Conrad Fankhauser: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Fankhauser Conrad Fotograf Admont.jpg|thumb|Conrad Fankhauser]]
[[Datei:Fankhauser_Conrad_(HBEA)_02.jpg|thumb|Conrad Fankhauser. Feldpostkarte 1917.]]
'''Conrad Fankhauser''' (* [[1887]]; † [[25. November]] [[1976]]) aus der Familie [[Fankhauser]] war [[Fotograf]] und betrieb das [[Fotohaus Fankhauser]] in [[Admont]].
'''Conrad Fankhauser''' (* [[19.  November]] [[1887]]; † [[25. November]] [[1976]]) aus der Familie [[Fankhauser]] war [[Fotograf]] und betrieb das [[Fotohaus Fankhauser]] in [[Admont]].


== Leben ==
== Leben ==
=== Familie ===
=== Familie ===
Seine Eltern waren die Admonterin Elisabeth Echer und der Fotograf [[Franz Fankhauser (Fotograf)|Franz Fankhauser]]. Nach dem frühzeitigen Tod seines Bruders Engelberts (er erlag im 41. Lebensjahr einer Lungentuberkulose) übernahm Mutter Elisabeth Fankhauser kurzfristig die Leitung des Ateliers, ehe ab Dezember [[1918]] Conrad Fankhauser das Familiengeschäft weiterführte. Drei Jahre nach der Übernahme des Familienbetriebes heiratete Conrad am [[12. Oktober]] [[1921]] die aus Kirchheim bei Ried im Innkreis ([[Oberösterreich]]) stammende Fotografin Anna Jechtl, die vor der Hochzeit ein Kinofotografentheater in Braunau am Inn (OÖ.) betrieb. Am [[19. April]] [[1923]] erblickte Sohn Konrad August das Licht der Welt, zwei Jahre danach folgte ein weiterer Sohn, der jedoch bei der Geburt verstarb. Conrad, dem ein besonders ruhiger und stets zuvorkommender Charakter bescheinigt wird, war Mitglied in der Landesgenossenschaft der Photographen, in der [[Österreichischer Alpenverein Sektion Admont-Gesäuse|Alpenvereinsektion Admont-Ennsthal]], im [[Wintersportverein Admont|Wintersportverein]] sowie im Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Admont und Umgebung.  
Seine Eltern waren die Admonterin Elisabeth Echer und der Fotograf [[Franz Fankhauser (Fotograf)|Franz Fankhauser]]. Nach dem frühzeitigen Tod seines Bruders Engelberts (er erlag im 41. Lebensjahr einer Lungentuberkulose) übernahm Mutter Elisabeth Fankhauser kurzfristig die Leitung des Ateliers, ehe ab Dezember [[1918]] Conrad Fankhauser das Familiengeschäft weiterführte. Drei Jahre nach der Übernahme des Familienbetriebes heiratete Conrad am [[12. Oktober]] [[1921]] die aus Kirchheim bei Ried im Innkreis ([[Oberösterreich]]) stammende Fotografin Anna Jechtl, die vor der Hochzeit ein Kinofotografentheater in Braunau am Inn (OÖ.) betrieb. Am [[19. April]] [[1923]] erblickte Sohn [[Konrad Fankhauser|Konrad August]] das Licht der Welt, zwei Jahre danach folgte ein weiterer Sohn, der jedoch bei der Geburt verstarb. Conrad, dem ein besonders ruhiger und stets zuvorkommender Charakter bescheinigt wird, war Mitglied in der Landesgenossenschaft der Photographen, in der [[Österreichischer Alpenverein Sektion Admont-Gesäuse|Alpenvereinsektion Admont-Ennsthal]], im [[Wintersportverein Admont|Wintersportverein]] sowie im Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Admont und Umgebung.  
 
[[Datei:Fankhauser_Conrad_(HBEA)_Jugendbild.jpg|thumb|Conrad Fankhauser, Jugendbild.]]


