Barbara Frischmuth: Unterschied zwischen den Versionen
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[[File:2013 Barbara Frischmuth (9161049774).jpg|thumb|Barbara Frischmuth, 2013)]]'''Barbara Frischmuth''' (* [[5. Juli]] [[1941]] in [[Altaussee]]) ist Schriftstellerin, Übersetzerin und eine [[Persönlichkeiten im steirischen Salzkammergut|Persönlichkeit im steirischen Salzkammergut]]. | [[File:2013 Barbara Frischmuth (9161049774).jpg|thumb|Barbara Frischmuth, 2013)]] | ||
'''Barbara Frischmuth''' (* [[5. Juli]] [[1941]] in [[Altaussee]]; † [[30. März]] [[2025]] ebenda) ist Schriftstellerin, Übersetzerin und eine [[Persönlichkeiten im steirischen Salzkammergut|Persönlichkeit im steirischen Salzkammergut]]. | |||
== Leben == | == Leben == | ||
Barbara Frischmuth | Barbara Frischmuth kam in Altaussee als Tochter des Hoteliers [[Anton Frischmuth]], der im [[Zweiten Weltkrieg]] [[1943]] in Russland fiel, und seiner Gattin Maria, geb. Schmidt, zur Welt. Sie blieb das einzige Kind aus dieser Ehe. Nach dem Tode des Vaters führte seine Witwe den Hotelbetrieb des [[Villa Nassau in Altaussee|Parkhotels]] am [[Altausseer See]] bis [[1956]] weiter. | ||
Barbara verbrachte ihre Kindheit in Altaussee. Ab Herbst [[1951]] besuchte sie das Gymnasium und Pensionat der Kreuzschwestern in Gmunden, ihre Sommerferien verbrachte sie in Altaussee. Die Gymnasialoberstufe besuchte Barbara Frischmuth zunächst im Privat-Realgymnasium [[Bad Aussee]]. Nachdem ihre Mutter 1959 das Parkhotel an den Engländer Denis James Alexander (''6th Earl of Caledon'') verkauft hatte, übersiedelte sie mit ihr nach Graz. Maria Frischmuth führte in Graz bis [[1976]] das Brauhaus Reininghaus in Eggenberg. | Barbara verbrachte ihre Kindheit in Altaussee. Ab Herbst [[1951]] besuchte sie das Gymnasium und Pensionat der Kreuzschwestern in Gmunden in [[Oberösterreich]], ihre Sommerferien verbrachte sie in Altaussee. Die Gymnasialoberstufe besuchte Barbara Frischmuth zunächst im Privat-Realgymnasium [[Bad Aussee]]. Nachdem ihre Mutter [[1959]] das Parkhotel an den Engländer Denis James Alexander (''6th Earl of Caledon'') verkauft hatte, übersiedelte sie mit ihr nach Graz. Maria Frischmuth führte in Graz bis [[1976]] das Brauhaus Reininghaus in Eggenberg. | ||
1959 bestand Barbara Frischmuth die Matura am 2. Bundesrealgymnasium für Mädchen in der Grazer Pestalozzigasse. Dann studierte sie ab Herbst 1959 an der Karl-Franzens-Universität in Graz am Dolmetsch-Institut Türkisch und Englisch. [[1960]] erhielt sie als erste Europäerin ein Stipendium an die anatolische Universität Erzurum in der Türkei, wo sie neun Monate blieb. Im Februar [[1961]] kehrte sie nach Österreich zurück, gab ihr Englisch-Studium auf und wendete sich dem Ungarischen zu. [[1962]] legte sie erfolgreich die Fachprüfung für Übersetzer aus dem Türkischen ab, [[1964]] die Fachprüfung aus Ungarisch. | 1959 bestand Barbara Frischmuth die Matura am 2. Bundesrealgymnasium für Mädchen in der Grazer Pestalozzigasse. Dann studierte sie ab Herbst 1959 an der Karl-Franzens-Universität in Graz am Dolmetsch-Institut Türkisch und Englisch. [[1960]] erhielt sie als erste Europäerin ein Stipendium an die anatolische Universität Erzurum in der Türkei, wo sie neun Monate blieb. Im Februar [[1961]] kehrte sie nach Österreich zurück, gab ihr Englisch-Studium auf und wendete sich dem Ungarischen zu. [[1962]] legte sie erfolgreich die Fachprüfung für Übersetzer aus dem Türkischen ab, [[1964]] die Fachprüfung aus Ungarisch. Im selben Jahr übersiedelte Frischmuth nach Wien, wo sie ein Doktoratsstudium der Turkologie, Iranistik und Islamkunde begann. | ||
