Pfarre Kalwang: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Kalwang Pfarrkirche Stift Admont.jpg|thumb|Ein Beitrag aus dem Jahr 1949 über Kalwang, die dortige Pfarrkirche und das Wirken der Künstler im Auftrag des [[Benediktinerstift Admont|Benediktinerstifts Admont]].]] | |||
Obwohl die '''Pfarre Kalwang''' nicht mehr im [[Bezirk Liezen]] ist, ist sie doch sehr eng mit dem [[Benediktinerstift Admont]] und der [[Reformation und Gegenreformation]] in der Obersteiermark verbunden. Daher wird in diesem Artikel die Geschichte dieser Pfarre geschildert (Artikel im Aufbau). | Obwohl die '''Pfarre Kalwang''' nicht mehr im [[Bezirk Liezen]] ist, ist sie doch sehr eng mit dem [[Benediktinerstift Admont]] und der [[Reformation und Gegenreformation]] in der Obersteiermark verbunden. Daher wird in diesem Artikel die Geschichte dieser Pfarre geschildert (Artikel im Aufbau). | ||
==Reformation und Gegenreformation am Beispiel der Pfarre Kalwang == | ==Reformation und Gegenreformation am Beispiel der Pfarre Kalwang == | ||
Unter den Adeligen und Bürgern fand die Lehre von Martin Luther | Unter den Adeligen und Bürgern fand die Lehre von Martin Luther zahlreiche Anhänger. Aber vor allem unter der bäuerlichen Bevölkerung, die mit ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage äußerst unzufrieden waren, traten in großer Zahl zum evangelischen Glauben über. Bereits [[1528]] musste ein bischhöflicher Visitationsbericht feststellen, dass in den Orten Kammern, [[Mautern]], [[Kalwang]] und Wald viele Bewohner übergetreten waren. Die gemischte geistliche und weltliche Kommission stellte das Überhandnehmen des Protestantismus in diesen Orten fest. Der geistige Einfluss des [[Benediktinerstift Admont|Benediktinerstifts Admont]] nahm in diesem Landesteil bereits stark ab. Zahlreiche lutherisch-evangelische Schriften verbreiteten sich rasch. Die Anhänger der neuen Lehre traten immer mutiger gegen die geistlichen und weltlichen Vorgesetzten auf und fanden dabei größtenteils Unterstützung beim Adel. | ||
Das Stift Admont verlor seinen Einfluss auf Pfarre die | Das Stift Admont verlor seinen Einfluss auf Pfarre die Kalwang komplett. [[1521]] setzte [[Äbte von Admont|Abt]] [[Christophorus Rauber]] nach dem Tod des Provisors Alexander Kaindorfer (Chundorff) den Bernhard [[Püchler]], bisher Gesellpriester (Kaplan) in Kammern als Filialadministrator in Kalwang ein. Bei der Visitation [[1544]] erklärten sich die Zechleute (Bergleute) mit dem Vikar Johann Albsteig zufrieden. Als aber [[1566]] der Pfarrer von Kammern den Vikar Peter einsetzen wollte, gab der Kalwanger Richter Hans Lendschacher, ein Schneider, den Kirchenschlüssel nicht heraus. Das hatte ihm der Herr von Dietrichstein auf Ehrnau so befohlen und weil Peter zu wenig gelehrt sei. Lendschacher meinte damit, dass Peter nicht im protestantischem Sinne predigte. Abt [[Valentin Abel]] protestierte dagegen in schärfster Weise und bemerkte in seinem Schreiben ''... Der Schneider möge Hosen flicken!'' | ||
