Schladminger Schulgeschichte

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Die Schladminger Schulgeschichte beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts.

Einleitung

Verschiedene Probleme aus dem Bereiche des Schulwesens füllen immer wieder die Spalten der Presse und sind Thema von Diskussionen im Rundfunk und Fernsehen. Man ist nur zu leicht versucht, alles als typisch für unsere Zeit hinzustellen. Dabei vergisst man, dass Unzulänglichkeiten keineswegs erst eine Erfindung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind. Ein Blick in die Archive belehrt uns, dass man auch in der „guten alten Zeit" größere und kleinere Probleme zu lösen hatte, oder sie - wie auch heute oft - zur Seite schob.

So sollen nun einige Beispiele aus der kleinen Welt des örtlichen Schulwesens in Schladming von anno dazumal Aufnahme in die „Heimatkundlichen Blätter" finden.

Geschichte

Der Beruf des Lehrers - in alter Zeit keineswegs angesehen und schon gar nicht gut bezahlt, stellte oft Anforderungen über die man heute höchstens den Kopf schütteln kann. Wer einst in Schladming Schulmeister werden wollte, musste natürlich auch darauf Bedacht nehmen, dass mit dieser Stelle die Funktion des Mesners verbunden war. Einwandfreier Leumund war eine der Voraussetzungen für die Stellenbewerbung, in die auch die Ehefrau miteinbezogen war, denn die Schulmeisterin musste als Mesnersgattin besorgt sein, dass das „zum Gotteshaus gehörige Leinengwandt" stets sauber war. Dies erfahren wir aus einem Befürwortungsschreiben des Schladminger Berggerichts-Amtes an den Pfarrherrn von Haus und Schladming, Dr. Christoph Assinger, datiert mit 21. März 1651.

Im Namen des hiesigen Perckhwerchs wiert diensthöflichst ersuecht und erbetten, zu Ersetzung der im hiesigen Vicariat frei werdenten Meßner Stell Veit Reisacher, einen Schlädminger burgers Sohn zuezulassen. Erwürdt den dienst fleissig verrichten und vorder ist Ihro Hochwierten und Herrn Vicario und den Zechbröbsten alzeit gehorsam sein. Wie auch nit weniger sein Eheweib auf alles zum Gotteshausgehörige Leinengwandt, AItardiecher, Alben und dergleichen fleissig achtung geben, waschen und sauber halten."

Im weiteren Verlauf des Befürwortungsschreibens weist das Berggerichtsamt auf die Vorzüge Veit Reisachers hin, die ihn auch für die Stelle eines künftigen Schulmeisters in Schladming neben der Mesnertätigkeit besonders geeignet erscheinen lassen.

Sparsamkeit im Schulwesen auch früher schon aktuell

Als der Schladminger Vikar Johann Nepomuk Novak im Jahre 1805 mit der Schulaufsicht im Dekanatsbezirk Haus im Ennstal betraut wurde, herrschte im Lande eine große wirtschaftliche Not. Die Stelle des Schulaufsehers war keineswegs mit einer höheren finanziellen Dotierung verbunden, sondern man erachtete es von amtlicher Stelle aus für gegeben, dass der Schulaufseher seine mit diesem Amt verbundenen Mehrauslagen zunächst aus eigener Tasche bevorschusst, bis eine Refundierung von Amts wegen erfolgen würde. Leider dauerte dies aber oft ungebührlich lange, sodass zum Beispiel auch in unserem Falle Johann Nepomuk Novak gezwungen war, in aller Untertänigkeit sich an das „Hochansehnliche K.K. Gubernium" zu wenden und zu bitten, dass man ihm endlich seine Auslagen ersetzen möge.

Als dem Unterzeichneten die Schulaufsicht im Dekantsbereiche aufgetragen wurde, hatte man ihm nicht auchzugleich die Mittel angewiesen zur Bestreitung der Auslagen, welche das Amt nothwendig machen würde. Indessen ist das Einkommen des Pfarrvikars zu Schladming von der Beschaffenheit,daß er vor 12 Jahren in der Mitte zwischen Mangel und Oberflusß damit durchkam, jetzt aber bey den hohen Preisen alter Lebensmittel den Kaplan eine bessere Kost vergeblich wünschen lassen muß; desto unvermögender empfindet er sich zudem nicht unbeträchtlichen Aufwande wegen des ihm zugetheilten neuen amtes. Der unterthänigst Unterzeichnete bittet daher um den Ersatz der Ausgaben, die ihm in diesen Amtsgeschäften zugestanden werden mögen, das sind Briefgelder, Schreibmaterialien, und Beiahnung für Abschreiber, deren er sich nicht oft, aber nicht ganz entbehren kann.
Schladming den 21. Februar 1807.