Gemäß seiner im Österreichischen Staatsarchiv befindlichen Wehrstammkarte wurde Conrad im Mai [[1938]] in die [[NSDAP]] aufgenommen; Zeitzeugen bezweifeln jedoch, dass dieser Schritt aus Überzeugung erfolgte, er sei diesbezüglich stets unauffällig gewesen und bekleidete zeitlebens auch keine politischen Funktionen. Zum Familienleben im Haus an der [[Bahnhofstraße (Admont)|Bahnhofstraße]] ist überliefert, dass Anna Fankhauser eine sehr resolut auftretende Frau war. Sowohl im gutbürgerlichen Haushalt als auch im Betrieb führte sie ein strenges Regiment und pflegte jeden Freitagnachmittag mit Freundinnen ein Fläschchen Wein im ehrwürdigen [[Stiftskeller Admont|Stiftskeller]] zu genießen. Neben Conrad und Anna lebten Mutter Elisabeth, Schwester Leopoldine und Konrad junior sowie verschiedene Lehrmädchen und Haushaltsgehilfinnen viele Jahre lang unter dem Dach des repräsentativen, im alpenländischen Jugendstil errichteten Hauses.  
Gemäß seiner im Österreichischen Staatsarchiv befindlichen Wehrstammkarte wurde Conrad im Mai [[1938]] in die [[NSDAP]] aufgenommen; Zeitzeugen bezweifeln jedoch, dass dieser Schritt aus Überzeugung erfolgte, er sei diesbezüglich stets unauffällig gewesen und bekleidete zeitlebens auch keine politischen Funktionen. Zum Familienleben im Haus an der [[Bahnhofstraße (Admont)|Bahnhofstraße]] ist überliefert, dass Anna Fankhauser eine sehr resolut auftretende Frau war. Sowohl im gutbürgerlichen Haushalt als auch im Betrieb führte sie ein strenges Regiment und pflegte jeden Freitagnachmittag mit Freundinnen ein Fläschchen Wein im ehrwürdigen [[Stiftskeller Admont|Stiftskeller]] zu genießen. Neben Conrad und Anna lebten Mutter Elisabeth, Schwester Leopoldine und Konrad junior sowie verschiedene Lehrmädchen und Haushaltsgehilfinnen viele Jahre lang unter dem Dach des repräsentativen, im alpenländischen Jugendstil errichteten Hauses.  
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=== "Conrad-Fankhauser-Bildsprache" ===
=== "Conrad-Fankhauser-Bildsprache" ===
Nach der Übernahme des Betriebes konnte Conrad zwar noch von den "Goldenen [[1920er]]-Jahren" profitieren, doch erschwerten die späteren politischen Ereignisse die wirtschaftliche Weiterentwicklung. Ungeachtet dessen fiel in die Zwischenkriegszeit wohl seine kreativste Schaffensphase, in welcher vor allem seine unverwechselbaren Landschaftsaufnahmen entstanden. Trotz widriger Umstände gelang es ihm auch nach [[1945]], wieder an die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte anzuschließen. Die positive Entwicklung des Fremdenverkehrs in den Nachkriegsjahren füllte die Auftragsbücher mit Arbeiten für die Gastronomie, zudem kamen zahlreiche Porträtfotos und auch der Kioskladen vor der [[Blasius-Münster|Stiftskirche]] erwies sich lange Jahre als besonders lukrativer Geschäftszweig.  
Nach der Übernahme des Betriebes konnte Conrad zwar noch von den "Goldenen [[1920er]]-Jahren" profitieren, doch erschwerten die späteren politischen Ereignisse die wirtschaftliche Weiterentwicklung. Ungeachtet dessen fiel in die Zwischenkriegszeit wohl seine kreativste Schaffensphase, in welcher vor allem seine unverwechselbaren Landschaftsaufnahmen entstanden. Trotz widriger Umstände gelang es ihm auch nach [[1945]], wieder an die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte anzuschließen. Die positive Entwicklung des Fremdenverkehrs in den Nachkriegsjahren füllte die Auftragsbücher mit Arbeiten für die Gastronomie, zudem kamen zahlreiche Porträtfotos und auch der Kioskladen vor der [[Blasius-Münster|Stiftskirche]] erwies sich lange Jahre als besonders lukrativer Geschäftszweig.  
[[Datei:Admont mit dem Buchstein Conrad Fankhauser.jpg|thumb|"Admont mit dem Buchstein", rechts oben eine Fotografie von Conrad Fankhauser.]]


