Pürgschachen Moor und ennsnahe Bereiche

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Das Pürgschachen Moor und ennsnahe Bereiche stellen das Europaschutzgebiet Nr. 6 dar.

Das Europaschutzgebiet

Das Natura-2000-Gebiet Pürgschachener Moor (auch Pürgschachen Moos) wurde mit Entscheidung der Europäischen Kommission vom 22. Dezember 2003 zusammen mit den ennsnahe Bereichen zwischen Selzthal und dem Gesäuseeingang zum Europaschutzgebiet Nr. 6 erklärt.

Die Steiermärkische Landesregierung hat aber erst mit dem Landesgesetzblatt 81 vom Juni 2006 eine "Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 22. Mai 2006 über die Erklärung des Gebietes „Pürgschachen-Moos und ennsnahe Bereiche zwischen Selzthal und dem Gesäuseeingang“ (AT 2205000) zum Europaschutzgebiet Nr. 6 herausgegeben[1].

Charakteristik

Der Charakter des inneralpinen, in einer tektonisch determinierten und glazial überprägten West-Ost-Furche verlaufenden Längstales setzt sich im steirischen Ennstal östlich von Liezen bis zum Gesäuseeingang fort. Die Breite des mit diluvialen Sedimenten aufgefüllten Talbodens umfasst 1,2 bis 1,5 Kilometer.

Der Ennsfluss mäandrierte einst infolge des sehr geringen Gefälles in weiten Schlingen von einer Talseite zur anderen, wobei die aus verlandeten, flachen nacheiszeitlichen Seen entstandenen Talmoore umflossen wurden.

In den Jahren 1863 bis 1870 wurde die große Ennsregulierung durchgeführt und dabei die meisten Flussschlingen abgetrennt. Im Raum Ardning - Admont - Gesäuse waren dies: Mödringer Durchstich, Frauenberger Durchstich, Pichlmaier Durchstich, Sauhapen Durchstich, Admonter Durchstich, Kornbauer Durchstich, Kader Durchstich, Grabner Durchstich und Simmerbauer Durchstich.

In der Folge verblieben zahlreiche wassergefüllte Altarme, welche zur Verlandung preisgegeben wurden. Deren Reste sowie die zahlreichen, in den alten Flussbetten entstandenen Streuwiesen mit Phragmition-, Magnocaricion- oder Molinion-Gesellschaften zählen heute zu den wertvollsten Refugien für gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten.

Von den zahlreichen, perlschnurartig aneinandergereihten, großen Talmooren des Ennstales blieben infolge Entwässerung, Torfstich und Aufforstung meist nur mehr degenerierte Reste erhalten (Selzthaler Moos, Frauenberger Moos, Pichlmaier Moos, Admonter Moos, Krumauer Moos).

Die einzige Ausnahme bildet das Pürgschachen Moos, welches noch weitgehend den ursprünglichen Charakter eines Latschenhochmoores mit Bulten und Schlenken, einschließlich der typischen Pflanzengesellschaften caricetum limosae, sphagnetum magellanici und pino mugo-sphagnetum magellanici, aufweist.

Südlich und östlich des Pürgschachen Moores blieben drei Flusswindungen bis zum Mödringer Durchstich erhalten. An der ersten, unmittelbar südlich des Pürgschachen Moores befindet sich der unter Naturschutz stehende, etwa 1,5 ha große Auwaldrest beim Klausner. Es ist dies eine Grauerlen-Silberweidenau mit mächtigen Bäumen. Die forstliche Nutzung ist hier eingestellt. Die Verjüngung des Auwaldes wird durch den Schutz eines abgrenzenden Weidezaunes gewährleistet. Altholz- und Totholzbestände bilden Reliktbiotope für xylobionte Insekten. Die Feuchthaltung des Auenbodens wird durch alljährlich wiederkehrendes Hochwasser des Ennsflusses und Bärengrabenbaches bewirkt.

Flussabwärts ist der nächste bedeutende Feuchtgebietskomplex des Mödringer Altarmes bei Frauenberg mit Auwaldresten und mehreren hervorragenden Iris sibirica-Orchideen-Wiesen. Besonders am Innenbogen befinden sich ausgedehnte Röhrichtzonen mit phragmites australis, carex elata und iris sibirica. Der stellenweise von Fichtenaufforstungen durchsetzte Auwald gehört dem Typus Grauerlen-Silberweiden bzw. Grauerlen-Eschen-Auwald an.

Im Gebiet der Mooswiesen, westlich der Frauenberger Landesstraße nach Aigen in Admont befinden sich einige Flächen mit Phragmition (iris sibirica), Molinion und Polygono-Trisetion.

