Pfarrer von Aussee

Die Liste der Pfarrer von Aussee wurde von Pfarrer Dr. Markus J. Plöbst (1. September 199831. August 2004) zusammengestellt.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Kirche in Aussee wird mit ihrem Vikar bereits im Jahr 1301 bezeugt. Bezüglich der Mutterpfarre gibt es zwei Ansprüche: In Traunkirchen am Traunsee wurde dem Nonnenkloster 1181 die dortige Pfarre übertragen. Deren Patronatsrecht ging auf alle Pfarren des inneren Salzkammergutes über. In den sagenhaften Überlieferungen der „Chronik von Goisern“ scheint Bad Goisern als Mutterpfarre dieses Gebietes auf. Und auch rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Überlegungen sowie das in solchen Zusammenhängen aussagestarke Martinspatrozinium weisen auf Goisern als einen alten kirchlichen Zentralort hin. Im Spätmittelalter hatten sich innerhalb der ehemaligen vom Traunsee bis zum Kumitzberg reichenden Großpfarre Aussee und Hallstatt bereits verselbständigt. Die Kirchen von Ischl und Lauffen besaßen schon weitgehende Rechte, wurden als „Pfarren ohne Pfarrer“ aber noch von Goisern aus betreut.

Eine ländlich strukturierte Pfarre dürfte im Ausseerland bei der im 12. Jahrhundert erbauten Ägidiuskirche in Altaussee schon früh bestanden haben. Der Name der Gegend - „Wimm“ von Widum - Pfarrgut, weist darauf hin. Das heutige Bad Aussee wurde durch die Verlegung der Saline an den Zusammenfluß von Altausseer und Grundlseer Traun im 13. Jahrhundert mit seiner ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammenden Pauluskirche zentraler Pfarrort. Die Wimm kam an das Kloster Traunkirchen, die neue Pfarre war „industriell“ strukturiert und an die Saline gebunden (Reichungen an den Pfarrer aus der Maut).

Um die Besetzung der wirtschaftlich gut gestellten, angesehenen und begehrten Pfarre Aussee gab unterschiedliche Bemühungen. Die Äbtissin von Traunkirchen hatte als „Lehensfrau“ die Pfarre und die übrigen Pfarren des Salzkammergutes zu vergeben. Die Salzmagnaten im Kammergut waren als Vertreter des Landesfürsten Vögte der Kirchen. Auch sie meldeten immer stärker ihre Mitsprache bei der Besetzung an. In Aussee waren dies die Hallinger und später die Hallamtsverweser. Das lutherische Prinzip der Wahl des Pfarrers durch die Gemeinde kam dann in der Reformationszeit dazu. Das ist der Grund, weshalb man in der Namensliste jene Adelsfamilien findet, die auch bei den Nonnen und Äbtissinnen von Traunkirchen auftauchen (Polheim, Mühlwanger). Das Kloster versuchte einen ihm genehmen Priester für alle seine Pfarren zu finden. Das führte zu einem enormen Einkommen für nur einen adeligen Geistlichen. Er ließ sich in den verschiedenen Orten von Vikaren vertreten, selbst nannte er sich stolz „Kirchherr“.

Aber die Orte wiederum wollten lieber jeder einen eigenen, echten Pfarrer. Allerdings finden sich nur Vikare als gebürtige Ausseer. Da das Kloster Traunkirchen nach 1534 selbst protestantisch geworden war förderten Christoph Praunfalk sowie seine Nachfolger als Verweser nachdrücklich protestantische Bewerber. Mit dem Pfarrer wurde auch die Gemeinde protestantisch und blieb es für etwa 70 Jahre. Da folgten wichtige Veränderungen. Die Passauer Jesuiten, denen das ausgestorbene Stift Traunkirchen 1622 zugefallen war, erreichten 1674 die Herabstufung der Stiftspfarren zu bloßen Vikariaten. Noch nachhaltiger wirkte die Änderung der Diözesanzugehörigkeit durch Kaiser Joseph II.: Bis dahin gehörte Aussee zu Passau. Nun kam es, 1786, an die neue Diözese Leoben, die schließlich in Seckau aufging. Von da an findet man Pfarrer statt wie früher aus österreichischen (Lorch, Sierninghofen, Hallstatt) nun aus der Steiermark (Radkersburg, Tragöß usw.).

