedene Sachspenden bzw. Zusagen von Seiten der Bevölkerung,<ref>[http://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ163906903&query=%22Cholera+Liezen%22%7E80&ref=primo-search ANNO] Grätzer Zeitung 22. November 1831 </ref> so etwa stellte zum Beispiel in [[Liezen]] [[Maria Mößl]] ihr Haus mit vier Zimmer, gegen eine Entschädigung, zur Verfügung. Es gibt aber keinen Hinweis, dass dieses als Krankenanstalt genutzt wurde.  
   
   
==Ausbruch in Stainach und Liezen==
==Ausbruch in Stainach und Liezen==
Ende August [[1832]] kam es in [[Stainach]] und [[Liezen]] zum Ausbruch der Cholera. Es erkrankten in der Folge 70 Personen schwer, vor allem in Stainach, wo die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Am [[3. September]] war [[Franz Bergmayer]] das erste Todesopfer. Es starben in der [[Pfarre Pürgg]] innerhalb von 14 Tagen insgesamt 9 Personen, was im Vergleich des restlichen Jahres eine Vervierfachung der Toten ist. Nach den Tagebuchaufzeichnung des [[Pater Urban Ecker]] verstarben 20 Personen, diese Anzahl kann in den Sterbematriken nicht nachvollzogen werden. Hier findet man 12 Personen die als Todesursache Cholera oder ept. Brechruhr verzeichnet haben. Jedoch fällt auf, dass die Einträge in Pürgg nicht chronologisch sind. Ob es möglich sein kann, dass durch die berichtete Überlastung der Pfarre, Einträge übersehen wurden ist spekulativ.
Ende August [[1832]] kam es in [[Stainach]] und [[Liezen]] zum Ausbruch der Cholera. Es erkrankten in der Folge 70 Personen schwer, vor allem in Stainach, wo die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Am [[3. September]] war [[Franz Bergmayer]] das erste Todesopfer. Es starben in der [[Pfarre Pürgg]] innerhalb von 14 Tagen insgesamt neun Personen, was im Vergleich des restlichen Jahres eine Vervierfachung der Toten ist. Nach den Tagebuchaufzeichnungen des Pater [[Urban Ecker]] verstarben 20 Personen. Diese Anzahl kann in den Sterbematriken nicht nachvollzogen werden. Hier findet man zwölf Personen die als Todesursache Cholera oder ''ept. Brechruhr'' verzeichnet haben. Jedoch fällt auf, dass die Einträge in Pürgg nicht chronologisch sind. Ob es möglich sein kann, dass durch die berichtete Überlastung der Pfarre, Einträge übersehen wurden ist spekulativ.  
Der Kaplan von [[Pürgg]], [[Anton Kerschbaumer]]  half die Leichen in die Särge zu legen und zu  beerdigen, da der örtliche Mesner und Totengräber aus Furcht vor einer  Ansteckung nicht mehr zugreifen wollten.
In einen Bericht über Kerschbaumer  <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=skg&datum=19020803&seite=13&zoom=33&query=%22cholera%2Bstainach%22~50&ref=anno-search] Salzkammergutzeitung von 3. August  1902 </ref>wird seine Situation in Stainach wie folgt beschrieben :
:::..innerhalb von drei Wochen verrichtete der eifrige Kaplan 70 Versehgänge ,ja er pflegte die Kranken mit viel Geschicke; er hatte viele medizinische Kenntnisse, welche ihn und den Leidenden nun zu statte kamen ja ein wahrer Held der Nächstenliebe. Er legte viele Tote selbst in den Sarg ;brachte sie in den Friedhof und begrub sie dort selbst .Viele Zaghafte fürchteten ihn darob und er musste sich von den Gesunden absondern, öfters schlief er in der Kapelle, welche heut noch in Stainach steht. Das Essen holte er sich an einen Bestimmten Fenster des Posthauses, meist aus Brot und Wein bestehend.  


