Percht (Brauch)

Aus EnnstalWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Musikalische "Perchtln" in Tracht bei Prof. Dr. Josef Hasitschka in Admont
Zwei Perchtln bei Grete Karner vlg. Brückenbauer in Aich
"Peschtln" in Johnsbach: Der abschließende "Polsterltanz" der Johnsbacher Peschtln beim Kölblwirt
Perchten am Perchtltag 2005 in Kaindorf am Mitterberg

Die Percht(a) ist eine uralte mystische Figur aus der sich unsere Perchten entwickelten.

Geschichte

Diese mystische Göttin ist unter vielen Namen bekannt, im Alpenraum unter Percht, Berchta oder Berta. Der Legende nach wohnt sie im Holunderstrauch. Dieser wiederum hat seinen Namen vom altdeutschen holuntar und bedeutet Baum der Frau Holle. Auch in Orts- und Straßennamen findet sich die Percht wie beispielsweise in Perchtoldsdorf, Berchtesgarden (der 'Garten der Percht'), Hollabrunn (Brunnen der Holle), die Prechtlgasse und der Schwarzenbergplatz (Platz der schwarzen Percht) in Wien; im Wappen der oberösterreichischen die Stadt Perg zeigt sogar die alten Farben der dreifaltigen Göttin (weiß, rot, schwarz).

In Sagen tritt sie häuft im Zusammenhang mit toten Seelen auf oder holt die Seelen der Sterbenden zu sich. Als Wintergöttin tritt sie in den Raunächten zwischen 25. Dezember und 6. Jänner in Erscheinung. Sie steigt von den Bergen ins Tal herunter, wo sie aufgrund ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinn nach dem Rechten sieht. Dabei greift sie auch zu drastischen Mittel und braust mit ihrem Wilden Heer wie ein Sturm durch das Land. Freche oder brutale Männer bestraft sie auf ihren Touren, reißt Zäune und Bäume nieder oder lässt Fenster zerspringen. Betrunkene erschreckt sie zu Tode oder stößt sie in den Straßengraben.

Aber Frauen und Kinder beschützt sie.

Die Spindel wird ihr als Attribut zugeordnet, was sie als alte und mächtige Göttin ausweist. Sie kommt daher auch in europäischen Märchen oft vor, wie z. B. in "Dornröschen" oder "Pechmarie und Goldmarie".

Sie war auch Wegweiser in früheren Zeiten, was das Verhalten am Höhepunkt der kalten Jahreszeit angeht. In den Raunächten durfte nicht gewaschen, gesponnen, gewebt geputzt - sie sorgte somit Schutzgöttin der Frauen dafür, dass die Frauen ein Zeit der Ruhe hatten.

Manchmal findet man noch den schönen Brauch, dass für die Percht und ihr Gefolge Speisen wie Milch oder Hirsebrei in Raunächten ins Freie gestellt werden. Waren die Schüsseln am nächsten Morgen leer gegessen und getrunken, wurde als gutes Omen für Haus und Hof gedeutet. Die Percht in Form der Frau Holle gilt nämlich auch als Beschützerin von Haus und Hof und deren Bewohnern. Man konnte Frau Percht auch nächtens mit den Ärmsten von Haus zu Haus ziehen sehen, wo sich diese satt essen konnten.

Wer einen Hollerstrauch - ihren Wohnort - umschneidet zieht sich ihren Zorn zu.

Ber(ch)ta - Perchten

Ber(ch)ta ist eine weiblich Katechese-Figur, die Theologen kennen. Sie ist als alte, langnasige und bucklige Frau seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Sie hatte jene Aufgaben, die später auf den Nikolaus übergingen.

Es gibt aber auch Meinungen, dass der Begriff P-/Bercht vom althochdeutschen Wort der Epiphaniasnacht herrührt: giperahta naht, im Mittelhochdeutschen perhtenath. Um 1000 tauchte diese Bezeichnung erstmals in Glossaren des Klosters Mondsee in Glossaren[1] auf. In giperahta steckt das althochdeutsche Wort peraht, das glänzend, hell bedeutet. Somit könnten Perchten eine allegorische[2] Verkörperung der Ephiphanie sein. Aber sie könnten auch die Verkörperung vorchristlicher Maskengestalten darstellen. Oder eben an die eingangs beschriebene Frau Percht erinnern.

Perchtengestalten spielten häufig in Heischebräuchen eine wichtige Rolle.

Percht(en) im Bezirk Liezen

Perchtln, wie sie im oberen Ennstal genannt werden, sind mehrheitlich dunkel oder schwarz gekleidet, meist in langen Frauenkleidern, Dirndln oder Röcken. Mit Besen oder Staubtüchern reinigen sie symbolisch, wobei ihr Gesicht mit Tüchern oder einem Strumpf vermummt ist. Um hinter die Identität der Perchtl zu kommen, bieten die Hausleute ihnen alkoholische Getränke an und hoffen auf Abnahme ihrer Vermummung.

Finden Perchtl in einem Haus noch einen Holzherd, so inspizieren sie die Aschenlade. Ist sie voll wird sie übadraht und ausg'ramt.

In Pichl-Preunegg sind Perchten bereits eine historische Sache, denn man kann sich nur mehr an gelegentliche Schnabelperchten erinnern.

Im mittleren Ennstal kann man rote und schwarze Perchten sein. Ihre Reinigungsgeräte haben sich teilweise der Zeit angepasst und bestehen aus Tischstaubsaugern oder Wegwerf-Reiniger. Auch im mittleren Ennstal gilt das Schweigegebot. In Irdning, Lassing und Aigen im Ennstal kann man weiße Perchtl auch mit einer Puppe sehen. Diese drücken sie Frauen in die Hand. Denn, wer sie nimmt, bekommt im nächsten Jahr ein Kind so die Volksmeinung.

In Trachtenkleidung wiederum treten die Perchten in Hall und Johnsbach auf. 2006 sah man in Admont eine blasmusikalische Perchtlpass. Auch in Johnsbach begleiten je eine Musik die beiden Gruppen. Sie klopfen an Haustüren und bitten mit den Worten Die Peschtln warn wieder då, derf ma einikemma? um Einlass. Dann treten zunächst die Musiker ein und dann tritt der Schuachputzer herein und die anderen tanzen herein. Die Perchtnacht wird in Johnsbach mit dem Treffen der beiden Gruppen beim Kölblwirt und dem Polsterltanz mit Demaskierung beendet.

Nach Hexenart gekleidet und stumm sind die Perchten in Gams bei Hieflau. Selten sieht man Perchten in Palfau, unüblich sind sie in Altenmarkt bei Sankt Gallen, Weißenbach an der Enns, Sankt Gallen, Landl und Wildalpen. Im Paltental gibt es sie und in Dietmannsdorf in Trieben gehen oft Harmonikaspieler mit den Passen. In Gaishorn am See und Treglwang sind sie dann wieder still.

Weitere Eigenheiten im Bezirk Liezen

Quellen

Fußnoten

  1. begriffserklärende Verzeichnisse
  2. Zeichen einer anderen Sache


Ein Beitrag im Rahmen des Leader-Projekts "Heimatkunde - heimatkundig"
Heimatkunde heimatkundig Leader Projekt Logoleiste.jpg