Die Pfarrer

  • 1301: Eberhard, „von Gottes Gnaden“ Vikar in Aussee, trägt den anspruchsvollen Titel vielleicht wegen einer höheren Würde.
  • 1333: Heinrich von Polheim, Domherr und Domdechant zu Freising, soll 1333 Pfarrer in Aussee gewesen sein.
  • 1386: Koloman Mühlwanger, Domherr zu Passau, erscheint 1386 bis ca. 1420 als Pfarrer von Traunkirchen und Kirchherr zu Aussee. Er war der Stifter der Leonhardkirche, und vor 1395 entstand das Heilig-Geist-Spital mit seiner Kirche.
  • 1425: Dietrich von Hammelburg, Domherr zu Passau und Pfarrer zu Traunkirchen, Professor und Rektor der Wiener Universität und Passauer Offizial, führte 1425 einen Briefwechsel mit seinen Ausseer Pfarrkindern.
  • 1429: Johann von Ebersdorf, Domherr zu Passau, 1429–1436 Pfarrer von Traunkirchen ohne Priesterweihe, prozessierte mit den Hallingern um das Opfergeld.
  • 1432: Heinrich Gurl erscheint 14321435 als sein Vikar in Aussee. Er dürfte einer einheimischen Familie entstammen.
  • 1432: Simon Kaspary soll 1432 Pfarrer von Aussee gewesen sein.
  • 1499: Erhard Grolock war 1499 Vikar und kaufte ein Haus zu Aussee.
  • 1502: Bernhard von Polheim, Domherr zu Passau, ohne höhere Weihen, 1487 und 1502 Pfarrer von Traunkirchen, 1500–1504 Administrator des Bistums Wien, urkundete 1502 für Aussee.

Beginn der evangelischen Pfarrer in Aussee

  • 1502: Hans Männdl war 1502 als dessen Stellvertreter „über das Gotteshaus und Pfarrkirchen St. Pauls Vicari und Seelsorger“.
  • 1508: Johann Prenner, Domherr und Kanzler in Passau und Inhaber weiterer Pfründen, war 1508 und 1515 Pfarrer von Traunkirchen und zugleich „rechter Pastor und Kirchherr“ in Aussee.
  • 1518: Sein Vikar war Heinrich Weißenfelder aus München, der 1518 starb.
  • 1521: Jakob Olemontan, Vikar in Aussee, riet 1521 dem Hallamtsverweser Ulrich Storch, das „Angstläuten“ am Donnerstag zu stiften.
  • 1528: Vikar Hans Piberger erscheint 1528 vor einer Visitationskommission und ist noch 1530 bezeugt.
  • 1533: Lienhard Kreutzer, 1528 in Pürgg als Priester erwähnt, wurde 1533 vom Verweser Christoph Praunfalk als Pfarrer eingesetzt. Er amtete noch 1545 und war der erste sicher protestantische Pfarrer von Aussee.
  • 1521: Der Ausseer Georg Aichelperger studierte 1513 in Ingolstadt, wurde 1521 zum Diakon geweiht und folgte auf Kreutzer. Als zu altgläubig wurde er 1553 auf die Spitalkaplanei abgeschoben und starb 1558.
  • 1541: Johann Löferll wurde nach protestantischer Ordnung von Verweser, Richter und Rat sowie den Viertelleuten „aufgenommen und erwählt“ und starb 1577. Er richtete statt der „päpstischen“ eine „christliche“ (protestantische) Gottesdienstordnung ein.
  • 1577: Achaz Daimer aus Regensburg wurde von der Landschaft in Graz dem Verweser zugeschickt und wirkte 1577–1580, kehrte nach Regensburg zurück und wurde Prediger in Dürnkrut. Verweser Hohenwart bezeugte 1580, dass Daimer sein Amt gemäß dem Augsburger Bekenntnis geführt hatte.
  • 1585: Christoph Schwaiger erscheint 1585 als Pfarrer, 1595 aber schon als „der alte Pfarrherr“. Seine Söhne studierten in Wittenberg und stehen als „Steirer“ und „Ausseer“ in der dortigen Universitätsmatrikel: Christoph 1589 und Johannes 1594.
  • 1586: Johann Deltzer aus Donauwörth, 1581 in Graz von Jeremias Homberger ordiniert, dann erster Pfarrer zu St. Jakob in der Au, wurde 1586 vom Verweser nach Aussee geholt. Mit Hans Schwaiger (Sohn des Vorgängers) wurde dieser letzte evangelische Pfarrer der Reformationszeit am 2. Jänner 1599 in die Acht und für vogelfrei erklärt. Später wirkte er in Donauwörth.

