Almen im Schladmingtal: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Schladmingtal ===
=== Schladmingtal ===
Noch vor 150 Jahren entfiel der größte Teil der produktiven Fläche des ehemaligen „[[Schladmingtal]]es“ auf Almen. Da in den Akten bis ins 19. Jahrhundert für die Gemeinden [[Rohrmoos]]-[[Obertal (Ort)|Obertal]] und [[Untertal (Ort)|Untertal]] immer der Name  „Schladmingtal“ verwendet wurde, soll er in diesem Artikel für das zu untersuchende Gemeindegebiet gelten.
Noch vor 150 Jahren entfiel der größte Teil der produktiven Fläche des ehemaligen "[[Schladmingtal]]es" auf Almen. Da in den Akten bis ins 19. Jahrhundert für die Gemeinden [[Rohrmoos]]-[[Obertal (Ort)|Obertal]] und [[Untertal (Ort)|Untertal]] immer der Name  "Schladmingtal" verwendet wurde, soll er in diesem Artikel für das zu untersuchende Gemeindegebiet gelten.
   
   
Almwirtschaft war seit vielen Jahrhunderten neben dem Bergbau der wichtigste Erwerbszweig in diesem gebirgigen Gebiet. Heute allerdings ist die Almwirtschaft beinahe verschwunden.
Almwirtschaft war seit vielen Jahrhunderten neben dem Bergbau der wichtigste Erwerbszweig in diesem gebirgigen Gebiet. Heute allerdings ist die Almwirtschaft beinahe verschwunden.
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Seit wann [[Almwirtschaft]] in dieser Region betrieben wird, müssen wohl die Archäologen klären. Aus dem benachbarten [[Dachsteinplateau]] mit dem Nachweis von Almvorkommen bereits vor 4 000 Jahren können wir vermuten, dass ähnliche Wirtschaftsformen auch im Gebiet der Schladminger Tauern zur [[Bronzezeit]] üblich waren.  
Seit wann [[Almwirtschaft]] in dieser Region betrieben wird, müssen wohl die Archäologen klären. Aus dem benachbarten [[Dachsteinplateau]] mit dem Nachweis von Almvorkommen bereits vor 4 000 Jahren können wir vermuten, dass ähnliche Wirtschaftsformen auch im Gebiet der Schladminger Tauern zur [[Bronzezeit]] üblich waren.  


Mit dem zaghaften Fließen von schriftlichen Quellen erfahren wir von Almnamen im hohen [[Mittelalter]]. Um [[1280]], also am Beginn der Habsburgerherrschaft, sind in einem  landesfürstlichen Urbar unter den „''Predia ducis Austriae in valle Anesi''“ (Gütern des Herzogs von Österreich im Ennstal) zwei Alpen erwähnt: das „''Hesenchor 3 sol.''“ ([[Hasenkaralm]]  nördlich oberhalb des [[Riesachsee]]s) und die [[Obere Neudeckalm|Neudeckalpe]] westlich der [[Guschen]], knapp außerhalb der Gemeindegrenze von Rohrmoos: „''Neydekker de alpe 60 den. Saltzb.''“
Mit dem zaghaften Fließen von schriftlichen Quellen erfahren wir von Almnamen im hohen [[Mittelalter]]. Um [[1280]], also am Beginn der Habsburgerherrschaft, sind in einem  landesfürstlichen Urbar unter den "''Predia ducis Austriae in valle Anesi''" (Gütern des Herzogs von Österreich im Ennstal) zwei Alpen erwähnt: das "''Hesenchor 3 sol.''" ([[Hasenkaralm]]  nördlich oberhalb des [[Riesachsee]]s) und die [[Obere Neudeckalm|Neudeckalpe]] westlich der [[Guschen]], knapp außerhalb der Gemeindegrenze von Rohrmoos: "''Neydekker de alpe 60 den. Saltzb.''"


Diese frühen Erwähnungen von Almen sagen Folgendes aus: Almen wurden im Mittelalter bereits als Güter verkauft oder verliehen. Die Geldsumme zeigt die jährliche Steuer, die dem Grundherrn, hier dem Landesherrn, zu entrichten war. 3 solidi waren 3 Schilling (1 Pfund = 8 Schilling = 240 Pfennig), 60 Denarii oder Pfennig entsprachen 2 Schilling.  
Diese frühen Erwähnungen von Almen sagen Folgendes aus: Almen wurden im Mittelalter bereits als Güter verkauft oder verliehen. Die Geldsumme zeigt die jährliche Steuer, die dem Grundherrn, hier dem Landesherrn, zu entrichten war. 3 solidi waren 3 Schilling (1 Pfund = 8 Schilling = 240 Pfennig), 60 Denarii oder Pfennig entsprachen 2 Schilling.  