In Liezen verstirbt am [[21. September]] das erste Opfer an epid. Brechruhr, insgesamt sind drei Opfer eingetragen.
Der Kaplan von [[Pürgg]], [[Anton Kerschbaumer]], half die Leichen in die Särge zu legen und zu beerdigen, da der örtliche Mesner und Totengräber aus Furcht vor einer Ansteckung nicht mehr zugreifen wollten. In einen Bericht über Kerschbaumer<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=skg&datum=19020803&seite=13&zoom=33&query=%22cholera%2Bstainach%22~50&ref=anno-search ANNO] Salzkammergutzeitung von 3. August 1902 </ref> wird seine Situation in Stainach wie folgt beschrieben:<blockquote>''[...] innerhalb von drei Wochen verrichtete der eifrige Kaplan 70 Versehgänge, ja er pflegte die Kranken mit viel Geschicke; er hatte viele medizinische Kenntnisse, welche ihn und den Leidenden nun zu statte kamen ja ein wahrer Held der Nächstenliebe. Er legte viele Tote selbst in den Sarg; brachte sie in den Friedhof und begrub sie dort selbst. Viele Zaghafte fürchteten ihn darob und er musste sich von den Gesunden absondern, öfters schlief er in der Kapelle, welche heut noch in Stainach steht. Das Essen holte er sich an einen Bestimmten Fenster des Posthauses, meist aus Brot und Wein bestehend.''</blockquote>
Am [[7. Oktober]] verstirbt das letzte Opfer in [[Stein]] bei [[Niederhofen]].
In Liezen verstarb am [[21. September]] das erste Opfer an ''epid. Brechruhr'', insgesamt waren drei Opfer eingetragen. Am [[7. Oktober]] verstarb das letzte Opfer in [[Stein]] bei [[Niederhofen]].


Im Ennstal sollten keine weiteren Ausbrüche mehr stattfinden. Die Cholera wütete aber weiterhin durch Europa und zählt auch heute noch zu den großen Seuchen in dieser Welt.
Im Ennstal sollten keine weiteren Ausbrüche mehr stattfinden. Die Cholera wütete aber weiterhin durch Europa und zählt auch heute noch zu den großen Seuchen in dieser Welt.


== Quellen ==
== Quellen ==
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* Matriken der Pfarre Wörschach Sterbebuch 1 Seite 66
* Matriken der Pfarre Wörschach Sterbebuch 1 Seite 66
* Matriken der Pfarre Liezen Sterbebuch 3 Seite 170
* Matriken der Pfarre Liezen Sterbebuch 3 Seite 170
*Blätter für Heimatkunde 76 2002 Zeitschrift des Historischen Vereins Steiermark ELFRIEDE MARIA HUBER-REISMANN Cholerafurcht und Bazillenangst Die Leobener Reaktion auf die Choleraepidemie 1892 im Spiegel der „Obersteirischen Volkszeitung"
* Elfriede Maria Huber-Reismann: ''Cholerafurcht und Bazillenangst. Die Leobener Reaktion auf die Choleraepidemie 1892 im Spiegel der „Obersteirischen Volkszeitung"'', in:  Blätter für Heimatkunde, Nr. 76, 2002, Zeitschrift des [[Historischer Verein für Steiermark|Historischen Vereins für Steiermark]]
* Heimatkundliche Blätter Walter Stipperger
* [[Heimatkundliche Blätter von Schladming]], [[Walter Stipperger]]
*Andreas Weigl Choleraepidemie in den Städten der österreichischen Alpenländer in den !830 iger Jahren [https://www.opera-historica.com/wp-content/uploads/2021/02/Opera-Historica-2020-Nr-2-60-79.pdf]
* Andreas Weigl: ''Choleraepidemie in den Städten der österreichischen Alpenländer in den 1830 iger Jahren'' in [https://www.opera-historica.com/wp-content/uploads/2021/02/Opera-Historica-2020-Nr-2-60-79.pdf www.opera-historica.com], pdf


===Einzelnachweise ===
====Einzelnachweise ====
<references />
<references />


[[Kategorie:Ereignis]]
[[Kategorie:Ereignis]]
[[Kategorie:Katastrophe]]
[[Kategorie:Geschichte]]

Version vom 16. Juli 2021, 07:05 Uhr

Die Cholera ist eine Seuche, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts immer wieder durch massive Ausbrüche für Angst und Schrecken sorgte und auch im Ennstal Spuren hinterließ.

Allgemein

Bei der Cholera handelt es sich um eine Erkrankung die zu massiven Durchfällen und Erbrechen führt. Die Erreger der Krankheit, Choleravibrionen, werden über fäkalkontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen. Sie kann bei geschwächten Personen innerhalb von Stunden zum Tod führen. Die Übertragung erfolgt meist durch schlechte hygienische Zustände, verschmutztes Wasser aber auch Essen. Die Krankheit wurde, wie zum Beispiel in den Liezener Matriken auch als epi. Brechruhr bezeichnet.

