K Textersetzung - „Einzelnachweisn“ durch „Einzelnachweise“
K Textersetzung - „[[ “ durch „[[“
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung
 
(7 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 19: Zeile 19:
==Die Pest im Ennstal ==
==Die Pest im Ennstal ==
Auch das obere Ennstal blieb von dieser, in den meisten Fällen todbringenden Krankheit nicht verschont. [[1382]] trat die Pest in [[Aigen im Ennstal]] auf. Besonders furchtbar wütete sie [[1486]] von August bis Oktober. Neben vielen Bewohnern von [[Admont]] und Umgebung fielen damals auch zwölf Mitglieder des Stiftskonventes des [[Benediktinerstift Admont|Benediktinerstifts Admont]] der Seuche zum Opfer. Es waren dies Prior Georg de Styra, der Priester und Lehrer der Jungherren Johann
Auch das obere Ennstal blieb von dieser, in den meisten Fällen todbringenden Krankheit nicht verschont. [[1382]] trat die Pest in [[Aigen im Ennstal]] auf. Besonders furchtbar wütete sie [[1486]] von August bis Oktober. Neben vielen Bewohnern von [[Admont]] und Umgebung fielen damals auch zwölf Mitglieder des Stiftskonventes des [[Benediktinerstift Admont|Benediktinerstifts Admont]] der Seuche zum Opfer. Es waren dies Prior Georg de Styra, der Priester und Lehrer der Jungherren Johann
Eysalar, Georg von Rottenmann, Magister und Senior, P. Johann Pellifex, P. Johann, Priester und Lehrer der Jungherren, Johann Metz, Unterpfarrer, der Subdialcon Augustin, die beiden Akolithen Kaspar und Philipp, der Novize Leonhard und die beiden Laienbrüder Ulrich und Rudolf. Auch die Admonter Nonne Margaretha Walkassin wurde Opfer der Pest in diesem Jahr. Die Admonter Totenbücher schreiben daher zu diesem Jahr: „''O tempus lugubrissimum''“ — "O traurigste Zeit“
Eysalar, Georg von Rottenmann, Magister und Senior, P. Johann Pellifex, P. Johann, Priester und Lehrer der Jungherren, Johann Metz, Unterpfarrer, der Subdialcon Augustin, die beiden Akolithen Kaspar und Philipp, der Novize Leonhard und die beiden Laienbrüder Ulrich und Rudolf. Auch die Admonter Nonne Margaretha Walkassin wurde Opfer der Pest in diesem Jahr. Die Admonter Totenbücher schreiben daher zu diesem Jahr: "''O tempus lugubrissimum''" — "O traurigste Zeit"


Nicht einmal 100 Jahre später forderte die Pest im November [[1570]] im benachbarten [[St. Gallen]], [[1585]] in der Stiftspfarre Landl und [[1625]] abermals im [[Admonttal]] weitere Opfer. [[1634]] bis [[1636]] erfolgte neuerlich der Ausbruch der Pest in St. Gallen. Auch zwischen [[1679]] und [[1736]] gab es zahlreiche Pest-Opfer. Im Oktober 1679 trat die Seuche erstmals in [[Stainach]] auf. 26 Menschen fanden bis [[14. Oktober]] den Tod. Der Ort wurde vollkommen von der Außenwelt abgeriegelt. Einer Stainacher Bittprozession zur [[Katholische Pfarrkirche zum hl. Georg|Pürgger Kirche]], die damals auch die Pfarrkirche der Stainacher war, wurde von den Pürggern der Einlass in den Ort verweigert, weil sie die Ansteckung fürchten. Einer Sage Sage nach soll ein Vöglein einer betenden Mutter mit zwei kleinen Kindern auf dem Rückweg von Pürgg »Enzian und Pimpinell (= Bibernelle)« zugezwitschert haben. Die Anwendung dieser »Pestkräuter« soll die »Pestdämonen« vertrieben und somit dieser Gottesgeißel ein Ende gesetzt haben<ref>Quelle [http://www.dekanat.at/dekanat/ennstal/stainach/Kapellen.php  www.dekanat.at]</ref>.  
Nicht einmal 100 Jahre später forderte die Pest im November [[1570]] im benachbarten [[Sankt Gallen]], [[1585]] in der Stiftspfarre Landl und [[1625]] abermals im [[Admonttal]] weitere Opfer. [[1634]] bis [[1636]] erfolgte neuerlich der Ausbruch der Pest in St. Gallen. Auch zwischen [[1679]] und [[1736]] gab es zahlreiche Pest-Opfer. Im Oktober 1679 trat die Seuche erstmals in [[Stainach]] auf. 26 Menschen fanden bis [[14. Oktober]] den Tod. Der Ort wurde vollkommen von der Außenwelt abgeriegelt. Einer Stainacher Bittprozession zur [[Katholische Pfarrkirche zum hl. Georg|Pürgger Kirche]], die damals auch die Pfarrkirche der Stainacher war, wurde von den Pürggern der Einlass in den Ort verweigert, weil sie die Ansteckung fürchten. Einer Sage Sage nach soll ein Vöglein einer betenden Mutter mit zwei kleinen Kindern auf dem Rückweg von Pürgg »Enzian und Pimpinell (= Bibernelle)« zugezwitschert haben. Die Anwendung dieser »Pestkräuter« soll die »Pestdämonen« vertrieben und somit dieser Gottesgeißel ein Ende gesetzt haben<ref>Quelle [http://www.dekanat.at/dekanat/ennstal/stainach/Kapellen.php  www.dekanat.at]</ref>.  