Der vulgo ''Neudecker'' war Salzburger Untertan. Daraus geht hervor, dass die Almen im Mittelalter nicht (mehr) als Allgemeingut angesehen waren. Bald danach ([[1303]]) wird das Lehengut Alpsteig am „Schladmingerberg“ samt dazugehöriger Alpe erwähnt;  dabei dürfte es sich um den [[Alpsteger]] am [[Rohrmoos]] handeln. Namentlich erwähnt werden im Jahre [[1332]] die „Alpen der Gugeler“ ([[Giglachalm]]), die „Pramris-, Hopfris- und Tositzkaralm“.
Der vulgo ''Neudecker'' war Salzburger Untertan. Daraus geht hervor, dass die Almen im Mittelalter nicht (mehr) als Allgemeingut angesehen waren. Bald danach ([[1303]]) wird das Lehengut Alpsteig am "Schladmingerberg" samt dazugehöriger Alpe erwähnt;  dabei dürfte es sich um den [[Alpstegerhof|Alpsteger]] am [[Rohrmoos]] handeln. Namentlich erwähnt werden im Jahre [[1332]] die "Alpen der Gugeler" ([[Giglachalm]]), die "Pramris-, Hopfris- und Tositzkaralm".


Bald danach wird die Alpe “Lüntaw sive Lünczlein” ([[Landaualm]]) in einem Kaufvertrag erwähnt, auch die Alpe „Lackchar“ ([[Lackneralm]]). Einige Jahrzehnte später ([[1418]]) streitet Margret auf dem Puchel (Pichl) mit dem [[swiki:Erzabtei St. Peter|Kloster St. Peter]] in Salzburg um die „Guglär Alben“.
Bald danach wird die Alpe "Lüntaw sive Lünczlein" ([[Landaualm]]) in einem Kaufvertrag erwähnt, auch die Alpe "Lackchar" ([[Lackneralm]]). Einige Jahrzehnte später ([[1418]]) streitet Margret auf dem Puchel (Pichl) mit dem [[swiki:Erzabtei St. Peter|Kloster St. Peter]] in Salzburg um die "Guglär Alben".


== Wer besaß die Almen? ==
== Wer besaß die Almen? ==
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Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen dem Eigentümer, dem Besitzer und dem Benützer.  Eigentümer war der Grundherr. In den Schladminger Tauern entstand im Hochmittelalter eine Dreiteilung: Westlich des Obertales war Salzburg ([[swiki:Domkapitel]] und St. Peter) Grundherr, in der Mitte zwischen dem Ober- und Untertal-[[Steinriesental]], auch Mitterberg genannt, die admontische [[Herrschaft Gstatt]], und östlich des Untertales der Landesfürst, vertreten durch das [[Marschallamt Großsölk]].
Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen dem Eigentümer, dem Besitzer und dem Benützer.  Eigentümer war der Grundherr. In den Schladminger Tauern entstand im Hochmittelalter eine Dreiteilung: Westlich des Obertales war Salzburg ([[swiki:Domkapitel]] und St. Peter) Grundherr, in der Mitte zwischen dem Ober- und Untertal-[[Steinriesental]], auch Mitterberg genannt, die admontische [[Herrschaft Gstatt]], und östlich des Untertales der Landesfürst, vertreten durch das [[Marschallamt Großsölk]].


Am [[Fastenberg|Fastenberg]] und am Rohrmoos hatten auch andere Grundherren ihre Besitzungen bzw. ihre Bauernlehen, besonders das „Gottshaus Schladming“ und [[Trautenfels]].
Am [[Fastenberg|Fastenberg]] und am Rohrmoos hatten auch andere Grundherren ihre Besitzungen bzw. ihre Bauernlehen, besonders das "Gottshaus Schladming" und [[Trautenfels]].