Schutzmaßnahmen

Als sich Anfang der 1830er-Jahre die Seuche in Europa immer weiter ausbreitete, wurden in Österreicher Schutzmaßnahmen verordnet. So wurde 1831 in der Steiermark die Grenze zu Ungarn streng überwacht, der Handel eingeschränkt und eine Quarantäne von 42 Tagen verordnet (quaranta, italienisch für 40, Quarante, französisch für 40). Die Gemeinden sollten Krankenbetten und Beobachtungsstätten für Verdachtsfälle bereitstellen. Um diese Versorgungsstätten auszurüsten kam es zu verschiedene Sachspenden bzw. Zusagen von Seiten der Bevölkerung,[1] so etwa stellte zum Beispiel in Liezen Maria Mößl ihr Haus mit vier Zimmer, gegen eine Entschädigung, zur Verfügung. Es gibt aber keinen Hinweis, dass dieses als Krankenanstalt genutzt wurde.

Ausbruch in Stainach und Liezen

Ende August 1832 kam es in Stainach und Liezen zum Ausbruch der Cholera. Es erkrankten in der Folge 70 Personen schwer, vor allem in Stainach, wo die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Am 3. September war Franz Bergmayer das erste Todesopfer. Es starben in der Pfarre Pürgg innerhalb von 14 Tagen insgesamt neun Personen, was im Vergleich des restlichen Jahres eine Vervierfachung der Toten ist. Nach den Tagebuchaufzeichnungen des Pater Urban Ecker verstarben 20 Personen. Diese Anzahl kann in den Sterbematriken nicht nachvollzogen werden. Hier findet man zwölf Personen die als Todesursache Cholera oder ept. Brechruhr verzeichnet haben. Jedoch fällt auf, dass die Einträge in Pürgg nicht chronologisch sind. Ob es möglich sein kann, dass durch die berichtete Überlastung der Pfarre, Einträge übersehen wurden ist spekulativ.

Der Kaplan von Pürgg, Anton Kerschbaumer, half die Leichen in die Särge zu legen und zu beerdigen, da der örtliche Mesner und Totengräber aus Furcht vor einer Ansteckung nicht mehr zugreifen wollten. In einen Bericht über Kerschbaumer[2] wird seine Situation in Stainach wie folgt beschrieben:

[...] innerhalb von drei Wochen verrichtete der eifrige Kaplan 70 Versehgänge, ja er pflegte die Kranken mit viel Geschicke; er hatte viele medizinische Kenntnisse, welche ihn und den Leidenden nun zu statte kamen ja ein wahrer Held der Nächstenliebe. Er legte viele Tote selbst in den Sarg; brachte sie in den Friedhof und begrub sie dort selbst. Viele Zaghafte fürchteten ihn darob und er musste sich von den Gesunden absondern, öfters schlief er in der Kapelle, welche heut noch in Stainach steht. Das Essen holte er sich an einen Bestimmten Fenster des Posthauses, meist aus Brot und Wein bestehend.

In Liezen verstarb am 21. September das erste Opfer an epid. Brechruhr, insgesamt waren drei Opfer eingetragen. Am 7. Oktober verstarb das letzte Opfer in Stein bei Niederhofen.

Im Ennstal sollten keine weiteren Ausbrüche mehr stattfinden. Die Cholera wütete aber weiterhin durch Europa und zählt auch heute noch zu den großen Seuchen in dieser Welt.

Quellen

  • Tagebuch des Pater Urban Ecker, Einsicht durch Christine Reiter im Stiftsarchiv Admont.
  • Matriken der Pfarre Pürgg Sterbebuch 6 Seite 2,3,4,und 5
  • Matriken der Pfarre Wörschach Sterbebuch 1 Seite 66
  • Matriken der Pfarre Liezen Sterbebuch 3 Seite 170
  • Elfriede Maria Huber-Reismann: Cholerafurcht und Bazillenangst. Die Leobener Reaktion auf die Choleraepidemie 1892 im Spiegel der „Obersteirischen Volkszeitung", in: Blätter für Heimatkunde, Nr. 76, 2002, Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark
  • Heimatkundliche Blätter von Schladming, Walter Stipperger
  • Andreas Weigl: Choleraepidemie in den Städten der österreichischen Alpenländer in den 1830 iger Jahren in www.opera-historica.com, pdf

Einzelnachweise

  1. ↑ ANNO Grätzer Zeitung 22. November 1831
  2. ↑ ANNO Salzkammergutzeitung von 3. August 1902