Gesäuse: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Gesaeuseeingang-Haindlbauer.jpg|thumb|Gesäuseeingang-Haindlbauer]] | [[Datei:Gesaeuseeingang-Haindlbauer.jpg|thumb|Gesäuseeingang-Haindlbauer]] | ||
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Das ''' | Das '''Gesäuse''' ist eine in Westost verlaufende Verbindungsschlucht der [[Enns]] zwischen [[Admont]] und [[Hieflau]] und zählt zu den [[Ennstaler Alpen]]. | ||
== | == Geografie == | ||
Das Gesäuse (im Volksmund ''Xeis'' genannt) bildet im nordöstlichen [[Ennstal]] auf einem rund 16 Kilometer langen Abschnitt eine Felsschlucht und wird oftmals als die ''senkrechte Welt Österreichs'' bezeichnet. Der [[Gesäuseeingang]] liegt ca. sechs Kilometer östlich von Admont. Von dort fließt die Enns aufgrund der Talverengung, unzähligen Felsvorsprüngen sowie der Überwindung eines beachtlichen Höhenunterschiedes ([[Ennskatarakte]]) reißend schnell und ist rundum von steilen, zum Teil senkrechten und wild bewachsenen Felswänden umgeben. | Das Gesäuse (im Volksmund ''Xeis'' genannt) bildet im nordöstlichen [[Ennstal]] auf einem rund 16 Kilometer langen Abschnitt eine Felsschlucht und wird oftmals als die ''senkrechte Welt Österreichs'' bezeichnet. Der [[Gesäuseeingang]] liegt ca. sechs Kilometer östlich von Admont. Von dort fließt die Enns aufgrund der Talverengung, unzähligen Felsvorsprüngen sowie der Überwindung eines beachtlichen Höhenunterschiedes ([[Ennskatarakte]]) reißend schnell und ist rundum von steilen, zum Teil senkrechten und wild bewachsenen Felswänden umgeben. Genau diese Wasserfälle gaben nach dem Sausen des Wassers dem Gesäuse seinen Namen. | ||
[[Datei:Xeis.png|thumb|Verlauf der Enns]] | |||
== Ennsarme: | Aber es wird auch die Bergwelt nördlich und südlich dieses Gesäuses als "Gesäuse" bezeichnet. Am [[26. Oktober]] [[2002]] wurde ein überwiegender Teil dieses Gesäuses zum [[Nationalpark Gesäuse]] erklärt. | ||
Der Radfahrer, Läufer oder Spaziergänger, welcher den ruhigen [[Ennstal Radweg]] von Admont in östliche Richtung zum [[Grabnerhof]] benützt, sieht entlang des Weges die breit dahin fließende Enns, daneben aber immer wieder Enns-Altarme, gewundene Auwälder wie das | |||
Im Bereich des Gesäuses führen mehrere Brücken über die Enns, u. a. die unter [[Denkmalschutz]] stehende [[Lauferbauerbrücke]]. | |||
== Ennsarme: "Verrückte" Gemeindegrenzen == | |||
Der Radfahrer, Läufer oder Spaziergänger, welcher den ruhigen [[Ennstal Radweg]] von Admont in östliche Richtung zum [[Grabnerhof]] benützt, sieht entlang des Weges die breit dahin fließende Enns, daneben aber immer wieder Enns-Altarme, gewundene Auwälder wie das "Amerika-Waldl", und ahnt, dass die Enns früher anders geflossen ist als heute. | |||
Das Szenario vor 150 Jahren um die Mitte des [[19. Jahrhundert]]s: Breit mit vielen Mäandern beherrscht die Enns den Talboden. Überall Altarme, überflutete Streuwiesen, Sümpfe, Moore, hochwassergefährdete Wiesen und Felder. Der Flussspiegel am Gesäuseeingang lag bis zu 14 Meter über | Das Szenario vor 150 Jahren um die Mitte des [[19. Jahrhundert]]s: Breit mit vielen Mäandern beherrscht die Enns den Talboden. Überall Altarme, überflutete Streuwiesen, Sümpfe, Moore, hochwassergefährdete Wiesen und Felder. Der Flussspiegel am Gesäuseeingang lag bis zu 14 Meter über | ||
