Hermann Broch: Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „thumb|Hermann Broch, Portrait von 1909'''Hermann Broch''' (* 1. November 1886 in Wien; † 30.…“ |
K Textersetzung - „Kategorie:Kultur und Bildung“ durch „“ |
||
| (10 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 2: | Zeile 2: | ||
== Leben == | == Leben == | ||
Hermann Broch wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten geboren. Nach | Hermann Broch wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten geboren. Nach der Matura [[1904]] an der k.k. Staatsrealschule auf der Schottenbastei besuchte er die Höhere Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie sowie Vorlesungen an der Universität Wien für Mathematik, Physik und Philosophie. Dem Ingenieursabschluss in Mühlhausen im Elsaß folgten bald leitende Aufgaben in der familieneigenen Textilfabrik in Teesdorf in [[Niederösterreich]]. | ||
[[1909]] heiratete er Franziska von Rothermann, deren hohe Mitgift Broch in die Spinnfabrik investierte. Broch konvertierte zum Christentum und ließ sich taufen. 1910 kam sein Sohn Hermann Friedrich auf die Welt. 1923 wurde die Ehe geschieden und bedeutete für ihn erhebliche finanzielle Aufwendungen. Sein Sohn Hermann ( | [[1909]] heiratete er Franziska von Rothermann, deren hohe Mitgift Broch in die Spinnfabrik investierte. Broch konvertierte zum Christentum und ließ sich taufen. [[1910]] kam sein Sohn Hermann Friedrich auf die Welt. [[1923]] wurde die Ehe geschieden und bedeutete für ihn erhebliche finanzielle Aufwendungen. Sein Sohn Hermann ("Armand") verbrachte die Jahre von [[1924]] bis [[1928]] in einem exklusiven französischen Internat. Brochs Sohn heiratete [[1941]] in der Emigration eine Tochter [[Jakob Wassermann]]s aus erster Ehe. | ||
[[1927]] legte Broch die Leitung der Texilfirma zurück, [[1932]] ging das Unternehmen in Konkurs. Das bedeutete weitere große finanziellen Einbußen für die ganze Familie. | [[1927]] legte Broch die Leitung der Texilfirma zurück, [[1932]] ging das Unternehmen in Konkurs. Das bedeutete weitere große finanziellen Einbußen für die ganze Familie. | ||
Auf Umwegen und mit verschiedenen Unterstützern – u. a. Einstein, Joyce, Mann – emigrierte Broch am [[24. Juli]] [[1938]] aus Österreich. Ende September landete er in New York und verbrachte die folgenden Jahre an verschiedenen Orten der USA, ab 1942 sechs Jahre in Princeton, dann in New Haven, wo er Deutsche Literatur lehrte. In der Emigration begann Broch sich mit Massenpsychologie zu befassen und forschte intensiv über die | Auf Umwegen und mit verschiedenen Unterstützern – u. a. Einstein, Joyce, Mann – emigrierte Broch am [[24. Juli]] [[1938]] aus Österreich. Ende September landete er in New York und verbrachte die folgenden Jahre an verschiedenen Orten der USA, ab [[1942]] sechs Jahre in ''Princeton'', dann in ''New Haven'', wo er Deutsche Literatur lehrte. In der Emigration begann Broch sich mit Massenpsychologie zu befassen und forschte intensiv über die "Massenwahntheorie". | ||
Broch unternahm große Anstrengung um Hilfen für Flüchtlinge zu unterstützen. Und diesen befand sich auch sein Sohn. Seine Mutter kam in Theresienstadt um, was er erst zwei Jahre später erfahren hatte. | Broch unternahm große Anstrengung um Hilfen für Flüchtlinge zu unterstützen. Und diesen befand sich auch sein Sohn. Seine Mutter kam in Theresienstadt um, was er erst zwei Jahre später erfahren hatte. | ||
Ende 1949 heiratete Broch ein zweites Mal – die Malerin Anne Marie Meier Graefe. | Ende [[1949]] heiratete Broch ein zweites Mal – die Malerin Anne Marie Meier Graefe. | ||
Er verfasste den Essay | |||
Er verfasste den Essay "Hofmannsthal und seine Zeit", eine Analyse des ''Fin de siecle'', auch die Novellensammlung "Vorüberziehende Wolke" wird [[1950]] als Roman "Die Schuldlosen" veröffentlicht. Während er mit seiner Frau seine Reise nach Europa vorbereitete, erlitt er einen Herzanfall und starb am 30. Mai 1951 in ''New Haven'' in ''Connecticut''. | |||
=== Broch als Schriftsteller === | === Broch als Schriftsteller === | ||