Scheinbar bekam Novak auf dieses Schreiben keine Antwort, denn am 11. April 1807 urgiert er abermals an das Gubernium seine Außenstände und wird wegen der herrschenden Wirtschaftskrise im Land noch deutlicher:

Der Umstand, daß die Preise der Lebensmittel und hieimit auch der anderen Waaren und Arbeiten auf eine unegewöhnliche Höhe gestiegen sind, daß der Unterzeichnete alte Einnahmen in Papiergeld und im geringenTheil in Kupfermünze bezieht, mit welchen man beinahe zur Hälfte alles theuer bezahlen muß, daß auch die Verpflegung des Kaplans in diesen Umständen noch einmal so viel als vor 10 Jahren kostet, bringt der unterthänigst Unterzeichnete mit der Bitte umbaldigen Ersatz seiner aufgelauffenen Unkosten vor.

Die Feuersbrunst vom Jahre 1814 und ihre Auswirkungen auf den Unterricht

Die Brandkatastrophe vom 8. Juli 1814 erfasste auch das Schulgebäude und hatte noch infolge Geldmangels für den Wiederaufbau langjährige Folgen für den Schulunterricht. Die Beantwartung einer diesbezüglichen Anfrage des Grazer Ordinariates gibt hier über einen interessanten Aufschluss. Vier Jahre nach dem Brand wurde die Situation folgend geschildert:

Im verflossenen Schuljahr erhielt die Schuljugend den ganzen Sommercurs hindurch in dem unverletzt gebliebenen Schulzimmer des abgebrannten Schulhauses; im angefangenen Wintercurs, da das eigentliche Schulzimmer nicht beheizt werden kann, hat der Schulunterricht wiederum, wie schon mehrmals in der unteren Wohnung des Vicariatshauses, wo auch der Schullehrer einquartiert ist, angefangen.

Der Raum dieses winterlichen Schulzimmers beträgt in der Breite 3 Klafter und bey 3 ½ Klafter in der Länge. Bey der vermehrten Zahl der Schüler, an 100 stark, ob sie gleich halbtägigen Unterricht erhalten, ist der Raum doch nur zur Noth hinreichend. Ein Miethzimmer ist bey dieser Beschaffenheit des durch Feuer verunglückten Marktes in der Nähe nicht ausfindig zu machen. Demnach ist die Nothwendigekeit der Wiederherstellung des Schulhauses eine große."

Jacob Pachauer – ein langgedienter Schulmann

Die Dienstzeiten im Lehrberuf waren früher einmal keiner festen Regelung unterlegen und so kam es manchesmal auch vor, dass ein Schulmeister bis zum Ende seiner physischen Kräfte seinen Dienst verrichtete, wie es bei Musterlehrer Jacob Pachauer der Fall war. So sah sich der Dekanats-Administrator der Schuldistrikts-Aufsicht Haus im Ennstal, Constantin Keller, am 26. Februar 1825 veranlasst, sich an das Ordinariats-Offizium in Graz zu wenden und um die Dienstenthebung Pachauers anzusuchen und gleichzeitig die Verleihung einer Auszeichnung zu beantragen.

"Bey heranrückendem Sommercurse und immer zunehmender Altersschwäche des zu Schladming angestellten Musterlehrers Jacob Pachauer veranlaßt, untersteht sich die gefertigte Schuldistrikts-Aufsicht das aller unterthänigste Ansuchen zu machen, diesen Schuldienst ehestens durch öffentliche Blätter ausschreiben zu dürfen. Die Gründe, welche hierzu veranlassen sind:

1. Hat dieser in jeder Hinsicht ehrwürdige Schulmann Pachauer bereits das 73. Jahr seines Alters zurückgelegt und fängt nun an, durch gewaltige Abnahme seines Gesichtes und Gehöres beynahe selbst zum Kinde zu werden, nachdem er doch dem Schulfache durch volle 57 Jahre als Lehrer vorstand und selbst die Schule in Schladming durch 45 Jahre versah,

2. Wäre es wirklich in hohem Grade beklagenswerth, wenn diese aus 78 schulbesuchenden Kindern bestehende und durch ihren bisherigen Musterlehrer Pachauer eben so als durch ihren verdienstvollen und eifrigen Herrn Pfarrvikar und Katecheten Carl Rieger wirklich ausgezeichnete Schule wieder etwas von Ihrem gegenwärtigen Werthe verlieren oder wohl gar herabsinken sollte.

Da beyde dieser angeführten Gründe aber nicht nur das Dringende einer baldigen Wiederbesetzung der Schule zu Schladming durch einen neu anzustellenden Lehrer beweisen, sondern auch laut für die wirklichen Verdienste des alten Pachauer sprechen, so glaubt es der gefertigte Schuldistrikts-Aufseher sowohl dem durch 57 Jahre bey dem Lehrfache erwiesenen Eifer dieses Musterlehrers als auch der weiteren Beförderung desSchulfaches selbst wirklich schuldig zu sein, diesen ehrwürdigen Jacob Pachauer für die wohl ohnehin nur kurze Zeit seiner noch zu erwartenden Lebenstage für die gnädige Betheilung mit der kleinen goldenen Ehrenmedaille bestens anzuempfehlen und in Vorschlag zu bringen."

Quelle