Neujahr: Unterschied zwischen den Versionen

K Die Seite wurde neu angelegt: „Mit '''Neujahr''', dem 1. Jänner, beginnt ein neues Kalenderjahr. == Geschichte == Der Neubeginn eines Jahres war nicht immer der 1. Jänner. Erst unter dem…“
 
 
(6 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 2: Zeile 2:


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Der Neubeginn eines Jahres war nicht immer der 1. Jänner. Erst unter dem römischen Kaiser Julius Cäsar wurde der Jahresbeginn vom [[1. März]] auf den 1. Jänner verlegt.  
Die [[Katholische Kirche|römisch-katholische]] Kirche feiert an diesem Tag das Hochfest der Mutter Gottes Maria. Auch der Namensgebung Jesu wird an diesem Tag gedacht.


Die [[Katholische Kirche|römisch-katholische]] Kirche feiert an diesem Tag das Hochfest der Mutter Gottes Maria.  
Zunächst beging man in Rom am 1. Jänner den Heimgang Mariens, später auch die Weihnachtsoktav, also den Gedenktag am achten Tag nach dem Hochfest. Der Neubeginn eines Jahres war nicht immer der 1. Jänner. Erst unter dem römischen Kaiser Julius Cäsar wurde der Jahresbeginn vom [[1. März]] auf den 1. Jänner verlegt. In Spanien und Gallien (Nordwestfrankreich) wurde an diesem Datum ab dem [[6. Jahrhundert]] der Beschneidung des Herrn gedacht. Ab dem [[11. Jahrhundert]] setzte sich dann diese Tradition auch in Rom durch. Seit dem [[13. Jahrhundert]] wurden sowohl die Beschneidung des Herrn als auch der Oktavtag von [[Weihnachten]] gefeiert.


== Neujahrstagbräuche ==
Die Neujahrsbräuche haben sich aber aus dem Jahresbeginn entwickelt und stehen nicht im Zusammenhang mit dem Hochfest.
Die Neujahrsbräuche haben sich aber aus dem Jahresbeginn entwickelt und stehen nicht im Zusammenhang mit dem Hochfest.


=== Bräuche im Bezirk Liezen ===
== Der Neujahrstag im Bezirk Liezen ==
In [[Pichl-Kainisch]] im [[Hinterbergertal]] sollen die ersten Neujahrsglückwünsche von einem (jungen) Burschen kommen. In [[Altaussee]] macht eine Erstbegegnung mit einem alternden Menschen nachdenklich.  
Am Neujahrstag finden in den katholischen und evangelischen Pfarrkirchen im Bezirk die Neujahrsgottesdienste statt.
 
Im evangelischen Gottesdienst in [[Ramsau am Dachstein]] verkündet man während der Festpredigt die Pfarrstatistik des abgelaufenen Jahres (nach Franz Steiner  und [[Johann Berger]] vlg. [[Marharter]]. Im  Rahmen des Gottesdienstes [[2006]] um 9 Uhr wurde auch das neue Presbyterium (evangelische Gemeindevertretung aus gewählten Mitgliedern) angelobt.
 
=== Vom "Neujahr wünschen" im Bezirk Liezen ===
==== Im Ausseerland und Hinterbergertal ====
Monika Gaiswinkler aus [[Altaussee]] erklärt, warum sich ältere Menschen freuen, am Neujahrstag zuerst von einem jungen Menschen begrüßt zu werden. In der Überlieferung gilt das erste Begegnen mit einem jungen Menschen am Morgen des Neujahrstages als gutes Zeichen für ein langes Leben im kommenden Jahr. Begegnet man hingegen zuerst einer älteren Person, soll dies eher zur Nachdenklichkeit anregen.
 
Johann Zandl aus [[Pichl-Kainisch]] erzählte, dass in [[Obersdorf]] in der Marktgemeinde Bad Mitterndorf im [[Hinterbergertal]] in seiner Kindheit ältere Frauen immer sehr viel Wert darauf legten, dass ihnen ein junger Bub am Neujahrstag gleich als erster in der Früh ein gutes neues Jahr wünschte. Gelegentlich rückten auch die Männer in Pichl-Kainisch zum "Neujahr wünschen" aus.
 
In der zweiten Hälfte des [[20. Jahrhundert]]s, in der Zeit vor dem stark zunehmenden [[Fremdenverkehr]], musste man in [[Tauplitz]] in der [[Silvester]]nacht zu Hause bleiben, weil diese ja eine [[Raunacht]] sei. Das berichten Franz Staudinger sowie Roman und Alfred Gruber senior. Folglich konnte man erst nach Mitternacht ins Wirtshaus gehen, allerdings musste man noch zu Hause "Neujahr" wünschen. Das "Neujahrwünschen" am Neujahrstag unter den Nachbarn in Tauplitz hat sich nach der Beobachtung der vorher genannten Personen dann um die [[21. Jahrhundert|Jahrtausendwende]] aber dann fast aufgehört.
 
