Bergbau und Hüttenwesen im Bezirk Liezen

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Der Artikel Bergbau und Hüttenwesen im Bezirk Liezen befasst sich mit der montangeschichtlichen Chronik im Bezirk Liezen.

Geschichte

Noch heute zeugt das Mundloch des Römerstollens in Sankt Lorenzen in der Stadt Trieben von römerzeitlichen Bergbau. Auch der Kalcher in Einöd in Rottenmann dürfte aus dieser Zeit stammen. Über Bergbau und Hüttenwesen während der Völkerwanderungszeit ist nichts bekannt. Erst mit der Gründung der Benediktiner-Abtei St. Blasius in Admont im Jahr 1074 beginnen Aufzeichnungen.

siehe Hauptartikel Chronologische Übersicht über den Bergbau und das Hüttenwesen im Bezirk Liezen

Der im 11. Jahrhundert aufgenommene Sideritbergbau am Blahberg bei Admont gehört zu den ältesten urkundlich erwähnten Bergbauen in den Ostalpen. Kohlenbergbau in der Steiermark ist bereits in den Jahren 1606 und 1607 nachgewiesen[1]. Allerdings stieß der Abbau von Kohlegestein anfangs auf Widerstand der Grundherrschaften. Sie fürchteten, dass ihnen die Gründe als Kammergut entzogen würden. Steinkohle, wie man damals alle mineralische Kohle im Gegensatz zur Holzkohle nannte, war zwar ein wertvolles Gut, aber die mangelhafte Eignung der technischen Einrichtungen jener Frühzeit für die Kohlenheizung waren für eine effiziente Nutzung noch nicht geeignet. So scheiterten die Versuche in der Gegend von Donawitz, Leoben und Kapfenberg zur Ausbeutung der dort gelegenen Braunkohlenlager von Jonas Cramworff aus Guttaring in Kärnten.

Zur Zeit der Hochblüte des Merkantilismus[2] in der Zeit Kaiser Karls VI. (* 1711, † 1740) wurden etliche Versuche zur Auswertung der heimischen Braunkohle unternommen. Die Bergwerke und die heimischen Eisenhämmer litten an Mangel an Holzkohle und brauchten neuen Brennstoff. So erinnerte man sich an die ja bereits bekannten Lager von mineralischer Kohle und Fürst Schwarzenberg begann 1718 die Lager von Fohnsdorf auszuwerten. Ihm gehörten große Eisenwerke in Murau und Turrach[3].

Hans Josef Stampfer, Besitzer des Kupfer- und Edelmetallbergbaues in der Walchen in Öblarn, ließ um dieselbe Zeit in Fohnsdorf nach Kohle graben[4]. Doch die Transportkosten der Kohle von Fohnsdorf nach Öblarn waren so hoch, dass dieser Betrieb wieder eingestellt wurde. 1726 versuchte die innerösterreichische Hofkammer, Steinkohle zur Feuerung der Hochöfen und Hämmer in Vordernberg und Eisenerz zu verwenden. Aber alle Versuche brachten kein befriedigendes Ergebnis. Allerdings von Dauer war der im selben Jahre eröffnete Kohlenbergbau am Münzenberg bei Leoben[5]. Wenige Jahre später wurden die die Kohlenlager um Köflach von Abbé Poda erschlossen.

