Naturhistorisches Museum Benediktinerstift Admont

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Vogelvitrine im Naturhistorischen Museum
Vitrinenraum mit verschiedenen Exponaten
Vogelsammlung
verschiedene Tierpräparate
Reptilien
Schmetterlingssammlung
Schauraum für Äpfel

Das Naturhistorisches Museum Benediktinerstift Admont ist der Ausstellungsbereich und älteste Präsentationszweig zum Thema Natur des Stiftsmuseum im Benediktinerstiftes Admont.

Geschichte

Erste eigene naturwissenschaftliche Werke wurden bereits von Abt Engelbert (12971327) gesammelt. Dann ergeben sich bis 1801 keine weiteren Sammelhinweise. Erst der naturwissenschaftlich begeisterte Abt Gotthard Kuglmayr (17881818) kaufte zwischen 1801 und 1807 eine forstbotanische Sammlung, die aus 90 Bänden bestand. 1802 erwarb das Stift eine große Mineralien-Sammlung in Wien.

1809 gründete dann Abt Gotthard Kuglmayr eine Sammlung von Naturraritäten im Stift Admont, das sogenannte Naturalien Cabinet, welches jedoch bei dem verheerenden Brand am 27. April 1865 vollkommen zerstört wurde. Kuglmayr war auch Kurator Joanneums in Graz.

In der Amtszeit von Abt Kuglmayr wird von Pater Johann Reinisch berichtet, der sich mit Mineralogie beschäftigte. Seine Sammlung wurde dann unter der Herrschaft der Franzosen 1805 teilweise beschädigt und ein Teil entwendet. Er ließ auch die meteorologischen Beobachtungen beginnen, die dann fortlaufend durchgeführt wurden. In seine Zeit fielen auch die Aufzeichnungen von Pater Constantin Keller in Gröbming (Phänologie der Pflanzen- und Tierwelt, insbesondere obstbauliche Untersuchungen). Von 1829 bis 1833 legte er eine eigenartige pomologische Sammung ihm selbst gezogenen Obstsorten (Kern- und Steinfrüchte) an (245 Sorten).

In der Amtszeit Benno Kreil als Administrator des Stifts (18231839) gab es mehrere Konventmitglieder, die sich naturwissenschaftlich betätigten: die beiden Botaniker Pater Ignaz Sommerauer († 1854) und Pater Moriz von Angelis († 1894) beschrieben neue Pflanzenarten, Pater Ulrich Speckmoser († 1845) sammelte ein Herbarium, das 10 000 Arten umfasste; dieses wurde aber beim Brand von 1865 vernichtet. Weitere Botaniker waren die Pater Hartnid Dorfmann († 1862), Gabriel Strobl senior († 1865), Theodor Gaßner († 1876) und Anton Hatzi († 1897) sowie Engelbert Prangner († 1853), der eine neue Gattung fossiler Saurier beschrieb und Thassilo Weymayr († 1874), der eine mineralogische Sammlung anlegte.

Unter Abt Karlmann Hieber (18621868) wurde Pater Gabriel Strobl nach dem verheerenden Brand vom 27. April 1865 mit der Neuerrichtung des Museums beauftragt. Pater Gabriel Strobl sammelte in seiner 44jährigen Tätigkeit eine riesige Sammlung aus dem Bereich der Fauna, Flora, Gesteinen und Mineralien. Von größter Bedeutung ist die von Gabriel Strobl errichtete etwa 252 000 Stück umfassende Insektensammlung, wobei die Fliegenpräparate mit rund 80 000 Exemplaren zu den wichtigsten in Europa zählt.

1866 hatte Hieber Strobl mit der Neuerrichtung des Museums beauftragt, was als Gründung des heute zu sehenden Naturhistorischen Museums im Benediktinerstift Admont anzusehen ist.

Mit P. Gabriel Strobl erreichte das Benediktinerstift Admont seine größte und bedeutsamste naturwissenschaftliche Wirkung und Ausstrahlung in seiner Geschichte.

Abt Zeno Müller (18691885) war ein begeisterter Mineraloge. Er hatte bereits die ersten meteorologischen Beobachtungen von 1845 bis 1849 durchgeführt. Administrator und Abt Guido Schenzl (18861890) war Direktor an der Königlich Ungarischen Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus gewesen. P. Altmann Ereissmuth († 1890) betätigte sich auf den Gebieten der theoretischen und praktischen Forstwissenschaften und schrieb Publikationen.

1906, unter Abt Kajetan Hoffmann, wurden die einstigen Schauräume des Naturhistorischen Museums für die Besucher geöffnet.

Nach der Erkrankung P. Gabriel Strobls wurde der damalige Kapitular P. Ludwig Perner mit der Instandhaltung des Museums betraut. Ab April 1918 übernahm diese Funktion der stiftische Forstdirektor P. Thassilo Reimann. Im Oktober 1922 wurde das Kustodiat dem Direktor des Stiftsgymnasiums Dr. P. Heinrich Schmaus übertragen

Oberlehrer Hans Kiefer begann dann am 1. Oktober 1925 mit der Aufstellung einer steiermärkischen Schmetterlingssammlung. Er wurde dann am 6. September 1926 von dem damaligen Kustos, Direktor Dr. P. Heinrich Schmaus offiziell als Konservator für das Naturhistorische Museum ernannt.