=== Kauflehen ===
=== Kauflehen ===
Wie bereits erwähnt wurden die Almen in den Schladminger Tauern an Bauern weiterverliehen, und zwar alle. Dies ist bemerkenswert, da in anderen Gebirgsgegenden in der Nähe der Herrschaftssitze der Grundherr sich auch Almen zur eigenen Bewirtschaftung vorbehielt, mehr noch: in der [[Benediktinerstift Admont|Herrschaft Admont]] wurde der Großteil der Almen nicht als Lehen aus der Hand gegeben, sondern blieb im Besitz des Stiftes. Im Schladmingtal dagegen, abseits von größeren Herrschaftssitzen, wurden die Almen bereits im Mittelalter an Bauern vergeben. Die Steuer von 2 Schilling für die Neudeckalm im Hochmittelalter untermauert dies. Der Streit der Margret von Pichl mit dem Kloster St. Peter um die [[Giglachalm]] zeigt, dass der Bauer die Almen als wertvollen Besitz ansah. Dies stimmt mit dem Bestreben im [[15. Jahrhundert]] überein, Lehen käuflich zu  erwerben.
Wie bereits erwähnt wurden die Almen in den Schladminger Tauern an Bauern weiterverliehen, und zwar alle. Dies ist bemerkenswert, da in anderen Gebirgsgegenden in der Nähe der Herrschaftssitze der Grundherr sich auch Almen zur eigenen Bewirtschaftung vorbehielt, mehr noch: in der [[Benediktinerstift Admont|Herrschaft Admont]] wurde der Großteil der Almen nicht als Lehen aus der Hand gegeben, sondern blieb im Besitz des Stiftes. Im Schladmingtal dagegen, abseits von größeren Herrschaftssitzen, wurden die Almen bereits im Mittelalter an Bauern vergeben. Die Steuer von 2 Schilling für die Neudeckalm im Hochmittelalter untermauert dies. Der Streit der Margret von Pichl mit dem Kloster St. Peter um die [[Giglachalm]] zeigt, dass der Bauer die Almen als wertvollen Besitz ansah. Dies stimmt mit dem Bestreben im [[15. Jahrhundert]] überein, Lehen käuflich zu  erwerben.


Möglicherweise hängt diese „Kaufwut“ mit der sich allmählich durchsetzenden römischen Rechtsordnung zusammen, die die alte (germanische) ablöste. Dass nach germanischer Rechtsauffassung manche Ressourcen wie Wald, Steinbrüche und eben auch Weide und Alm ursprünglich als Allgemeingut – „Gemeinde“ angesehen wurden, lässt sich in den vorliegenden Quellen zwar nicht nachvollziehen, jedoch werden wir weiter unten beim Begriff „Freiberg“ und Weide auf der „Gemein“ Reste dieser alten Rechtsauffassung kennenlernen.
Möglicherweise hängt diese "Kaufwut" mit der sich allmählich durchsetzenden römischen Rechtsordnung zusammen, die die alte (germanische) ablöste. Dass nach germanischer Rechtsauffassung manche Ressourcen wie Wald, Steinbrüche und eben auch Weide und Alm ursprünglich als Allgemeingut – "Gemeinde" angesehen wurden, lässt sich in den vorliegenden Quellen zwar nicht nachvollziehen, jedoch werden wir weiter unten beim Begriff "Freiberg" und Weide auf der "Gemein" Reste dieser alten Rechtsauffassung kennenlernen.


Der Bauer erwarb die Almen im Schladmingtal käuflich und ließ sich diesen Erwerb durch einen Schutzbrief, später „Kaufbrief “ genannt, vom Grundherrn bestätigen.
Der Bauer erwarb die Almen im Schladmingtal käuflich und ließ sich diesen Erwerb durch einen Schutzbrief, später "Kaufbrief " genannt, vom Grundherrn bestätigen.


Es war durchaus möglich, diese Almen oder Anteile davon weiterzuverkaufen oder weiterzuvererben.
Es war durchaus möglich, diese Almen oder Anteile davon weiterzuverkaufen oder weiterzuvererben.
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‘‘Die Staynbannt, (= Steinwenderin) hat ain Alben genant Im Seechar. Die ander in der Slabning. Die dritt im Wiltchar, und was hintten des Wiltchar ist das hat sy halbs, und hatt es auf dem Gruebach, und in der Sladming im Wuerstschachn und auf dem char, ir veur auf der Streymelwanndt, auf dem Ruelandt und unwitt der hohen Wandt und im Eschach, da vertt Sy hin und andere Nachpauern.‘‘
‘‘Die Staynbannt, (= Steinwenderin) hat ain Alben genant Im Seechar. Die ander in der Slabning. Die dritt im Wiltchar, und was hintten des Wiltchar ist das hat sy halbs, und hatt es auf dem Gruebach, und in der Sladming im Wuerstschachn und auf dem char, ir veur auf der Streymelwanndt, auf dem Ruelandt und unwitt der hohen Wandt und im Eschach, da vertt Sy hin und andere Nachpauern.‘‘