Bergbau im Ennstal

Der Mangel an Holzkohle machte sich nun auch im Ennstal immer bemerkbarer. Vor allem deshalb, weil die größten und besten Waldungen für den Erzberg genutzt wurden, was kleinere Bergbaue und Eisenwerke in problematische Lage brachte. Im oberen Ennstal nahm indessen die Walchen unter Hans Josef Stampfer einen großen Aufschwung. Der Aufstand Rakoczys gegen die Habsburger 1704[6] unterband die Einfuhr von Vitriol[7] aus Ungarn. Dies führte zu einem starken Ansteigen des Vitriolpreises, der Spanische Erbfolgekrieg wieder hatte große Nachfrage nach Kupfer zur Folge. Diese Umstände führten dazu, dass die Kupfer- und Vitriolerzeugung in der Walchen einen bis dahin noch nicht gekannten Höhepunkt erreichte. Damit hing aber auch ein steigender Bedarf an Holz und Kohle zusammen und so wurde die Beschaffung von Kohle eine Existenzfrage für das Werk von Stampfer[8]. Das erkannte Amadeus Stampfer Graf zu Walchenberg und begann daher, da die Grabungen in Fohnsdorf nicht den gewünschten Erfolg hatten, im Jahre 1720 mit dem Abbau von Braunkohle bei der Sägemühle in St. Martin am Grimming. Aber dieser Versuch wurde bald wieder eingestellt, als sich zeigte, dass die Lager nicht abbauwürdig waren.

Die Suche nach neuen Kohlelagern ging aber weiter, da der Mangel an Brennstoff stetig zunahm. Gegen Ende des 18. Jahrhundert musste auch das Halloberamt Aussee nach neuen Brennstoffequellen suchen. Es eröffnete um das Jahr 1798 bei Tipschern, Gemeinde St. Martin am Grimming, also in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der schon Stampfer hatte graben lassen, einen Kohlenbergbau. Doch im Gegensatz zu Stampfer blieb das Halloberamt hier erfolglos und stellte schon nach kurzer Zeit den Betrieb mangels Erfolg wieder ein[9].

Das 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts lebte in Öblarn der Waldmeister des Stiftes Admont, Josef Anton Grahofer. Er war ein sehr unternehmungslustiger Mann, der den Bergbau mit Leidenschaft betrieb. Er erwarb zahllose Schurfrechte, die von den Bauern der Umgebung ausgenützt wurden, aber erfolglos blieben. Als Grahofer 1807 vom ehemaligen Kohlenbergbau in Tipschern erfuhr, wandte er sich an den Schladminger Gewerken Ferdinand Thomoser und bat diesen um Unterstützung. Den beiden gelang es tatsächlich nach mühsamer Suchen bei Tipschern, nahe der Poststraße, der heutigen Ennstal Straße B 320, mächtige Kohlenausbisse aufzuspüren. Grahofer nahm dann mangels einer finanziellen Beteiligung von Thomoser den Betrieb alleine auf. Das Flötz erhielt den Namen „St. Maria von der guten Hoffnung", ein Stollen von 224 Lachter, das sind 432 Meter, wurde vorgetrieben und man fand tatsächlich Glanzkohle der besten Sorte. 40 Kreuzer für den Pfundzentner[10] kostete die Kohle ab Tipschern. Das stellte eine deutliche Verbilligung gegenüber der Holzkohle dar.

Beim Abbau handelte es sich um einen recht einfachen Betrieb, der noch ohne Maschinen auskommen musste. Die Brauchbarkeit der Kohle war recht gut, wie Versuche beim Eisenhammer in Pruggern ergaben. Sie war Geruchlos und der im Zerrennfeuer[11] erzeugte Stahl unterschied sich in nichts von den mit Holzkohlenfeuerung hergestellten Sorten. Auch die im Streckfeuer[12] erzeugten Waren waren „wider alles Erwarten gut". Trotz dieser guten Ergebnisse konnte aber kein geregelter Absatz erzielt werden. Gründe dafür sah Grahofer in „tief eingewurzelten, noch nicht besiegten Vorurteilen", zu denen sich „altgewohnter Schlendrian" gesellte. Grahofer mag vielleicht etwas übertrieben haben mit seiner Aussage, doch hatte er durchaus die Situation richtig erkannt. Denn er sah die Sache völlig korrekt, wenn er darüber klagte, dass die Gewerken „zu wenig Wissbegierde" zeigten und dass die Vorzüge der Steinkohle „zu wenig bekannt" waren. Die Geschichte des Niederganges des steiermärkischen Eisenwesens zu Beginn des 20. Jahrhunderts war wohl auch darauf zurückzuführen, dass die Gewerken viel zu behäbig an altväterlicher Sitte festhielten und nicht wahrhaben wollten, dass eine neue Zeit im Kommen war, die rücksichtslos das Alte überrannte.