Der Einfluss des Stifts Admont war nun fast | Der Einfluss des Stifts Admont war nun fast ein halbes Jahrhundert ausgeschaltet. In Kalwang predigten die Vikare in protestantischem Sinne, waren verheiratet und hatten Kinder. Nikolaus Silbenhaller, der von 1564 bis 1566 Vikar in Kalwang war, wurde angezeigt, dass er den ganzen Tag fische. Auch fing er häufig Streit an, wobei er einmal bei einem Raufhandel auch verwundet wurde. Schließlich drohte er mit dem Mord des Pfarrers von Kammern, als ihn der Abt entlassen wollte. Silbenhaller war verheiratet, hatte Kinder und kam dann von Kalwang nach Wald. Ihm folgte dann [[1572]] wieder in Vikar - Ambros. Er sollte die Sakramente außerhalb der Messe in deutscher Sprache spenden und die Kinder deutsch taufen. Dem immer mehr wachsenden Einfluss des Hans Friedrich [[Hofmann]] d. J. Freiherrn zu Grünbüchel und Strechau, war auch der Abt von Admont nicht mehr gewachsen. Hofmann, auch ''König des Ennstales'' genannt, setzte in Kalwang nach seinem Willen protestanitsche Geistliche ein. Diesen erteilte er den den Befehl, die Kommunion '' sub utraque specie'' (unter beiden Gestalten von Brot und Wein) zu spenden. | ||
Der Kalwanger Vikar | Der Kalwanger Vikar Georg Grabner wurde vom Abt von Admont 1575 gekündigt. Dieser wollte aber nicht fort und verweigerte dem neuen Vikar Oswald Forstner den Zutritt ins Pfarrhaus. Dieser musster daher mit seiner Familie vier Wochen im Gasthaus wohnen, bevor er unverrichteter Dinge wieder abzog. Forstner verlangte von Abt [[Laurentius Lombardo]] Schadenersatz, den dieser jedoch nicht gewährte. Auch er versuchte den Vikar Grabner abzusetzen. Und weil Grabner sich auch dieses Mal widersetzte, ersuchte der Abt den Pfleger zu Ernau, Philipp Sittich, den Widerständler gefangen zu nehmen wenn er nicht ginge. Daraufhin verließ Grabner zwar den Pfarrhof, zog aber in ein Nachbarhaus ein. Dieses gehörte Hofmann auf Strechau. Grabner wirkte für dessen Leute als Vikar weiter. Nun beschwerte sich Abt Lombardo, allerdings vergeblich, bei Hans Friedrich Hofmann. Dann wandte sich der Abt an den Erzherzog um Hilfe. Am [[11. Februar]] [[1576]] forderte Erzherzog Carl den Hofmann zur Rechtfertigung auf. Carl beauftragte den Abt, dem Hofmann'schen Pfleger zu Grünbüchel diesen Rechtfertigungsbefehl zu übersenden. Doch der Pfleger schickten den Boten samt seiner Briefe wieder zurück. Der Erzherzog verlante ein zweites Mal die Entfernung des Vikars Grabner aus Kalwang. Daraufhin schrieb Hofmann am [[12. Juli]] [[1576]] an den Erzherzog, er sei sich nicht bewusst, etwas ''in praejudicium'' des Abtes getan zu haben. Grabner sei noch als Pfarrer in Kalwang und halte sich gut in Lehre und Leben, aber der vom Admonter Abt eingesetzte Vikar sei mit einem fremden Eheweibe durchgegangen. Er habe daher Grabner als Seelsorger für seine eigenen Untertanen in Kalwang beibehalten. | ||
Es | Es blieb also alles beim Alten. Die folgenden 30 Jahren des [[16. Jahrhundert]]s gab es in Kalwang und Wald durchwegs evangelische Prädikanten, die von der Familie Hofmann eingesetzt wurden. | ||
Als | Als [[1579]] eine Untersuchungskommission in Admont weilte, teilte der Abt dieser mit, Friedrich Hofmann habe die Kirchenschlüssel von Wald und Kalwang an sich genommen und setzte seine Prädikanten ein und er, der Abt, sei machtlos. Erzherzog Ferdinand trug noch am [[26. Juli]] [[1595]] der ''Pfarrmenning'' (Gemeinde) in ''Kheichlwang'' auf, den evangelischen Prädikanten zu entfernen: | ||
