Lebzelter in Aussee: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Lebzelter''' (auch Lebküchler und Lebküchner) war ein Beruf und Gewerbe der frühen Neuzeit. Lebzelter beschäftigten sich mit dem Handel und der Verarbeitung von Honig.<ref>Quelle {{wikipedia-de|Lebzelter|Lebzelter}}</ref> | |||
== Lebzelter in Aussee == | == Lebzelter in Aussee == | ||
Als erster [[Lebzelter und Wachszieher|Lebzelter]] im kaiserlichen Markt [[Bad Aussee|Aussee]] kennen wir im Jahre [[1584]] Timotheus Prunner. Er scheint in diesem Jahr im [[Ausseer Bürgerbuch]] auf. Er war Protestant und war unter den [[1599]] in Ketten nach Graz geführten protestantischen Bürgern von Aussee. [[1600]] musste er samt Familie seine Heimat in Richtung Regensburg verlassen. Sein Haus war vermutlich in der Nähe der Hauptstraße 51. | Als erster [[Lebzelter und Wachszieher|Lebzelter]] im kaiserlichen Markt [[Bad Aussee|Aussee]] kennen wir im Jahre [[1584]] Timotheus Prunner. Er scheint in diesem Jahr im [[Ausseer Bürgerbuch]] auf. Er war Protestant und war unter den [[1599]] in Ketten nach Graz geführten protestantischen Bürgern von Aussee. [[1600]] musste er samt Familie seine Heimat in Richtung Regensburg verlassen. Sein Haus war vermutlich in der Nähe der [[Hauptstraße (Bad Aussee)|Hauptstraße]] 51. | ||
[[1611]] wurde der nächste Lebzelter ins Bürgerbuch eingetragen, Hans Gamser, er erwarb einen Hausanteil im Bereich des heutigen E-Werks, Hauptstraße 148. Ab [[1614]] wird im Bereich der Hauptstraße 54, [[Georg Gaiswinkler]] als erster seiner [[Gaiswinkler|Familie]] als Lebzelter erwähnt. Von ihm stammt das älteste mit einer Jahreszahl versehene noch erhaltene steirische Lebzeltermodel. Es stammt aus [[1660]] und zeigt seine Initialen "G G". Es zeigt einen Geschützmeister mit Trommel und Pulverfass. Gaiswinkler war auch [[Marktrichter des Marktes Aussee|Marktrichter]] von Aussee. | |||
Sein Sohn und Nachfolger war der [[1657]] geborene Johann Gaiswinkler. Sein jüngerer Bruder [[Georg Gaiswinkler II]] übernahm das Lebzelterhaus und war ebenfalls mehrmals Marktrichter. Damit erlischt die Linie der Lebzelter Gaiswinkler in Aussee. | Sein Sohn und Nachfolger war der [[1657]] geborene Johann Gaiswinkler. Sein jüngerer Bruder [[Georg Gaiswinkler II]] übernahm das Lebzelterhaus und war ebenfalls mehrmals Marktrichter. Damit erlischt die Linie der Lebzelter Gaiswinkler in Aussee. | ||
Nächster Lebzelter war der zuerst in [[Bad Mitterndorf|Mitterndorf]] als Lebzelter ansässige [[Raymund Schörkmayr]]. Er erwarb durch seine erste Ehe das Haus Nr 33 in der Ausseer Kirchengasse. Durch Pacht übernahm er das Lebzelterrecht der Gaiswinkler vom Haus Nr 54. Auch er war Marktrichter. Aus seiner Zeit stammt ein bekanntes Model das einen Kavalier | Nächster Lebzelter war der zuerst in [[Bad Mitterndorf|Mitterndorf]] als Lebzelter ansässige [[Raymund Schörkmayr]]. Er erwarb durch seine erste Ehe das Haus Nr 33 in der Ausseer [[Kirchengasse (Bad Aussee)|Kirchengasse]]. Durch Pacht übernahm er das Lebzelterrecht der Gaiswinkler vom Haus Nr 54. Auch er war Marktrichter. Aus seiner Zeit stammt ein bekanntes Model, das einen Kavalier samt seinem Wappen zeigt. Seine zweite Ehefrau Barbara [[Hammerl]] ehelichte [[Johann Baptist Walde]]. Walde stammte aus Meßkirchen in Schwaben, war ebenfalls Lebzelter und mehrmaliger Marktrichter in Aussee. | ||
Walde stammte aus Meßkirchen in Schwaben, war ebenfalls Lebzelter und mehrmaliger Marktrichter in Aussee. | |||