Der nächste bemerkenswerte Feuchtgebietskomplex liegt im Gebiet des Pichlmaier Durchstiches sowie im Gebiet des Sauhapen Durchstiches (Cordon-Altarm), nördlich des Anwesens Wolfsbacher, ebenfalls in Aigen in Admont.

Im ersten Gebiet befinden sich entlang des ehemaligen Enns-Außenbogens noch bedeutende Phragmition-Röhrichte, Großseggenrieder, Arzneibaldrian-Mädesüß-Fluren sowie einzelne kleine Wasserflächen. Weiter im Osten folgen etwas großflächigere Phragmition-, Iris- und Mädesüßröhrichte.

Im eigentlichen Cordon-Altarm existiert ein vielfältiges und artenreiches Biotopmosaik, bestehend aus Großseggenriedern, Kleinseggenriedern, Phragmition-Röhrichten mit großflächigen iris sibirica-Beständen, Sumpfreitgras-Schilfbeständen, Großseggenriedern mit Calmus und iris pseudacorus, einem sphagnum cuspidatum Schwingrasen mit einem Massenbestand von lysimachia thyrsiflora (Seltenheit! Gefährdungskategorie 1 in der Roten Liste!, zweiter Fundort in der Region!), einem Birken-Stieleichen-Moorrandwald sowie mehreren oligotrophen bis meso- oder eutrophen Tümpeln und Weihern. Das Gebiet ist auch Brutgebiet des Wiesenpiepers (anthus pratensis, Gef. A.4/-).

Wiederum bedeutende Feuchtgebietskomplexe befinden sich im Gebiet östlich von Admont, nördlich und südlich des regulierten Ennsflusses, bis zum Gesäuseeingang, wo die Enns mit einem Mal wieder den Charakter eines wilden Gebirgsbaches annimmt.

Im ehemaligen Gemeindegebiet von Hall liegt unterhalb einer alten Flussterrasse die Grieshoflacke, deren Wasserfläche in der Zugzeit von Dutzenden seltenen Vogelarten aufgesucht wird. In den Röhrichtinseln brüten Entenarten sowie schon selten gewordene Rohrsängerarten.

Weitere kleine Wasserflächen und vor allem sehr großflächige Phragmition-Röhrichte befinden sich weiter östlich im ehemaligen Grabner-Durchstich. In diesem Gebiet finden Röhrichtvögel eine ausgezeichnete Brutmöglichkeit.

Westlich von Weng, vor der Lauferbauerbrücke, folgen weitere bedeutende Phragmition-Röhrichte mit wertvollen Wasserflächen.

Südlich der Enns liegt ein ausgedehnter Feuchtgebietskomplex in der Katastralgemeinde Krumau (mit Scheibl- und Narrenteich. Er enthält Phragmition-Röhrichte, Iris-Wiesen, Großseggenrieder, Kleinseggenrieder, Pfeifengraswiesen (Lebensraum des Kleinen Nachtpfauenauges), Grauerlen-Weiden-Eschen-Auwälder, Moorwaldreste und mehrere kleine und größere Stillgewässer, welche häufig von Wasservögeln aufgesucht werden.

Am Scheiblteich und am kleineren Narrenteich bildeten sich ausgedehnte kalkreich-eutrophe Verlandungsmoore mit hohen Horsten aus Carex elata und dichtem Phragmites-Typha-Röhricht. Auf die hohe Bedeutung dieser naturnahen Fischteiche, samt ihrer Verlandungszone, als Biotop für Brut- und Zugvögel sowie für sommerliche und winterliche Nahrungsgäste wurde bereits hingewiesen.

Im Gebiet des alten Ennsflussbettes beim Anwesen Kader befindet sich ein kalkreich-mesotrophes Verlandungsniedermoor mit freien Grundwasserspiegeln und reichlichem Gehölz-Jungwuchs. Auch dieser Bereich gehört zu den wertvollsten Vogelbrut- und Nahrungsbiotopen des Admonter Beckens.

Flussabwärts der Lauferbauernbrücke beginnt der zirka 1 700 m lange Bereich des Gesäuseeingangs mit den Flusskatarakten der Enns. Bemerkenswert sind hier die Grauerlen-Eschen-Auen, zum Teil auf einer Insel, sowie die großen Schotterbänke an den Gleithängen und ausgekolkte Steilufer an den Prallhängen.

Anrainergemeinden

Selzthal, Ardning und Admont mit den ehemaligen Gemeinden Hall und Weng im Gesäuse

Quellen

  • Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung über die Erklärung des Gebietes „Pürgschachen-Moos und ennsnahe Bereiche zwischen Selzthal und dem Gesäuseeingang“ zum Europaschutzgebiet Nr. 6. → Link
  • digitaler Atlas der Steiermark

Fußnoten

  1. Quelle www.verwaltung.steiermark.at