Conrads fotografisches Werk besticht durch technische Perfektion, dem gekonnten Einsatz von Licht und Schatten und einer ästhetisch gestalteten Bildkomposition – all dies, in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten, formte die typische "Conrad-Fankhauser-Bildsprache".
Conrads fotografisches Werk besticht durch technische Perfektion, dem gekonnten Einsatz von Licht und Schatten und einer ästhetisch gestalteten Bildkomposition – all dies, in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten, formte die typische "Conrad-Fankhauser-Bildsprache".
[[Datei:Fankhauser_Conrad_(HBEA)_02.jpg|thumb|Conrad Fankhauser.]]


Darüber hinaus zeigt sich eine akribische Vorbereitung seiner charakteristischen Lichtbilder. Beispielsweise wurde der Standort einer Landschaftsszene zu verschiedenen Tageszeiten aufgesucht, um erst bei den als ideal konstatierten Lichtverhältnissen die Aufnahme zu vollenden. Perfekte Regie zeigt sich desgleichen in der Fachdisziplin der Einzel- und Gruppenporträts, wobei hier mitunter auch Anna Fankhausers Mitwirkung in Form adäquat in Szene gesetzter Arrangements sichtbar wird. Gleich dem Lebenswerk seiner Vorgänger, gelten auch Conrad Fankhausers Lichtbilder, die einen Zeitraum von rund sechs Jahrzehnten dokumentieren, unter Historikern als geschichtlich exklusives Bildarchiv der [[Gesäuse]]region. Zwar bildete die Porträtfotografie noch bis in die [[1960er]]-Jahre die kommerzielle Grundlage des Familienbetriebes, dennoch widmete sich Conrad zeitlebens mit besonderer Hingabe der Architektur- und Landschaftsfotografie, wobei er in dieser Sparte auch zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Seine Fotos beeinflussten die damalige Fremdenverkehrsreklame, die ihre Wirkung in Form von Prospekten und Ansichtskarten nicht verfehlten. So fanden seine Motive unter anderem in der "[[Steirischen Alpenpost]]" Anerkennung: "In neuerer Zeit hat der bekannte Landschaftsphotograph Fankhauser jun. in Admont eine Serie von 300 verschiedenen Bildern ausgearbeitet, um damit Touristen und Freunden der steirischen Alpenwelt etwas Hübsches zu bieten und den [[Fremdenverkehr]] in der Obersteiermark zu heben. Die Bilder sind in der Tat sehr gelungen und zeugen von künstlerischem Geschmacke."  
Darüber hinaus zeigt sich eine akribische Vorbereitung seiner charakteristischen Lichtbilder. Beispielsweise wurde der Standort einer Landschaftsszene zu verschiedenen Tageszeiten aufgesucht, um erst bei den als ideal konstatierten Lichtverhältnissen die Aufnahme zu vollenden. Perfekte Regie zeigt sich desgleichen in der Fachdisziplin der Einzel- und Gruppenporträts, wobei hier mitunter auch Anna Fankhausers Mitwirkung in Form adäquat in Szene gesetzter Arrangements sichtbar wird. Gleich dem Lebenswerk seiner Vorgänger, gelten auch Conrad Fankhausers Lichtbilder, die einen Zeitraum von rund sechs Jahrzehnten dokumentieren, unter Historikern als geschichtlich exklusives Bildarchiv der [[Gesäuse]]region. Zwar bildete die Porträtfotografie noch bis in die [[1960er]]-Jahre die kommerzielle Grundlage des Familienbetriebes, dennoch widmete sich Conrad zeitlebens mit besonderer Hingabe der Architektur- und Landschaftsfotografie, wobei er in dieser Sparte auch zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Seine Fotos beeinflussten die damalige Fremdenverkehrsreklame, die ihre Wirkung in Form von Prospekten und Ansichtskarten nicht verfehlten. So fanden seine Motive unter anderem in der "[[Steirischen Alpenpost]]" Anerkennung: "In neuerer Zeit hat der bekannte Landschaftsphotograph Fankhauser jun. in Admont eine Serie von 300 verschiedenen Bildern ausgearbeitet, um damit Touristen und Freunden der steirischen Alpenwelt etwas Hübsches zu bieten und den [[Fremdenverkehr]] in der Obersteiermark zu heben. Die Bilder sind in der Tat sehr gelungen und zeugen von künstlerischem Geschmacke."  
