Paul Adler

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Paul Adler (* 23. Jänner 1770 in Mühlreith; † 16. September 1843 in Mühlreith) war Landwirt vulgo Christoph in Heimreith in der Pfarre Kumitz im Hinterbergertal.

Leben

Er wohnte in Heimreith Haus Nr. 10, wo sein Sohn noch im hohen Alter ein Päckchen Briefe seines Vaters als theuren Schatz hütete: Briefe von Erzherzog Johann von Österreich an Paul Adler.

Paul Adler hatte ausdrücklich die Genehmigung vom Erzherzog erhalten, die Briefe aufheben zu dürfen (!).

Die Briefe sind datiert vom Brandhof, Vordernberg, Wien und von einem Weinberg bei Marburg. Der älteste stammt aus Vordernberg und wurde am 11. Oktober 1824 vom Erzherzog geschrieben. Die Schreibweise ist ungemein treuherzig und gemüthlich (Zitat Quelle). Jeder Brief beginnt mit den schlichten Worten "Mein Lieber Paul!" und endet ebenso einfach mit den Worten "**Dein aufrichtiger und gewogener Johann."

Einmal sprach der kaiserliche Prinz seinem bäuerlichen Freund Mut in einem Brief zu: "Wenn der Paul mir schreibet, so geschehe es ganz gerade, wozu es anderen zeigen - wir werden uns schon gut verstehen.**" In den meisten Briefen handelte es von der Landwirtschaft: von Zuchtstieren, Kälbern und Kühen, von Getreide und besonders von den Erdäpfeln.

Niemals unterlässt er, über's Wetter zu berichten und zwar meistens in klagendem Ton - er klagt über Kälte, Regen, Schnee und Dürre. Einmal, 1824, bedankte er sich für gesendete Alpenlieder und bestellte sich aus Hinterberg (so heißt die Gegend zwischen dem Ausseerland und dem Grimmingstock) eine Kuhmagd, über welche er bemerkt: "Sie muß verläßlich, rücksichtlich der Treue, Ordnung und Reinlichkeit sein - am allerwenigsten könnte ich eine in meinem Hause dulden, welche das Herumlaufen und das Nachgehen eitlen Unterhaltungen gewohnt wäre, du weißt es ohnedieß Paul, daß es bei mir einfach und altväterlich zugeht." So schrieb Johann aus Vodernberg in der Blütezeit der steirischen Hammerherren.

In einem Brief aus Wien vom 19. Jänner 1826 erklärte er sich als Landsmann des guten Hinterberger Bauers, dem er anmerkte: "Ich bin jetzt in Wien, wo man ganz anders lebt, als wie bei uns, wenigstens gewiß nicht so einfach und ruhig."

Aber nicht nur Briefe schrieb der Erzherzog

Der Erzherzog beehrte seinen Freund aber nicht nur mit Briefen sondern,so oft er nach Aussee kam, besuchte er ihn auch in seinem, damals noch hölzernen, sehr baufälligen Haus in Heimreith. Durch ihn ließ er die Zuchtstiere und Kälber sowie Samenerdäpfel unter die Leute in Hinterberg und am Grundlsee verteilen. Auch Bücher ließ er verteilte. Das mag ein Grund dafür sein, das sich große Leselust in diesem Gebiet ausbreitete und die Schulen verhältnismäßig gut besucht wurden.

Aber nicht nur in der Landwirtschaft kannte sich Paul Adler gut aus. Er konnte auch Orgel spielen und war lange Zeit mangels eines musikkundigen Schullehrers in seiner Pfarrkirche Organist.

Paul Adler wurde von dem damals berühmten Ökonomen Constantin Keller, der Pfarrer in Gröbming war, begraben. Das Portrait von Adler hängt im Universalmuseum Joanneum in Graz.

Quellen

  • ANNO, Grazer Volksblatt, Ausgabe vom 15. Februar 1872, Seite 7
  • Pfarrmatriken der Pfarre Kumnitz