Michael Schmal

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Michael Schmal war von 1783 bis 1794 der erste Prediger in der Evangelischen Gemeinde Schladming.

Leben

Er kam aus Ungarn kommend am 29. November 1782 im Ennstal an. Zunächst durfte er nur predigen. Nach der Bestätigung des kaiserlichen Grazer Gubernium durfte er ab 22. Jänner 1783 auch die anderen Kulthandlungen vornehmen. 1791 heiratete er die Apollonia Holdin, Bauerntochter vom Druschgut zu Mauterndorf. Das erste von ihm getaufte Kind war die Maria Schneeberger vom vulgo Braunhofgütl in Rohrmoos. Den ersten evangelischen Gottesdienst hielt er im Gasthaus Weickl in Schladming.[1]

Aus seinem Leben

Am ersten Adventsonntag hielten wir unsere erste gottesdienstliche Versammlung in der großen Stube im Weicklischen Hause, bei dem ich auch mein Quartier, in dem sogenannten Kapuziner Stübl nahm, wo ich bis Michaeli 1783 - denn erst um diese Zeit wurde das Pfarrhaus fertig und bewohnbar blieb. Nach einigen Wochen brauchte der Weickl, Johann Schweiger seine Stube, in der wir ohnehin nicht Platz hatten und wir übersiedelten mit unserem Gottesdienste zum Wehrhofer auf die Tenne, allwo wir unsere Versammlung bis auf den Tag Petri und Pauli hielten. Gleich anfangs entstand die sehr schwer zu entscheidende Frage wo wir das Bethaus hinbauen sollen. Die Anträge waren sehr verschieden. Der hiesige Magistrat wollte, wir sollen auf der sogenannten Froschlacke bauen, einige von der Bauernschaft bei Wehrhofer,einige aber auf der Kohlgruben beim Fleischmann'schen Hause und das besagte Haus das man zu erkaufen gedachte, sollte die Pfarrliche Wohnung sein. Endlich verglich man sich nach vielen Debatten das gegenwärtige Haus dem Michl Simmerlehner abzukaufen und es sowohl zum Bethause als auch zum Pfarr- und Schulhause einzurichten. Dieser nicht gar glückliche jedoch kostsparige Gedanke war auch von allen genehmiget und gut geheissen und das Haus wurde für 900 fl Kaufschilling und 50 fl Leikauf von besagten M. Simmerlehner verhandelt. Es war äusserst elend und glich mehr einem Spital als einer Wohnung. Die eine Mauer gegen die Amtsverwaltung drohte dem Einsturz. Martin Gföller vlgo. Rochl und Franz Schupfer vlgo. Klock im Thal wollten durchaus die Kosten sparen und ließen daher die vielen Pfeiler die das Haus so sehr verstellten hinzuflicken. Die Rechnung bei dem Baue .zu führen trug man mir über, die ich auch mit Beiziehung der Vorsteher führte. Die allerersten Vorsteher, die man gleich 8 Tage nach meiner Ankunft gewählet und die die Kassa-, Bau- und andere Angelegenheiten der Gemeinde mit mir besorgt haben waren folgende: Johann Winterer vlgo. Stainacher, Martin Gföller vlgo, Rochl, Franz Schupfer vlgo. Klock, Peter Schrempf vlgo. Wehrhofer, Andreas Steiner vlgo. Aigner, Paul Steiner Mayer in Mandling, Paul Fritzlechner vlgo. Pointner und Franz Pachler vlgo.Rauner.

Nachdem man mit dem Baue des Bethauses so weit fertig wurde, daß wir darinnen zusammen kommen konnten, so war solches am Feste Petri und Pauli eingeweihet. Um diese Zeit ohngefähr wurde Andreas Waldhuber vom Thauern bei Trieben gebürtig, zum Schullehrer und Kantor gewählet, welcher sein Amt bis 22. April 1792 verwaltete. Er konnte aber den Schulunterricht erst nach Michaeli 1783 anfangen.

Bei meiner Ankunft bestand die Gemeinde nicht ganz aus 1 000 Seelen, aber mit der Zeit vermehrte sie sich auf 1 500. Als ich nach Schladming kam, pflegten sowohl Pichler als auch Ramsauer ihre Todten auf dem katholischen Freythofzu begraben. Es kam dahero auf mich auch die letzten zu bestatten, da Herr Hirschmann solche nicht begleiten durfte. Nach der Zeit rieth ich aber seiner Gemeinde bei dem Kreisamte um einen eigenen. Begräbnisort anzuhalten, welcher ihnen. auch ohne viele Schwierigkeiten zugestanden war.

Wie schon oben angemerkt wurde, begruben wie unsere Leichen ganz ruhig und ohne Anstand auf dem katholischen Friedhof. Da aber von denselben in die katholische Kirchenkasse für das Läuten und für die Grabstätten manche Gulden fielen, erhandelte die Gemeinde von Peter Schrempf vlgo. Werhofer den Platz zum gegenwärtigen evangel. Freythof, gegen Erlag von 6 fl. jährlich, wie hiervon der beim Bethause vorfindige Vertrag zeiget. Man war aber damit erst 1787 fertig und die ersten Todten die auf solchen ruhen waren Philip Rauner vlgo. Brandstätter und Christoph Pichler verheurateter Inwohner die als Erstlinge auf einmal bestattet wurden.

Im Jahre 1792 den 22. April starb der erste Schullehrer der Gemeinde, Andreas Waldhuber an der Auszehrung. Seine Schulfähigkeiten waren äußerst mäßig und nur aus Noth ward er von mir zum Schul- und Kantor-Amte der Gemeinde vorgeschlagen. An seine Stattward der Ramsauer Schullehrer Johann Findenik auf mein, ich gestehe es, zudringliches Anraten nach Schladming beruffen, der aber unseren Erwartungen bei weitem nicht entsprach. Nach ihm hatte man den jetzigen Schullehrer namens Matthias Rastl berufen, der viele gute Anlagen zu haben scheint.

Meine Abschiedspredigt bei welcher das Bethaus voll gepfropft war hielt ich den 7. Sonntag nach Trinidatis, das ist der 3. August 1794. Gott wolle meine unvollkommene Arbeit an dieser Gemeinde, bei der ich unter vielen Verfolgungen, Bedrückungen, Seufzen und Neide, 11 Jahre und 8 Monate, seine·Wahrheit verkündigte, gnädiglich ansehen, aus uns samt und sonders bessere Menschen machen, die nicht ganz unwürdig wären in jene bessere Verfassung zu gelangen, die er nach der jetzigen Auflösung uns vorbereitet hat. Geschrieben und geendigt Schladming den 10. August 1794 von Michl Schmal ersten evang. Prediger allhier."

Quelle

Einzelnachweis

  1. Quelle Franz Hutter, Seite 331