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=== Ende eines Traditionsbetriebes ===
=== Ende eines Traditionsbetriebes ===
Conrad Fankhauser starb am 25. November 1976 im 89. Lebensjahr und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am [[Friedhof Admont|Friedhof von Admont]] beigesetzt. Erst zwei Jahre zuvor, nach dem Tod seiner Gattin Anna, übergab er den Betrieb seinem Sohn [[Konrad Fankhauser|Konrad August]]. Der damals bereits 51-Jährige war zunächst im elterlichen Betrieb als fotografischer Gehilfe tätig, ehe er im Dezember [[1948]] aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Über seine Jahre nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Krieg]] ist wenig bekannt, erst [[1955]] absolvierte er die Meisterklasse für Photographie an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.
Conrad Fankhauser starb am 25. November 1976 im 89. Lebensjahr und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am [[Friedhof Admont|Friedhof von Admont]] beigesetzt. Erst zwei Jahre zuvor, nach dem Tod seiner Gattin Anna, übergab er den Betrieb seinem Sohn [[Konrad Fankhauser|Konrad August]]. Der damals bereits 51-Jährige war zunächst im elterlichen Betrieb als fotografischer Gehilfe tätig, ehe er im Dezember [[1948]] aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Über seine Jahre nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Krieg]] ist wenig bekannt, erst [[1955]] absolvierte er die Meisterklasse für Photographie an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Auch Konrad junior verfügte über fachliches Talent, doch gelang es ihm nicht, aus dem Schatten seines dominanten Vaters zu treten.
Auch Konrad junior verfügte über fachliches Talent, doch gelang es ihm nicht, aus dem Schatten seines dominanten Vaters zu treten. Wohl führte er auch manche Hilfsarbeiten im Atelier durch, sein zugewiesener Aufgabenbereich bestand jedoch in der Führung des Kiosks am Kirchplatz. Über drei Jahrzehnte lang stand der allseits "Kuni" Genannte und immerzu hochprozentigen Getränken Zugeneigte in seinem Verkaufshäuschen und wurde damit zu einem originellen Inventar im Ortsbild von Admont. In den letzten Jahren lebte der zeitlebens unverheiratet gebliebene Konrad mehr schlecht als recht von den zunehmend spärlicher werdenden Einnahmen aus dem Kioskgeschäft und befand sich daher stets in Geldnöten. Dies führte mitunter dazu, dass er die Werke seiner Vorfahren in den Wirtshäusern von Admont verkaufte bzw. an kalten Wintertagen stapelweise deren Fotografien und Filmstreifen im Ofen verbrannte.
 
Nach dem Antritt seiner Pension verkaufte Konrad [[1982]] Haus und Atelier, womit sich die Pforten des jahrzehntelang bestehenden Traditionsbetriebes für immer schlossen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Konrad zunächst im Altersheim von [[Unterburg]] bzw. im Pflegeheim von [[Hall (Gemeinde)|Hall]], wo er am [[5. Juni]] [[1999]] verstarb. Mit diesem Datum endete nach 134 Jahren die Stammbaum-Linie der Fankhauser-Familie in Admont. Nachdem [[1997]] der Kiosk abgerissen und auch das Familiengrab aufgelassen wurde, erinnert nur noch eine Tafel am ehemaligen Geschäftshaus in der Bahnhofstraße an die angesehene Fotografendynastie Fankhauser.


== Literatur ==  
== Literatur ==  
* [[Ernst Kren|Kren Ernst ]]: "[[Fankhauser - Eine Admonter Fotografendynastie]]"
* [[Ernst Kren|Kren Ernst]]: "[[Fankhauser - Eine Admonter Fotografendynastie]]"


== Quellen ==
== Quellen ==