Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung Schladming

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Die erste Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung Schladming fand am 11. und 12. Oktober 1893 in Schladming statt.

Allgemeines

Veranstalter war die Filiale Schladming der Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft, deren Vorstand der damalige evangelische Pfarrer und spätere Superintendent Karl Robert Lichtenstettiner war. Die im Jahre 1819 von Erzherzog Johann gegründete „Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft“ stellte sich zur Aufgabe, die steirische Landwirtschaft auf jede geeignete Weise zu fördern und die Bauern zur Selbsthilfe anzuspornen, wenn die Hilfe des Staates ausblieb oder nicht ausreichte. Die zahlreichen Filialen der Landwirtschaftsgesellschaft in allen Teilen des Landes wirkten aufklärend und beratend und im Landesmuseum Joanneum in Graz wurde eine Sammlung von Modellen verschiedener neuer Ackergeräte eingerichtet, um der interessierten Bevölkerung Anschauungsmaterial zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung zur Verfügung zu stellen.

Die Aufgeschlossenheit der Bevölkerung von Schladming und Umgebung ermöglichte im Sinne der Zielsetzungen der Landwirtschaftsgesellschaft die Gründung einer Filiale und wie bereits oben erwähnt die Veranstaltung einer Regionalausstellung. Dass dieses Unternehmen ein voller Erfolg wurde, geht aus einem umfangreichen Zeitungsbericht der Steirischen Alpenpost (Bad Aussee 22. und 23. Oktober 1893) hervor:

Die Ausstellung bot in vollstem Maße ein ganzes und erfreuliches Bild des landwirtschaftlichen, hausindustriellen und gewerblichen Wirkens und Schaffens der Bewohnerschaft. Das rührige Ausstellungscomité, an der Spitze der Vorstand der landwirtschaftlichen Filiale Schladming, Herr Pfarrer Lichtenstettiner, hatte zur Gänze für ein gutes Gelingen räumlich Vorsorge getroffen, und auch der Himmel hatte alle seine Nebel auswärts geschickt, so dass er herrlich über den Ausstellungsräumen, Häusern und Menschen blaute und die Felsenzacken der nördlichen Kalkkette in einer Reinheit erstrahlen ließ, wie es nur der reizendste Herbsttag tun kann.

„Am Vorabende der Ausstellungseröffnung hatten sich der Präsident der steierm. Landwirtschaftsgesellschaft Excellenz Freiherr von Washington, der k.k. Bezirkshauptmann Dr. Hussak, Landestierarzt Dr. Schindler und am Vormittag des ersten Ausstellungstages Landesausschuss Graf Eduard Attems eingefunden.

In der Eröffnungsrede um 10 Uhr vormittags erinnerte Präsident Excellenz Washington an die große Bedeutung die der Ackerbau in der Entwicklung der Menschheit als der Begründer der festen Wohnsitze und damit der Gemeinde und des Staates hat und schloss unter den Klängen der Volkshymne mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Zugleich ersuchte er die Preisrichter objektiv ihres Amtes zu walten.

Nach der feierlichen Eröffnung der Veranstaltung, die im Stile einer regionalen Landwirtschaftsmesse abgehalten wurde, gab es in den folgenden zwei Ausstellungstagen regen Publikumsbesuch und zur guten Stimmung trug auch das Spiel der Schladminger Bürgermusikkapelle bei, die schon am Eröffnungstage drei Stunden lang im Ausstellungsgelände konzertierte. Kapellmeister Franz Tutter komponierte für diesen Anlass den „Schladminger Ausstellungsmarsch", der mit viel Beifall uraufgeführt wurde.