Die angeführten Almen befinden sich alle im Mitterbergzug, sämtlich der Herrschaft Gstatt gehörig: [[Seekar]]; In der Slabnig = Steinriesental; Hinterschladming = [[Eiblalm]] oder [[Gollingwinkel]]; [[Wildkar]]; Grubach oder [[Ochsenkar]]; Würstschachen, Hochwand und Rueland sind Weidestriche auf der Sonnseite des [[Steinriesental]]es; [[Eschau (Obertal)|Eschau]] im Obertal.
Die angeführten Almen befinden sich alle im Mitterbergzug, sämtlich der Herrschaft Gstatt gehörig: [[Seekar]]; In der Slabnig = Steinriesental; Hinterschladming = [[Obere Eiblalm|Eiblalm]] oder [[Gollingwinkel]]; [[Wildkar]]; Grubach oder [[Ochsenkar]]; Würstschachen, Hochwand und Rueland sind Weidestriche auf der Sonnseite des [[Steinriesental]]es; [[Eschau (Obertal)|Eschau]] im Obertal.
 
Bald danach hat die Bäuerin am [[Steinwenderhof]] die zahlreichen Almanteile offensichtlich verkauft, vermutlich an das [[Eckharterhof (Gehöft)|Eckhardgut]] (Michlbauer). Um [[1760]] scheinen auf den angegebenen Almen mehrere "Michl-Almen" auf.


Bald danach hat die Bäuerin am [[Steinwenderhof]] die zahlreichen Almanteile offensichtlich verkauft, vermutlich an das [[Eckhardgut]] (Michlbauer). Um [[1760]] scheinen auf den angegebenen Almen mehrere „Michl-Almen“ auf.
== Wer befuhr die Almen? ==
== Wer befuhr die Almen? ==
Auf die Alm wird „gefahren“, sie wird „bestoßen“. Die „Almfahrer“, so könnte man meinen, waren hauptsächlich die Bauern von Rohrmoos, Unter- und Obertal. Dies stimmt aber nur zum kleinen Teil. Vor knapp 200 Jahren fuhren (gemäß dem franziszäischen Kataster von 1824) Bauern aus folgenden Orten auf die Schladmingtaler Almen auf:
Auf die Alm wird "gefahren", sie wird "bestoßen". Die "Almfahrer", so könnte man meinen, waren hauptsächlich die Bauern von Rohrmoos, Unter- und Obertal. Dies stimmt aber nur zum kleinen Teil. Vor knapp 200 Jahren fuhren (gemäß dem franziszäischen Kataster von 1824) Bauern aus folgenden Orten auf die Schladmingtaler Almen auf:


:27 Rohrmoos
:27 Rohrmoos
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:13 [[Oberhaus]]
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:14 Klaus bei Schladming
:14 Klaus bei Schladming
:1 [[Pichl]]
:1 [[Pichl (Schladming)|Pichl]]
:4 Schladming
:4 Schladming
:3 [[Weißenbach (Haus)|Weißenbach]]
:3 [[Weißenbach (Haus)|Weißenbach]]
:2 [[Lehen (Haus im Ennstal) |Lehen]]
:2 [[Lehen (Haus)|Lehen]]
:2 [[Ennsling]]
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:2 [[Ramsauer Leiten |Ramsau-Leiten]]
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:2 [[Haus]]
:2 [[Haus]]