1679/[[1680]] wütete die Pest im ganzen Ennstal und forderte eine Unzahl von Todesopfern in diesem Gebiet. Brücken wurden abgerissen, um eine weitere Verschleppung der Seuche zu verhindern und auf allen Wegen wurden bewaffnete Flurwachen postiert, um herumziehendes, krankheitsverdächtiges Volk unter Kontumaz<ref>ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert für Quarantäne</ref> zu bringen, und schließlich wurden herumstreunende Hunde sogleich erschossen.  Im [[Ennstal]] waren die Gemeinden [[Aich]], [[Haus im Ennstal|Haus]] und [[Gröbming]] besonders betroffen. In der Steiermark fallen von Mai bis Dezember 4&nbsp;000 Personen der Seuche zum Opfer: vom [[23. Juli]] bis [[4. November]] sind es in [[Aich]] 131 Tote (von etwa 300 Einwohnern), [[Assach]] zählt in diesem Jahr 19 Tote am [[Vorberg (Ramsau am Dachstein)|Vorberg]] der [[Ramsau]] 52 und in der gesamten [[Katholische Pfarre Haus im Ennstal|katholischen Pfarre Haus]] sind es 267 Personen;
1679/[[1680]] wütete die Pest im ganzen Ennstal und forderte eine Unzahl von Todesopfern in diesem Gebiet. Brücken wurden abgerissen, um eine weitere Verschleppung der Seuche zu verhindern und auf allen Wegen wurden bewaffnete Flurwachen postiert, um herumziehendes, krankheitsverdächtiges Volk unter Kontumaz<ref>ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert für Quarantäne</ref> zu bringen, und schließlich wurden herumstreunende Hunde sogleich erschossen.  Im [[Ennstal]] waren die Gemeinden [[Aich]], [[Haus]] und [[Gröbming]] besonders betroffen. In der Steiermark fallen von Mai bis Dezember 4&nbsp;000 Personen der Seuche zum Opfer: vom [[23. Juli]] bis [[4. November]] sind es in [[Aich]] 131 Tote (von etwa 300 Einwohnern), [[Assach]] zählt in diesem Jahr 19 Tote am [[Vorberg (Ramsau am Dachstein)|Vorberg]] der [[Ramsau]] 52 und in der gesamten [[Katholische Pfarre Haus|katholischen Pfarre Haus]] sind es 267 Personen;


Um weiteres Eindringen der Pest zu verhindern, ließ der damalige [[Äbte von Admont|Abt]] [[Adalbert Heuffler von Rasen und Hohenbühel]]  (1675 bis 1690) alle Pässe ins [[Ennstal]] sorgfältig überwachen. Er ließ außerdem Lebensmittel und Arzneien an die Kranken verteilen und ordnete die Ausräucherung der Häuser an.
Um weiteres Eindringen der Pest zu verhindern, ließ der damalige [[Äbte von Admont|Abt]] [[Adalbert Heuffler von Rasen und Hohenbühel]]  (1675 bis 1690) alle Pässe ins [[Ennstal]] sorgfältig überwachen. Er ließ außerdem Lebensmittel und Arzneien an die Kranken verteilen und ordnete die Ausräucherung der Häuser an.