Haus Nr. 33 erwarb danach Andre [[Neuper (Familie)|Neuper]], der jedoch das Lebzelterrecht [[1767]] bereits an den damaligen Lebzeltergesellen [[Gotthard Strenberger]] aus [[Irdning]] weiterverkaufte. Strenberger kaufte das Haus Nr 37 im Markt Aussee. Einige Zeit später war er bereits Meister und Gastwirt. [[1787]] wird Strenberger | Haus Nr. 33 erwarb danach Andre [[Neuper (Familie)|Neuper]], der jedoch das Lebzelterrecht [[1767]] bereits an den damaligen Lebzeltergesellen [[Gotthard Strenberger]] aus [[Irdning]] weiterverkaufte. Strenberger kaufte das Haus Nr 37 im Markt Aussee. Einige Zeit später war er bereits Meister und Gastwirt. [[1787]] wird Strenberger als Zuckerbäcker bezeichnet. Seine Witwe führte das Gewerbe mit ihrem zweiten Gatten, Ernst Unterberger aus [[Admont]] weiter. [[1795]] übernahm die Tochter Strenbergers Maria Klara das Gewerbe und ehelichte August Kliemstein aus Ottensheim. | ||
Bald danach schien das Lebzelterhandwerk wieder auf dem Haus Nr 54 auf. [[1830]] übernahm der aus dem Banat stammende Nikolaus Adamovits das Haus, danach sein Sohn Hugo [[1879]]. [[1881]] wurde der Betrieb jedoch versteigert. [[1902]] übernahm der vormalige Pächter [[Max Parzer]] aus Graz das Gewerbe samt Haus. [[1952]] wurde es von Parzer an die Firma [[Lewandofsky]] übergeben. | Bald danach schien das Lebzelterhandwerk wieder auf dem Haus Nr. 54 auf. [[1830]] übernahm der aus dem Banat<ref>siehe {{wikipedia-de|Banat|Banat}}</ref> stammende Nikolaus Adamovits das Haus, danach sein Sohn Hugo [[1879]]. [[1881]] wurde der Betrieb jedoch versteigert. [[1902]] übernahm der vormalige Pächter [[Max Parzer]] aus Graz das Gewerbe samt Haus. [[1952]] wurde es von Parzer an die Firma [[Lewandofsky]] übergeben. | ||
Im Nachbarhaus von Nr 54 gab es am Ende des 19. | Im Nachbarhaus von Nr 54 gab es am Ende des [[19. Jahrhundert]]s einen Zuckerbäcker, dessen Witwe den Lebzelter und Zuckerbäcker Gustav Lewandofsky ehelichte. Er stammte aus Wien und übernahm nach der Eheschließung [[1892]] den Betrieb. Seine Spezialität war der "Ausseer Lebkurchen", dieser machte ihn bald sehr bekannt. Sein Sohn [[Gustav Lewandofsky II]] führte den Betrieb fort. [[1972]] wurde er an [[Hugo Rubenbauer]] übergeben. | ||
== Die Ausseer Lebzeltermodel == | == Die Ausseer Lebzeltermodel == | ||
Die genannten und auch andere Ausseer Lebzeltermodel kamen im Zuge der Übergabe an den Neffen Max Parzers den damaligen Handelsminister DDDr Udo Illig, nach Burg Schlaining. Neuere Holzmodel stammten im 20. Jahrhundert vom Ausseer Holzbildhauer [[Hans Mayerl]]. | Die genannten und auch andere Ausseer Lebzeltermodel kamen im Zuge der Übergabe an den Neffen Max Parzers den damaligen Handelsminister DDDr [[Udo Illig]], nach Burg Schlaining. Neuere Holzmodel stammten im [[20. Jahrhundert]] vom Ausseer Holzbildhauer [[Hans Mayerl]]. | ||
== Quellen == | == Quellen == | ||
* | * [[Franz Hollwöger|Hollwöger, Franz]]: ''Geschichte des Ausseerlandes'' | ||
* Franz Stadler: Lebzelterhandwerk | * [[Franz Stadler|Stadler, Franz]]: Lebzelterhandwerk in Aussee, in: Volkskundliches aus dem steirischen Ennsbereich, Festschrift für [[Karl Haiding]] zum 75. Geburtstag, [[Liezen]] 1981 | ||
== Einzelnachweise == | |||
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[[Kategorie:Bäcker]] | |||
[[Kategorie:Lebzelter]] | |||
Aktuelle Version vom 18. September 2023, 15:38 Uhr
Lebzelter (auch Lebküchler und Lebküchner) war ein Beruf und Gewerbe der frühen Neuzeit. Lebzelter beschäftigten sich mit dem Handel und der Verarbeitung von Honig.[1]
Lebzelter in Aussee
Als erster Lebzelter im kaiserlichen Markt Aussee kennen wir im Jahre 1584 Timotheus Prunner. Er scheint in diesem Jahr im Ausseer Bürgerbuch auf. Er war Protestant und war unter den 1599 in Ketten nach Graz geführten protestantischen Bürgern von Aussee. 1600 musste er samt Familie seine Heimat in Richtung Regensburg verlassen. Sein Haus war vermutlich in der Nähe der Hauptstraße 51.