''Wir Ferdinand | ''Wir Ferdinand von Gottes Gnaden Erzherzog zu Oesterreich, Herzog zu Burgundi, Steyer, Khärnten, Crain vnd Wierttemberg ect. Graue zu Tyrol vnd Görz etc. empietten N., den Zechpröbsten, wie auch der ganzen Pfarrmenig St. Osswaldts Khirchen zu Kheuchelwang des ersamen geistlichen vnsers lieben andächtigen Johann, Abbte zu Admondt Lehenschaft vnd Vogtey vnser Gnad vnd alles Guets. Wie vernemben nit ohne sondere Befrembdung, wie ir euch des Stiftes Admont Gerechtigkeit zuwider biss dato vndterstanden, vnserer wahren catholischen Religion widerwärtige Predicanten euers Gefallens zu Pfarrern aufzunehmen, jnmassen jr dann erst vnlangst widerumb ainen aufgenomben erhalten vnd also dem Pfarrer zu Camer das Einkhomben nunmer von ainer gueten Zeit hero entziehen sollet. Wann wir dann Solliches mit nichten zuegeben, noch dem Stift Admondt an seinem Jus vnd Freyhait dem alten Herkhomben zugegen was entziehen lassen wellen, so beuelchen wir euch allen sament vnd sonderlich hiemit ernstlich, das jr gemelten ganz vnbefugter Weiss aufgenomben vncatholischen Predicanten alssbaldt vnd weder benennten Prelaten zu Admont, noch seinen Leuthen in Einsözung aines ordentlichen Pfarers alda khainen Eintrag thuet, noch jme Pfarrer an Verrichtung seines Ambts ainiche Verhinderung oder Irrung zuefueget, sondern euch aller Beschaidenhait vnd schuldigen Gehorsambs verhaltet, beuor aber allen Vnrath, Vnwillen und Tumult verhuettet. Dann wir euch hiermit genädigst vnd vätterlich gewarnet haben wellen, jm Fall ainicher Vngehorsamb, Widersezligkhait, Aufwiglung oder Aufruhr gespürt vnd entstehen würde, solle Solliches sowol bei den Verbrechern selbst, als denjenigen, bey wellichen sich die Muetwiller aufhalten möchten, ersuecht vnd nach Gestalt der Verbrechung gestrafft werden. Darnach wisse sich nun Jeder zu richten vnd vor Schaden zu huetten. Es beschieht auch an Disem vnser entlicher Will vnd Mainung. Geben in vnser Statt Gräz den Sechsvndzwainzigsten Juli im fünff v | ||
nd neunzigsten.'' | nd neunzigsten.'' | ||
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'' P. Casal'' | '' P. Casal'' | ||
Trotz | Trotz der Strafandrohung hatte das Schreiben keine rechte Wirkung gehabt, denn ''noch am [[21. Dezember]] [[1598]] führt Pfarrer Friedrich Binder von Kammern Klage, dass zu Kalwang und Wald ihm die Kirchenschlüssel verweigert, die pfarrlichen Rechte vorenthalten und Prädikanten beherbergt werden.'' | ||
=== Die Reformationskommission in Wald und Kalwang === | === Die Reformationskommission in Wald und Kalwang === | ||
Die | Die lutherischen Prediger wichen der Gewalt und die Kommission setzte sofort katholische Pfarrer ein. Die Mitglieder der Pfarrgemeinden wurden gezwungen, dem evangelischen Glauben abzuschwören. In Kalwang wurden zwei Galgen errichtet, die den Kalwanger Protestanten eine drohende Warnung sein sollten, dass sie als lutherische Rebellen eigentlich das Leben verwirkt hätten. Am [[20. November]] [[1599]] sandte der Admonter Abt dem Landesfürsten folgenden Bericht über den Erfolg der Reformkommission: | ||
