Julius Perlis

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Dr. Julius Perlis (* 19. Jänner 1880 in Bialystok, Polen; † 11. September 1913 in den Ennstaler Alpen) war ein in Wien lebender Advokaturskandidat und Alpinist.

Leben

Zitat aus Quelle:

Auf dem Hochtor-Ostgrat erfroren.
"Am 10. September verließ der Wiener Advokaturskandidat Dr. Julius Perlis um 8 Uhr 30 vormittags bei nebligem Wetter die Heßhütte. Über sein Vorhaben hatte er sich nicht bestimmt geäußert. Um 6 Uhr 30 abends wurden vom Hochtor her Hilferufe vernommen. Daraufhin gingen zwei anwesende Touristen mit dem jungen Hüttenknecht den Rufen nach, stellten bei dem einstweilen eingetretenen Schneesturme fest, daß der Hilferufende sich auf dem "Roßschweif" (Hochtor-Ostgrat) befinde, waren aber infolge Nachteinbruches und Unwetters außerstande, bis zu Perlis vorzudringen. Infolgedessen gaben sie diesem den Rat, auf seinem Grate auszuharren, da sie ihm am nächsten Tage Hilfe bringen wollten. Am 11. früh waren von Perlis keine Rufe mehr zu hören. Auf das hin durchsuchten der Hüttenwirt und sein Knecht die beiden Kare längs der Wände des "Roßschweifes", ohne eine Spur zu finden. Jetzt erst wurde von Johnsbach Hilfe gefordrt und der Vorfall der Rettungsstelle Admont gemeldet. Diese sandte in der richtigen Überlegung, daß bereits viel Zeit verstrichen war, ohne daß Klarheit geschaffen wurde, noch am 11. September drei Mann auf die Heßhütte. Dort trafen in der Früh des 12. auch drei Mann der Rettungsstelle Graz ein.

Schon bei Morgengrauen hatten sich die aus Johnsbach Gekommenen und der Knecht Lechners auf die Suche begeben. Der Leichnam Perlis, der unterhalb aller größeren Schwierigkeiten auf dem Grate selbst angetroffen wurde, wies nur kleinere Hautabschürfungen auf, hatte aber sonst keinerlei Verletzungen. Der Verunglückte war offenkundig - in seiner leichten Kleidung ungeschützt auf dem Grate selbst sitzend - eingeschlafen und erfroren. Die Leiche wurde nach Johnsbach gebracht. Da der Verunglückte gerade über einem mannshohen, schwereren Absatze an gar nicht günstiger Stelle saß und sich auf dem Gipfel keine Eintragung befand ist wohl der Schluß gerechtfertigt, daß er bis zur ersten Plattenstelle aufstieg, diese nicht bewältigte, und dann umkehrend den Abstieg über den erwähnten Absatz nicht wagte.

Der Verunglückte wäre in der ersten Nacht trotz Schneesturmes für zwei erprobte Bergkameraden (allerdings mit sehr harter und langwieriger Arbeit) erreichbar gewesen. Es darf mit Recht angenommen werden, daß mit den vorhandenen Kräften ein solcher Versuch gescheitert wäre. Auch ein hervorragender Bergsteiger hätte mit einem zweiten, unbekannten oder weniger guten kaum die Aufgabe gelöst. Freilich hätte sollen unter diesen Umständen schon in der Nacht Hilfe geholt und am nächsten Morgn unbedingt der Grat selbst angegangen werden! Diese Unterlassung ist ein Fehler, der nur gerade in dem vorliegenden Falle praktisch nur einen Verzug von einem Tage in der Leichenbergung zur Folge hatte. Der als Entschuldigung angeführte Grund, daß es an diesem Tage zu stark stürmte, ist mit Rücksicht auf den Fundort der Leiche nicht stichhaltig.

Quelle

  • Eintrag Jun-01-13 Karpova und dortige Quellenangabe: 'Mitteilungen des Deutsch-Österreichischen Alpenvereines', Nr. 18, Seite 263; wiedergegeben 1913 'Wiener Schachzeitung' Seite 229