Wieder katholische Pfarrer

  • 1599: Als erster wieder katholischer Pfarrer wurde am 7. November 1599 Esaias Haupt von der Reformationskommission eingesetzt und dann vom Passauer Administrator bestätigt. „Der erste confirmirte Pfarrer zue Aussee, hat nach zway Jahren auch apostatirt.
  • 1603: Dem geflohenen und protestantisch gewordenen Haupt folgte 1603–1605 Hans Stainherr. In den folgenden Jahren ist die Pfarrerliste weithin unsicher und lückenhaft.
  • 1605: Matthias Molitor, 1605–1611 konfirmierter Pfarrer, wurde vom Gmundner Salzamtmann Veit Spindler dem Ausseer Verweser Gartner und über ihn dem Traunkirchner Administrator empfohlen. Er resignierte unter massivem Druck des Grazer Hofes.
  • 1610: Matthias Ripscher, Mag.art.lib. et phil., Chormeister und Stadtprediger zu Pettau, wurde von Ferdinand II., der 1609 einige Tage in Aussee weilte, wegen der Untauglichkeit Molitors 1610 nach Aussee befohlen und 1611 auch kirchlich eingesetzt. Er starb 1615.
  • 1615: Michael Münch war 1615–1619 Pfarrer.
  • 1619: Beiträge der gewesenen Pfarrer Karl Zandt, Samuel Benignius und Theodor Serfatius halfen, den „abgekommenen“ Pfarrhof instandzusetzen. Benignius ist 1619 und Serfatius 1619 – 1622 belegt.
  • 1622: Unter Pfarrer Vitus Hofner, 1622–1636, wurden das Kloster Traunkirchen und die Kammergutspfarren dem Passauer Jesuitenkolleg inkorporiert. Neues Kunstschaffen zeigen die Stationskapelle (Kreuztragung) bei St. Leonhard 1628 und drei steinerne Säulen auf dem Weg dorthin.
  • 1636: Johann Megglin, aus Kempten stammend, wurde 1636 noch vom Passauer Fürstbischof als Pfarrer eingesetzt und starb als solcher 1664. Unter ihm wurden 1652 vier Altäre geweiht und die gesamte Bevölkerung gefirmt.
  • 1664: Auch Andreas Sylli (1664–1705) wurde noch als Pfarrer eingesetzt (parochus Ausseensis confirmatus). Er war Apostolischer Protonotar. Die Dreifaltigkeitssäule und -prozession wurden 1679 gestiftet, der heute in der Salzbergkapelle stehende Altar ist laut Inschrift eine Widmung Syllis von 1695, der 76-jährig starb. Wegen des Streites mit den Jesuiten, die 1674 die Behandlung der Kammergutspfarren als bloße Vikariate erreichten, dauerte die folgende Vakanz drei Jahre.
  • 1708: Johann Simon Altenhofer, Dr.phil. et Bacc. theol., in Lorch 1670 geboren, war 1708–1743 nur mehr Vikar der Jesuiten. Die Pfarrkirche erhielt 1735 die heutigen Kreuzwegbilder, in St. Leonhard wurde 1732 der Kalvarienberg errichtet und 1740 die Seitenaltäre geschaffen. Altenhofer schuf 1722 die Josefikapelle und stiftete an ihr ein Benefizium (Meßpriesterstelle).
  • 1743: Johann Heinrich Leitgeb, Dr.art. lib. et phil., aus Sierninghofen bei Steyr, folgte als Vikar 1743–1750. Damals entstanden die drei Rundkapellen am Weg nach St. Leonhard. Von Leitgebs Bildung zeugen noch beachtliche Bücherschätze im Pfarrhof. Er starb 65-jährig.
  • 1750: Unter Leopold Andreas Menhardt, 1750 – 1780, wurde Aussee durch die Aufhebung des Jesiutenordens (1773) wieder zur selbständigen Pfarre. Altaussee wurde 1770 zu einem eigenen Vikariat zur Bekehrung der Geheimprotestanten.