Der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich bedeutete einen weiteren Schicksalsschlag für das Stift. Zitat aus jenen Tagen (Krause 1972, List 1974): „Am 19. Juli 1938 kam das Stift unter die kommissarische Leitung der Gestapo, am 9. September erfolgte die Beschlagnahme des Stiftsbesitzes mit allem beweglichen und unbeweglichen Vermögen als „staats- und volksfeindlicher“ Besitz und am 18. November 1939 geschah die vollständige Enteignung der Abtei mit ihrem gesamten beweglichen und unbeweglichen Vermögen zugunsten des Deutschen Reiches beziehungsweise des Gaues Steiermark.

Kiefer hielt in seinen Aufzeichnungen fest, dass das Museum am 29. Juli 1938 von der Kommissarischen Leitung gesperrt wurde. Er selbst musste zwischen 14. und 20. Oktober 1938 im Auftrag der Kommissare der Steirischen Landesregierung rund 20 Kisten mit Museumsobjekten verpacken. Diese wurden am 22. Oktober ins Landesmuseum Joanneum nach Graz transportiert.

Es folgte eine zweite Beschlagnahmung von Museumsobjekten vom 7. bis 9. Juni 1940. Diese Objekte wurden ebenfalls nach Graz ins Joanneum gebracht. Allerdings waren es diesmal eineinhalb Eisenbahnwaggons.

Ein schwerer Sturm am 10. Juni 1942 zerstörte einen Teil des Blechdachs des Südtrakts, in dem sich das Museum befindet. Nochmals in den 1960er-Jahre sollte ein Sturm ähnliche Schäden anrichten.

Für die Errichtung eines Reservelazaretts des Spitals der Barmherzigen Brüder aus Graz nach Admont am 1. Mai 1945 mussten Arbeitszimmer und Südsaal des Museums geräumt werden. Doch bereits einen Monat später wurde das Lazarett wieder geräumt und das Museum kehrte zurück.

Dass 1948 alle entwendeten Objekte aus dem Joanneum ins Stift zurückkehrten verdankt das Museum dem Stiftsbibliothekar, Archivar und Kustos der stiftischen Kunstsammlungen, Univ.-Prof. DDr. P. Adalbert Krause, der sich dafür sehr eingesetzt hatte.

1958 erhielt Günter Morge unter Abt Koloman Holzinger vom damaligen Direktor des Stiftsgymnasiums, Hofrat Dr. P. Engelbert Lachowitz, dem zu dieser Zeit auch das Naturhistorische Museum unterstand, den Auftrag zur Vorbereitung der Rückführung aller noch ausgelagerten, seinerzeit widerrechtlich enteigneten, rein wissenschaftlichen Sammlungen von Graz nach Admont.

Am 20. November 1962 konnte dann der Rücktransport aus dem Joanneum in Graz ins Benediktinerstift Admont erfolgen. Am 22. November 1962 wurde Günter Morge dann mit der Wahrnehmung des Kustodiats für das Natur historische Museum des Stiftes Admont und seiner naturwissenschaftlichen Sammlungen beauftragt.

Im Zuge des mehrjährigen Um- und Neubaus in den Jahren 1998 bis 2002 des Stiftsmuseums wurden auch die Räumlichkeiten des Naturhistorischen Museum dem modernen Standard entsprechend angepasst. Die neu gestalteten Schauräume des Naturhistorische Museum befinden sich im zweiten Stock des Museumsgebäudes und wurden am 2. Mai 2004 für die Öffentlichkeit freigegeben.

Ereignisse

Diebstahl im naturhistorischen Museum des Stiftes Admont

Am Sonntag, den 24. Juli 1927 kam es zu einem dreisten Diebstahl im naturhistorischen Museum des Benediktinerstiftes Admont. Zwischen 11 und 12 Uhr verschwand während der Besuchszeit ein in einer Fensternische hängender Schaukasten mit exotischen Schmetterlingen. Der Schaukasten (Pappschachtel mit Holzrahmen und Glasdeckel, Größe 50 X 33 cm) enthielt folgende, schöne und wertvolle Tagfalter des afrikanischen und indo-australischen Faunengebietes:

-Drurya antimachus
-Ornithoptera urvilliana Guer.
-„ paradisea
-„ richmondia Gray
-„ hephaestos Feld.
-„ croesus Wall.

Insgesamt waren es zehn Exemplare von sechs Arten im Werte von ca. 250 Mk. Der Abgang des Glaskastens wurde von dem als Aufsichtsorgan bestellten Studenten bald bemerkt und zur Anzeige gebracht. Des Diebstahls verdächtigt wurde ein großer Herr, mittleren Alters mit englisch gestutztem Schnurrbart und Wetterkragen. Dieser hielt sich in besagter Fensternische auf, während das Aufsichtsorgan mit dem Erklären von Objekten beschäftigt war, verschwand dann plötzlich[1].

Bilder

Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle www.landesmuseum.at PDF