[[Datei:Gesause_5.jpg|thumb|Im Gesäuse]] | |||
Die alten Gemeindegrenzen zwischen Admont südlich, [[Hall (Gemeinde)|Hall]] und [[Weng im Gesäuse]] nördlich der Enns blieben damals unverrückt. So verwundert es, dass heute nördlich der Enns Admonter Grundstücke und südlich davon Haller Wiesen liegen – eine nur scheinbar | Sprengungen am Gesäuseeingang im Auftrag des [[Benediktinerstift Admont|Benediktinerstifts Admont]] im Jahre [[1824]] brachten nur wenig Schutz vor den dauernden Überschwemmungen. Man wandte sich an den Kaiser, und im Jahre 1860 unterschrieb er das für das gesamte Ennstal lebenswichtige Patent der [[Ennsregulierung]]. In den [[1860er]] Jahren wurde die Enns mittels "Durchstichen" begradigt, die Ufer durch Buhnen und Querwerke befestigt. Östlich von Admont waren der [[Kornbauer-Durchstich|Kornbauer]]- und der [[Grabner Durchstich]] die wichtigsten und kostspieligsten Baulose. Die insgesamt 2 400 m an Durchstichen kosteten 46.500 [[swiki:Gulden]] – eine Summe, die die Gemeinden oder das Herzogtum Steiermark damals nie hätten aufbringen können. | ||
Die alten Gemeindegrenzen zwischen Admont südlich, [[Hall (Gemeinde)|Hall]] und [[Weng im Gesäuse]] nördlich der Enns blieben damals unverrückt. So verwundert es, dass heute nördlich der Enns Admonter Grundstücke und südlich davon Haller Wiesen liegen – eine nur scheinbar "verrückte" Grenzziehung, die von dem ehemaligen Lauf der Enns erzählen kann. | |||
Die Altarme der Enns bilden heute wichtige Biotope. Besonders die vielfältige Vogelwelt ist Beobachtungsziel der Ornithologen. | Die Altarme der Enns bilden heute wichtige Biotope. Besonders die vielfältige Vogelwelt ist Beobachtungsziel der Ornithologen. | ||
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* [[Hochtorgruppe]] | * [[Hochtorgruppe]] | ||
* [[Admonter Reichensteingruppe]] | * [[Admonter Reichensteingruppe]] | ||
[[Datei:Gesäuseberge.JPG|thumb|center|900px|Panorama der Gesäuseberge ([[Kalbling]], [[Sparafeld]], [[Admonter Reichenstein]], [[Großer Buchstein]] und [[Hochtorgruppe]])]] | |||
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Für die "Touristen", wie man früher die Bergsteiger nannte, war der [[Bahnhof Gstatterboden]] von Bedeutung. Man fuhr Freitagabend mit dem Nachtzug von Wien ab, war in den frühen Morgenstunden im Gesäuse und begann seine Bergtour. Sonntag ging es mit dem Abendzug wieder zurück. | |||
[[Datei:Gesäuseberge_Karte_1918.jpg|thumb|Historische Landkarte des Gesäuses von 1918 von [[Gustav Freytag]]. Anklicken, dann kommt man zu einem Link zu einer genaueren und scharfen Vergrößerung der Karte]] | |||
Es gab eine Reihe von [[Gesäuse-Pioniere]], die sich um die Erschließung dieser Bergwelt verdient gemacht hatten. [[Heinrich Heß]] (* [[29. Dezember]] [[1857]] in Wien; † [[12. August]] [[1946]] ebenda) war einer der ganz großen Gesäuse-Pioniere und wird als solcher auch "Vater des Gesäuses" genannt. | |||
Aber es gab auch viele Todesfälle, von denen der [[Bergsteigerfriedhof Johnsbach|Bergsteigerfriedhof]] in [[Johnsbach]] Zeugnis ablegt. | |||
== Geologie der Gesäuseberge == | == Geologie der Gesäuseberge == | ||