==== In Ennstaler Gemeinden ====
Elisabeth Schwab vlg. [[Moarhof (Moar in der Au)|Moar in der Au]] in der [[ehemaligen]] Gemeinde [[Gössenberg]] kennt noch eine weitere Überlieferung: Das Jahr wird so verlaufen wie die erste Person, der man am Neujahrstag begegnet.


Als Rauchfangkehrer Verkleidete wünschen in [[Aich]] und [[Schladming]] ein gutes 'Neues Jahr' und erwarten sich dafür Geldgaben. Kirchgänger in [[Öblarn]], [[Aigen im Ennstal]] oder in [[Lassing]] ziehen sich neues Gewand an, denn sonst gibt es im kommenden Jahr nichts Neues.  
Als Rauchfangkehrer Verkleidete wünschen in [[Aich]] und [[Schladming]] ein gutes 'Neues Jahr' und erwarten sich dafür Geldgaben. Kirchgänger in [[Öblarn]], [[Aigen im Ennstal]] oder in [[Lassing]] ziehen sich neues Gewand an, denn sonst gibt es im kommenden Jahr nichts Neues.  


Bei einigen Bauernfamilien in der [[Ramsau]] war es Brauch, sich am Nachmittag des Neujahrstages zu wägen. Keine Gewichtszunahme drückte Gesundheit und Lebenskraft aus.
Bei einigen Bauernfamilien in der [[Ramsau]] war es Brauch, sich am Nachmittag des Neujahrstages zu wägen. Keine Gewichtszunahme bedeutete Gesundheit und Lebenskraft.
 
=== Zum Frühstück gibt es den "Johann’swein" ===
 
Am [[Fellner]]hof der Familie Cäcilia und Alois Weissensteiner in [[Weißenbach an der Enns]] gibt es zum Frühstück den am [[Johannes|Johann’stag]] oder [[Stefanitag]] gesegnete "Johann’swein" gereicht.
 
=== Neujahrsritt in Lassing ===
 
Mitglieder des Reit- und Fahrvereins in [[Lassing]] treten am Neujahrstag als lebendige Glücksbringer auf weiß  [[Gottfried Lämmerer]] zu erzählen. Fesch gekleidet reiten sie von Haus zu Haus und wünschen ein gutes neues Jahr. Als Dank erhalten sie Geldspenden oder auf Wunsch auch ein "Schnapserl".
 
=== Etwas Neues zum Gottesdienst anziehen ===
Für das Buch, das diesem Artikel als Quelle dient, wurde von den Heimatvereinen in [[Aigen im Ennstal]], Lassing und [[Öblarn]] mitgeteilt, dass zahlreiche Kirchgänger zum Besuch des Neujahrsgottesdienstes etwas Neues anziehen. Andernfalls, so die Überlieferung, bekomme man das ganze Jahr über nichts Neues.
 
=== Keine Arbeit am Neujahrstag verrichten ===
 
Am Neujahrstag dürfe man nichts arbeiten. Die Überlieferung sagt, dass die Arbeit, die man am Neujahrstag verrichte, müsse man sonst das ganze Jahr über tun.  Überlieferung von Grete Karner vlg. [[Brückenbauer]] in [[Aich]].
 
=== Glücksbringer ===
 
In manchen Familien oder unter Freunden und Bekannten werden erst am Neujahrstag die Glücksbringer ausgetauscht. Irmgard und Josef Luidold sind der Meinung,  dass das Schenken von Glücksbringern in [[Donnersbach]] erst durch den Fremdenverkehr aufgekommen wäre. In ihrer Jugend seien Glücksbringer unüblich gewesen.
 
=== Linsen essen, aber keine Hühner ===
 
Bei einer Erhebung durch  ROL Karl Langmann in der Hauptschule Irdning berichtete eine Jugendliche aus [[Liezen]] über Linsen-Essen am Morgen des Neujahrstages: "Am nächsten Morgen [nach dem Silvesterabend] haben wir Linsen gegessen. Das ist ein Brauch, den ich heuer das erste Mal gehört habe. Wenn man viele Linsen ist, heißt das, dass man mehr Geld bekommt."
 
Hier soll die Symbolik der Vielzahl dieser Hülsenfrüchte entsprechend den Reichtum im neuen Jahr fördern.
 