Im Herbst [[1966]] brach sie ihr Studium ab und wurde hauptberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin aktiv. Für ihre Arbeit inspiriert wurde sie u. a. von H.C. Artmann, E.T.A. Hoffmann, Arno Schmidt, Lewis Carroll und James Joyce. Schon während ihrer Studienzeit veröffentlichte sie Gedichte und war 1962 Mitglied der später so genannten "Grazer Gruppe" geworden. Sie nahm an Lesungen teil und kam mit dem "Forum Stadtpark" in Kontakt, zu dessen Gründungsmitglied sie während ihrer Zeit in Erzurum ernannt wurde. Mehrere Auslandsaufenthalte führten sie in die Türkei, nach Ungarn, Ägypten, England, China, Japan und die USA, wo sie am ''Oberlin College'' in Ohio und an der ''Washington University'' in St. Louis Vorlesungen hielt. | Im Herbst [[1966]] brach sie ihr Studium ab und wurde hauptberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin aktiv. Für ihre Arbeit inspiriert wurde sie u. a. von H.C. Artmann, E.T.A. Hoffmann, Arno Schmidt, Lewis Carroll und James Joyce. Schon während ihrer Studienzeit veröffentlichte sie Gedichte und war 1962 Mitglied der später so genannten "Grazer Gruppe" geworden. Sie nahm an Lesungen teil und kam mit dem "Forum Stadtpark" in Kontakt, zu dessen Gründungsmitglied sie während ihrer Zeit in Erzurum ernannt wurde. Mehrere Auslandsaufenthalte führten sie in die Türkei, nach Ungarn, Ägypten, England, China, Japan und die USA, wo sie am ''Oberlin College'' in Ohio und an der ''Washington University'' in St. Louis Vorlesungen hielt. | ||
Seit [[1999]] | [[1968]] erschien Frischmuths hochgelobter Debütroman "Die Klosterschule", in dem sie die autoritären Strukturen eines Mädchengymnasiums beschrieb. | ||
Seit [[1999]] lebte die Autorin wieder dauerhaft in Altaussee. Dort befindet sich auch ihr Garten, der den Stoff für ihre bisher drei Gartengeschichten-Bücher lieferte. Sie war als Schriftstellerin, Übersetzerin und Kolumnistin tätig. | |||
Dem von fünf heimischen Künstlern gestalteten Projekt "[[Signal vom Dachstein 2024]]" stand sie neben vier anderen erfahrenen Künstlern ihren jungen Kollegen zur Seite. | Dem von fünf heimischen Künstlern gestalteten Projekt "[[Signal vom Dachstein 2024]]" stand sie neben vier anderen erfahrenen Künstlern ihren jungen Kollegen zur Seite. | ||
== Barbara Frischmuth zum Thema Sterben == | |||
Anlässlich ihres 80. Geburtstages führte die "[[Kleine Zeitung]] noch ein ausführliches Interview mit der Literatin. Schon damals beschäftigte sich Frischmuth mit dem Tod, was sie aber offenbar nicht weiter beunruhigte. "Ich sterbe wahrscheinlich genauso ungern wie die meisten anderen Menschen", sagte sie damals. "Aber es ist mir einfach klar, was jetzt kommen wird. Und jedes Jahr, das noch kommt, ist ein Geschenk, so banal das klingen mag." Und weiter: "Es wäre auch gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich keine Angst habe vor dem Tod. Die große Frage ist, wie man stirbt." | |||
== Privat == | == Privat == | ||
Am [[22. März]] [[1971]] heiratete Barbara Frischmuth den Sulky-Fahrer Günther Grün (* [[2. Mai]] [[1942]]). Zwei Jahre später, am [[1. Dezember]] [[1973]], kam ihr Sohn Florian Anastasius Grün in Wien zur Welt. [[1974]] kehrt Barbara Frischmuth mit ihrem Kind für einen Sommer nach Altaussee zurück. Das Ehepaar Grün lebte in einem Gestüt mit vierzig Pferden in dem niederösterreichischen Ort Oberweiden, entfernte sich jedoch Mitte der [[1970er]]-Jahre immer weiter voneinander. Nach der Scheidung am [[18. August]] [[1977]] nahm Barbara Frischmuth wieder offiziell ihren Mädchennamen an. Sie verbrachte immer mehr Zeit in Altaussee, wo sie am [[25. März]] [[1988]] den Psychiater und Neurologen Dirk Penner heiratete. | Am [[22. März]] [[1971]] heiratete Barbara Frischmuth den Sulky-Fahrer Günther Grün (* [[2. Mai]] [[1942]]). Zwei Jahre später, am [[1. Dezember]] [[1973]], kam ihr Sohn Florian Anastasius Grün in Wien zur Welt. [[1974]] kehrt Barbara Frischmuth mit ihrem Kind für einen Sommer nach Altaussee zurück. Das Ehepaar Grün lebte in einem Gestüt mit vierzig Pferden in dem niederösterreichischen Ort Oberweiden, entfernte sich jedoch Mitte der [[1970er]]-Jahre immer weiter voneinander. | ||