[[Datei:Geologische Karte der östlichen NKA.jpg|thumb|Geologische Karte der östlichen Nördlichen Kalkalpen.]] | [[Datei:Geologische Karte der östlichen NKA.jpg|thumb|Geologische Karte der östlichen Nördlichen Kalkalpen.]] | ||
[[Datei:Geologie Gesäuseberge.jpg|thumb|Geologische Beschreibung der Nordwände der Gesäuseberge (von Westen/rechts nach Osten/links).]] | [[Datei:Geologie Gesäuseberge.jpg|thumb|Geologische Beschreibung der Nordwände der Gesäuseberge (von Westen/rechts nach Osten/links).]] | ||
Geologisch betrachtet sind die Gesäuseberge Teil des [[Juvavische Decken|Juvavikums]] der [[Nördliche Kalkalpen|Nördlichen Kalkalpen]]. Einer Detailuntergliederung zufolge gehört der Großteil der ''Mürzalpen-Decke'' an. Diese tektonische Einheit reicht von den [[Haller Mauern]] im Westen bis zum Wiener Becken im Osten. Nur kleine Bereiche westlich des [[Hochtor]]s sind der ''Schneeberg-Decke'' zugehörig, die inselartig der Mürzalpen-Decke auflagert. | |||
Geologisch betrachtet sind die Gesäuseberge Teil des [[Juvavische Decken|Juvavikums]] der [[Nördliche Kalkalpen|Nördlichen Kalkalpen]]. Einer Detailuntergliederung zufolge gehört der Großteil der ''Mürzalpen-Decke'' an. Diese tektonische Einheit reicht von den [[Haller Mauern]] im Westen bis zum Wiener Becken im Osten. Nur kleine Bereiche westlich des [[Hochtor (Ennstaler Alpen)|Hochtor]]s sind der ''Schneeberg-Decke'' zugehörig, die inselartig der Mürzalpen-Decke auflagert. | |||
[[Datei:Gesause_6.jpg|thumb|Im Gesäuse]] | |||
Vom [[Liegendes|Liegenden]] ins [[Hangendes|Hangende]] werden die Gesäuseberge folgendermaßen aufgebaut: Bis ca. 1.200 m Seehöhe bestehen sie aus [[Wettersteinkalk]], darüber folgt das Schieferband der [[Raibler Schichten]], im Anschluss der mehrere hundert Meter mächtige [[Hauptdolomit]] und die obersten etwa 500 m prägt der [[Dachsteinkalk]]. All diese Gesteinsformationen hatten ein flachmarines Bildungsmilieu. Die Felswände geben anhand der Fossilien noch heute Einblicke in diesen ca. 210 bis 235 Millionen Jahre vergangenen Lebensraum. | Vom [[Liegendes|Liegenden]] ins [[Hangendes|Hangende]] werden die Gesäuseberge folgendermaßen aufgebaut: Bis ca. 1.200 m Seehöhe bestehen sie aus [[Wettersteinkalk]], darüber folgt das Schieferband der [[Raibler Schichten]], im Anschluss der mehrere hundert Meter mächtige [[Hauptdolomit]] und die obersten etwa 500 m prägt der [[Dachsteinkalk]]. All diese Gesteinsformationen hatten ein flachmarines Bildungsmilieu. Die Felswände geben anhand der Fossilien noch heute Einblicke in diesen ca. 210 bis 235 Millionen Jahre vergangenen Lebensraum. | ||
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Auszug bisher erkundeter Höhlen: | Auszug bisher erkundeter Höhlen: | ||
* [[Grazerwegschacht]] | |||
* [[Goldeck-Gipfelhöhle]] | * [[Goldeck-Gipfelhöhle]] | ||
* [[Jahrlingmauerhöhle]] | |||
* [[Kleiner-Ödstein-Canyon]] | |||
* [[Nordverschneidungshöhle I]] | |||
* [[Prusikhöhle]] | |||
* [[Seekarschacht II]] | |||
* [[Seekarschacht III]] | |||
* [[Schneeschacht]] | |||
* [[Stadelfeld-Riesenschacht]] | * [[Stadelfeld-Riesenschacht]] | ||
* [[Tellersackcanyon]] | * [[Tellersackcanyon]] | ||
* [[Weiße Grotte]] | |||