Es mag sein, dass früher weniger Ennstaler die Schladmingtaler Almen befahren haben. Durch Erbe oder Heirat kam mancher Ennstaler auf einen Unter- oder Obertaler Hof oder auf ein dortiges Lehen und damit auf die dem Hof zugehörige Alm. Häufig wurde gekauft oder verkauft. Es herrschte also das freie Spiel von privatem Güterverkehr. So konnte ein großer Bauer mehrere Almen „horten“, wie oben das Beispiel Steinwender im 15. Jahrhundert zeigt. Dies ist deshalb zu erwähnen, da in anderen Berggebieten die Almen nach Bedarf von der Herrschaft zugewiesen wurden (so in der Herrschaft Admont). Eingreifen, regulieren und verwalten konnte der Grundherr aber nur, wenn ihm die Almen gehörten. Dies war im Schladmingtal nicht der Fall (siehe unten unter „Kaufrechtliche Alm – Privatalm“).
Es mag sein, dass früher weniger Ennstaler die Schladmingtaler Almen befahren haben. Durch Erbe oder Heirat kam mancher Ennstaler auf einen Unter- oder Obertaler Hof oder auf ein dortiges Lehen und damit auf die dem Hof zugehörige Alm. Häufig wurde gekauft oder verkauft. Es herrschte also das freie Spiel von privatem Güterverkehr. So konnte ein großer Bauer mehrere Almen "horten", wie oben das Beispiel Steinwender im 15. Jahrhundert zeigt. Dies ist deshalb zu erwähnen, da in anderen Berggebieten die Almen nach Bedarf von der Herrschaft zugewiesen wurden (so in der Herrschaft Admont). Eingreifen, regulieren und verwalten konnte der Grundherr aber nur, wenn ihm die Almen gehörten. Dies war im Schladmingtal nicht der Fall (siehe unten unter "Kaufrechtliche Alm – Privatalm").


== Die Almsteuer ==
== Die Almsteuer ==
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Dieses Beispiel zeigt, dass die Alm einen gewissen Wert besaß: etwa ein Sechstel des Bauernhofes.
Dieses Beispiel zeigt, dass die Alm einen gewissen Wert besaß: etwa ein Sechstel des Bauernhofes.


Naturaldienst für die Almen war anfangs auch im Schladmingtal üblich, nur sind uns die Aufzeichnungen darüber nicht mehr erhalten. Aus einem Einzelakt ist uns erhalten, dass Catharina Allin für ihre ‘‘Albsgerechtigkeit die Risach genandt im SchlädmingThall an die Probstei Gstatt jährlich das Säckelschmalz davon gedient habe.‘‘ Unter „Schmalz“ verstand man immer Butterschmalz, welches aus der Läuterung der Butter gewonnen wird, lange haltbar ist und auch zum Braten und Backen geeignet ist.  
Naturaldienst für die Almen war anfangs auch im Schladmingtal üblich, nur sind uns die Aufzeichnungen darüber nicht mehr erhalten. Aus einem Einzelakt ist uns erhalten, dass Catharina Allin für ihre ‘‘Albsgerechtigkeit die Risach genandt im SchlädmingThall an die Probstei Gstatt jährlich das Säckelschmalz davon gedient habe.‘‘ Unter "Schmalz" verstand man immer Butterschmalz, welches aus der Läuterung der Butter gewonnen wird, lange haltbar ist und auch zum Braten und Backen geeignet ist.  


Im [[16. Jahrhundert]] zahlte Thoman Hertzmair im Mos ( [[Timmelbauerhof|Timmelbauer]] auf der Ramsau-Leiten) von oberer und mittlerer Viertl-Albm im Wildkhar 1 ß 10 d. Achtel-Almanteile waren bei größeren Almen wie das Wildkar üblich, ansonsten Viertelanteile.
Im [[16. Jahrhundert]] zahlte Thoman Hertzmair im Mos ([[Timmelbauerhof|Timmelbauer]] auf der Ramsau-Leiten) von oberer und mittlerer Viertl-Albm im Wildkhar 1 ß 10 d. Achtel-Almanteile waren bei größeren Almen wie das Wildkar üblich, ansonsten Viertelanteile.


Anderen Bauern war die Steuer für den Almanteil in den Urbaren nicht extra ausgewiesen, sondern in der Steuer für den Hof inkludiert.
Anderen Bauern war die Steuer für den Almanteil in den Urbaren nicht extra ausgewiesen, sondern in der Steuer für den Hof inkludiert.
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=== Verschiedene Almsteuern in anderen Herrschaften ===
=== Verschiedene Almsteuern in anderen Herrschaften ===
Die Steuer lief unter verschiedenen Namen: Bausteuer, Ehrung (die dem Verwalter der Herrschaft gebührte) oder in landesfürstlichen Almen innerhalb des Landgerichtes Wolkenstein die „Pergmueth“ (Bergmiete).
Die Steuer lief unter verschiedenen Namen: Bausteuer, Ehrung (die dem Verwalter der Herrschaft gebührte) oder in landesfürstlichen Almen innerhalb des Landgerichtes Wolkenstein die "Pergmueth" (Bergmiete).


