Peter Brandl

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Peter Brandl (* 18. Jänner 1913 in Mariazell) ist gelernter Tischler und der Erbauer der Oberst-Klinke-Hütte.

Leben

Der Alpenverein Sektion Admont hatte Peter Brandl am Dienstag, 10. August 1999 zu einem Besuch auf die Oberst-Klinke-Hütte eingeladen. Am Bahnhof Selzthal wurde er von Altbürgermeister Martin Petritsch abgeholt und gemeinsam ging es zur Hütte. Dort erwartete die beiden der Obmann der Sektion Admont des Alpenvereines, Baumeister Hans Cermak, und der Kassier, Ing. Robert Krauß. Bei diesem Treffen erzählte Peter Brandl aus seinem Leben.

Brandl war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als Soldat beim damaligen österreichischen Bundesheer. Und war als "Werksoldat" bei einer Sondereinheit. Als "Werksoldaten" bezeichnete man Soldaten, denen man aus politischen Gründen nicht vertraute und ihnen daher lieber einen Spaten als ein Gewehr in die Hand drückte. Nach dem Anschluss im Juli 1938 wurde er von der Deutschen Wehrmacht übernommen und nach Admont abkommandiert.

Bei seiner Ankunft am Bahnhof Admont wurde er von einem Zivilisten nach seiner Einheit und dem Grund seines Aufenthalts in Admont gefragt. "Das geht Sie einen Dreck an" antwortete ihm Brandl – der Zivilist war sein Kommandeur, der damalige Oberstleutnant Rudolf Klinke. Trotz dieser rüden Begrüßung entwickelte sich ein gutes, kameradschaftliches Verhältnis zwischen den beiden. Klinke wohnte wohnte damals in dem Haus, welches heute (Stand 2000) Marianne Habersatter, der Witwe des Gemeindebediensteten Peter Habersatter, gehört. Dort war auch das Offizierskasino untergebracht gewesen. Auch das damalige Gasthaus Müllerwirt, in dem später die Tischlerei der Familie Mayer war, war von den Soldaten gerne besucht. Peter Brandl wohnte aber im Hofrichterhaus über dem Gendarmeriebeamten Strohmaier. Später konnte Brandl vom späteren Gastwirt und Fleischhauer Poldl Gehr nach dessen Unfall sehr günstig ein Motorrad erwerben.

Brandl war zum Bau des Wehrmachtslagers eingeteilt. Oberstleutnant Klinke war als ehemaliger Leiter der Hochgebirgsschule des Österreichischen Bundesheeres in Fulpmes für diesen Bau als geeignet empfunden und abkommandiert worden. Immer mehr Arbeitssoldaten wurden nach Admont abkommandiert, bis ihre Zahl 200 Mann erreichte. Im Spätherbst 1938 waren die Arbeiten im Wesentlichen abgeschlossen und das Barackenlager stand. Anfang Dezember 1938 rückten die ersten Rekruten ein.

Im Jänner 1939 fanden auf der Grabneralm und auf der Forchneralm die ersten Skikurse für die Gebirgsjäger, Ende März 1939 dann ein Ski- und Eislehrgang für Offiziere in der Kürsingerhütte auf 1 800 m ü. A. am Großvendiger im Salzburger Land statt. Leiter war Obstlt. Rudolf Klinke. Brandl musste nach seinen Anweisungen den Dienstplan abwickeln. Ende März bemerkte Klinke gegenüber Brandl, er hätte mit "etwas vor". Kurz darauf fragte er mich, ob Brandl ein Motorrad besäße – besaß er, siehe oben – kurz vorher von Leopold Gehr gekauft. Klinke befahl ihm, Benzin beim Schirrmeister zu tanken und nach Oberösterreich zu fahren, wo er möglichst viele Vierkanthöfe genau besichtigen sollte. Warum, das erfuhr Brandl nicht. Zurückgekehrt von dieser Aufgabe, erteilte im Klinke den Auftrag, dass er als Bauleiter für die Errichtung einer Hütte vorgesehen sei. Mit 1. Mai 1939 begannen die Bauarbeiten mit 60 Mann, die in der Poschhütte auf der Kaiserau untergebracht waren.