OSR Dir. [[Ingrid Jandl]] stellte fest, dass in [[Öblarn]] viele Hausfrauen darauf achten, am Neujahrstag etwas Schweinernes auf den Mittagstisch zu stellen. Das Schwein könne sich damit symbolisch ins neue Jahr hinein rüsseln und wühlen. Auch Wildfleisch, etwa Hase, wird gerne gegessen, da dieses symbolisch frisch ins neue Jahr hineinspringt. Auf keinen Fall jedoch sollte man am Neujahrstag Hühner essen, da diese ins alte Jahr zurückkratzen und -scharren.
 
Linsen stehen in Öblarn ebenfalls für viel Geld in der Brieftasche.
 
Auch in Aigen im Ennstal wird am "[[Schwoagahof]]" der Familie Julie und Peter Schweiger in [[Aiglern]] diese Regel beim Mittagessen beachtet: keine Hühner, weil diese "ins oide Joahr z’ruckkralln", wohl aber Schweinernes, da Schweine mit dem Rüssel nach vorne stöbern – "vieri stiern" –, wie Julie und Peter Schweiger berichteten.
 
=== Neujahrstag zu Hause ===
 
Peter Schweiger vlg. Schweiger z’Aiglern in Aigen im Ennstal berichtete zudem die Überlieferung, dass man am Neujahrstag ebenso wie am Christtag zu Hause bleibt und nicht zu Vergnügungen fortgeht.
 
=== Aussendung der Sternsinger ===
 
In allen katholischen Pfarren werden die "Heiligen drei Könige" bzw. die [[Sternsinger]] entweder am Neujahrstag oder – abhängig von der Pfarrgröße und der Anzahl der singenden Gruppen – bereits in den Tagen davor ausgesandt. Sie sammeln Geldspenden für Anliegen der katholischen Jungschar, die Projekte in notleidenden Regionen der Welt unterstützt (Näheres dazu im Beitrag zum Dreikönigstag dieser Erhebung).
 
Zur Aussendung der "Sternsinger" bzw. "Heiligen drei Könige" in der katholischen Pfarrgemeinde [[Gröbming]] schreibt Viktoria Mandl:
 
<blockquote>''Am 1. Jänner werden in der katholischen Pfarrkirche beim Festgottesdienst die Sternsinger ausgesendet. Zwischen [[2. Jänner|2.]] und [[5. Jänner]] kommen die Heiligen Drei Könige sowie ein Sternträger und ziehen singend und fleißig von Haus zu Haus. Bis zu 90 Kinder in Begleitung von Erwachsenen sammeln für Projekte in der Dritten Welt. Dank des großen Engagements konnten unsere Sternsinger 2005 ein Rekordergebnis von 19.843,27 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe in Sri Lanka ersingen.</blockquote>
 
=== Eisschießen der Gaishorner und Johnsbacher bei der Mödlinger-Hütte ===
 
Auch eine Sportveranstaltung sollte hier ausnahmsweise erwähnt werden. Erstens wird sie von den Beteiligten auch als "Brauch" empfunden und zweitens hat dieser Brauch eine starke Terminbindung. Dieses Eisschießen erinnert zugleich an die einst bedeutende Verkehrsverbindung der [[Johnsbach]]er nach [[Gaishorn]] und ins [[Paltental]], die seit dem Bau der [[Gesäuse Straße]] stark an Bedeutung verloren hat. Früher war das Paltental, etwa Gaishorn, für die Johnsbacher näher gelegen als [[Admont]], und so mancher holte sich aus dem Paltental seine "Farln" (Ferkel).
 
Rund um den ersten Jänner treffen sich, wie [[Bürgermeister der Marktgemeinde Gaishorn am See]] [[Karl Pusterhofer]] berichtete, an einem zugefrorenen und schneefrei gehaltenen Bergsee (es könnte der [[Treffnersee]] sein) bei der [[Mödlinger Hütte]] Johnsbacher und Gaishorner zu einem freundschaftlichen Eisschieß‑Vergleichskampf. Die Musikkapelle Gaishorn wirkt bei der Organisation dieser Veranstaltung besonders engagiert mit. Die Bürgermeister beider Gemeinden sowie zahlreiche Gemeindebürger nehmen an diesem Eisschießen teil, bei dem weniger der sportliche Erfolg als vielmehr der gegenseitige Gewinn an Begegnung und Austausch im Vordergrund steht.
 
Mittlerweile gehört für alle Aktiven auch der Anmarsch zur Mödlinger Hütte zu Fuß – sowohl von Gaishorn als auch von Johnsbach aus – zur festen "Pflicht".
 