Im 15. und 16. Jahrhundert wurde letztere Abgabe auch in Naturalien eingehoben. So hatten Almgemeinschaften jene Anzahl an Käsen, die sie an einem Tag erzeugen konnten, an den Landrichter abzugeben. Oder die Almgemeinschaften im Putzental und im engeren Bereich der Herrschaft Gstatt hatten „Schmalzdienst“ zu leisten.
Im 15. und 16. Jahrhundert wurde letztere Abgabe auch in Naturalien eingehoben. So hatten Almgemeinschaften jene Anzahl an Käsen, die sie an einem Tag erzeugen konnten, an den Landrichter abzugeben. Oder die Almgemeinschaften im Putzental und im engeren Bereich der Herrschaft Gstatt hatten "Schmalzdienst" zu leisten.


Nur erwähnt sei die völlig andere Almzins-Organisation in den Herrschaften Admont und [[Herrschaft Gallenstein|Gallenstein]]. Dort hatten von etwa 170 Almfahrern lediglich 12 das Kaufrecht für ihre Alpen. Diese zahlten die Urbarsteuer wie im Schladmingtal, aber alle anderen mussten nach der Auftriebszahl des Weideviehs gerechnet einen „Kleezins“ (Klauenzins) oder Almzins zahlen.
Nur erwähnt sei die völlig andere Almzins-Organisation in den Herrschaften Admont und [[Herrschaft Gallenstein|Gallenstein]]. Dort hatten von etwa 170 Almfahrern lediglich 12 das Kaufrecht für ihre Alpen. Diese zahlten die Urbarsteuer wie im Schladmingtal, aber alle anderen mussten nach der Auftriebszahl des Weideviehs gerechnet einen "Kleezins" (Klauenzins) oder Almzins zahlen.


== Kaufrechtliche Alm – Privatalm ==
== Kaufrechtliche Alm – Privatalm ==
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Deren Vorläufer waren jene vom Grundherrn gewährten Weiderechte, die aber nicht kaufrechtlich vom Almfahrer erworben wurden oder erworben werden konnten. Auch Genossenschaftsalmen größeren Ausmaßes fehlen. Diesen lagen früher die Gemeindealmen zugrunde, wie wir sie im Hochschwabgebiet und vor allem in Tirol finden.
Deren Vorläufer waren jene vom Grundherrn gewährten Weiderechte, die aber nicht kaufrechtlich vom Almfahrer erworben wurden oder erworben werden konnten. Auch Genossenschaftsalmen größeren Ausmaßes fehlen. Diesen lagen früher die Gemeindealmen zugrunde, wie wir sie im Hochschwabgebiet und vor allem in Tirol finden.


Die alte „Gemein“ nach germanischem Recht konnte sich hier im Schladmingtal nur in kleinen Weidegebieten am Freiberg und in Rohrmoos halten. Und Herrschaftsalmen suchen wir hier ebenfalls vergeblich, da die Meierhöfe der Herrschaften Gstatt bzw. von St. Peter zu weit entfernt lagen. Nicht einmal eine Pfarreralm (z. B. eine des Gottshauses Schladming) ist zu finden.
Die alte "Gemein" nach germanischem Recht konnte sich hier im Schladmingtal nur in kleinen Weidegebieten am Freiberg und in Rohrmoos halten. Und Herrschaftsalmen suchen wir hier ebenfalls vergeblich, da die Meierhöfe der Herrschaften Gstatt bzw. von St. Peter zu weit entfernt lagen. Nicht einmal eine Pfarreralm (z. B. eine des Gottshauses Schladming) ist zu finden.


Wenn nun jeder Almbauer seine private Alm oder Almanteile besaß, dann müsste doch ein dauernder „Almfrieden“ ohne Konflikte über den Schladminger Tauern geschwebt sein. Doch – wie auch in anderen Bergregionen – häuften sich am Beginn der Neuzeit bis ins 17. Jahrhundert die Klagen über Almstreit. Die Archive zeugen von Streitakten, und dieses Phänomen machte auch vor dem Schladmingtal nicht Halt.
Wenn nun jeder Almbauer seine private Alm oder Almanteile besaß, dann müsste doch ein dauernder "Almfrieden" ohne Konflikte über den Schladminger Tauern geschwebt sein. Doch – wie auch in anderen Bergregionen – häuften sich am Beginn der Neuzeit bis ins 17. Jahrhundert die Klagen über Almstreit. Die Archive zeugen von Streitakten, und dieses Phänomen machte auch vor dem Schladmingtal nicht Halt.