Zunächst wurde eine Bauhütte am ausersehenen Bauplatz unter dem Kaiblingboden errichtet. Bis zur Poschhütte brachten Lkw das Material, von dort ging es teilweise mit Tragtieren, teilweise aber auch von den Soldaten getragen, weiter. So konnten lange Bretter nicht den Tragtieren aufgebunden werden. Die Fundamente der Hütte wurden 80 cm tief in den felsigen Boden versenkt. Die dazu notwendigen Steine wurden aus dem Eisloch geholt. Besonders schwierig gestaltete sich die Beschaffung des Zements, von dem 400 Säcke notwendig waren. Da der Bau zügig voranging, versprach der zufriedene Klinke pro Woche ein 50-Liter-Fass Bier. Auch gestattete er den Arbeitern, in einer Woche bis Samstag zu arbeiten, um in der darauf folgenden Woche bereits am Donnerstagabend aufhören zu dürfen.

Ende August 1939 erhielt Brandl in der Nacht von Obstlt. Klinke den Befehl, wegen verschiedener Ereignisse nicht mehr an der Hütte weiterzubauen, sondern mit acht Mann die Bausubstanz so zu sichern, dass sie durch die Witterung auch im Winter keinen Schaden erleiden könne. Diese Sicherungsarbeiten dauerten sechs Wochen. In der Zwischenzeit hatte mit dem Polenfeldzug der Zweite Weltkrieg begonnen. Sein Bataillon lag Anfang November 1939 an der Mosel, wohin die Mannschaft von Admont kommandiert wurde. Peter Brandl wurde wurde als ZbV (Zur besonderen Verwendung) dem Pionierzug zugeteilt. Der nach dem Polenfeldzug zum Oberst beförderte Rudolf Klinke verstarb in Koblenz an einer Lungenembolie.


Die weiteren Stationen Brandls im Krieg waren die Teilnahme am Norwegenfeldzug, wo er in Tromsø mit einem Arbeitskommando eine Lederfabrik in eine Kaserne umzubauen hatte. Dann erbaute er am Berg in Tromsø einen Schießplatz. Auf Anforderung durch Oberst Alexander Götz, der in Admont Kommandeur des Ersatzbataillons war, wurde er dorthin abkommandiert. Dort wurde er mit der Fertigstellung des Baus der heutigen Oberst-Klinke-Hütte beauftragt. Mit etwa zehn bis zwölf Mann und Arbeitskräften der Firma Pitzer aus Rottenmann wurden die Arbeiten durchgeführt. Es gab von dieser Firma ein Waldgatter, mit dem die Bretter und Pfosten an Ort und Stelle geschnitten wurden. Als die Hütte fertig war, wurde sie der Luftwaffe als Erholungsstätte verpachtet. Später verpachtete der Bergsportverein Gesäuse die Hütte an die Gebirgsjäger. Brandl war der Verwalter der Hütte. Juni 1943 kam er zum Ersatzbataillon nach Tessendorf bei Klagenfurt und von dort am 1. August 1943 zur 3. Gebirgsdivision bei Debalcewo. Mehrmals verwundet kam Brandl im Februar 1944 dann nach Graz in das Reservelazarett Ursulinen in der Leonhardstraße. Nach seiner Entlassung aus dem Lazarett wurde er nach Salzburg zum Ers. Pi. Btl. 83 kommandiert. Der Kommandeur des XVII. AK., General Julius Ringel, dessen Söhnen Brandl in der Militarschwimmschule Graz Schwimmunterricht gegeben hatte, ermöglichte Brandl die Versetzung nach Admont.

Das Kriegsende war für Brandl abenteuerlich. Er sollte von Admont aus in Kalsdorf bei Graz Munition holen, wo er aber erfuhr, dass der Krieg zu Ende war, und keine Munition mehr bekam. Am 8. Mai schlug er sich von Kalsdorf auf die Kaiserau durch, wo er beim Ehepaar Steinberger in der Nagelschmiede Unterkunft fand. In Zivilkleidung ging er nach Admont und meldete sich bei seinem Kommandeur Mjr. Schulte Nichtring. Sein Kommando war im Zuge des Unternehmens "Alpenfestung" im Hotel Laufenstein unter Oberst von der Damerau in Mariazell. Mjr. Schulte Nichtring fuhr nach Mariazell, Brandl mit Waffen auf die Kaiserau, um sie dort in den Sägescharten einer alten Säge zu verstecken. Das hatte ihm dann im November 1945 die Verdächtigung als Werwolf gebracht, wozu er in Graz im November 1945 von der Staatspolizei im Haus Parkring 4 von dort amtierenden Kommunisten verhört wurde.

Quelle