Annakapelle: Unterschied zwischen den Versionen
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Nun ist die Annakapelle wieder von neuem Leben erfüllt, das zwar entsprechend unserer Zeit sich nicht mehr in frommen Andachtsübungen einer Bruderschaft erschöpft, sondern im Nebeneinander von christlicher Andacht und Kunstdarbietungen der Würde dieses alten Bauwerkes gerecht wird. | Nun ist die Annakapelle wieder von neuem Leben erfüllt, das zwar entsprechend unserer Zeit sich nicht mehr in frommen Andachtsübungen einer Bruderschaft erschöpft, sondern im Nebeneinander von christlicher Andacht und Kunstdarbietungen der Würde dieses alten Bauwerkes gerecht wird. | ||
Die Friedhofskapelle mit dem darunter liegenden Beinhaus (Karner) dürfte gleichzeitig | |||
oder unmittelbar nach der Pfarrkirche zwischen 1300 und 1350 erbaut worden sein. | |||
== Das Beinhaus (Karner) == | == Das Beinhaus (Karner) == | ||
Das Beinhaus unter der Annakapelle diente während der Reformations- und Gegenreformationszeit Menschen beider Konfessionen als letzte irdische Ruhestätte. [[1685]] berichtet eine Schrift von einem Altar in der Apsis der Gruft, auf dessen Altarblatt die hl. Anna dargestellt ist. Laut Pfarrchronik wurden die vermoderten Reste dieses Altares [[1922]] aus dem Karner entfernt, bevor der in Schladming verstorbene Prinz [[August Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha]] dort bis [[1933]] beigesetzt wurde. | Das Beinhaus unter der Annakapelle diente während der Reformations- und Gegenreformationszeit Menschen beider Konfessionen als letzte irdische Ruhestätte. [[1685]] berichtet eine Schrift von einem Altar in der Apsis der Gruft, auf dessen Altarblatt die hl. Anna dargestellt ist. Laut Pfarrchronik wurden die vermoderten Reste dieses Altares [[1922]] aus dem Karner entfernt, bevor der in Schladming verstorbene Prinz [[August Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha]] dort bis [[1933]] beigesetzt wurde. | ||
[[1789]] wird der Karner im Zuge der Reformen von Kaiser Joseph II. geschlossen. [[1814]] beendet ein weiterer Brand für lange Zeit die sakrale Nutzung des Gebäudes. Vor der aktuellen Generalrevitalisierung 2010/2011 haben Renovierungen in den [[1960er]] und [[1980er]] Jahren zumindest den Kirchenraum im Obergeschoss wieder nutzbar gemacht. | [[1789]] wird der Karner im Zuge der Reformen von Kaiser Joseph II. geschlossen. [[1814]] beendet ein weiterer Brand für lange Zeit die sakrale Nutzung des Gebäudes. Vor der aktuellen Generalrevitalisierung 2010/2011 haben Renovierungen in den [[1960er]] und [[1980er]] Jahren zumindest den Kirchenraum im Obergeschoss wieder nutzbar gemacht. | ||
==== Totenkultur im Wandel der Zeit ==== | |||
Die Anfänge menschlicher Kulturgeschichte lassen sich nicht von religiösen Vorstellungen über ein Weiterleben nach dem Tod trennen. Die altchristliche Begräbnisfeier lehnte sich weitgehend an die Bräuche der heidnischen Antike an, soweit diese mit dem christlichen Auferstehungsglauben vereinbar waren. So wurde z. B. das Totenmahl als Gedenken an die Verstorbenen übernommen und schon im [[2. Jahrhundert]] mit der Eucharistiefeier verbunden. An die Stelle der Gesänge der Klageweiber traten christliche Hymnen, Psalmen und das Halleluja und schon früh verdrängte die Erdbestattung nach dem Vorbild der Grablegung Christi die zuvor übliche Verbrennung. Erst im [[19. Jahrhundert]] kam die Feuerbestattung – begleitet von zum Teil antichristlichen Parolen – wieder auf. | |||
Die intensive Verehrung der Heiligen und Märtyrer führte in der Folge auch zur Verehrung der Grabstätten als irdisch sichtbare Zeichen und zur Errichtung von Kirchen über den Gräbern. Der Petersdom ist wohl das bekannteste Beispiel dafür. Schon im frühen Mittelalter wurden Friedhöfe um die Kirchen errichtet. Ein solcher Kirchhof (lat.: ''coemeterium'') war ein umfriedeter Ort mit Asylrecht. Mit dem Wachsen der Märkte und Städte im Mittelalter sah man sich mit Platzmangel konfrontiert. Da eine Erweiterung der Friedhöfe meist nicht möglich war, wurde es üblich, die Gräber zu leeren, also die Gebeine zu exhumieren und für diese einen eigenen Platz zu schaffen. | |||
So entstanden Karner oder Beinhaus (lat.: ''ossuarium''). Diese Gebäude waren häufig zweigeschossig. Im Untergeschoss waren die Gebeine in oft kunstvoller Anordnung aufbewahrt, im Obergeschoss befand sich meisteine Kapelle, in der Gottesdienste für die Toten gefeiert werden konnten. | |||
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Datei:Annakapelle_Karner_03.jpg|Der Karner nach seiner Restaurierung. | Datei:Annakapelle_Karner_03.jpg|Der Karner nach seiner Restaurierung. | ||
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=== Barbarafeier === | === Barbarafeier === | ||
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{{Bildkat|Annakapelle (Schladming)}} | {{Bildkat|Annakapelle (Schladming)}} | ||
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== Quellen == | == Quellen == | ||
* [[Heimatkundliche Blätter von Schladming]], Nr. 7, Juni 1986, Beitrag von [[Walter Stipperger]] | * [[Heimatkundliche Blätter von Schladming]], Nr. 7, Juni 1986, Beitrag von [[Walter Stipperger]] | ||
* [[Roswitha | * Dr. [[Roswitha Orač-Stipperger]], Wolfgang Günther / Norbert Linder im Dezember 2011 an Admin. [[Benutzer:Peter Krackowizer|Peter]] | ||
[[Kategorie:Architektur]] | [[Kategorie:Architektur]] | ||
[[Kategorie:Denkmalschutz]] | [[Kategorie:Denkmalschutz]] | ||
[[Kategorie:Denkmalschutz (Schladming)]] | [[Kategorie:Denkmalschutz (Schladming)]] | ||
[[Kategorie:Katholische Kirche]] | [[Kategorie:Katholische Kirche]] | ||
[[Kategorie:Katholische Kirche (Bauwerk)]] | [[Kategorie:Katholische Kirche (Bauwerk)]] | ||
[[Kategorie:Kapelle]] | [[Kategorie:Kapelle]] | ||
[[Kategorie:Schladming]] | [[Kategorie:Schladming]] | ||