== Almordnungen ==
== Almordnungen ==
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=== Aufnahme von Fremd- oder Zinsvieh ===
=== Aufnahme von Fremd- oder Zinsvieh ===
Jeder Almbauer hatte das Recht, Vieh von anderen Bauern oder Häuslern über den Sommer gegen einen Weidezins aufzunehmen, sofern die Alm nicht „überweidet“ würde. Bei Servitutsalmen oder Gemeinschaftsalmen war die Aufnahme von Fremdvieh ein permanenter Streitpunkt. Hier in  den Schladminger Tauern finden wir kaum einen Hinweis auf Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Zinsvieh. Kein Wunder: Auf den kaufrechtlichen Almen hatte der Almbauer selbst dafür zu sorgen, dass seine Weiden nicht durch zu hohe Auftriebszahlen beschädigt würden und sein eigenes Vieh dadurch keinen Schaden erlitt.
Jeder Almbauer hatte das Recht, Vieh von anderen Bauern oder Häuslern über den Sommer gegen einen Weidezins aufzunehmen, sofern die Alm nicht "überweidet" würde. Bei Servitutsalmen oder Gemeinschaftsalmen war die Aufnahme von Fremdvieh ein permanenter Streitpunkt. Hier in  den Schladminger Tauern finden wir kaum einen Hinweis auf Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Zinsvieh. Kein Wunder: Auf den kaufrechtlichen Almen hatte der Almbauer selbst dafür zu sorgen, dass seine Weiden nicht durch zu hohe Auftriebszahlen beschädigt würden und sein eigenes Vieh dadurch keinen Schaden erlitt.


Aufnahme von Zinsvieh dürfte gang und gäbe gewesen sein, da sich nicht jeder Schladmingtaler Bauer eine eigene Alm leisten konnte und deshalb bei größeren Almen „zufahren“ musste.
Aufnahme von Zinsvieh dürfte gang und gäbe gewesen sein, da sich nicht jeder Schladmingtaler Bauer eine eigene Alm leisten konnte und deshalb bei größeren Almen "zufahren" musste.


Hier nun die bemerkenswerte Regelung in der Eschach:  
Hier nun die bemerkenswerte Regelung in der Eschach:  
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=== Räumen und zäunen  ===
=== Räumen und zäunen  ===
Vom mühsamen Gehag machen haben wir oben bereits gehört. Hier wird auch das Räumen angeführt, also das Säubern der Weideflächen von Unkraut, von Gestrüpp.  
Vom mühsamen [[Gehag]] machen haben wir oben bereits gehört. Hier wird auch das Räumen angeführt, also das Säubern der Weideflächen von Unkraut, von Gestrüpp.  


‘‘Desgleichen so sollen auch diese vier Älbler das Raumen und Hagen treulich und zu gleichen Taillen also offts die Notturfft erfordert, verrichten. Und sich sonsten in all anderweg miteinander fein fridlich und einträchtigkhlich verhalten.‘‘
‘‘Desgleichen so sollen auch diese vier Älbler das Raumen und Hagen treulich und zu gleichen Taillen also offts die Notturfft erfordert, verrichten. Und sich sonsten in all anderweg miteinander fein fridlich und einträchtigkhlich verhalten.‘‘
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Im [[18. Jahrhundert|18.]] und [[19. Jahrhundert]], als die Waldaufsicht genauer wurde, versuchte man der allzu großzügigen Auslegung des Räumens auf Kosten der angrenzenden Wälder einen Riegel vorzuschieben.
Im [[18. Jahrhundert|18.]] und [[19. Jahrhundert]], als die Waldaufsicht genauer wurde, versuchte man der allzu großzügigen Auslegung des Räumens auf Kosten der angrenzenden Wälder einen Riegel vorzuschieben.