''Und nachdem der im Waldt und zu | ''Und nachdem der im Waldt und zu Kheilbang gelegenen und beede mir Abbten von Admont zu meiner Pfarr Camern gehörige Filialkirchen ... vill lange Jahr sectische Protestanten befunden, die aber jezo alberait hinweckh seindt, so haben wir in unseren Durchzug die Pfarrmennig eines jeden Orts erfordert, inen gleichermassen ain ernstliche Verweisung mir Eur Drchl. Straff gethan. Die Kirchenschlüssel von inen genommen, und neben solchen, sy zwo Pfarrmennigen, den Pfarrer zu Camern, so in Gegenwart gewest, in die Glüb, das sy ime für iren rechten Hierten und geistlichen Seelsorger erkhennen, und allen schuldigen Gehorsamb laisten, auch hinfiro ainicher Predicanten mehr einschlaipfen sollen, übergeben, und an jeden Ort ain offenes Mandat laut der Abschrifft T ausgefertigt, und zur Warnung zway Hochgericht (Galgen) aufstellen lassen.'' | ||
Mit folgender Eidesformel musste jeder aufschwören: | Mit folgender Eidesformel musste jeder aufschwören: | ||
''Beicht | ''Beicht und Aid abgefallenen Christen oder neuwen Catholischen 1599; Ich armer elender Sünder ... Name ... bekenne Euch ehrwürdiger Herr Priester anstatt Gottes und der lieben Jungfraw Maria und aller lieben Heiligen, das ich nun so lang und soviel Jahr (als etwan seyn möchten) der verführerischen und verdämblichen gottlosen sectischen Lehr beygewohnet, und in solchen schrecklichen Irthumb gesteckt bin, auch in irren greulichen verdämblichen Sacrament nichts anders empfangen hab, als Beckenbrott, und aus dem Kelch nichts anders empfangen hab, als schlechten Wein aus dem Vass. Solchen greulichen Irthumb und verdamblichen, verführerischen Lehr entsag und versprich ich nimmer bey zu wohnen, so wahr mir Gott helff und alle Heiligen.'' | ||
Hans | Hans Friedrich Hofmann wurde nun gezwungen, die Kirchenschlüssel von Wald und Kalwang herauszugeben und in beiden Orten setzte die Kommission einen katholischen Vikar ein. | ||
Um 1607 gab es noch immer | Um 1607 gab es noch immer scharfe Visitationen der Gegenreformation in der Obersteiermark, denn es gab in vielen Pfarren immer noch viele halsstarige Bauern und Knappen, die den katholischen Glauben verunglimpften. Sie sangen Lutherische Lieder, lasen aus verbotenen Büchern und predigten. | ||
Noch | Noch [[1615]] meldete der Kalwanger Pfarrer dem Abt von Admont von Schwierigkeiten, die er mit den ungehorsamen Pfarrkindern habe. [[1617]] starb Hans Friedrich Hofmann d. J. Seine Nachkommen waren aufgrund der Gegenreformation gezwungen, viele Güter zu verkaufen. Weil einige Familienmitglieder an den böhmischen Unruhen teilgenommen hatten, wurde diese durch kaiserliche Entschließung vom 27. Februar 1625 ihrer Lehens- und Erbämter verlustig erklärt. Herrschaft und [[Burg Strechau|Schloss Strechau]], alle Eigentümer und Gülten<ref>Pfandrecht, siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClt_%28Pfand%29 wikipedia Gült (Pfand)]</ref> wurden nach und nach an das Stift Admont verkauft. Die Mitglieder der Familie auswanderten aus. | ||
== Siehe auch == | == Siehe auch == | ||
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== Quelle == | == Quelle == | ||
* [http://www.kalwang.at/Reformation-und-Gegenreformation.112.0.html www.kalwang.at/Reformation-und-Gegenreformation] | * [http://www.kalwang.at/Reformation-und-Gegenreformation.112.0.html www.kalwang.at/Reformation-und-Gegenreformation] | ||
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