=== Historische Ramsauer Besonderheiten ===
; Kirchgänger als "Erntevoraussage, "Tåg aufasinga", Böller schießen und "Wägen" am Neujahrstag
 
Johann Berger vlg. Marharter weiß zu erzählten, dass es bis etwa Ende [[1960er]]-, Anfang [[1970er]]-Jahre, hieß, wie zahlreich der Menschenzug auf dem Weg zum Gottesdienst an diesem Tag, so die Zahl der Hiefler (Trockenstangen) bei der Ernte. Umgekehrt würden wenige Kirchgänger eine schlechte Ernte verheißen.
 
Johann Steiner vlg. Kalcher (Ramsau-Hierzegg) bestätigte diese Überlieferung in einem Gespräch. Die "Vorfahren" seien zum Kirchgang schon sehr früh aufgebrochen und dabei bewusst langsam gegangen. So lang, wie die "Zeil’ der Menschen" geworden sei, so lang sei auch die "Zeil’" der Getreidehiefler (Trockenstangen) ausgefallen. Und ebenso schön und gut sei dann auch das Getreide geraten.
 
Matthias Knaus vlg. Blasbichler (Ramsau‑Vorberg) berichtete, dass man "früher" am Neujahrstag besonders früh aufstehen musste. Um etwa 5 Uhr früh sei es zum "Tag aufasinga" gewesen.
 
Am Weihnachtstag (25. 12.) und zu Neujahr wurde gleich in der Früh ein Lied aus der "Buaßros’n" (Bußrose – altes Gesangbuch) gesungen, nämlich:
 
"Der Tag, der ist so freudenreich aller Kreaturen, weil Gottes Sohn vom Himmelreich über die Naturen …".
 
Vorgesungen wurde dieses Lied von der Mutter Matthias Knaus’. Nach ihrem Tod endete die Überlieferung, weil niemand mehr die Melodie anstimmen konnte.
 
Der Fußweg zum Gottesdienst nahm damals zumindest eineinhalb bis zwei Stunden pro Richtung in Anspruch.
 
Der Vater von Johann Steiner vlg. Kalcher (Ramsau‑Hierzegg), "da alt’ Mollmer", und der "Grundlehner Hiasl" hätten um 5 Uhr früh den "Tag aufag’schossn". Mit den Böllern sei dreimal geschossen worden.
 
Beim vlg. Kalcher, beim vlg. Gsenger und beim vlg. Mollmer war es Brauch, dass sich alle Familienmitglieder am Nachmittag des Neujahrstages beim Mollmer mit der Waage wogen, wie Johann Steiner vlg. Kalcher erzählte. Es sei interessant gewesen zu sehen, wie viel man im Jahresvergleich zugenommen hatte. Matthias Knaus vlg. Blasbichler bestätigte diesen Brauch auch für seinen Hof am Vorberg. In Zeiten des "Wellness"-Kults, der Kalorientabellen und Diätinflation sowie angesichts der zunehmenden Diabetes‑ und Übergewichtsprobleme in weiten Teilen der Gesellschaft kein uninteressanter Brauch.
 
== Literatur ==
* Ennstaler Bräuche (2002).
* [[Ennstaler Bräuche im Jahrlauf]] (2002). Altes und Neues von Advent bis Kathrein. Eine gemeinsame Erhebung des lebenden und überlieferten Brauchtums der Heimatvereine Schladming, Gröbming, Öblarn, Aigen im Ennstal, Lassing und Admont in den Jahren 2001 und 2002. Hg. vom Verband der Heimat- und Trachtenvereine Enns- und Paltental und Steirisches Salzkammergut. Gröbming: Eigenverlag.


== Quelle ==
== Quelle ==
* Buch "[[Brauch und Jahr neue und überlieferte Bräuche im Bezirk Liezen]]", Seite 9f


* Buch [[Brauch und Jahr neue und überlieferte Bräuche im Bezirk Liezen]]
{{Heimatkunde}}


{{Heimatkunde}}
[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Kultur]]
[[Kategorie:Kultur]]
[[Kategorie:Volkskultur]]
[[Kategorie:Volkskultur]]
[[Kategorie:Brauchtum]]
[[Kategorie:Brauch]]
[[Kategorie:Leader-Projekt]]
[[Kategorie:Leader-Projekt Heimatkunde heimatkundig]]
[[Kategorie:Leader-Projekt Heimatkunde heimatkundig]]
[[Kategorie:Leader-Projekt Brauchtum im Bezirk Liezen]]
[[Kategorie:Leader-Projekt Bräuche im Bezirk Liezen]]