Nach der Scheidung am [[18. August]] [[1977]] nahm Barbara Frischmuth wieder offiziell ihren Mädchennamen an. Sie verbrachte immer mehr Zeit in Altaussee, wo sie am [[25. März]] [[1988]] den Psychiater und Neurologen Dirk Penner heiratete. | |||
Barbara Frischmuth ist die Nichte von Edith Hauer-Frischmuth, deren Lebensgeschichte sie in ihr Werk Einander Kind einfließen ließ, zu der sie allerdings ein familiär gespaltenes Verhältnis hatte. | Barbara Frischmuth ist die Nichte von Edith Hauer-Frischmuth, deren Lebensgeschichte sie in ihr Werk Einander Kind einfließen ließ, zu der sie allerdings ein familiär gespaltenes Verhältnis hatte. | ||
Frischmuth war 83 Jahre alt und litt schon seit Längerem an einer schweren Erkrankung. Erst vor wenigen Wochen ist ihr letzter Erzählband "Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter" erschienen. | |||
== Auszeichnungen und Ehrungen == | == Auszeichnungen und Ehrungen == | ||
* 1970 Staatsstipendium für Literatur des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | * [[1970]] Staatsstipendium für Literatur des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | ||
* 1972 Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Kinderbücher | * [[1972]] Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Kinderbücher | ||
* 1973 Anton-Wildgans-Preis | * [[1973]] | ||
: Anton-Wildgans-Preis | |||
* 1975 Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur | : Literaturpreis des [[Land Steiermark|Landes Steiermark]] | ||
* 1976 ''Writer in residence'' des Oberlin College in Ohio | * [[1975]] Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur | ||
* 1978 Dramatikerstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | * [[1976]] ''Writer in residence'' des ''Oberlin College'' in Ohio, USA | ||
* 1979 Literaturpreis der Stadt Wien | * [[1978]] Dramatikerstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | ||
* 1980 Buchprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | * [[1979]] Literaturpreis der Stadt Wien | ||
* 1983 Ida-Dehmel-Literaturpreis | * [[1980]] Buchprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | ||
* 1986 Buchprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | * [[1983]] Ida-Dehmel-Literaturpreis | ||
* 1987 Österreichischer Würdigungspreis für Literatur | * [[1986]] Buchprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst | ||
* 1988 Manuskripte-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark | * [[1987]] Österreichischer Würdigungspreis für Literatur | ||
* 1990 Szlabbezs-Preis des Internationalen Hörspielzentrums Unterrabnitz | * [[1988]] Manuskripte-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark | ||
* 1995 Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur für Gutenachtgeschichte für Maria Carolina | * [[1990]] Szlabbezs-Preis des Internationalen Hörspielzentrums Unterrabnitz | ||
* 1999 Franz-Nabl-Preis | * [[1995]] Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur für Gutenachtgeschichte für Maria Carolina | ||
* 2003 Josef-Krainer-Preis | * [[1999]] Franz-Nabl-Preis | ||
* 2005 Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln | * [[2003]] Josef-Krainer-Preis | ||
* 2013 Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse | * [[2005]] Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln | ||
* 2019 Ehrenring des Landes Steiermark | * [[2013]] Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse | ||
* [[2019]] Ehrenring des Landes Steiermark | |||
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== Weblink == | == Weblink == | ||
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== | == Quellen == | ||
* [[Kleine Zeitung]] vom [https://www.kleinezeitung.at/kultur/19529882/barbara-frischmuth-ist-tot 31. März 2025], "Schriftstellerin Barbara Frischmuth ist tot" | |||
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[[Kategorie:Geboren 1941]] | [[Kategorie:Geboren 1941]] | ||
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