Stadterhebung Liezen

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Die Stadterhebung Liezen erfolgte am 1. Juni 1947.

Geschichte

Im Gemeindeausschuss (Gemeinderat) befasste man sich mit der Frage, ob der Ort Liezen zum Markt erhoben werden sollte. An die "hohe k. k. Statthalterei" wurde ein Schreiben mit 22. September 1871 ein Antrag zur Markterhebung abgesandt werden. Eine Erledigung dazu ist nicht bekannt.

Die Steiermärkische Gemeindeordnung, eine Verordnung der Landesregierung, konnte Gemeinden, denen eine überragende Bedeutung zukommt, das Recht zur Führung der Bezeichnung "Stadtgemeinde" verliehen werden. Mit dem Recht zur Führung der Bezeichnungen "Stadtgemeinde" oder "Marktgemeinde" sind keine weiteren Rechte verbunden.

Die Verleihung der Bezeichnung Stadtgemeinde ist an folgende grundsätzliche Voraussetzungen geknüpft:

Stadtgemeinden sollen sich vor allem auf Grund einer bedeutenderen Funktion als zentraler Ort eines größeren Umlandbereiches von den übrigen Gemeinden unterscheiden, wie ja das Kriterium der zentral örtlichen Bedeutung auch für den historischen Stadtbegriff eine wesentliche Rolle spielte.
Die Gemeinde muss hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, ihrer Bevölkerungszahl, ihres baulichen Gefüges und ihres kulturellen Gepräges überragende Bedeutung besitzen.

Antrag zur Stadterhebung

Mit Schreiben vom 6. Dezember 1946 an die Landeshauptmannschaft für Steiermark in Graz beantragte der Gemeinderat der Ortsgemeinde Liezen die Erhebung der Ortsgemeinde Liezen zur Stadtgemeinde. Als Begründung wurde die wirtschaftliche Bedeutung und die Lage als Verkehrsmittelpunkt angeführt.

In der von Schulrätin Margarete Aigner verfassten Festschrift zur Stadterhebung wird über Liezen folgendes ausgeführt:

  • Liezen hat gegenwärtig 4 606 Einwohner und 373 Häuser. In den letzten zehn Jahren entstanden 76 Neubauten, darunter die Werksiedlung mit 171 Wohnungen.
  • In Liezen befinden sich die Bezirkshauptmannschaft, der Bezirksschulrat, das Bezirksgericht, das Finanzamt, das Baubezirksamt, das Arbeitsamt, das Bezirksgendarmeriekommando, ferner die Kammer für Handel und Gewerbe, die Bezirksbauernkammer, ein Postamt, ein Notariat, das Vermessungsamt, das Eichamt.
  • Die sechsklassig gemischte Volksschule mit drei Parallelen zählt 486 eingeschriebene Schüler. Die seit 1947 bestehende Hauptschule wird ab Schulbeginn 1947 zwei Klassen führen.
  • Im Ort befinden sich drei Ärzte, ein Dentist, eine Apotheke, eine Drogerie, eine Zweigstelle des ÖRK, ein Rechtsanwalt, ein öffentliches Schwimmbad, ein Wannenbad, weiters die Alpenländische Kunstkeramik (goldene Weltausstellungsmedaille London, Barcelona), eine Schafwollwarenfabrik, die Großeinkaufsgenossenschaft, eine Buchhandlung und Buchdruckerei, sieben Kaufgeschäfte, eine Schuhhandlung, drei Trafiken, drei Fleischhauer, zwei Bäcker, ein Konditor, ein Kaffeehaus, eine Sodawassererzeugung, ein Bierdepot, zwei Friseure, ein Photograph, zwei Uhrmacher, ein Radiogeschäft, zwei Hafner, ein Zimmermeister, ein Lederhosenerzeuger, ein Kino, 22 Wirte, zwei Schmiede, ein Schlosser, zwei Spengler, zwei Wasserleitungsinstallateure, drei Mechanikerwerkstätten, zwei Elektroinstallationsgeschäfte, ein E-Werk, eine Säge, eine Kunstmühle, drei Maler, ein Maurermeister, ein Weißgerber.

Landtagsbeschluss

Mit Landtagsbeschluss vom 2. April 1947 wurde das damalige Dorf Liezen mit Wirkung vom 1. Juni 1947 zur Stadt erhoben, ohne jemals den rechtlichen Status eines Marktes erlangt zu haben. Die Stadterhebungsfeier fand erst am am 13. September 1947 statt.

Quelle