Das letzte Mal kehrte die Pest im obersteirischen Ennstal in der Zeit von [[1714]] bis [[1716]] zurück. Für diese Zeit wurde Abt [[ Anselm Lürzer von Zechenthal]] von der Regierung zum Pestkommissar der Obersteiermark aufgestellt. Diesmal suchte die Pest auch zum zweiten Male die Gemeinde [[Ramsau am Dachstein|Ramsau]] heim.  Allerdings wurde der hintere Teil der [[Ramsau]] verschont, wie die  Inschrift am [[Pestkreuz in der Ramsau|Pestkreuz]] besagt: „''bis hierher und nicht weiter.  1715''“. [[1716]] erreichte die Pest zum letzten Mal das Ennstal und erreichte ihren Höhepunkt besonders in der [[Kohlgrube]] ([[Ramsauer Straße]]) unter den dort wohnenden Bergknappen viele Opfer forderte.   
Das letzte Mal kehrte die Pest im obersteirischen Ennstal in der Zeit von [[1714]] bis [[1716]] zurück. Für diese Zeit wurde Abt [[Anselm Lürzer von Zechenthal]] von der Regierung zum Pestkommissar der Obersteiermark aufgestellt. Diesmal suchte die Pest auch zum zweiten Male die Gemeinde [[Ramsau am Dachstein|Ramsau]] heim.  Allerdings wurde der hintere Teil der [[Ramsau]] verschont, wie die  Inschrift am [[Pestkreuz in der Ramsau|Pestkreuz]] besagt: "''bis hierher und nicht weiter.  1715''". [[1716]] erreichte die Pest zum letzten Mal das Ennstal und erreichte ihren Höhepunkt besonders in der [[Kohlgrube]] ([[Ramsauer Straße]]) unter den dort wohnenden Bergknappen viele Opfer forderte.   


Nachdem man 1716 alle an der Pest Verstorbenen laut Eintrag vom [[15. September]] 1716 nicht ins Sterbebuch von Schladming eingetragen hatte, fand sich mit [[13. Jänner]] [[1717]] ein Eintrag im Taufbuch in Schladming, der da lautet "''alle nachgetragen, welche zur Zeit der hier wütenden Pest noch im Jahre 1716 in [[Haus im Ennstal|Haus]] getauft worden sind''"
Nachdem man 1716 alle an der Pest Verstorbenen laut Eintrag vom [[15. September]] 1716 nicht ins Sterbebuch von Schladming eingetragen hatte, fand sich mit [[13. Jänner]] [[1717]] ein Eintrag im Taufbuch in Schladming, der da lautet "''alle nachgetragen, welche zur Zeit der hier wütenden Pest noch im Jahre 1716 in [[Haus]] getauft worden sind''"


Sehr umfangreichen und interessanten Aufschluss über die zweite Pestzeit (1714 bis 1716) geben die Pestbriefe des Schladminger Vikars [[Johann Jakob Widhölzl]], die sich im Pfarrarchiv in Haus im Ennstal befinden.
Sehr umfangreichen und interessanten Aufschluss über die zweite Pestzeit (1714 bis 1716) geben die Pestbriefe des Schladminger Vikars [[Johann Jakob Widhölzl]], die sich im Pfarrarchiv in Haus im Ennstal befinden.
Zeile 50: Zeile 50:
* ''Österreichische Zeitschrift für Volkskunde'', herausgegeben vom Verein für Volkskunde in Wien, Band 10 der Gesamtserie 59, Wien 1956 (im Internet: [https://volkskundemuseum.at/jart/prj3/volkskundemuseum/data/uploads/downloads/OeZV_Volltexte/OEZV_1956.pdf pdf]
* ''Österreichische Zeitschrift für Volkskunde'', herausgegeben vom Verein für Volkskunde in Wien, Band 10 der Gesamtserie 59, Wien 1956 (im Internet: [https://volkskundemuseum.at/jart/prj3/volkskundemuseum/data/uploads/downloads/OeZV_Volltexte/OEZV_1956.pdf pdf]


==Einzelnachweise==
==== Einzelnachweise====
<references/>
<references/>


[[Kategorie:Sonstiges]]
[[Kategorie:Ereignis]]
[[Kategorie:Ereignis]]
[[Kategorie:Katastrophe]]
[[Kategorie:Gesundheit]]
[[Kategorie:Krankheit]]