Man kann sich über die Vielfalt der Regionalausstellung ein gutes Bild machen, wenn man aus dem Zeitungsbericht entnimmt, was alles zur Schau gestellt wurde: Stiere, Kühe, Jungvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Geflügel, Hunde, Bienen, landwirtschaftliche Produkte, Molkereiprodukte, Gemüse, Bodenprodukte, Flachs, Forstprodukte, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Hausindustrie, gegorene Getränke. Im Pressebericht heißt es dann weiter: „Ein überaus fesches Zeugl hat Franz Schnitzer, Sattler in Schladming, einen schönen Zirbenholzkasten Tischlermeister Hofer in Schladming, ein reiches Sortiment Lederware Lederermeister Franz Loidl in Schladming geliefert. Köstliche, konservierte Früchte der Frau Pfarrer Doris Lichtenstettiner lockten die Blicke Aller an sich, daneben duftete eine Gruppe schön arrangierter Blumen der Frau Bezirksrichter Söls. Herr Keller kredenzte Ausstellungsbier. Aus der Abteilung „Schule" bekamen das Diplom ehrenvoller Anerkennung die Lehrer Josef Reiterer in Schladming, Michael Meindlhuber in Untertal, Rudolf Schmid in Pichl, Arbeitslehrerin Hedwig David in Pichl und die katholische Privat-Mädchen-Volks-Schule in Schladming. Weiters wurden an fleißige Schüler 102 Sparmarken zu 50 und 25 Kreuzer verteilt.

Nach einer Bewertung der zur Schau gestellten Tiere, Lebensmittel und Gegenstände durch ein Preisrichterkollegium fand am 12. Oktober der Abschluss der Regionalausstellung statt, die von Mitgliedern der Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft aus dem gesamten oberen Ennstal beschickt worden war.

Wir entnehmen der „Steirischen Alpenpost" den folgenden Abschlussbericht: „Präsident Excellenz von Washington dankte zunächst dem Vertreter der Regierung, k. k. Bezirkshauptmann Herrn Dr. Hussak und dem Abgesandten des Landesausschusses, Grafen Eduard Attems für das fürsorgliche Interesse, das beide Herren der Ausstellung während der zwei Tage bekundeten, gedachte der tatkräftigen Unterstützung des k. k. Ackerbauministeriums und des hohen Landes-Ausschusses, dann der Bezirksvertretung und der Gemeindevertretung und richtete besondere Worte des Dankes an den Vorstand der landwirtschaftlichen Filiale, Herrn Pfarrer Lichtenstettiner, für die mühevolle Lösung der Ausstellungsarbeiten.

Den Ausstellern legte er ans Herz, mit den Fortschritten der Zeit auf landwirtschaftlichem, technischem und kulturellem Gebiete vollauf Rechnung zutragen. Jetzt, wo Dampfschiffe in viel größerem Maße das Meer durchfurchen und Produkte aus fernen Ländern zu uns bringen, wo Eisenbahnen die Länder erschließen und verbinden, sei der Lebenserwerb ein anderer geworden und die Bevölkerung möge das Hauptgewicht auf jenes Gebiet legen, wozu unsere Gegend prädestiniert sei, auf die Viehzucht. Mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät dem Kaiser schloss er.

Hierauf ergriff Landesausschuss Graf E. Attems das Wort, dankte dem Herrn Präsidenten für das uneigennützige Wirken im Interesse der Hebung der Landwirtschaft und drückte bezüglich der Aussteller den Wunsch aus, dass diese die erhaltenen Preise nicht bloß als eine Belohnung für das Getane betrachten sollen, sondern dass sie auch ein Antrieb für die Zukunft sein möchten. Dann empfahl er ihnen, besonders in der Viehhaltung auf eine reine Rasse zu sehen.

Zum Schlusse dankte Herr Pfarrer Lichtenstettiner dem Herrn Präsidenten für seine Bemühungen und für sein menschenfreundliches Wirken, das bei jedermann im freundlichsten Andenken bleiben werde. Auch den Ausstellern entbot er seinen Dank, dass sie zum Gelingen des Werkes beitrugen.

Damit ging in Schladming eine Großveranstaltung zu Ende, deren Wert und Bedeutung auch heute noch, nach über hundert Jahren gewürdigt werden muss, weil man daraus erkennt, dass schon damals die Schladminger einen in die Zukunft weisenden Weg eingeschlagen haben, in dessen Weiterentwicklung sie im Laufe der Zeit viele wirtschaftliche Erfolge erzielen konnten.

Quelle