Einige Jahre vor der Eröffnung des Kohlenbergbaues durch das Halloberamt hatte der Pfarrvikar von St. Martin am Grimming, Pater Augustin Zapf[13] einen Bergbau auf Zinnobererz am Grimming oberhalb von Diemlern begonnen[14]. Es handelte sich um einen Stollen von knapp 60 Meter Tiefe. Dann stellte der Pfarrer den Betrieb wieder ein. Gründe dafür mögen gewesen sein, dass seine Erwartungen nicht erfüllt wurden. 1803 forderte der Grundherr des Schürfplatzes, Graf Franz von Saurau, Grahofer auf, die Suche nach dem Zinnober wieder aufzunehmen. Der Waldmeister, der nach wie vor sehr unternehmungslustig war, begann mit Hilfe eines Bergmannes aus Öblarn und eines Bauern aus Espang die Suche und es gelang ihnen tatsächlich, die schon ganz verfallene Grube wieder aufzufinden. Grahofer ließ den Stollen wieder öffnen, grub ein ganzes Jahr, konnte aber kein Zinnober mehr finden. Mit einem Verlust von 130 ½ Gulden musste Grahofer das Unternehmen wieder einstellen. Es wurde neun Jahre später nochmals ein Versuch gemacht, der allerdings ebenso erfolglos eingestellt wurde.

Am Fuß der Eichleiten bei Öblarn tritt die Enns heute ganz nahe an den Mitterberg heran. Oberhalb liegt das Schloss Gstatt. Knapp über dem Normalwasserspiegel befindet sich eine Höhle in den Felsen. Vor der Ennsregulierung war der Eingang noch leicht zugänglich und lockte viele Neugierig an. Sie ging als „Einsiedlerhöhle" durch Paula Groggers besinnliche Legende „Das Kind der Saligen“ in die Literatur ein. Diese Höhle ist ein Stollenmund.

Bis in die Zeit Kaiser Josefs II. (* 1741, † 1790) musste Alaun[15] in die obere Steiermark zu ziemlich hohen Preisen eingeführt werden. Benötigt wurde es von Färber, Gerber, Kürschner, Riemer, Sattler, Papiermacher, Buchbinder und Apotheke. Dieser Umstand war für den Berg- und Hüttenverweser des gräflich Stampferschen Bergbaues in der Walchen bei Öblarn, Johann Fächer, der Grund, dass er in der Umgebung seines Wohnortes nach Alaun zu suchen begann. Dabei stieß er 1779 auf die im vorigen Absatz erwähnte Stelle des Mitterberges, wo er zarte weiße und grauweiße Kristalle von Federalaun fand[16]. Er ließ einen etwa 25 Meter tiefen Gang graben, an dessen Ende er auf Alaun stieß. Ein Jahr später wurde er als Oberverweser nach Obervellach in Kärnten versetzt. Sein Nachfolger setzte allerdings den Abbau nicht mehr fort und so verfiel der Stollen wieder. Heute erinnert eben nur die oben erwähnte Höhle an dieses kurze, aber viel versprechende Unternehmen.

Der bereits in diesem Artikel erwähnte Gewerke Thomoser aus Schladming machte sich in den Jahren 1805 und 1806 im Schnabelkar im Obertal bei Schladming auf die Suche nach Kobalt. Doch der geringe Gehalt der Lager an Kobalt sowie Mangel an Kapital ließen Thomoser recht bald wieder sein Vorhaben aufzugeben. Auch Grahofer unternahm eine ebenfalls erfolglose Such nach Kobalt am Hofmanninger Berg bei Gröbming. Zwar fand Grahofer ein Gestein, das in seiner Farbe dem Kobalt ähnelte, aber Proben, die an das Oberbergamt in Vordernberg und an eine private Adresse in Nürnberg, Bayern, geschickt wurden, ergaben, dass der vermeintliche Kobalt ein gewöhnlicher schwarzer Schiefer war.