=== Wiesmahd oder „Maderteil“ auf Almen  ===
=== Wiesmahd oder "Maderteil" auf Almen  ===
Anders als auf den unzugänglichen Pürgmahd-Stellen waren auf manchen Almen Anger oder einfach Wiesenstücke für die Mahd vorgesehen. Anger und vermutlich auch solche Almwiesen waren meist eingezäunt. In anderen Almgegenden wie dem Dachstein weisen [[Flurname]]n auf Almen wie  „Wiesmahd“ auf diese Bewirtschaftungsart hin (z.B. im [[Kemetgebirge]] im östlichen Dachsteinstock die Große Wiesmahd und die Hochwiesmahd, weiters die [[Mahd]], [[Höllermahd]] und die [[Mahdspitze]] oberhalb der [[obere Schupferalm|Schupferalm]] im [[Preunegg]]).
Anders als auf den unzugänglichen Pürgmahd-Stellen waren auf manchen Almen Anger oder einfach Wiesenstücke für die Mahd vorgesehen. Anger und vermutlich auch solche Almwiesen waren meist eingezäunt. In anderen Almgegenden wie dem Dachstein weisen [[Flurname]]n auf Almen wie  "Wiesmahd" auf diese Bewirtschaftungsart hin (z.B. im [[Kemetgebirge]] im östlichen Dachsteinstock die Große Wiesmahd und die Hochwiesmahd, weiters die [[Mahd]], [[Höllermahd]] und die [[Mahdspitze]] oberhalb der [[obere Schupferalm|Schupferalm]] im [[Preunegg]]).


Aus einer Güterbeschreibung der Gstatter Besitzungen aus dem Jahre [[1625]] erfahren wir, dass auf einigen Almen solche Wiesenstücke zur Mahd vorgesehen waren. Hier sei genau unterschieden zwischen den „Halten“, „Orten“, „Einfängen“ (eingezäunten Grundstücken) oder „Heimweiden“, die in der Nähe der Heimhöfe lagen und selbstverständlich auch abgemäht wurden, und den eigentlichen Almen:
Aus einer Güterbeschreibung der Gstatter Besitzungen aus dem Jahre [[1625]] erfahren wir, dass auf einigen Almen solche Wiesenstücke zur Mahd vorgesehen waren. Hier sei genau unterschieden zwischen den "Halten", "Orten", "Einfängen" (eingezäunten Grundstücken) oder "Heimweiden", die in der Nähe der Heimhöfe lagen und selbstverständlich auch abgemäht wurden, und den eigentlichen Almen:


Die in Talnähe liegende Schickenstadlalm (Seitner) ergab ‘‘item auf denen Wisen auch in disen obbeschribnen Geschiedungen in allem bei 8 Tagwerch (1 Tagwerk ist jene Fläche, die an einem Tag von einem Mann bearbeitet werden kann, etwa 0,30 ha) Madt, auf 18 Schlidten mitters Hey zue fexnen ‘‘ (= zu ernten).
Die in Talnähe liegende Schickenstadlalm (Seitner) ergab ‘‘item auf denen Wisen auch in disen obbeschribnen Geschiedungen in allem bei 8 Tagwerch (1 Tagwerk ist jene Fläche, die an einem Tag von einem Mann bearbeitet werden kann, etwa 0,30 ha) Madt, auf 18 Schlidten mitters Hey zue fexnen ‘‘ (= zu ernten).
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== Literatur ==  
== Literatur ==  
*[[Franz Mandl|Mandl, Franz]]: ''Almen im Herzen Österreichs. Dachsteingebirge – Niedere Tauern – [[Salzkammergut]].'' [[Gröbming]] – [[Haus  im Ennstal]], [[ANISA]], 2002
*[[Franz Mandl junior|Mandl, Franz]]: ''Almen im Herzen Österreichs. Dachsteingebirge – Niedere Tauern – [[Salzkammergut]].'' [[Gröbming]] – [[Haus  im Ennstal]], [[ANISA]], 2002
*Mandl, Franz; Mandl-Neumann, Herta: Wege in die Vergangenheit rund um den Dachstein. Wanderungen und Bergtouren. Innsbruck, Wien: Tyrolia 2009.
*Mandl, Franz; Mandl-Neumann, Herta: Wege in die Vergangenheit rund um den Dachstein. Wanderungen und Bergtouren. Innsbruck, Wien: Tyrolia 2009.
*Hasitschka, Josef: ''Butterschmalz und [[Steirerkas]] zur Zeit [[Erzherzog Johann]]s.'' in: [[Da schau her]] 25/1 (2004)  
*Hasitschka, Josef: ''Butterschmalz und [[Steirerkas]] zur Zeit [[Erzherzog Johann]]s.'' in: [[Da schau her]] 25/1 (2004)