Erste Veröffentlichungen von ihm erschienen [[1913]] in der Literaturzeitschrift | Erste Veröffentlichungen von ihm erschienen [[1913]] in der Literaturzeitschrift "Der Brenner". Andere Zeitschriften wie "Die Moderne Welt" und "Summa" folgten mit Veröffentlichungen von Beiträgen von Broch. Zwar musste Broch aufgrund von Untauglichkeit nicht am [[Ersten Weltkrieg]] teilnehmen, aber er leitete bis zum Kriegsende ein in der Teesdorfer Fabrik untergebrachtes Lazarett des Roten Kreuzes. | ||
Zu Künstlern und Literaten seiner Zeit, wie Hofmannsthal, Polgar, Altenberg, Friedell, Musil, Kraus, Schnitzler, Kaus, Gütersloh, Schiele, Kokoschka pflegte er Kontakte und sich mit ihnen vor allem in den Wiener Kaffeehäusern | Zu Künstlern und Literaten seiner Zeit, wie [[Hugo von Hofmannsthal|Hofmannsthal]], Polgar, Altenberg, [[Egon Friedell|Friedell]], [[Robert Musil|Musil]], Kraus, [[Arthur Schnitzler|Schnitzler]], [[Gina Kaus|Kaus]], Gütersloh, Schiele, [[Oskar Kokoschka|Kokoschka]] pflegte er Kontakte und sich mit ihnen vor allem in den Wiener Kaffeehäusern "Central" oder "Herrenhof". | ||
Immer wieder widmete sich Broch verschiedenen Studien, u.a. der Philosophie und Erkenntnistheorie, auch lernte er die Psychoanalyse kennen, wobei er einige Jahre bei der Freud-Schülerin Hedwig Schaxel in Behandlung war. | Immer wieder widmete sich Broch verschiedenen Studien, u.a. der Philosophie und Erkenntnistheorie, auch lernte er die Psychoanalyse kennen, wobei er einige Jahre bei der Freud-Schülerin Hedwig Schaxel in Behandlung war. | ||
Sein erstes umfangreiches Werk war die Trilogie | Sein erstes umfangreiches Werk war die Trilogie "Die Schlafwandler" (1932): I.: "Pasenow oder die Romantik. 1888", II.: "Esch oder die Anarchie. 1903", III.: "Huguenau oder die Sachlichkeit. 1918". Die Romane handeln vom Zerfall alter Wertvorstellungen – die bürgerliche Kultur mündet daher in Inhumanität und Egoismus. Literarisch wurde die Trilogie "zugehörig zur europäischen Avantgarde" gewertet. | ||
=== Broch und das Ausseerland === | === Broch und das Ausseerland === | ||
Die prekäre finanzielle Situation veranlasste Broch, sich nach [[Gössl]] am [[Grundlsee (See)|Grundlsee]] zurückzog. Dort verbrachte er teilweise die Sommer 1932 und 1933. In einem Brief an Freunde schrieb er: | Die prekäre finanzielle Situation veranlasste Broch, sich nach [[Gössl]] am [[Grundlsee (See)|Grundlsee]] zurückzog. Dort verbrachte er teilweise die Sommer [[1932]] und [[1933]]. In einem Brief an Freunde schrieb er: "Kennen Sie übrigens das [[Steirisches Salzkammergut|Salzkammergut]]? Es ist wunderschön." Während dieser Zeit traf er auch mit [[Robert Neumann]], [[Friedrich Torberg]] und [[Jakob Wassermann]] zusammen. | ||
Am | Am Grundlsee arbeitete er am Filsmann-Roman. Daraus entstand das Drama "Die Entsühnung", das in Zürich erfolgreich zur Aufführung gelangte. Es folgten zwei Lustspiele: "Aus der Luft gegriffen" und "Es bleibt alles beim Alten". Darüber hinaus schrieb er eine Reihe von Novellen und zahlreiche Gedichte. | ||
1935 lebte er einige Zeit in Mösern in Tirol. Dort begann er die Arbeit am Roman | [[1935]] lebte er einige Zeit in Mösern in Tirol. Dort begann er die Arbeit am Roman "Die Verzauberung", vorerst als "Bergroman" bezeichnet. Es sollte der erste Band einer Trilogie mit dem Titel "Demeter" werden sollte. Er blieb jedoch unvollendet. Posthum ([[1954]]) erschien der Roman auch unter dem Titel "Der Versucher". | ||
Um näher zu Wien zu sein, nahm er [[1936]] in [[Altaussee]] Quartier. Bereits als 17-jähriger war er zum ersten Mal in Altaussee gewesen. Das Bauernhaus, vulgo Grieshofer, Altaussee Nr. 31, stellten ihm die Mieter, das Ehepaar Geringer aus Wien, zur Verfügung. Die dortige Nachbarin, Ella Zand, sorgte in seinem Haushalt für Ordnung und berichtete von Brochs bescheidenem Lebensstil. Auch wusste sie, dass er fast ununterbrochen Pfeife rauchte und bis spät in die Nacht arbeitete. Während dieser Zeit traf Broch u. a. Raoul Auernheimer und den Ausseer Lehrer [[Hans Vlasic]], den er zum Projekt | Um näher zu Wien zu sein, nahm er [[1936]] in [[Altaussee]] Quartier. Bereits als 17-jähriger war er zum ersten Mal in Altaussee gewesen. Das Bauernhaus, vulgo Grieshofer, Altaussee Nr. 31, stellten ihm die Mieter, das Ehepaar Geringer aus Wien, zur Verfügung. Die dortige Nachbarin, Ella Zand, sorgte in seinem Haushalt für Ordnung und berichtete von Brochs bescheidenem Lebensstil. Auch wusste sie, dass er fast ununterbrochen Pfeife rauchte und bis spät in die Nacht arbeitete. Während dieser Zeit traf Broch u. a. [[Raoul Auernheimer]] und den Ausseer Lehrer [[Hans Vlasic]], den er zum Projekt "Haussprüche" ermutigte und unterstützte. Diese wurden dann in der "Neuen Rundschau" abgedruckt. | ||
Broch schrieb aus Altaussee: | Broch schrieb aus Altaussee: "Bedauerlicherweise mag ich die hiesige Gegend nicht" und über die Bewohner: "So etwas von Gleichgültigkeit gegen das Weltelend ringsum … übrigens war der Österreicher immer so." | ||
In Altaussee arbeitete er an seinem literarischen Hauptwerk | In Altaussee arbeitete er an seinem literarischen Hauptwerk "Der Tod des Vergil", mit dem er schon seit längerem befasst war. Als Gegner des Totalitarismus setzte er sich gezielt für die Verteidigung der Menschenwürde und –rechte ein und formulierte die "Völkerbund-Resolution", wofür er mit bedeutenden Zeitgenossen korrespondierte, wie z. B. mit [[Thomas Mann]], Aldous Huxley und Albert Einstein. | ||
Am [[13. März]] [[1938]] wurde Broch aufgrund einer Meldung des Briefträgers, dass Broch eine russische Zeitschrift abonniert habe, ins Gefängnis in [[Bad Aussee]] eingesperrt. Sein Zellengenosse war der spätere Altausseer [[Bürgermeister der Gemeinde Altaussee|Bürgermeister]] [[Josef Khälß]], dem er am Josefitag eine Fotografie von sich widmete: | Am [[13. März]] [[1938]] wurde Broch aufgrund einer Meldung des Briefträgers, dass Broch eine russische Zeitschrift abonniert habe, ins Gefängnis in [[Bad Aussee]] eingesperrt. Sein Zellengenosse war der spätere Altausseer [[Bürgermeister der Gemeinde Altaussee|Bürgermeister]] [[Josef Khälß]], dem er am [[Josefitag]] eine Fotografie von sich widmete: "Zum Namenstag in einer Zelle / Dem Seppl Khälß / sein Haftgeselle Hermann Broch 19.3.1938." Broch wurde Ende des Monats entlassen und bemühte sich um seine Ausreise. | ||
In den Vereinigten Staaten von Amerika stellte er 1940 die vierte Fassung des Vergil-Romans fertig. | In den Vereinigten Staaten von Amerika stellte er [[1940]] die vierte Fassung des Vergil-Romans fertig. "Der Tod des Vergil" wurde [[1945]] veröffentlicht, in Österreich und Deutschland erst [[1949]]. Dieses große Werk zählte Thomas Mann zu den "höchsten Leistungen deutschen Schrifttums im Exil". | ||
== Ehrungen == | == Ehrungen == | ||
Ein Gedenkstein nahe Brochs Quartier in Altaussee, beim Haus Covington, erinnert an den bedeutenden Literaten, der hier eine kurze Zeit gewohnt hat und möglicher Weise auch zu seinen Beschreibungen der Landschaft in seinem Roman | Ein Gedenkstein nahe Brochs Quartier in Altaussee, beim Haus Covington, erinnert an den bedeutenden Literaten, der hier eine kurze Zeit gewohnt hat und möglicher Weise auch zu seinen Beschreibungen der Landschaft in seinem Roman "Die Verzauberung" inspiriert worden ist. | ||
{{mehr}} | |||
== Quellen == | |||
* [[Literaturmuseum Altaussee]]: | |||
: [[Archiv des Literaturmuseums Altaussee]] [http://www.literaturmuseum.at/Literaten/Broch.html www.literaturmuseum.at/Literaten] | |||
{{Persönlichkeiten im steirischen Salzkammergut}} | |||
{{SORTIERUNG: Broch, Hermann}} | {{SORTIERUNG: Broch, Hermann}} | ||
[[Kategorie:Person]] | [[Kategorie:Person]] | ||
[[Kategorie:Person (Geschichte)]] | [[Kategorie:Person (Geschichte)]] | ||
[[Kategorie:Person (Ausseerland)]] | |||
[[Kategorie:Person (Kunst)]] | [[Kategorie:Person (Kunst)]] | ||
[[Kategorie:Kunst]] | |||
[[Kategorie:Schriftsteller]] | [[Kategorie:Schriftsteller]] | ||
[[Kategorie:Salzkammergut]] | |||
[[Kategorie:Ausseerland]] | [[Kategorie:Ausseerland]] | ||
[[Kategorie:Altaussee]] | [[Kategorie:Altaussee]] | ||
[[Kategorie:Geboren 1886]] | |||
[[Kategorie:Gestorben 1951]] | |||