Die Zeit der Dechanten beginnt

  • 1780: Johann Adam Lutz, vorher Kaplan in Altmünster und Vikar in Altaussee, dann in Aussee 1780–1795, erlebte den Übergang von der Diözese Passau an die neuen Diözesen Linz (1784) und Leoben (1786). Er war auch der erste Dechant von Aussee, als welcher er 65-jährig starb.
  • 1795: Johann Nepomuk von Reichenau, * 1751 als Sohn des Hallamts-Waldmeisters Karl J. A. von R. zu Hallstatt, war 1795 – 1813 Dechant von Aussee, wo die Familie vorübergehend das „Meranhaus“ besaß. Erzherzog Johann von Österreich bezeichnete ihn als „ehrwürdigen Priester“.
  • 1814: Franz Seraph Kuglmayr, Dr. phil. et Lic. theol., * 1756 in Radkersburg, 1776 in Pöllau als Chorherr eingekleidet, 1793 Stadtpfarrer von Rottenmann, war ein Bruder des Abtes Gotthard Kuglmayr des Benediktinerstifts Admont, wurde 1814 Dechant. Durch mehrere Jahre blind, starb er 1843.
  • 1843: Matthias Gruber, * 1799 in swiki:Hofgastein, Priester 1826 in Salzburg, wurde Stadtpfarrer am dortigen Bürgerspital und fürsterzbischöflicher geistlicher Rat, ging aber als Dechant (1843–1847) nach Aussee und war auch Schuldistriktsaufseher. Fürstbischof Zängerle holte ihn 1847 als Domherrn nach Graz, wo er 1854 starb.
  • 1847: Vinzenz Mann, 1847–1868, Konsistorialrat, Kreisdechant und Schuldistriktsaufseher, war auch in Landwirtschaftsgesellschaften tätig. Erzherzog Johann schätzte sein gutmütiges und originelles Wesen und nahm gern mit Frau und Sohn im Lusthäuschen des Pfarrhofes ein Frühstück ein.
  • 1868: Simon Hammer, Dechant 1868–1892, brachte mit seinen Kaplänen neue Töne ins Pfarrleben: Ein katholischer Gesellenverein entstand 1869, ferner ein katholischer Arbeiterverein und die von den Kreuzschwestern geleitete Kinderbewahranstalt mit Handarbeitsschule (Josephinum). In Grundlsee wurde 1888–1890 die Herz-Jesu-Kirche (heutige Pfarrkirche) erbaut.
  • 1892: Anton Marx, * 1839 in Tragöß, Priester 1864, Dechant 1892–1912, schuf viel Neues in der Kirche: Orgel von swiki:Matthäus Mauracher II. in Salzburg, Altarmensen aus Marmor, Speisgitter und Taufstein, neuer Fußboden. Auf dem Neuperfeld wurde 1908 die evangelische Kirche eingeweiht.
  • 1913: Anton Mader, * 1870 in Graz, Priester 1894, war Kaplan in Aussee, Pfarrer in Mitterndorf und seit 1913 Dechant von Aussee. Sein stilles, zurückgezogenes Wirken fand Anerkennung durch die Titel eines fürstbischöflichen Konsistorialrates und päpstlichen Geheimkämmerers (Monsignore). Nach dem Umbruch von 1938 resignierte Mader und zog sich in seine Heimatstadt zurück.
  • 1938: Adolf Hütter, * 1896 in Gnas, Priester 1921, war Kaplan u.a. in Graz-Karlau und wurde im Herbst 1938 Dechant. Die Pfarre führte er grundsatztreu und umsichtig in der Zeit des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit. Nach einem Schlaganfall starb Dechant Hütter am Allerheiligentag 1967.
  • 1952: Zum zweiten Mal wurde Aussee Mutterpfarre: Grundlsee verselbständigte sich nach dem Krieg, zuerst als Stationskaplanei, schließlich als eigene Pfarre.
  • 1968: Franz Gölles entstammt einer Familie im oststeirischen Feldbach, aus der drei Priester und zwei Ordensschwestern hervorgingen. Geboren 1928, Priester 1952, wurde er nach Jahren als Kaplan (u.a. im Grazer Dom) und Religionslehrer im Jänner 1968 als Pfarrer installiert und nachfolgend zum Dechant ernannt. In seiner langen Amtszeit fand er stets den persönlichen Kontakt zu allen Bevölkerungsschichten und pflegte ihn auch nach der krankheitsbedingten Resignation (1998) weiter. Bischof Weber ernannte ihn zum Geistlichen Rat. Dechant Gölles starb am 24. Februar 2004.
  • 1998: Markus Josef Plöbst, Bacc. phil. et Mag. theol. et Dr. theol., * 1963 in Knittelfeld, Priester 1992, war als Diakon im Grazer Dom, als Kaplan in Murau und Trofaiach tätig. Seit 1. September 1998 Pfarrer. Nach allzu kurzer Amtszeit wurde Dr. Plöbst mit 1. September 2004 in die Stadtpfarre Leoben versetzt und gleichzeitig zum Seelsorger der Montanuniversität und zum Rektor der Jakobikirche bestellt.
  • 2004: Von 1. September 2004 bis ? Edmund Muhrer, Mag. theol.
  •  ?: Dr. Michael Unger

Weitere Geistliche

  • Am 1. August 1902 traten Franz Schweighofer und Martin Partl eine Kaplanstelle in Aussee an.[1]
  • 1933 scheint ein Pfarrer Meisenbichler in einer Quelle auf.[2]

Quelle

  • www.ausseerlandpfarren.at: Karl Amon, Hannes P. Naschenweng: Pfarrer – Kirchherren – Vikare. Die Pfarrer zu Aussee in sieben Jahrhunderten. in: Beilage zum Ausseerland Pfarrblatt, Jg. 52, 2004, Nr. 7/8, Juli/August 2004

Einzelnachweise

  1. Quelle ANNO, Grazer Volksblatt, Seite 6
  2. Quelle ANNO, Frauen-Kalender, Ausgabe 1933, Seite 98