* [[Wildschützenhöhle]] | * [[Wildschützenhöhle]] | ||
* [[ | * [[Bockleiten-Schachthöhle]] | ||
* [[Steinkarhöhle]] | |||
== | == Verkehr == | ||
Durch das Gesäuse verläuft die [[Gesäuse Straße]] (B 146) und die [[Kronprinz Rudolf-Eisenbahngesellschaft|Rudolfsbahn]] | [[Datei:Bahnhof Gstatterboden 1913.jpg|thumb|Bahnhof Gstatterboden 1913.]] | ||
Durch das Gesäuse verläuft die [[Gesäuse Straße]] (B 146) und die [[Gesäusebahn]] ist eine Teilstrecke der [[Kronprinz Rudolf-Eisenbahngesellschaft|Rudolfsbahn]] von Amstetten ([[Niederösterreich]]) über Kleinreifling nach [[Selzthal]]. Sie zählt zum Bahnstreckennetz der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). [[2009]] wurde der Personenverkehr der Gesäusebahn mit Ausnahme an Samstagen und Sonntagen zum größten Teil aus Rentabilitätsgründen eingestellt und durch ein Buskonzept ersetzt. | |||
== | == Bilder == | ||
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: 2013: Waldbrand am Himbeerstein ([[:Kategorie:Datei:Waldbrand Gesäuse]] | : 2013: Waldbrand am Himbeerstein ([[:Kategorie:Datei:Waldbrand Gesäuse]]) | ||
== Literatur == | |||
* [[Josef Hasitschka|Hasitschka, Josef]]; [[Ernst Kren|Kren, Ernst]]; [[Adolf Mokrejs|Mokrejs, Adolf]]: "[[Der Ödstein – Ein König unter Königen]]", Schall Verlag, 2010, 978-3900533618 | |||
== Weblink == | == Weblink == | ||
* [ | * [https://www.steiermark.com/de/Gesaeuse Nationalpark Gesäuse] | ||
* {{wikivoyage|Gesäuse}} | * {{wikivoyage|Gesäuse}} | ||
== Quellen == | == Quellen == | ||
{{#ev:youtube|ZlD6yner5Ok|300|right|Das Gesäuse 1947 von Günter Dick, Text und Sprecher [[Ernst Kren]] 05:51 min. Video}} | |||
{{Quelle Hasitschka Gesäuse}} | {{Quelle Hasitschka Gesäuse}} | ||
* | * {{wikipedia-de}} | ||
* [https://www.alpintouren.com/AT2006/ Alpintouren.com], in der ''Toursuche'' die Region ''Steiermark'' und ''Gesäuse'' eingeben] | |||
* [ | * [http://www.fahrgast-steiermark.at/wordpress/wp-content/uploads/zeitung_sondernummern/FG_Zeitung_2009_Gesaeusebahn.pdf www.fahrgast-steiermark.at PDF] | ||
* [http://www.fahrgast-steiermark.at/uploads/ | * [https://www.bergzeit.at/magazin/schwierigkeitsgrade-klettern/ Erläuterung zu den Schwierigkeitsgraden beim Klettern] | ||
* [ | |||
* Stüwe, K. & Homberger, R. (2015). ''Die Geologie der Alpen aus der Luft''. Gnas: Weishaupt Verlag | * Stüwe, K. & Homberger, R. (2015). ''Die Geologie der Alpen aus der Luft''. Gnas: Weishaupt Verlag | ||
* Tollmann, A. (1977). ''Geologie von Österreich 1. Die Zentralalpen''. Wien: Deuticke | * Tollmann, A. (1977). ''Geologie von Österreich 1. Die Zentralalpen''. Wien: Deuticke | ||
[[Kategorie:Admont]] | |||
[[Kategorie:Johnsbach]] | |||
[[Kategorie:Weng im Gesäuse]] | |||
[[Kategorie:Landl]] | |||
[[Kategorie:Hieflau]] | |||
[[Kategorie:Geografie]] | [[Kategorie:Geografie]] | ||
[[Kategorie:Landschaft]] | [[Kategorie:Landschaft]] | ||
[[Kategorie:Gebirge]] | [[Kategorie:Gebirge]] | ||
[[Kategorie:Ostalpen]] | [[Kategorie:Ostalpen]] | ||
[[Kategorie:Kalkalpen]] | [[Kategorie:Kalkalpen]] | ||
[[Kategorie:Ennstaler Alpen|!]] | |||
[[Kategorie:Gesäuse|!]] | [[Kategorie:Gesäuse|!]] | ||
[[Kategorie:Nationalpark Gesäuse]] | [[Kategorie:Nationalpark Gesäuse]] | ||
[[Kategorie:Video]] | |||