Doch alle Misserfolge ließen Grahofer nicht aufgeben. In Sankt Nikolai in der Sölk suchte er nach Kupfer, bei der Breitlahngangalpe im Kleinsölktal und im Schwöllerergraben bei Niederöblarn Silber[17] sowie auf der Gumpenalm und auf der Matillenalm im Walchental nach angeblich verschollenen Bergbauen. Aber alle diese Bemühungen blieben erfolglos. Die Gründe waren vielfältig: teils waren die Lager zu wenig hältig, teils lagen sie zu ungünstig und es kam die Produktion zu teuer;

Der teilweise erfolglos gebliebene Unternehmergeist der damaligen Zeit war doch bezeichnend für eine Epoche, in der der Übergang von der gewerblichen zur industriellen Unternehmungsform vor sich ging. Sie waren auf der Suche nach jenen Materialien, die gerade nötig waren. Dazu waren nur wenige Arbeitskräfte notwendig und (noch) keine Maschinen. Dass noch keine Großunternehmen auf kapitalistischer Basis entstehen konnten, hatte mehrere Gründe: Neben fehlendem Betriebskapital waren die Hältigkeit bzw. Größe der Lager zu gering, die Absatzmärkte fehlten weitgehend, zumindest zu vernünftigen Transportkosten und es mangelte an billiger und einfacher Transportmöglichkeit.

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Literatur

Quellen

  • Tremel, Ferdinand: Verschollene Bergbaue im Ennstale, erschienen in: Blätter für Heimatkunde, herausgegeben vom Historischen Verein für Steiermark, 24. Jahrgang, Graz 1950, S. 4 – 8, gefunden in www.sagen.at/doku/bergbau/Bergbau_Ennstal.html
  • Preßlinger, H. & Köstler, H. J. (2002): Zur Geschichte des Eisenerzbergbaus am Blahberg bei Admont in Res montanarum. Leoben, 21-26

Fußnoten

  1. Popelka, Fritz: Die Entdeckung der steirischen Kohlenlager, „Grazer Volksblatt“, 16. November 1920
  2. siehe Wikipedia Merkantilismus
  3. Pirchegger, Hans: Geschichte der Steiermark mit besonderer Rücksicht auf das Kulturleben, Graz 1949, S. 210
  4. K. A. Redlich Die Walchen bei Öblarn (Bergbaue Steiermarks, II.), Leoben 1903, S. 11
  5. A. Buchmüller, Mitteilungen aus der Chronik von Donawitz. Donawitz 1914, S. 30 f
  6. siehe Wikipedia Franz II. Rákóczi
  7. siehe Wikipedia Vitriol
  8. Tremel, F.: Öblarn, Geschichte eines steirischen Dorfes (Ms.)
  9. Archiv Sölk im Steiermärkischen Landesarchiv Graz, Sch. 41, H. 256
  10. siehe Wikipedia Zentner
  11. siehe www.zeno.org Zerrenfeuer
  12. siehe www.zeno.org Streckhammer
  13. Gest. 1830 als Jubelprofess und Senior des Stiftes Admont. — Vgl. J. Wichner Geschichte des Benediktinerstiftes Admont, 4. Bd., Admont 1880. S. 445
  14. Archiv Sölk. a. a. O. Sch. 41. H. 256
  15. siehe Wikipedia Alaune
  16. Archiv Sölk, a. a. O., Sch. 41, H. 257
  17. Wimbersky, H.: Eine obersteirische Bauerngemeinde in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung 1498 bis 1899, I. (einziger) Bd., Graz 1907. S. 128 f


Ein Beitrag im Rahmen des Leader-Projekts "Heimatkunde - heimatkundig"
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