Kohlgrube

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historische Aufnahme
die Knappenhäuser bei der Kohlgrube, historische Aufnahme
die Knappenhäuser bei der Kohlgrube, historische Aufnahme
die Knappenhäuser bei der Kohlgrube, historische Aufnahme

Kohlgrube ist ein Stadtteil von Schladming.

Lage

Der Ortsteil liegt westlich des Stadttors und wird "Vorstadt" genannt.

Geschichte

In der "Kohlgrube" (an der Ramsauer Straße) befanden sich die Wohnhäuser der Bergknappen, von denen aber durch viele Umbauten nur mehr das Haus Nr. 133 ursprünglich ist. In der "Kohlgrube" waren auch die Schmelzplätze und Kohlenmeiler der Bergbaue in den Schladminger Tauern.

In den 1860er Jahren begann in der Kohlgrube eine Frau in einer kleinen Stube sich der Schwerstkranken und vor allem infektiös Kranker anzunehmen und sie hier zu pflegen. Später gab es ein besonderes Zimmer im alten Feuerwehrdepot am Talbach, wohin auch Schladminger mit schweren Infektionskrankheiten gebracht wurden.

Knappensteig oder Kohlgrube?

Die Absicht, auf Grund historischer Voraussetzungen eines Ortes zu versuchen, geschichtliche Gegebenheiten besonders attraktiv zu formulieren, schlägt oft ins Gegenteil. Auch in Schladming gibt es einige Beispiele missverstandener Hinweise.auf historische Stadtgebiete die vor allem den Gast nachdenklich stimmen, wenn er als Kenner anderer historischer Stadtanlagen im In- und Ausland mit mancher Ortsangabe in Schladming konfrontiert wird. Da wird man zum Beispiel am Stadttor durch einen Hinweis eingeladen, die „historische Vorstadt" westlich des Stadttores zu besuchen.

Man würde dem interessierten Gast einen besseren Dienst erweisen, wenn er erfahren könnte, welche wirtschaftliche Bedeutung diese historische Vorstadt einst hatte. Auch die einheimische Bevölkerung weiß kaum Bescheid von den Standorten der Hammerschmieden, Schmelzhütten, Scheidstuben, Kohlenbarren, Probiergaden und vom alten Laboratorium in der Vorstadt. So aber lässt sich der Begriff „historische Vorstadt" für den Gast heute in Anbetracht des nahezu völligen Verlustes älterer Bausubstanz wohl kaum realisieren.

Etwas seltsam erscheint es auch, wenn sich sowohl der geschichtsbewusste Einheimische als auch der Gast, ausgehend vom „Knappenbrunnen" neben der Baufirma Bliem in der Ramsauer Straße am Beginn eines „Knappensteiges" befindet. Wo ist hier ein Steig? fragt man sich unwillkürlich angesichts der verkehrsreichen Straße, die entlang verschiedener Wohn- und Geschäftshäuser und vorbei an der Minigolfanlage in das Zentrum der Stadt führt. Mit dem Wort „Steig" bezeichnet man doch allgemein einen schmalen, meist steilen Gebirgspfad. Solche oft nicht ungefährlichen Wege führten einst zu den in Höhenlagen ab etwa 1 700 Meter gelegenen Stollen im Schladminger Bergbaugebiet und diese Bezeichnung wäre wohl zutreffender für die Zugänge zu den heute als Schaustollen erschlossenen alten Bergwerkbereichen.

Die Bergknappen von einst wären sicher froh gewesen, hätten sie als Weg zu ihren Arbeitsstätten in den Schladminger Tauern einen „Knappensteig" in der Art der Ramsauer Straße vorgefunden.

In diesem Zusammenhang erinnert man sich auch des alten Sprichwortes „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt". Vielen älteren Schladmingern ist noch der Flurname „Kohlgrube" zwischen der Ramsauer Straße und Dachsteingasse bekannt. Warum soll man diesen Namen, der auch aus historischer Sicht viel besser erklärbar ist. Als der „Knappensteig" inmitten Schladmings vergessen?

„Kohlgrube" war die einstige Bezeichnung jenes Gebietes nordwestlich des Stadttores in welchem nicht nur die Schmelzöfen und Kohlenmeiler, sondern vor allem entlang der Ramsauer Straße zwölf Knappenwohnhäuser ihren Standort hatten. Sie zählten zu den Urbarnummern der Montanärarischen Gült Schladming und werden heute den Hausnummern Ramsauer Straße 128 bis 138 zugeordnet. Die Häuser wurden in den Jahren 1729 bis 1784 von Bergknappen und Köhlern errichtet und dienten oft mehreren Generationen des gleichen Berufsstandes als Wohnstätten. Noch bis zum Ersten bzw. Zweiten Weltkrieges blieben einige dieser Knappenhäuser erhalten, doch war durch die primitive Innengestaltung der Häuser an eine weitere Bewohnbarkeit nicht mehr zu denken. Immerhin wäre es vom denkmalpflegerischen Standpunkt begrüßenswert gewesen, hätte man das eine oder andere Objekt dieser historischen Werkssiedlung in der ursprünglichen Bausubstanz erhalten können, um der Nachwelt einen Eindruck von der anspruchslosen Lebensweise der Schladminger Bergknappen zu gewähren. Es wurde vorhin schon erwähnt, dass auch Köhler in der „Kohlgrube“ ihre Wohn- und Arbeitsstätten hatten. Durch schriftliche Aufzeichnungen, die im Steiermärkischen Landesarchiv verwahrt sind, ist es auch bekannt, dass mehrere Schmelzöfen in der „KohIgrube" ihren Standort hatten. Durch einen Zufall fand man 1998 bei Gartenarbeiten am Grund des Hauses Dachsteingasse 142 zahlreiche Schlackenreste, die durch Fachexperten des Landesmuseums Joanneum in Graz untersucht wurden.

Siehe auch

Quellen