1611 wurde der nächste Lebzelter ins Bürgerbuch eingetragen, Hans Gamser, er erwarb einen Hausanteil im Bereich des heutigen E-Werks, Hauptstraße 148. Ab 1614 wird im Bereich der Hauptstraße 54, Georg Gaiswinkler als erster seiner Familie als Lebzelter erwähnt. Von ihm stammt das älteste mit einer Jahreszahl versehene noch erhaltene steirische Lebzeltermodel. Es stammt aus 1660 und zeigt seine Initialen "G G". Es zeigt einen Geschützmeister mit Trommel und Pulverfass. Gaiswinkler war auch Marktrichter von Aussee.
Sein Sohn und Nachfolger war der 1657 geborene Johann Gaiswinkler. Sein jüngerer Bruder Georg Gaiswinkler II übernahm das Lebzelterhaus und war ebenfalls mehrmals Marktrichter. Damit erlischt die Linie der Lebzelter Gaiswinkler in Aussee.
Nächster Lebzelter war der zuerst in Mitterndorf als Lebzelter ansässige Raymund Schörkmayr. Er erwarb durch seine erste Ehe das Haus Nr 33 in der Ausseer Kirchengasse. Durch Pacht übernahm er das Lebzelterrecht der Gaiswinkler vom Haus Nr 54. Auch er war Marktrichter. Aus seiner Zeit stammt ein bekanntes Model, das einen Kavalier samt seinem Wappen zeigt. Seine zweite Ehefrau Barbara Hammerl ehelichte Johann Baptist Walde. Walde stammte aus Meßkirchen in Schwaben, war ebenfalls Lebzelter und mehrmaliger Marktrichter in Aussee.
Haus Nr. 33 erwarb danach Andre Neuper, der jedoch das Lebzelterrecht 1767 bereits an den damaligen Lebzeltergesellen Gotthard Strenberger aus Irdning weiterverkaufte. Strenberger kaufte das Haus Nr 37 im Markt Aussee. Einige Zeit später war er bereits Meister und Gastwirt. 1787 wird Strenberger als Zuckerbäcker bezeichnet. Seine Witwe führte das Gewerbe mit ihrem zweiten Gatten, Ernst Unterberger aus Admont weiter. 1795 übernahm die Tochter Strenbergers Maria Klara das Gewerbe und ehelichte August Kliemstein aus Ottensheim.
Bald danach schien das Lebzelterhandwerk wieder auf dem Haus Nr. 54 auf. 1830 übernahm der aus dem Banat[2] stammende Nikolaus Adamovits das Haus, danach sein Sohn Hugo 1879. 1881 wurde der Betrieb jedoch versteigert. 1902 übernahm der vormalige Pächter Max Parzer aus Graz das Gewerbe samt Haus. 1952 wurde es von Parzer an die Firma Lewandofsky übergeben.
Im Nachbarhaus von Nr 54 gab es am Ende des 19. Jahrhunderts einen Zuckerbäcker, dessen Witwe den Lebzelter und Zuckerbäcker Gustav Lewandofsky ehelichte. Er stammte aus Wien und übernahm nach der Eheschließung 1892 den Betrieb. Seine Spezialität war der "Ausseer Lebkurchen", dieser machte ihn bald sehr bekannt. Sein Sohn Gustav Lewandofsky II führte den Betrieb fort. 1972 wurde er an Hugo Rubenbauer übergeben.
Die Ausseer Lebzeltermodel
Die genannten und auch andere Ausseer Lebzeltermodel kamen im Zuge der Übergabe an den Neffen Max Parzers den damaligen Handelsminister DDDr Udo Illig, nach Burg Schlaining. Neuere Holzmodel stammten im 20. Jahrhundert vom Ausseer Holzbildhauer Hans Mayerl.
Quellen
- Hollwöger, Franz: Geschichte des Ausseerlandes
- Stadler, Franz: Lebzelterhandwerk in Aussee, in: Volkskundliches aus dem steirischen Ennsbereich, Festschrift für Karl Haiding zum 75. Geburtstag, Liezen 1981